In Kanada angekommen, hat uns das Bike-Fieber gepackt. Wir beschliessen kurzerhand, uns endlich wieder anständige Gravel-Bikes zu kaufen und erkunden British Columbia hauptsächlich auf zwei Rädern. Eine tolle Abwechslung nach eineinhalb Jahren ohne Velo.

Da wir einmal mehr auf Ersatzteile und einen Termin in der Garage warten, beschliessen wir die Gegend rund um Vancouver zu erkunden und danach nochmals in die Stadt zurückzukehren. Einen ersten Stopp legen wir in Whistler ein. Es ist eines der bekanntesten Ski- und Sportgebiete in Kanada. Wir mieten uns ein Mountainbike und stellen auf der 40 Kilometer langen Runde rund um Whistler fest: Es ist an der Zeit uns Velos zu kaufen. Es ist einfach herrlich auf dem Velo durch die verwunschene Landschaft zu fahren, die Aussicht zu geniessen und dank der top ausgebauten Bike-Routen die Umgebung einmal anders als zu Fuss zu erkunden. Wir stoppen an verschiedenen Seen, wagen einen Sprung ins kühle Nass und gönnen uns zum Abschluss ein erfrischendes Bier.




Am nächsten Tag findet Bryan nach einer kurzen Recherche ein Sportgeschäft, welches sein auf dem Schiff gestohlenes Gravel-Bike im Sortiment hat und erst noch auf unserer Route liegt. Auf dem Weg dahin übernachten wir in zwei schönen Provincial Parks, besuchen die pittoresken Seen und decken uns mit Früchten und Wein ein. Denn die Region ist nicht nur bekannt für tolle Trails und Natur sondern auch für den Wein- und Fruchtanbau.
Mehr Seen als Kanada hat kein Land auf der Welt. 31’752 sind es zusammengezählt!
Zurück in Vancouver erstehe auch ich ein tolles Bike. Die Marke Liv produziert nur Fahrräder für Frauen und hat daher tatsächlich ein Bike in meiner Grösse. Eingeweiht werden die Velos auf dem Fisherman’s Trail. Dieser ist direkt von Vancouver aus zu erreichen. Wir verlassen die Stadt über einen der unzähligen Velowege und befinden uns bereits nach ein paar Kilometern in einem scheinbar unberührten Wald. Der Boden ist überwachsen mit Farn und weit und breit niemand mehr zu sehen. Die Weite und Unberührtheit ist faszinierend, vor allem wenn man bedenkt, dass wir uns nur wenige Kilometer ausserhalb der Millionenstadt Vancouver befinden. Nach etwas mehr als zwei Stunden, dem Überwinden einer Treppe und einer steilen Abfahrt auf einem Single Trail sind wir müde aber super zufrieden wieder zurück in Vancouver.






Mit neuen Stossdämpfern auf ins Outdoor-Paradies Fernie
Zurück in Vancouver bringen wir Beat zu Greg in die Garage, wo er neue Stossdämpfer bekommt. Bereits seit einigen Wochen läuft bei den Stossdämpfern Öl aus und die Dämpfleistung ist praktisch nicht mehr vorhanden. Damit sich dies nicht negativ auf weitere Teile auswirkt und der Fahrkomfort wieder besser wird, haben wir in Europa neue Stossdämpfer bestellt. Denn einmal mehr, waren diese leider in ganz Kanada nicht verfügbar. Die Installation geht schnell und unkompliziert und so machen wir uns bereits am nächsten Tag auf den Weg ins Outdoor-Paradies Fernie. Dort soll es weitere schöne Gravel-Bike Routen geben. Zudem möchten wir nach drei Wochen Kanada nochmals versuchen in USA einzureisen, um die Nationalpärke Glacier, Grand Teton und Yellowstone sowie weitere Familienmitglieder von Bryan zu besuchen.


Mit dem Bike auf den Schultern über Stock und Stein
Kanada bietet unzählige schöne, wilde Übernachtungsplätze. Diese werden «Recreation Sites» genannt und befinden sich meist im Wald, an Flüssen oder Seen. Je nach Ort sind sogar Toilette und Feuerstelle vorhanden. Der Weg dahin ist oftmals herausfordernd, aber es lohnt sich fast immer. Denn nichts ist schöner, als alleine in mitten der Natur zu stehen und den Tag ausklingen zu lassen. In Fernie angekommen, übernachten wir weniger romantisch zwischen zwei überdimensionalen Trucks. Beat wirkt daneben wie ein Spielzeugauto. Am nächsten Tag wagen wir uns auf eine schwierigere Gravel-Route, auf welcher vor allem ich das Fahrrad mehr stosse als fahre. Zu gross ist der Respekt vor den grossen Steinen. Die Tour ist trotz allem schön, am Abend sind wir aber ziemlich geschafft.






Hello again – USA
Nach nur drei Wochen im wunderschönen Kanada reisen wir schon wieder aus. Oder zumindest möchten wir es versuchen. Unsere 90 Tage in den USA haben wir aufgebraucht, hoffen aber, dass sie uns nun nach drei Wochen in Kanada nochmals etwas Zeit gewähren. Wir fahren zur Grenze und sind gespannt, was passiert. Zu unserer Überraschung scheint es trotz Vorschriften kein Problem zu sein, dass wir nochmals einreisen. Einzig über das mitgebrachte Feuerholz aus Kanada sind sie «not amused». Dieses müssen wir wieder über die Grenze tragen und in Kanada lassen. Als wir mit dem Holz in der Hand zu Fuss zurück marschieren traut der kanadische Grenzbeamte seinen Augen nicht. Er massregelt uns, dass die Grenze nur mit dem Auto überquert werden dürfe. Nach einer kurzen Diskussion und einer Erklärung, dass wir nur das Holz zurückbringen lässt er uns dieses aber abliefern. Wir freuen uns riesig! Nächster Stopp: Glacier Nationalpark in Montana.