Kanada, wir kommen!

Ohne Visa hat man als Schweizer in der USA nur 90 Tage zur Verfügung. So geht es für uns nun zügig weiter nach Kanada. Auf dem Weg schlafen wir am Fusse des Mount Shasta, stoppen beim Crater Lake, besuchen Bryans Schwester Simone und geniessen ein Konzert in Seattle.

Vor einigen Tagen habe ich einen Reminder erhalten, dass wir schon bald das Land verlassen müssen. Beim Überprüfen meines Estas fällt uns dann auf, dass wir bereits früher ausreisen müssen als gedacht. Dann nichts wie los in Richtung Kanada. Auf dem Weg wollen wir aber immerhin noch an ein paar schönen Orten übernachten oder zumindest einen kurzen Stopp einlegen.

Mount Shasta – Weisser Berg

Am Fusse des beeindruckenden Vulkans Mount Shasta soll es mehrere schöne, kostenlose Schlafplätze geben. Aufgrund von Überschwemmungen und Waldbränden sind aber viele der Naturstrassen nicht mehr so gut befahrbar. Wir wollen es trotzdem versuchen und einfach nicht zu weit in den Wald reinfahren. Nach einigen hundert Metern sehen wir auf der rechten Seite den ersten auf unserer App eingetragenen Schlafplatz. Er bietet für 3-4 Camper Platz. Ein Sprinter ist schon parkiert. Wir biegen ab und winken fröhlich. Schnell merken wir, dass die Freude nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Als ich das ältere Paar pro Forma frage, ob wir uns dazustellen können, meinen diese: «Nein, sucht euch gefälligst etwas anderes!» Ganz verdutzt stehe ich da und starre die Frau an. So etwas ist uns auf der ganzen Reise noch nicht passiert, insbesondere wenn es so viel Platz hat und man sich gut verteilen kann. Ich erkläre ihr, dass wir kein 4×4 haben und nicht sicher sind, ob wir zu den weiter entfernten Plätzen gelangen können, da die Strasse sehr sandig und ausgewaschen ist. Das sei nicht ihr Problem meint sie. Da wir bei dieser Stimmung nicht bleiben möchten, versuchen wir somit weiter in den Wald und näher an den Vulkan heranzufahren. Es gelingt und wir finden einen Platz mit wunderschöner Aussicht und ganz ohne grimmige Menschen.

Unmengen an Schnee beim Crater Lake

Am nächsten Tag geht es weiter zum Crater Lake National Park. Ihr ahnt es vermutlich schon, es handelt sich um einen Kratersee. Im Vorfeld haben wir gelesen, dass dieser sehr schön ist zum anschauen, es aber im Park selbst nicht viel zu tun gibt. Daher ist es ein guter Stopp, um die lange Fahrt bis zu Bryans Schwester zu unterbrechen. Dieses Jahr ist zudem noch ein grosser Teil des Parks geschlossen, weil immer noch sehr viel Schnee liegt. Tatsächlich türmen sich am Strassenrand Schneemauern auf. Es ist ein lustiges Bild, denn die Sonne scheint und die Temperaturen sind angenehm mild. Oben angekommen spazieren wir um den See, schiessen ein paar Fotos und machen uns dann wieder auf den Weg.

Unterwegs nach Mossyrock legen wir einen weiteren Halt bei Wasserfällen ein. Zu Fuss sind es etwa dreissig Minuten hin und zurück. Perfekt um sich die Beine zu vertreten und frische Luft zu schnappen. Von der Aussichtsplattform aus sieht man die Fälle leider nicht wirklich gut. Es gibt aber noch einen Trampelpfad bis hinunter ans Wasser. Von dort aus, hat man einen schönen Blick auf den Wasserfall und den türkisblauen Pool.

Zu Besuch bei Simone und O’Shea

Schliesslich treffen wir bei Simone und O’Shea in Mossyrock kurz vor Seattle ein. Hier werden wir drei Tage verbringen. Wir dürfen kostenlos auf ihrem Platz auf dem Camping schlafen und haben so Zeit, gemeinsam etwas zu unternehmen, lecker zu essen und uns etwas zu entspannen. Ihr Fifthwheeler ist kein Vergleich zu Beat. Er bietet Platz für zwei Schlafzimmer, ein Esszimmer und eine geräumige Küche. Ein Haus auf Rädern. Wir geniessen die gemeinsame Zeit und werden von O’Shea jeden Abend lecker bekocht. Es gibt Mac’n’Cheese, Fried Chicken und Cole Slaw sowie Ribs. Bryan ist im Himmel. Zudem fahren wir an die wilde Küste und stecken endlich wieder einmal die Füsse ins Meer.

Ein bisschen Mexiko in Seattle

In Seattle verbringen wir mangels Zeit nur eine Nacht. Wir haben im Vorfeld gehört, dass die Stadt unsicher ist, schlafen aber trotzdem eine Nacht auf einem kostenlosen Parkplatz. Denn wir besuchen ein Konzert und möchten in der Nähe schlafen. Wird schon gut gehen. Auf dem Programm steht das Konzert von Maná. Eine mexikanische Band die uns auf der Reise begleitet hat. Immer wieder haben wir auf langen Fahrten ihre Musik gehört und freuen uns daher sehr, sie nun live zu sehen. Auf dem Weg zur Konzerthalle merken wir schnell, dass praktisch nur noch Spanisch gesprochen wird. Halb Mexiko sowie Fans aus weiteren mittel- und südamerikanischen Ländern sind angereist. Die Fan-Shirts gehen weg wie heisse Weggli und die Stimmung ist ausgelassen. Es fühlt sich an, als wären wir zurück in Mexiko. Die grössten Erfolge feierte Maná in den 90er Jahren. Die Herren sind daher schon etwas älter. Das Konzert macht richtig Spass, wenn auch der Sänger live nicht mehr ganz so gut singt. Dafür ist Band umso besser und die Reaktion des Publikums unbezahlbar. Zufrieden aber müde laufen wir zu Fuss zurück zu Beat und sind erleichtert, als wir diesen ohne Beschädigung vorfinden. Am nächsten Morgen gehen wir noch kurz auf den Markt bevor wir uns am Nachmittag nochmals mit Simone und O’Shea für ein Wine Tasting treffen. Es ist unser letzter Tag in den USA, bevor wir die Grenze überqueren.

Die ersten Tage in Kanada

Der Grenzübertritt nach Kanada läuft fast schon merkwürdig glatt ab. Wir fahren ans Grenzhäuschen ran, überreichen unsere Pässe, beantworten ein paar Fragen und schon sind wir Kanada. So dürfte es immer sein. In Vancouver angekommen, quartieren wir uns ausnahmsweise auf einem Camping ein. Nach so vielen langen Fahrten möchten wir uns hier ein paar Tage Ruhe und Luxus gönnen. Zudem müssen wir die letzten 4 Monate unserer Reise planen. Angekommen merken wir, dass sich in Seattle doch jemand an Beat zu schaffen gemacht hat. Unsere Rückfahrkamera hängt nur noch an den Kabeln. Scheinbar reichte die Zeit aber nicht sie ganz zu stehlen. Das ist schnell wieder behoben. Am nächsten Tag besuchen wir mit dem Bus die Stadt und entdecken ein Stückchen Heimat. Auf dem hübschen Granville Markt gibt es allerlei Schweizer Käse. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen. Generell gefällt uns die Stadt mit der modernen Architektur, den schönen Pärken und den vielen Lokalen sehr gut. Wir freuen uns darauf, in den nächsten Tagen mehr davon zu entdecken.

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