Entspannung in Jamaika

Während Beat übers Meer schaukelt verbringen wir drei Wochen in Jamaika. Wir erleben eine ganz neue Kultur, essen unglaublich lecker und geniessen die schönen Strände.

Als wir mit dem Flugzeug in Kingston ankommen bemerken wir gleich, dass wir schlecht vorbereitet sind. Wir kennen den Wert der Währung nicht und am Flughafen hat es kein Internet. Schlechte Voraussetzungen, um den Taxipreis zur Unterkunft zu verhandeln. Wir heben Jamaican Dollars ab und gehen mit einem mehr oder weniger seriös aussehenden Fahrer mit. Dieser bringt uns zum Glück sicher ans Ziel und hat uns, wie sich später herausstellt, nicht einmal abgezockt. Ein guter Start.

Erste Eindrücke in Kingston

Kingston ist nicht nur die Hauptstadt, sondern auch die grösste Stadt in Jamaika. Architektonisch überzeugt sie nicht wirklich, dafür bietet sie eine florierende Musikszene und vor allem Arbeit für einen grossen Teil der Inselbewohner. Wir quartieren uns für zwei Tage in einem AirBnB ein und wollen als erstes ins Bob Marley Museum. Dieses liegt einige Kilometer entfernt und so kommen wir in den Genuss einer ungewöhnlichen Taxifahrt. Der Fahrer ist ein waschechter Rastaman. Er gibt auf dem 15-minütigen Weg seine Songs zum Besten und raucht in aller Ruhe seinen Joint. Die perfekte Einstimmung auf den Besuch im Museum.

Die Legende lebt

Das Bob Marley Museum befindet sich in seinem Haus und Aufnahmestudio. Gemeinsam mit dem Guide gehen wir von Raum zu Raum und tauchen so in das Leben der Reggae-Legende ein. Insbesondere, da der Guide auch alle grossen Hits anstimmt. Es wird gesungen, getanzt und geklatscht und fühlt sich so an, als würde Bob Marley noch immer hier leben. Einen Besuch des Museums können wir nur empfehlen. Es gibt einen guten Einblick in sein Leben und ist zugleich ein Konzert.

Strandtage in Montego Bay

Nach zwei Tagen wollen wir in Richtung Strand. Als erstes übernachten wir im kleinen Ort Hopewell, neben Montego Bay. Dorthin zu gelangen ist wieder ein Abenteuer, denn um Geld zu sparen, möchten wir den Touristenfernbus meiden. Somit quetschen wir uns mit den Locals in Minibusse, welche die grösseren Städte miteinander verbinden. Diese sind meist für 6-9 Passagiere ausgelegt. Transportiert werden aber 12-15 pro Auto. Mit unserem Gepäck eine echte Herausforderung. Nie hätten wir gedacht, dass so viele Menschen in ein Auto passen und dieses dann auch noch fährt. Nach rund fünf Stunden, mit sehr viel Körperkontakt, Preisverhandlungen und ständigem Umladen unseres Gepäcks treffen wir endlich ein. Nun brauchen wir definitiv ein paar ruhige Strandtage.

Disneyland für Erwachsene

Von Hopewell aus erkunden wir die Strände in Montego Bay. Zudem fahren wir zusammen mit Frau Clark, dem Hausmädchen der Unterkunft, auf den Markt. Sie ist extrem herzlich, und erzählt uns etwas mehr über die Kultur und den Lebensstil der Jamaikaner. Im Dorf kennt man sie. Immer wieder rufen ihr die Leute etwas zu oder grüssen sie mit «Hey Rasta». So werden Jamaikaner genannt, welche sich an der Rastafari Bewegung orientieren. Oftmals tragen sie Dreadlocks, ernähren sich vegetarisch oder vegan, konsumieren Cannabis als spirituelles Mittel und setzen sich für die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung ein.

Rastafari ist ein Lebensstil, keine Religion. Menschen verteilt auf der ganzen Welt haben sich dieser Bewegung angeschlossen und setzen sich für ein friedvolles Leben ein.

Die Strände in Montego Bay sind makellos. Das Wasser ist wunderschön türkisblau und der Sand fein und weiss. Die Stadt selbst ist jedoch gar kein Hingucker. Zumindest nicht für uns. Aufgrund der vielen Kreuzfahrt-Touristen wurde die ganze Promenade mit Hotelbunkern zugebaut. Zudem wirkt es auf uns etwas wie Disneyland. Wasserrutschen führen von Terrassen aus ins Meer, fragwürdige Dekorationen zieren die Gebäude und die Strassenverkäufer sind für unseren Geschmack viel zu aufdringlich. Wir beschliessen ins ruhigere Negril zu fahren.

Negril — Eine Oase im Westen Jamaikas

In Negril fühlen wir uns sofort wohl. Der berühmte Seven-Mile-Beach ist gesäumt von kleinen Hotels, Hostels und Restaurants. Alles ist öffentlich zugänglich und überall kann unkompliziert etwas gegessen oder getrunken werden. Wir geniessen unser herziges Bungalow, den wunderschönen Strand und entdecken die leckere Küche von Jamaika. Diese ist unglaublich vielseitig und hat uns sehr überrascht. Es gibt Jerk Chicken vom Fassgrill, Ziegen- und Fischcurry sowie Hummer. Und auch die Beilagen überzeugen. Besonders die Kroketten ähnlichen Festivals haben es uns angetan. Einzig die Velotour zu einer Lagune ist ein Reinfall. Denn nach 10 Kilometer bricht bei Bryans Mietvelo der Umwerfer ab und verkeilt sich im Rad. Wir versuchen es zu reparieren, doch es ist chancenlos. Zu Fuss zurück geht auch nicht, denn das Velo kann nicht gestossen werden. Zum Glück halten einige Locals an und schliesslich bietet sich einer an, das Velo einzuladen und Bryan zurückzubringen. Für zwei hat es keinen Platz und da mein Velo noch fährt trete ich den Rückweg an. Stets begleitet von Bryan und dem Fahrer, damit mir auch ja nichts passiert.

Dschungeltour in Ocho Rios

Der letzte Ort bevor es wieder zurück geht nach Kingston ist Ocho Rios. Ebenfalls ein beliebter Ferienort. Auch hier legen Kreuzfahrtschiffe an. Steht ein Schiff im Hafen, so herrscht im Ort reger Betrieb. Ist dieses wieder weg, wirkt es eher wie eine verschlafene Kleinstadt. Wir entscheiden uns, zur Abwechslung zum Strand einen Ausflug in den Dschungel zu unternehmen. Eigentlich wollen wir zu Fuss zu den bekannten Dunn’s River Falls, werden aber auf dem Weg von einem lokalen «Guide» abgefangen und besuchen mit ihm eine verlassene Hotelanlage. Das Luxusresort wurde schon von einigen Jahren geschlossen und die Natur hat sich die Anlage zurückgeholt. Alles ist überwuchert und verwildert. Auf dem Weg kommen wir an diversen Wasserfällen vorbei, sehen verschiedene Tiere, erfahren mehr über die Pflanzen und trinken mit Locals ein eiskaltes Red Stripe. Ein gelungener Nachmittag, ganz nach unserem Geschmack.

Neben dem Ausflug in den Dschungel erkunden wir die Stadt, besuchen einen Handwerksmarkt, essen Streetfood und fahren zu einem etwas weiter entfernten Strand. Dieser liegt in einer Bucht und kam sogar in einem James Bond Film vor.

Die letzten Tage in Kingston

Da unser Flug in die USA wieder von Kingston aus geht, kehren wir nochmals in die Hauptstadt zurück. Wir haben noch zwei Tage, um die Stadt zu entdecken und begeben uns auf eine selbstgeführte Walking Tour. Dabei kommen wir an farbiger Street Art vorbei, besuchen einen chaotischen Markt, beobachten ein Cricket Spiel und tauschen uns mit den Locals aus. Nun, da wir uns schon an die Art und Kultur der Jamaikaner gewohnt sind, wirkt die Stadt ganz anders. Zu Beginn hat uns die forsche Art und das für uns Schweizer aufdringliche Verkaufen etwas eingeschüchtert. Wenn man jedoch weiss, wie damit umgehen, kommt man eher ins Gespräch und kann auch mit einem Witz kontern. Insgesamt hat uns Jamaika sehr gut gefallen, wenn auch viele Teile leider etwas stark dem Tourismus zum Opfer gefallen sind. Besonders fasziniert hat uns die Natur, das leckere Essen, die spannenden Menschen und natürlich die Musik. Sogar Bryan, der vorher gar nichts mit Reggae anfangen konnte, ist nun ein kleiner Reggae-Fan.

Hinterlasse einen Kommentar