Mit dem Gravel Bike durch British Columbia

In Kanada angekommen, hat uns das Bike-Fieber gepackt. Wir beschliessen kurzerhand, uns endlich wieder anständige Gravel-Bikes zu kaufen und erkunden British Columbia hauptsächlich auf zwei Rädern. Eine tolle Abwechslung nach eineinhalb Jahren ohne Velo.

Da wir einmal mehr auf Ersatzteile und einen Termin in der Garage warten, beschliessen wir die Gegend rund um Vancouver zu erkunden und danach nochmals in die Stadt zurückzukehren. Einen ersten Stopp legen wir in Whistler ein. Es ist eines der bekanntesten Ski- und Sportgebiete in Kanada. Wir mieten uns ein Mountainbike und stellen auf der 40 Kilometer langen Runde rund um Whistler fest: Es ist an der Zeit uns Velos zu kaufen. Es ist einfach herrlich auf dem Velo durch die verwunschene Landschaft zu fahren, die Aussicht zu geniessen und dank der top ausgebauten Bike-Routen die Umgebung einmal anders als zu Fuss zu erkunden. Wir stoppen an verschiedenen Seen, wagen einen Sprung ins kühle Nass und gönnen uns zum Abschluss ein erfrischendes Bier.

Am nächsten Tag findet Bryan nach einer kurzen Recherche ein Sportgeschäft, welches sein auf dem Schiff gestohlenes Gravel-Bike im Sortiment hat und erst noch auf unserer Route liegt. Auf dem Weg dahin übernachten wir in zwei schönen Provincial Parks, besuchen die pittoresken Seen und decken uns mit Früchten und Wein ein. Denn die Region ist nicht nur bekannt für tolle Trails und Natur sondern auch für den Wein- und Fruchtanbau.

Mehr Seen als Kanada hat kein Land auf der Welt. 31’752 sind es zusammengezählt!

Zurück in Vancouver erstehe auch ich ein tolles Bike. Die Marke Liv produziert nur Fahrräder für Frauen und hat daher tatsächlich ein Bike in meiner Grösse. Eingeweiht werden die Velos auf dem Fisherman’s Trail. Dieser ist direkt von Vancouver aus zu erreichen. Wir verlassen die Stadt über einen der unzähligen Velowege und befinden uns bereits nach ein paar Kilometern in einem scheinbar unberührten Wald. Der Boden ist überwachsen mit Farn und weit und breit niemand mehr zu sehen. Die Weite und Unberührtheit ist faszinierend, vor allem wenn man bedenkt, dass wir uns nur wenige Kilometer ausserhalb der Millionenstadt Vancouver befinden. Nach etwas mehr als zwei Stunden, dem Überwinden einer Treppe und einer steilen Abfahrt auf einem Single Trail sind wir müde aber super zufrieden wieder zurück in Vancouver.

Mit neuen Stossdämpfern auf ins Outdoor-Paradies Fernie

Zurück in Vancouver bringen wir Beat zu Greg in die Garage, wo er neue Stossdämpfer bekommt. Bereits seit einigen Wochen läuft bei den Stossdämpfern Öl aus und die Dämpfleistung ist praktisch nicht mehr vorhanden. Damit sich dies nicht negativ auf weitere Teile auswirkt und der Fahrkomfort wieder besser wird, haben wir in Europa neue Stossdämpfer bestellt. Denn einmal mehr, waren diese leider in ganz Kanada nicht verfügbar. Die Installation geht schnell und unkompliziert und so machen wir uns bereits am nächsten Tag auf den Weg ins Outdoor-Paradies Fernie. Dort soll es weitere schöne Gravel-Bike Routen geben. Zudem möchten wir nach drei Wochen Kanada nochmals versuchen in USA einzureisen, um die Nationalpärke Glacier, Grand Teton und Yellowstone sowie weitere Familienmitglieder von Bryan zu besuchen.

Mit dem Bike auf den Schultern über Stock und Stein

Kanada bietet unzählige schöne, wilde Übernachtungsplätze. Diese werden «Recreation Sites» genannt und befinden sich meist im Wald, an Flüssen oder Seen. Je nach Ort sind sogar Toilette und Feuerstelle vorhanden. Der Weg dahin ist oftmals herausfordernd, aber es lohnt sich fast immer. Denn nichts ist schöner, als alleine in mitten der Natur zu stehen und den Tag ausklingen zu lassen. In Fernie angekommen, übernachten wir weniger romantisch zwischen zwei überdimensionalen Trucks. Beat wirkt daneben wie ein Spielzeugauto. Am nächsten Tag wagen wir uns auf eine schwierigere Gravel-Route, auf welcher vor allem ich das Fahrrad mehr stosse als fahre. Zu gross ist der Respekt vor den grossen Steinen. Die Tour ist trotz allem schön, am Abend sind wir aber ziemlich geschafft.

Hello again – USA

Nach nur drei Wochen im wunderschönen Kanada reisen wir schon wieder aus. Oder zumindest möchten wir es versuchen. Unsere 90 Tage in den USA haben wir aufgebraucht, hoffen aber, dass sie uns nun nach drei Wochen in Kanada nochmals etwas Zeit gewähren. Wir fahren zur Grenze und sind gespannt, was passiert. Zu unserer Überraschung scheint es trotz Vorschriften kein Problem zu sein, dass wir nochmals einreisen. Einzig über das mitgebrachte Feuerholz aus Kanada sind sie «not amused». Dieses müssen wir wieder über die Grenze tragen und in Kanada lassen. Als wir mit dem Holz in der Hand zu Fuss zurück marschieren traut der kanadische Grenzbeamte seinen Augen nicht. Er massregelt uns, dass die Grenze nur mit dem Auto überquert werden dürfe. Nach einer kurzen Diskussion und einer Erklärung, dass wir nur das Holz zurückbringen lässt er uns dieses aber abliefern. Wir freuen uns riesig! Nächster Stopp: Glacier Nationalpark in Montana.

Kanada, wir kommen!

Ohne Visa hat man als Schweizer in der USA nur 90 Tage zur Verfügung. So geht es für uns nun zügig weiter nach Kanada. Auf dem Weg schlafen wir am Fusse des Mount Shasta, stoppen beim Crater Lake, besuchen Bryans Schwester Simone und geniessen ein Konzert in Seattle.

Vor einigen Tagen habe ich einen Reminder erhalten, dass wir schon bald das Land verlassen müssen. Beim Überprüfen meines Estas fällt uns dann auf, dass wir bereits früher ausreisen müssen als gedacht. Dann nichts wie los in Richtung Kanada. Auf dem Weg wollen wir aber immerhin noch an ein paar schönen Orten übernachten oder zumindest einen kurzen Stopp einlegen.

Mount Shasta – Weisser Berg

Am Fusse des beeindruckenden Vulkans Mount Shasta soll es mehrere schöne, kostenlose Schlafplätze geben. Aufgrund von Überschwemmungen und Waldbränden sind aber viele der Naturstrassen nicht mehr so gut befahrbar. Wir wollen es trotzdem versuchen und einfach nicht zu weit in den Wald reinfahren. Nach einigen hundert Metern sehen wir auf der rechten Seite den ersten auf unserer App eingetragenen Schlafplatz. Er bietet für 3-4 Camper Platz. Ein Sprinter ist schon parkiert. Wir biegen ab und winken fröhlich. Schnell merken wir, dass die Freude nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Als ich das ältere Paar pro Forma frage, ob wir uns dazustellen können, meinen diese: «Nein, sucht euch gefälligst etwas anderes!» Ganz verdutzt stehe ich da und starre die Frau an. So etwas ist uns auf der ganzen Reise noch nicht passiert, insbesondere wenn es so viel Platz hat und man sich gut verteilen kann. Ich erkläre ihr, dass wir kein 4×4 haben und nicht sicher sind, ob wir zu den weiter entfernten Plätzen gelangen können, da die Strasse sehr sandig und ausgewaschen ist. Das sei nicht ihr Problem meint sie. Da wir bei dieser Stimmung nicht bleiben möchten, versuchen wir somit weiter in den Wald und näher an den Vulkan heranzufahren. Es gelingt und wir finden einen Platz mit wunderschöner Aussicht und ganz ohne grimmige Menschen.

Unmengen an Schnee beim Crater Lake

Am nächsten Tag geht es weiter zum Crater Lake National Park. Ihr ahnt es vermutlich schon, es handelt sich um einen Kratersee. Im Vorfeld haben wir gelesen, dass dieser sehr schön ist zum anschauen, es aber im Park selbst nicht viel zu tun gibt. Daher ist es ein guter Stopp, um die lange Fahrt bis zu Bryans Schwester zu unterbrechen. Dieses Jahr ist zudem noch ein grosser Teil des Parks geschlossen, weil immer noch sehr viel Schnee liegt. Tatsächlich türmen sich am Strassenrand Schneemauern auf. Es ist ein lustiges Bild, denn die Sonne scheint und die Temperaturen sind angenehm mild. Oben angekommen spazieren wir um den See, schiessen ein paar Fotos und machen uns dann wieder auf den Weg.

Unterwegs nach Mossyrock legen wir einen weiteren Halt bei Wasserfällen ein. Zu Fuss sind es etwa dreissig Minuten hin und zurück. Perfekt um sich die Beine zu vertreten und frische Luft zu schnappen. Von der Aussichtsplattform aus sieht man die Fälle leider nicht wirklich gut. Es gibt aber noch einen Trampelpfad bis hinunter ans Wasser. Von dort aus, hat man einen schönen Blick auf den Wasserfall und den türkisblauen Pool.

Zu Besuch bei Simone und O’Shea

Schliesslich treffen wir bei Simone und O’Shea in Mossyrock kurz vor Seattle ein. Hier werden wir drei Tage verbringen. Wir dürfen kostenlos auf ihrem Platz auf dem Camping schlafen und haben so Zeit, gemeinsam etwas zu unternehmen, lecker zu essen und uns etwas zu entspannen. Ihr Fifthwheeler ist kein Vergleich zu Beat. Er bietet Platz für zwei Schlafzimmer, ein Esszimmer und eine geräumige Küche. Ein Haus auf Rädern. Wir geniessen die gemeinsame Zeit und werden von O’Shea jeden Abend lecker bekocht. Es gibt Mac’n’Cheese, Fried Chicken und Cole Slaw sowie Ribs. Bryan ist im Himmel. Zudem fahren wir an die wilde Küste und stecken endlich wieder einmal die Füsse ins Meer.

Ein bisschen Mexiko in Seattle

In Seattle verbringen wir mangels Zeit nur eine Nacht. Wir haben im Vorfeld gehört, dass die Stadt unsicher ist, schlafen aber trotzdem eine Nacht auf einem kostenlosen Parkplatz. Denn wir besuchen ein Konzert und möchten in der Nähe schlafen. Wird schon gut gehen. Auf dem Programm steht das Konzert von Maná. Eine mexikanische Band die uns auf der Reise begleitet hat. Immer wieder haben wir auf langen Fahrten ihre Musik gehört und freuen uns daher sehr, sie nun live zu sehen. Auf dem Weg zur Konzerthalle merken wir schnell, dass praktisch nur noch Spanisch gesprochen wird. Halb Mexiko sowie Fans aus weiteren mittel- und südamerikanischen Ländern sind angereist. Die Fan-Shirts gehen weg wie heisse Weggli und die Stimmung ist ausgelassen. Es fühlt sich an, als wären wir zurück in Mexiko. Die grössten Erfolge feierte Maná in den 90er Jahren. Die Herren sind daher schon etwas älter. Das Konzert macht richtig Spass, wenn auch der Sänger live nicht mehr ganz so gut singt. Dafür ist Band umso besser und die Reaktion des Publikums unbezahlbar. Zufrieden aber müde laufen wir zu Fuss zurück zu Beat und sind erleichtert, als wir diesen ohne Beschädigung vorfinden. Am nächsten Morgen gehen wir noch kurz auf den Markt bevor wir uns am Nachmittag nochmals mit Simone und O’Shea für ein Wine Tasting treffen. Es ist unser letzter Tag in den USA, bevor wir die Grenze überqueren.

Die ersten Tage in Kanada

Der Grenzübertritt nach Kanada läuft fast schon merkwürdig glatt ab. Wir fahren ans Grenzhäuschen ran, überreichen unsere Pässe, beantworten ein paar Fragen und schon sind wir Kanada. So dürfte es immer sein. In Vancouver angekommen, quartieren wir uns ausnahmsweise auf einem Camping ein. Nach so vielen langen Fahrten möchten wir uns hier ein paar Tage Ruhe und Luxus gönnen. Zudem müssen wir die letzten 4 Monate unserer Reise planen. Angekommen merken wir, dass sich in Seattle doch jemand an Beat zu schaffen gemacht hat. Unsere Rückfahrkamera hängt nur noch an den Kabeln. Scheinbar reichte die Zeit aber nicht sie ganz zu stehlen. Das ist schnell wieder behoben. Am nächsten Tag besuchen wir mit dem Bus die Stadt und entdecken ein Stückchen Heimat. Auf dem hübschen Granville Markt gibt es allerlei Schweizer Käse. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen. Generell gefällt uns die Stadt mit der modernen Architektur, den schönen Pärken und den vielen Lokalen sehr gut. Wir freuen uns darauf, in den nächsten Tagen mehr davon zu entdecken.

Von Vegas ins vielfältige Kalifornien

Von den wunderbaren Canyons geht es weiter durch die Wüstenlandschaft rund um Vegas in das vielfältige Kalifornien. Wir schwitzen im Death Valley, bestaunen die Mammutbäume im Sequoia Nationalpark, wandern im Yosemite, kämpfen uns durch einen Schneesturm beim Lake Tahoe und lassen es uns gut gehen in der Weinregion. Und das alles in zwei Wochen.

Nach den wunderbar sonnigen Tagen in und um Utah geht es weiter in Gebiete wo extreme Hitze herrscht. Nicht gerade optimal, mit einem Van ohne Klimaanlage. Zur Akklimatisierung fahren wir als erstes in einen weniger bekannten State Park etwas ausserhalb von Vegas. Dieser wurde uns von zwei Locals empfohlen. Ironischerweise nennt sich der Park, in welchem es ordentlich heiss wird, Snow Canyon. Er bietet wunderbare Ausblicke auf rostrote, zusammengefaltete Steinformationen sowie Lavatunnels. Danach geht es weiter ins Valley of Fire. Ihr ahnt es, jetzt wird es richtig heiss. Vegetation gibt es in diesem Gebiet nicht mehr wirklich. Wo man hinschaut sieht man nur Staub und Gestein. Wir schlafen auf einem Felsvorsprung, neben dem Eingang. Es herrschen Temperaturen um die 35 Grad, auch noch abends um neun. Nach mehreren Stunden hin und her wälzen schlafen wir gegen Mitternacht endlich ein.

Ein super Alternative zur berühmten «The Wave»

Einen Besuch im Valley of Fire wollten wir uns nicht entgehen lassen, da wir bei der Lotterie für «The Wave» in Arizona kein Glück hatten. Hier soll es ebenfalls eine versteinerte Welle geben sowie schöne Schluchten. Und wir werden nicht enttäuscht. Ein kurzer Spaziergang führt uns zur Feuerwelle und danach durch die durch das Wasser ausgewaschenen Schluchten. Dank den überall platzierten Hitzewarnungen sind nur wenige Touristen unterwegs und wir haben dieses Naturspektakel fast ganz für uns alleine. Ein sehr lohnenswerter Besuch abseits der ausgetretenen Touristenpfade.

Vegas Baby

Nach zwei heissen und praktisch schlaflosen Nächten freuen wir uns auf ein klimatisiertes Zimmer in Las Vegas. Wir haben beschlossen für einmal nicht in Beat zu schlafen und uns etwas Luxus zu gönnen. Das Zimmer im Luxor ist schön und die Anlage genau so kitschig wie wir uns das vorgestellt haben. Wir verspielen je 50 Franken im Casino, beobachten die kuriosen Gestalten, baden im viel zu warmen Pool und trinken masslos überteuerte Cocktails. Halt, was man in Las Vegas so macht. Nach zwei Tagen, haben wir es allerdings gesehen und ziehen weiter ins Death Valley, wo wir den Hitzerekord in Beat aufstellen.

Brutale Hitze und ein platter Reifen im Death Valley

Als wir ins Death Valley reinfahren merkt man mit jedem Meter welcher ins Tal hinunterführt wie es immer heisser wird. Unser Ziel ist der tiefste Punkt. Dieser liegt 85,5 Meter unter dem Meeresspiegel. Wir treffen um acht Uhr abends ein. Die Sonne ist bereits untergegangen. Trotzdem ist es immer noch 43 Grad. Wir unternehmen einen Spaziergang auf der Salzwüste. Es fühlt sich ein wenig an, wie eine riesige Herdplatte. Die ganze Hitze scheint im Boden gespeichert zu sein. Eine Abkühlung ist nicht in Sicht. Als wir zu Beat zurückkehren zeigt unser Bordcomputer 46 Grad an. Hier können wir nicht schlafen. Es geht hinauf in die Hügel, die das Todestal umgegeben. Auf 1200 Metern ist die Temperatur um zehn Uhr Abends auf 28 Grad gesunken. Das fühlt sich im Vergleich direkt angenehm kühl an. Auf dem Weg zu einem Aussichtspunkt am nächsten Tag passiert dann das, was man sich bei 40 Grad im Schatten nicht wünscht. Wir haben einen platten Reifen. Zum Glück sind wir mittlerweile so geübt im Reifenwechseln, dass das Ersatzrad in wenigen Minuten montiert ist. Eins ist aber klar, wir benötigen dringend neue Reifen. Etwas ausserhalb des Death Valleys erhalten wir eine super Beratung und finden die perfekten neuen Reifen.

Die ältesten Bäume der Welt

Nach so viel Sand, Gestein und Wüste ist unser nächstes Ziel genau das Richtige. Auf dem Programm steht der Besuch des Sequoia Nationalparks. Die dort wachsenden Mammutbäume (Sequoia) sind bis zu 3000 Jahre alt und können einen Durchmesser von rund acht Metern erreichen. Auf der Miniwanderung durch diesen uralten Wald kommen wir uns richtig klein vor. Viele der Bäume wurden vom Blitz getroffen und sind innen hohl. In ihrem Stamm könnte man gut eine Einzimmerwohnung einrichten. Einmal mehr unglaublich, zu was die Natur fähig ist.

Über Umwege in den Yosemite Nationalpark

Da es diesen Winter extrem geschneit hat können wir nicht durch den Sequoia Nationalpark in den Yosemite Park reinfahren. Grosse Teile des Yosemite sind immer noch gesperrt, da die Strassen noch schneebedeckt, durch umgefallene Bäume versperrt oder zerstört sind. Über eine Extraschlaufe erreichen wir den Park dennoch. Wir unternehmen eine Wanderung auf dem Mist-Trail. Dieser führt vorbei an zwei Wasserfällen und bietet tolle Ausblick auf den Park. Normalerweise wird man hier vom feinen Nebel der Wasserfälle angenehmen erfrischt. Aktuell hat es jedoch so viel Wasser, das es eher einer Dusche gleicht. Wir sind von Kopf bis Fuss klatsch nass. Den Half-Dome können wir nicht erklimmen, da auch dieser wegen zu viel Schnee und Eis immer noch gesperrt ist. Daher entscheiden wir uns, bereits nach zwei Tagen weiterzufahren.

Schneegestöber beim Lake Tahoe

Durch die Wälder und Bergdörfer von Kalifornien geht es schliesslich zum Mono Lake. Dieser liegt fast auf 2000 Metern Höhe und in der Nähe eines Skigebiets. Bekannt ist er für seine schöne Farbe und die Kalk-Türmchen die aus dem See herausragen. Diese entstanden, weil in der Vergangenheit zu viel Wasser für die Wasserversorgung der grossen Städte abgeführt wurde. Folglich sank der Wasserspiegel drastisch, der Salzgehalt stieg an und die Kalktufas formierten sich. In der Zwischenzeit hat sich der Wasserspiegel wieder reguliert, zurück bleiben die markanten Tufa-Türmchen. Im Hintergrund dieser faszinierenden Kulisse ragen schneebedeckte Berge in den Himmel. Die ganze Region ist wunderschön. Wir geniessen einen sonnigen Tag bevor es weiter geht zum grössten Bergsee in Nordamerika. Während der Fahrt schlägt das Wetter plötzlich drastisch um. Der Horizont verdunkelt sich und es fallen dicke Schneeflocken vom Himmel. Innert weniger Minuten ist die Strasse komplett schneebedeckt. Der Pick up vor uns schlittert über die Strasse. Er scheint Sommerreifen zu haben. Wir sind heilfroh über unsere neuen Alljahres-Reifen und meistern diesen Wetterumschwung ohne Probleme.

Via Lake Tahoe in die Weinregion

Nach einer Umrundung des Sees inklusive Spaziergang geht es direkt weiter in die Weinregion von Kalifornien. Da wir die USA nach 90 Tagen wieder verlassen müssen, können wir uns leider nicht mehr ganz so viel Zeit lassen. Das bekannteste Weingebiet ist das Napa Valley. Wir besuchen jedoch zwei kleinere Gebiete: das Sonoma Valley und Lodi. In Sonoma haben wir eine Weinprobe auf einem Familien-Weingut reserviert. Mit Blick auf die Rebfelder geniessen wir verschiedene Weissweine und Rotweine. Mittlerweile hat sich das Wetter wieder beruhigt und wir sitzen im T-Shirt an der Sonne. Ein perfekter Nachmittag. Am besten geschmeckt hat uns der Gewürztraminer und so geht es mit einer Flasche im Gepäck weiter nach Lodi zur Michael David Winery. Diese ist deutlich grösser und produziert super leckeren Cabernet Sauvignon und Zinfandel. Bei jedem Wein ist sich Bryan sicher, dass dieser noch besser ist als der zuvor. Wir scheinen unser Lieblingsweingut gefunden zu haben. Generell können wir die Weinregion Lodi nur empfehlen. Die Wein-Tastings sind deutlich günstiger als in Sonoma oder Napa und der Wein mindestens gleich gut. Nächster Stopp: Crater Lake

Auf den Spuren der Indianer

Nach einer Woche im zauberhaften Utah geht es weiter in das Gebiet der Navajo Indianer. Wir besuchen Mesa Verde, das Monument Valley sowie den berühmten Horseshoe Bend. Danach zieht es uns in die eindrucksvollen Canyons der USA.

Als wir im Mesa Verde National Park eintreffen, erfahren wir, dass der grösste Teil des Parks geschlossen ist. Gemäss dem netten älteren Herr im Visitor Center konnte die Renovation der Strasse nicht wie geplant fertiggestellt werden und es mangelt an Personal. Daher sind Führungen durch die Bauten in den Felsen nicht möglich und nur ein Drittel ist geöffnet. Da wir den Nationalpark-Pass haben, entscheiden wir trotzdem einen halben Tag im Park zu verbringen. Wir fahren die Aussichtspunkte ab und betrachten die in die Felsen gebauten Häuser aus der Ferne. Die Magie dieses Ortes kommt so aber leider nicht wirklich zum Ausdruck. Dafür sehen wir auf einem kurzen Spaziergang eine wunderschöne Echse. Unser Highlight. Danach geht es weiter auf einen wilden Campingplatz, wo wir ein riesiges Lagerfeuer machen und den Abend ausklingen lassen.

Faszinierendes Monument Valley

Auf das Monument Valley freue ich mich besonders. Denn dieses habe ich als Kind schon einmal besucht und war damals vor 20 Jahren hell begeistert. Vorher machen wir aber noch einen Abstecher ins Valley of the Gods. Es gilt als der kleine Bruder des Monument Valleys. Der Zutritt ist frei und eine Panoramastrecke inklusive Wildcamping-Plätzen führt durch die wunderschöne Landschaft. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir campen in der Mitte der Strecke und beobachten, wie sich die Felsformationen mit dem Sonnenuntergang verfärben. Am nächsten Morgen fahren wir dann den Rest der Naturstrasse. Wenn es nicht regnet ist diese auch mit unserem Fahrzeug gut befahrbar und ein Abstecher lohnt sich definitiv.

Nun geht es weiter ins echte Monument Valley. Da der Park im Navajo Gebiet liegt ist der Nationalpark-Pass nicht gültig. Der Eintritt ist mit acht Dollar pro Person unserer Meinung nach jedoch sehr fair und die Dame am Gate super freundlich. Eigentlich sind Wohnmobile auf dem Loop-Drive nicht erlaubt, aber da Beat hier in den USA zu den kleinsten Ausführungen gehört und wir zuversichtlich sind, dass wir die Naturstrasse fahren können, erhalten wir die Erlaubnis. Zuvor spazieren wir noch zwischen den Formationen hindurch und warten bis das Licht etwas weicher wird. Etwa um vier Uhr starten wir dann den Loop. Dieser hat es in sich. Die Strasse ist sehr sandig, teilweise steinig und steil. Zudem bläst ein starker Wind. Beim dritten Aussichtspunkt vergisst Bryan die Türe festzuhalten und wir erleben, wie viel Kraft der Wind hat. Die Aufhängung der Türe reisst aus. Etwas geschockt fahren wir weiter und hoffen, dass nicht noch weitere Unglücke passieren. Als wir den asphaltierten Parkplatz nach einer steilen Auffahrt mit herausfordernden Bodenwellen erreichen, sind wir heilfroh. So schlecht hätten wir den Strassenzustand nicht erwartet.

Monsterwanderung im Grand Canyon

In dieser Region der USA reiht sich eine Sehenswürdigkeit an die nächste. Man weiss gar nicht, wie man all diese Eindrücke verarbeiten soll. Trotzdem geniessen wir jede Minute, die wir in diesen surrealen Landschaften verbringen können. Nach einer dreieinhalb stündigen Fahrt erreichen wir den Grand Canyon. Und wir ergattern uns sogar ein Plätzchen auf dem Campground im Nationalpark. Jemand hat spontan abgesagt und wir können erben. Das ist perfekt, denn am nächsten Tag steht eine Monsterwanderung auf dem Programm. Vom Camping aus können wir bequem mit dem Shuttlebus hin- und zurück.

Der Grand Canyon schlägt alle Rekorde. Er ist 450km lang, an der tiefsten Stelle 1800 Meter tief und mehr als 10 Millionen alt.

Um 09:00 geht es mit dem Bus los zum Ausgangspunkt des South Kaibab Trails. Von dort aus wandern wir hinunter bis zum Colorado River. Der Weg führt steil und über unzählige Treppenstufen hinunter in den Canyon. Wie so oft waren die Bewilligungen für die Übernachtung im Tal nicht mehr verfügbar und so steigen wir am gleichen Tag hinab und wieder hinauf. Immer wieder kommen wir an den Warntafeln vorbei, welche von unserem Vorhaben abraten. Aber mittlerweile wissen wir, dass Amerikaner unter wandern etwas anderes verstehen als Schweizer und wir sind optimistisch, dass wir die 27km lange Wanderung mit einem Höhenunterschied von 1600 Metern schon irgendwie überleben werden. Damit wir nicht den gleichen Weg hochsteigen müssen wandern wir im Tal noch etwas dem Colorado River entlang und nehmen dann den Bright Angel Trail. Dieser ist wunderschön. Gemäss Auskunft der Locals hat es dieses Jahr deutlich mehr geregnet als normal und daher blüht alles. So grün hätten wir es nicht erwartet. Beeindruckend sind auch die Temperaturunterschiede. Im Tal ist es brütend warm, auf dem Rim dafür kühl und windig. Nach acht Stunden erreichen wir müde aber zufrieden den Kraterrand. Der Aufstieg hat uns weniger Mühe gemacht als gedacht. Dank den unzähligen Wanderungen in der Höhe in Südamerika sind wir optimal vorbereitet.

Via Horseshoe Bend in den Bryce Canyon

Als nächstes steht der Bryce Canyon auf der Liste. Auf dem Weg dahin machen wir noch einen Stopp beim Horseshoe Bend. Der Colorado River hat eine hufeisenförmige Schneise aus dem Gestein geschnitten, welche von einer Aussichtsplattform aus perfekt betrachtet werden kann. Unglaublich wozu die Natur fähig ist.

Nach diesem kurzen aber eindrucksvollen Stopp geht es in die Höhe. Der Bryce Canyon liegt auf 2400 bis 2700 Metern und ist bekannt für seine Hoodoos. So werden die Sandstein-Türmchen genannt, welche sich zu tausenden aneinander reihen. Auch hier möchten wir die verschiedenen Bereiche des Parks wieder zu Fuss entdecken. Wir unternehmen zwei Wanderungen und fahren mit Beat noch den obligaten Loop-Drive. In vielen Bereichen des Parks liegt noch Schnee und in der Nacht sinkt die Temperatur bis auf 4 Grad. Wir sind froh, dass wir in Beat eine Heizung haben und im warmen Bus frühstücken können. Dies skurrile Landschaft und die schiere Menge der Hoodoos haben uns sehr beeindruckt.

Ein gelungener Abschluss im Zion Canyon

Zum Abschluss dieses Nationalpark-Marathons fahren wir noch zum Zion Nationalpark. Vorab haben wir an der Lotterie teilgenommen und uns ein heiss begehrtes Ticket für den Angels Landing Trail ergattert. Dieser führt über eine Steinkrete zu einem Ausgangspunkt über den Canyon. Um dort hinzugelangen, muss man definitiv schwindelfrei sein. Links und rechts geht es jeweils hunderte Meter in die Tiefe und an einigen Stellen ist etwas Klettergeschick gefragt. Insgesamt ist der Trail aber gut machbar. Weitere Wanderungen können wir hier leider nicht unternehmen, da der Wasserstand des Flusses so hoch ist, dass viele Wege gesperrt sind. Es geht weiter in Richtung Las Vegas.

Einmal quer durchs Landesinnere

Von Nashville aus arbeiten wir uns einmal quer durchs Landesinnere der USA. Wir fahren hoch nach Chicago und dann westlich bis nach Utah. In Iowa und Nebraska gibt es so gar nichts zu sehen und so freuen wir uns umso mehr auf die spektakuläre Natur in Utah.

Die Fahrt von Nashville nach Chicago ist alles andere als angenehm. Denn unsere Start- und Performance-Probleme haben sich leider trotz mehreren Besuchen bei Mechanikern und dem Austausch diverser Teile nicht verbessert. Auf der Autobahn kurz vor Chicago beginnt es zu schneien und Beat reagiert sehr schlecht auf die Kälte. Immer wieder geht der Motor im Stau einfach so aus. Wir retten uns mit Ach und Krach von der Autobahn und schleppen uns zu einem Mechaniker.

Mittelamerikanische Gastfreundschaft in Chicago

Den Mechaniker Wilson haben wir wie immer auf iOverlander gefunden. Zum Glück. Denn am nächsten Morgen lässt sich Beat gar nicht mehr starten. Nur mit Starting-Spray und nach etlichen versuchen springt er an. Zum Glück sind alle Mechaniker aus Honduras und El Salvador und vertraut mit unserem Fahrzeugtyp. Sie justieren die Kupplung, reinigen das AGR und die Drosselklappe, ersetzen einen Sensor und stellen unsere Handbremse wieder ein. Gerne hätten sie auch noch mehr geholfen, aber leider sind keine Ersatzeile verfügbar und auf Verdacht etwas bestellen macht keinen Sinn. Doch mit dieser Verbesserung sind wir für den Moment zufrieden und zuversichtlich, dass wir wieder einige Kilometer zurücklegen können. Nach drei Tagen sind wir wieder auf der Strasse. Am letzten Abend stossen wir noch mit der ganzen Crew an, so wie sich das in Mittelamerika gehört. Wir sind heilfroh, dass wir diese Garage gefunden haben und Chicago trotz Autostress einigermassen geniessen konnten. Wie immer lenken wir uns mit gutem Essen und Sightseeing ab.

Die langweiligste Fahrt der ganzen Reise

Weiter geht es nach Colorado. Die Fahrt dahin gestaltet sich extrem langweilig. Denn in Iowa und Nebraska gibt es wirklich nichts zu sehen. Die Staaten sind so unspektakulär, dass eine Autobahnbrücke als Sehenswürdigkeit aufgeführt wird. Links und rechts hat es nichts als abgemähte Felder und Kornspeicher. Das Wetter ist grau und die Autobahn trist. Nach etwas mehr als zwei Tagen treffen wir endlich in Denver ein. Geplant war ein Besuch im Rocky Mountain Nationalpark. Aber aufgrund des Schlechtwetter-Einbruchs ist der ganze Park geschlossen. In den letzten Tagen hat es so heftig geschneit, dass die Strassen nicht befahrbar sind. Und es sieht nicht so aus, als würde sich das Wetter innerhalb der nächsten Tage verbessern. Daher entscheiden wir kurzerhand, direkt weiterzufahren in Richtung Utah. Auf dem Weg gönnen wir uns noch etwas Entspannung in Glennwood Springs und bestaunen die Berge aus der Ferne. Immerhin!

Spektakuläres Utah

Als erstes steht in Utah der Canyonlands Nationalpark auf dem Programm. Dieser besteht aus drei verschiedenen Sektoren und bietet unglaublich viel zu entdecken. Das Land rund um den Nationalpark gehört dem Staat und ist daher perfekt für Wildcamping. Wir finden einen wunderschönen Platz, welcher nur einige Kilometer entfernt ist vom Eingang zum Island in the Sky Sektor. Dort wollen wir am nächsten Morgen den Sonnenaufgang beim Mesa Arch geniessen. Wir stehen um 04:00 auf und wandern zum weltbekannten Steinbogen. Es ist eisig kalt und fast noch komplett dunkel. Frierend warten wir gemeinsam mit einer Handvoll weiteren Frühaufstehern auf die Sonne. Diese scheint bei Sonnenaufgang direkt durch den Bogen und taucht diesen in warmes oranges Licht. Es sieht einfach nur magisch aus. Dafür hat sich das Frühaufstehen definitiv gelohnt.

Wandern im Needle District

Am nächsten Tag geht es weiter in den Needle District. Dieser gehört ebenfalls zum Canyonlands Nationalpark, wird aber deutlich weniger besucht. Auch hier scheint die Landschaft wie von einem anderen Planeten. Wir wandern durch enge Canyons, vorbei an unendlich vielen Steinsäulen und kuriosen Felsformationen. Unterwegs treffen wir nur auf ein paar wenige Wanderer und geniessen diese spektakuläre Landschaft. Am Abend geht es zurück zu unserem wilden Stellplatz, welcher sich ebenfalls in Mitten der Natur befindet. Utah, du hast uns verzaubert.

Noch mehr Highlights im Arches Nationalpark

Und es geht bombastisch weiter. Nach zwei Tagen im Canyonlands Nationalpark sowie einem kurzen Abstecher in den Dead Horse Point State Park besuchen wir den Arches Nationalpark. Aufgrund seiner Popularität muss vorab ein Zeitslot reserviert werden. Wir dürfen einmal um 14:00 Uhr reinfahren und am nächsten Tag um 13:00 Uhr. Danach darf man so lange bleiben wie man möchte. Am ersten Tag fahren wir ganz ans Ende des Parks und wandern zum Double O Arch. Auf dem Rückweg besuchen wir zum Sonnenuntergang noch den Delicate Arch. Er ist der berühmteste Bogen im Park, aufgrund seiner ausgestellten Lage. Ein kurze aber steile Wanderung bringt einen auf den Felsen, auf welchem er thront. Als wir den Park verlassen ist es bereits dunkel. Müde aber zufrieden fahren wir zu unserem Schlafplatz etwas ausserhalb des Parks.

Mehr als 2000 Bögen befinden sich im Arches National Park. Etwa 20 davon haben wir in zwei Tagen besucht.

Am nächsten Tag fahren wir in einen abgelegenen Teil des Parks. Die Zufahrtstrasse ist nicht asphaltiert und etwas rau. Daher verirren sich nur wenige Besucher in diesen Teil. Wir wandern zum Tower Arch und treffen unterwegs auf eine geführte Gruppe. Der Guide ist von Aarau und empfiehlt uns weiter hochzuklettern. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Innerhalb von wenigen Minuten erreichen wir die Spitze der skurrilen Felsformation und haben einen fantastischen Blick. Danach geht es zurück zum Parkplatz. Wir gönnen uns ein Panaché bevor wir die letzten Bögen in Angriff nehmen. Diese befinden sich wieder in einem populären Teil des Parks. Mittlerweile ist es aber bereits wieder Abend und so halten sich die Massen in Grenzen. Der Park hat uns sehr beeindruckt und bietet einen guten Mix. Man kann längere Wanderungen unternehmen oder auch nur die Bögen besuchen, welche Nahe bei der Strasse sind. Am schönsten ist es aber unserer Meinung definitiv weit weg von der Strasse, wo keine asphaltierten Wege hinführen.

Familienbesuch in Georgia

Nach der Rundreise mit meinem Mami in Florida geht es weiter zu Bryans Familie in Georgia. Wir besuchen Bryans Neffen in Jacksonville sowie seine Nichte in Charlotte. Danach erkunden wir den Great Smokey Mountains Nationalpark bevor wir ein entspanntes Osterwochenende mit seiner Schwester Denise verbringen. Und zum Abschluss geht es noch in die Stadt der Country-Musik.

Die Fahrt von Orlando in die Smokey Mountains ist quasi ein Familien-OL. Unser Ziel ist es möglichst alle Neffen und Nichten von Bryan zu besuchen. Unsere Route haben wir dementsprechend geplant. Als erstes treffen wir Ashton in Jacksonville, Florida zum Mittagessen. Leider haben wir vergessen ein Foto zu schiessen. Danach geht es weiter nach Charlotte, North Carolina wo Vivian und Oliver leben. Wir finden einen schönen Camping in der Nähe und verbringen einen geselligen Abend in ihrem Lieblingsrestaurant. Es gibt Fleischkäse und Spiegelei. Das hatten wir schon lange nicht mehr.

Great Smokey Mountains Nationalpark

Auf unserer Reise hatten wir bis jetzt nicht viele Wälder. Daher freuen wir uns sehr, in den Smokey Mountains endlich wieder einmal durch richtige Wälder zu schlendern. Bekannt ist der Nationalpark für seine mystischen Berge, welche oft aussehen wie Gemälde sowie die Rothirsche, welche in der Region beobachtet werden können. Wir entscheiden uns für eine Wanderung zu einer Höhle sowie einem Aussichtspunkt. Das Wetter ist perfekt, es hat etwas Nebel, welcher die Berge mystisch aussehen lässt. Es wird schnell klar, woher der Nationalpark seinen Namen hat. Nach einer ruhigen aber kalten Nacht auf dem Parkplatz, von welchem wir gestartet sind, geht es weiter zu Denise. Sie lebt im kleinen Ort Dahlonega, nur vier Stunden entfernt.

Familienzusammenkunft an Ostern

In Dahlonega angekommen parkieren wir Beat direkt vor dem Haus und freuen uns auf ein paar ruhige Tage. Wir feiern gemeinsam mit Denise, Marissa, Elaina und Freunden Ostern, unternehmen eine Wanderung und verkosten lokalen Wein. Die Wanderung führt uns vorbei an Wasserfällen sowie hinauf auf den Yonah Mountain. Die Umgebung rund um Denises Haus gefällt uns super und wir geniessen es, einfach mal einige Tage mit der Familie in Übersee zu verbringen.

Nashville – Bourbon und Livemusik

Von Dahlonega aus machen wir uns auf den Weg nach Nashville. Mehr als eine halbe Million Menschen leben in der Hauptstadt der Musik und wir sehen schnell warum. Es gibt gutes Essen, tolle Musik und ausserhalb des Zentrums hübsche Siedlungen. Wir finden ein schönes Plätzchen in einer Quartierstrasse, wo wir kostenlos zwei Nächte verbringen. Von dort aus können wir zu Fuss ins Zentrum. In der Stadt probieren wir Nashville Hot Chicken, beobachten den Trubel in der Innenstadt, degustieren Bourbon und besuchen zwei Konzerte. Wir fühlen uns pudelwohl. Ein Besuch der Stadt ist nur zu empfehlen. Nächstes Highlight: Chicago

Unterwegs im Alligatoren-Staat

Von Orlando aus erkunden wir Florida im Uhrzeigersinn. Es geht via Fort Lauderdale nach Miami. Danach bis fast an den südlichsten Zipfel und schliesslich der Westküste entlang wieder zurück nach Orlando.

Nach einer praktischen Nacht in Fort Lauderdale inklusive Vodka-Tasting fahren wir nach Miami. Wir flanieren dem Strand entlang, kühlen uns im Meer ab und entdecken das kubanische Viertel. Es gefällt uns erstaunlich gut und gerne wären wir über Nacht hier geblieben. Da aber gerade Spring Break ist, sind alle Campingplätze ausgebucht und so fahren wir am Nachmittag weiter nach Key Largo.

Mit dem Kajak durch die Mangroven

Key Largo ist umgeben von Wasser und Mangroven. Die Mangroven schützen Florida, auch bekannt als «The Hurricane State», vor Stürmen und bieten vielen Tieren einen komfortablen Lebensraum. Wir entscheiden uns, einen Perspektivenwechsel zu machen und die Umgebung vom Wasser aus zu erkunden. Dafür mieten wir uns Kajaks und paddeln durch die schmalen Kanäle des Mangroven-Sumpfs. Trotz Karte verirren wir uns zwischen den Mangroven. Auch die anderen Paddler scheinen verloren. Irgendwie sieht es überall gleich aus. Da es bereits ziemlich warm ist, sehen wir nur wenige Tiere. Nichtsdestotrotz, beeindrucken uns das klare Wasser und die Mangroven-Geflechte. Nach einiger Zeit finden wir zum Ausgangspunkt zurück und entdecken auch noch die Mangroven-Quallen. Diese liegen Kopfüber am Boden und sehen aus wie grüne Schneeflocken. Erst bei längerer Betrachtung sieht man, wie sie pulsieren. Als wir wieder zurück sind auf dem Campingplatz erhält Bryan noch einen Haarschnitt, bevor es weiter geht Richtung Everglades.

Auf Safari in den Everglades

Damit wir genügend Zeit haben, die Everglades zu entdecken, verbringen wir zwei Nächte auf einem Camping im Park. Mit 6000 Quadratkilometer Fläche belegt der Everglades Nationalpark Rang drei der grössten Parks in den USA. Seine Fläche ist vergleichbar mit dem Kanton Bern. Grosse Teile des Parks sind Marschland und beheimaten Krokodile, Alligatoren, Schildkröten sowie unzählige Vogelarten. Am ersten Tag nehmen wir an einem Ranger-Talk teil und unternehmen eine kurze Wanderung auf Holzpfaden. Diese führt vorbei an diversen schlafenden Alligatoren, fressenden Schildkröten und jagenden Anhingas (Schlangenhalsvögel). Diese tauchen und spiessen mit ihrem speerförmigen Schnabel die Fische im Wasser auf. Wir werden sogar Zeugen eines Alligatoren-Kampfs.

Rund 1.5 Millionen Alligatoren leben in Florida, 200’000 davon sind in den Everglades zuhause.

Am Nachmittag besuchen wir den südlichen Teil des Parks, wo wir im Wasser Seekühe entdecken und eine weitere Wanderung unternehmen möchten. Nach etwa drei Kilometer geben wir allerdings auf. Der geteerte Weg entspricht nicht wirklich unseren Vorstellungen und wir beschliessen lieber nochmals einem Holzpfad entlang zu schlendern, bevor wir auf dem Camping einen gemütlichen Abend am Lagerfeuer verbringen.

Gemächlich durch den Sumpf im Airboat

Auf dem Weg an die Westküste stoppen wir bei einem Airboat-Anbieter. Mit einem dieser verrückten Boote über das Wasser zu rasen, das ist der Plan. Als wir im Boot sitzen, warten wir vergeblich auf die Beschleunigung. Langsam und gemütlich tuckern wir über das Marschgras und lauschen den Erklärungen des Guides. Nach einer Stunde ist das Spektakel vorbei und wir etwas enttäuscht. Scheinbar haben die Regeln geändert und schnelles Fahren ist nicht mehr erlaubt. Immerhin haben wir nochmals Alligatoren gesehen.

Die letzte Attraktion und für uns eines der Highlights in den Everglades ist der Scenic Drive entlang der Loop Road. Links und rechts von der Strasse verlaufen Bäche, Flüsse und Wassergräben, in welchen sich die Alligatoren nur so tummeln. Wir trauen unseren Augen nicht. Sie scheinen hier zur Landschaft zu gehören wie bei uns Spatzen. Immer wieder halten wir an und bestaunen den kleinen Bruder des Krokodils. Bis zu sechs Meter lang wird ein ausgewachsener Alligator. Ganz schön furchteinflössend. Doch zum Glück greifen sie nur extrem selten Menschen an. Sie ernähren sich hauptsächlich von Vögeln, Fischen und kleineren Säugetieren. Die Reiher und Rosalöffler scheint die Präsenz der Alligatoren nicht zu kümmern. Sie waten gemütlich durch das seichte Wasser und sind sich keiner Gefahr bewusst. Es kommt uns vor, als wären wir im Zoo.

Strandtage auf Sanibel und Honeymoon Island

Wer jetzt an menschenleere Strände denkt, der täuscht sich. Es ist Spring Break und wir sind nicht die einzigen, die ans Wasser fahren. Allgemein ist Florida zu dieser Zeit sehr gut besucht. Zum Glück werden die Menschen weniger, desto weiter wir uns vom Parkplatz entfernen und so finden wir trotzdem noch ein gemütliches freies Plätzchen. Neben Baden und Sonne tanken unternehmen wir einen Spaziergang entlang des Osprey Trails, auf welchem wir Fischadler aus nächster Nähe beobachten können. Wir sind fasziniert, wie sie auf den Bäumen in aller Ruhe ihre Beute fressen. Aber auch am Boden gibt es etwas zu sehen. Wir begegnen mehreren Schildkröten und Reihern. Ein sehr empfehlenswerter Trail.

Letzte gemeinsame Tage rund um Orlando

In zehn Tagen haben wir Florida einmal umrundet und stehen leider schon am Schluss der gemeinsamen Reisezeit mit meinem Mami. Bevor es zurück in die Stadt geht, machen wir nochmals einen Kajak-Ausflug inklusive Schnorcheln in einer eiskalten Quelle und geniessen ein weiteres leckeres Barbecue in einem der vielen schönen Stateparks. Dort sichten wir auch endlich ein Gürteltier und spielen zum letzten Mal zu dritt Frisbee. In Orlando treffen wir uns schliesslich noch mit Bryans Neffen Morgan. Und dann gilt es Abschied zu nehmen. Während mein Mami zurück nach Zürich fliegt, machen wir uns auf den Weg in Bryans alte Heimat. Nächster Stopp: Georgia

Südstaaten-Charme

Nach der Auszeit in Jamaika freuen wir uns, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu entdecken. In einer ersten Etappe geht es von Houston, via New Orleans bis nach Orlando. Wir entdecken die Cowboy Kultur, geniessen guten und weniger guten Jazz und machen einen Ausflug auf den Mond.

Bevor es losgehen kann, müssen wir allerdings Beat aus dem Hafen abholen und bei der Zollbehörde vorbei. Unser Hotel haben wir extra so gewählt, dass wir zu Fuss zum Zollgebäude können. Wir stärken uns mit einer Waffel in der Form des Staates Texas und laufen dann los. Allerdings hat es kein Trottoir uns so wird es ein eher ungemütlicher Marsch entlang dem Highway. Etwas nervös betreten wir das Glashochhaus, in welchem sich die Zollbehörde befindet. Denn uns fehlt ein wichtiges Dokument, welches wir für den temporären Import des Fahrzeugs benötigen. Unser Agent in Argentinien hat vergessen dieses zu beantragen und die Behörden arbeiten sehr langsam. Vor Ort stellt sich dann zum Glück heraus, dass wir uns zu viele Sorgen gemacht haben. Der Zöllner stempelt unsere «Arrival Notice» und meint, das wäre alles was wir benötigen. Etwas ungläubig stehen wir vor dem Schalter und fragen ihn, ob er sich wirklich sicher ist. «Sure», entgegnet er uns.

Vom Hafen direkt zum Flughafen

Zufrieden und erleichtert setzen wir uns mit dem amerikanischen Pärchen in Verbindung, das ihren Jeep ebenfalls verschifft hat. Sie haben ein Mietauto und nehmen uns am nächsten Tag mit an den Hafen. Es läuft wie am Schnürchen. Auch der Prozess am Hafen ist effizient. Als wir eintreffen erhalten wir innert weniger Minuten das Auslösedokument, müssen dann aber nochmals eine Stunde abwarten, bis die Mittagspause um ist. Als ich Beat in Empfang nehme, sehe ich sofort, dass wieder gestohlen wurde. Was soll’s, damit haben wir gerechnet. Leider kommt dieses Mal noch Vandalismus hinzu. Die Diebe haben sich mit Gewalt versucht Zugang zu verschaffen und dabei das Dachfenster, das Schloss der Hintertüre und das Seitenfenster beschädigt. Erfolgreich waren sie schliesslich über das Seitenfenster. Gestohlen wurden Bryans Kleider, Wanderschuhe, alle unsere Werkzeuge, ein Zelt und unser Nummernschild. Trotz Diebstahl sind wir zufrieden, dass wir Beat so schnell auslösen konnten und fahren schnurstracks zum Flughafen. Dort kommt in wenigen Stunden mein Mami an. Sie reist die nächsten drei Wochen mit uns mit.

Rodeo und gutes Essen in Houston

Es gibt Städte, in welchen man sich sofort wohl fühlt. Houston ist so eine. Nachdem wir Mami am Flughafen abgeholt, und wegen unseres gestohlenen Nummernschildes fast abgeschleppt worden wären, quartieren wir uns in einem AirBnB im Museumsviertel ein. Beat ist an der Strasse parkiert. Unser Host versichert uns, dass es ein sehr sicheres Viertel sei und wir uns keine Sorgen machen müssen. Restaurants und Museen sind in Gehdistanz. Die Lage ist perfekt. Wir verbringen die nächsten beiden Tage hier und feiern unter anderem meinen Geburtstag. Wir besuchen die Color Factory und natürlich auch den landesweit bekannten Rodeo. Leider ist es nicht mehr möglich Tickets für die Abendveranstaltungen zu ergattern, aber auch die «Chilbi», Tierausstellung und Messe geben uns einen guten Einblick in die Cowboy-Kultur.

Auf in die Stadt des Jazz

Von Houston aus geht es weiter nach New Orleans. Da es doch fünfeinhalb Stunden Fahrt sind, schlafen wir unterwegs einmal, bevor wir uns auf einem RV-Park einquartieren. Da Mami ihren Mietcamper erst in Orlando erhält, übernachtet sie einige Nächte im Zelt, welches wir in Houston gekauft haben. Den ersten Tag verbringen wir an der weltbekannten Bourbon-Street. Wir flanieren durch die Gassen, bewundern die geschichtsträchtigen Gebäude und beobachten den Trubel. Und natürlich probieren wir auch die typischen Südstaaten-Gerichte. Der perfekte Abschluss bietet schliesslich ein Live-Konzert vor dem Jazz Museum. Leider beginnt es dann aber zu regnen und so flüchten wir in ein Restaurant. Am zweiten Tag geht es in den Garden District. Bekannt ist dieser für seine schönen Südstaaten-Villen sowie die rundherum gelegenen Shops und Restaurants. Am Abend wollen wir nochmals Jazz hören. Nach der Empfehlung unserer Uber-Fahrerin besuchen wir die Frenchman-Street. In der ersten Bar, bluten uns aber die Ohren. Wir stellen fest: Free Jazz ist nicht unser Ding. Zum Glück finden wir dann aber noch eine Bar in welcher zwei super Bands spielen. Ein versöhnlicher Abschluss.

Cape Canaveral – Ein Ausflug auf den Mond

Auch von New Orleans nach Orlando ist es wieder eine lange Fahrt. Wir durchqueren die prägnanten Sumpflandschaften und fahren scheinbar endlos der Küste entlang, bis wir schliesslich nach zwei Tagen in Orlando ankommen. Dort holen wir als erstes Mamis Camper ab. Der bunt bemalte Ford namens Kroki wird ihr Zuhause für die nächsten zehn Tage. Wir schlafen am Meer direkt vor Cape Canaveral und besuchen am nächsten Tag das Weltraumfahrt-Zentrum. Die ausgestellten Raketen und Installationen sind beeindruckend und wir lernen so einiges über die Entwicklung und Geschichte der amerikanischen Raumfahrt. Nach fast fünf Stunden sind wir aber fix und fertig und freuen uns auf einen ruhigen Abend. Nächster Stopp: Miami

Entspannung in Jamaika

Während Beat übers Meer schaukelt verbringen wir drei Wochen in Jamaika. Wir erleben eine ganz neue Kultur, essen unglaublich lecker und geniessen die schönen Strände.

Als wir mit dem Flugzeug in Kingston ankommen bemerken wir gleich, dass wir schlecht vorbereitet sind. Wir kennen den Wert der Währung nicht und am Flughafen hat es kein Internet. Schlechte Voraussetzungen, um den Taxipreis zur Unterkunft zu verhandeln. Wir heben Jamaican Dollars ab und gehen mit einem mehr oder weniger seriös aussehenden Fahrer mit. Dieser bringt uns zum Glück sicher ans Ziel und hat uns, wie sich später herausstellt, nicht einmal abgezockt. Ein guter Start.

Erste Eindrücke in Kingston

Kingston ist nicht nur die Hauptstadt, sondern auch die grösste Stadt in Jamaika. Architektonisch überzeugt sie nicht wirklich, dafür bietet sie eine florierende Musikszene und vor allem Arbeit für einen grossen Teil der Inselbewohner. Wir quartieren uns für zwei Tage in einem AirBnB ein und wollen als erstes ins Bob Marley Museum. Dieses liegt einige Kilometer entfernt und so kommen wir in den Genuss einer ungewöhnlichen Taxifahrt. Der Fahrer ist ein waschechter Rastaman. Er gibt auf dem 15-minütigen Weg seine Songs zum Besten und raucht in aller Ruhe seinen Joint. Die perfekte Einstimmung auf den Besuch im Museum.

Die Legende lebt

Das Bob Marley Museum befindet sich in seinem Haus und Aufnahmestudio. Gemeinsam mit dem Guide gehen wir von Raum zu Raum und tauchen so in das Leben der Reggae-Legende ein. Insbesondere, da der Guide auch alle grossen Hits anstimmt. Es wird gesungen, getanzt und geklatscht und fühlt sich so an, als würde Bob Marley noch immer hier leben. Einen Besuch des Museums können wir nur empfehlen. Es gibt einen guten Einblick in sein Leben und ist zugleich ein Konzert.

Strandtage in Montego Bay

Nach zwei Tagen wollen wir in Richtung Strand. Als erstes übernachten wir im kleinen Ort Hopewell, neben Montego Bay. Dorthin zu gelangen ist wieder ein Abenteuer, denn um Geld zu sparen, möchten wir den Touristenfernbus meiden. Somit quetschen wir uns mit den Locals in Minibusse, welche die grösseren Städte miteinander verbinden. Diese sind meist für 6-9 Passagiere ausgelegt. Transportiert werden aber 12-15 pro Auto. Mit unserem Gepäck eine echte Herausforderung. Nie hätten wir gedacht, dass so viele Menschen in ein Auto passen und dieses dann auch noch fährt. Nach rund fünf Stunden, mit sehr viel Körperkontakt, Preisverhandlungen und ständigem Umladen unseres Gepäcks treffen wir endlich ein. Nun brauchen wir definitiv ein paar ruhige Strandtage.

Disneyland für Erwachsene

Von Hopewell aus erkunden wir die Strände in Montego Bay. Zudem fahren wir zusammen mit Frau Clark, dem Hausmädchen der Unterkunft, auf den Markt. Sie ist extrem herzlich, und erzählt uns etwas mehr über die Kultur und den Lebensstil der Jamaikaner. Im Dorf kennt man sie. Immer wieder rufen ihr die Leute etwas zu oder grüssen sie mit «Hey Rasta». So werden Jamaikaner genannt, welche sich an der Rastafari Bewegung orientieren. Oftmals tragen sie Dreadlocks, ernähren sich vegetarisch oder vegan, konsumieren Cannabis als spirituelles Mittel und setzen sich für die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung ein.

Rastafari ist ein Lebensstil, keine Religion. Menschen verteilt auf der ganzen Welt haben sich dieser Bewegung angeschlossen und setzen sich für ein friedvolles Leben ein.

Die Strände in Montego Bay sind makellos. Das Wasser ist wunderschön türkisblau und der Sand fein und weiss. Die Stadt selbst ist jedoch gar kein Hingucker. Zumindest nicht für uns. Aufgrund der vielen Kreuzfahrt-Touristen wurde die ganze Promenade mit Hotelbunkern zugebaut. Zudem wirkt es auf uns etwas wie Disneyland. Wasserrutschen führen von Terrassen aus ins Meer, fragwürdige Dekorationen zieren die Gebäude und die Strassenverkäufer sind für unseren Geschmack viel zu aufdringlich. Wir beschliessen ins ruhigere Negril zu fahren.

Negril — Eine Oase im Westen Jamaikas

In Negril fühlen wir uns sofort wohl. Der berühmte Seven-Mile-Beach ist gesäumt von kleinen Hotels, Hostels und Restaurants. Alles ist öffentlich zugänglich und überall kann unkompliziert etwas gegessen oder getrunken werden. Wir geniessen unser herziges Bungalow, den wunderschönen Strand und entdecken die leckere Küche von Jamaika. Diese ist unglaublich vielseitig und hat uns sehr überrascht. Es gibt Jerk Chicken vom Fassgrill, Ziegen- und Fischcurry sowie Hummer. Und auch die Beilagen überzeugen. Besonders die Kroketten ähnlichen Festivals haben es uns angetan. Einzig die Velotour zu einer Lagune ist ein Reinfall. Denn nach 10 Kilometer bricht bei Bryans Mietvelo der Umwerfer ab und verkeilt sich im Rad. Wir versuchen es zu reparieren, doch es ist chancenlos. Zu Fuss zurück geht auch nicht, denn das Velo kann nicht gestossen werden. Zum Glück halten einige Locals an und schliesslich bietet sich einer an, das Velo einzuladen und Bryan zurückzubringen. Für zwei hat es keinen Platz und da mein Velo noch fährt trete ich den Rückweg an. Stets begleitet von Bryan und dem Fahrer, damit mir auch ja nichts passiert.

Dschungeltour in Ocho Rios

Der letzte Ort bevor es wieder zurück geht nach Kingston ist Ocho Rios. Ebenfalls ein beliebter Ferienort. Auch hier legen Kreuzfahrtschiffe an. Steht ein Schiff im Hafen, so herrscht im Ort reger Betrieb. Ist dieses wieder weg, wirkt es eher wie eine verschlafene Kleinstadt. Wir entscheiden uns, zur Abwechslung zum Strand einen Ausflug in den Dschungel zu unternehmen. Eigentlich wollen wir zu Fuss zu den bekannten Dunn’s River Falls, werden aber auf dem Weg von einem lokalen «Guide» abgefangen und besuchen mit ihm eine verlassene Hotelanlage. Das Luxusresort wurde schon von einigen Jahren geschlossen und die Natur hat sich die Anlage zurückgeholt. Alles ist überwuchert und verwildert. Auf dem Weg kommen wir an diversen Wasserfällen vorbei, sehen verschiedene Tiere, erfahren mehr über die Pflanzen und trinken mit Locals ein eiskaltes Red Stripe. Ein gelungener Nachmittag, ganz nach unserem Geschmack.

Neben dem Ausflug in den Dschungel erkunden wir die Stadt, besuchen einen Handwerksmarkt, essen Streetfood und fahren zu einem etwas weiter entfernten Strand. Dieser liegt in einer Bucht und kam sogar in einem James Bond Film vor.

Die letzten Tage in Kingston

Da unser Flug in die USA wieder von Kingston aus geht, kehren wir nochmals in die Hauptstadt zurück. Wir haben noch zwei Tage, um die Stadt zu entdecken und begeben uns auf eine selbstgeführte Walking Tour. Dabei kommen wir an farbiger Street Art vorbei, besuchen einen chaotischen Markt, beobachten ein Cricket Spiel und tauschen uns mit den Locals aus. Nun, da wir uns schon an die Art und Kultur der Jamaikaner gewohnt sind, wirkt die Stadt ganz anders. Zu Beginn hat uns die forsche Art und das für uns Schweizer aufdringliche Verkaufen etwas eingeschüchtert. Wenn man jedoch weiss, wie damit umgehen, kommt man eher ins Gespräch und kann auch mit einem Witz kontern. Insgesamt hat uns Jamaika sehr gut gefallen, wenn auch viele Teile leider etwas stark dem Tourismus zum Opfer gefallen sind. Besonders fasziniert hat uns die Natur, das leckere Essen, die spannenden Menschen und natürlich die Musik. Sogar Bryan, der vorher gar nichts mit Reggae anfangen konnte, ist nun ein kleiner Reggae-Fan.

Der Küste entlang bis nach Buenos Aires

Die letzte Etappe in Südamerika führt uns der Atlantik-Küste entlang bis nach Buenos Aires. Auf dem Weg besuchen wir die bekanntesten Badeorte. 1800 Kilometer fahren wir auf den Autobahnen Argentiniens. Die Distanzen sind riesig. In der Hauptstadt angekommen steht die Organisation der Verschiffung in die USA an.

Wir wussten, dass Argentinien riesig ist. Auf dem Weg nach Buenos Aires hat sich dies nochmals verdeutlicht. Wir fahren jeden Tag ungefähr 400 Kilometer und durchqueren so innerhalb einer Woche fast das ganze Land. Wenn auch die Strecke nicht mit vielen Highlights auftrumpft, finden wir immer ein schönes Schlafplätzchen. Auf dem Weg passieren wir die grösste Dinosaurier-Statue und legen einen ersten Stopp im Küstenort Raswon ein. Entlang der rauen Küste ist Wildcampen erlaubt. Perfekt für eine ruhige Nacht mit einer erfrischenden Brise. Beim Abendspaziergang treffen wir wie so oft auf streunende Hunde und beobachten zusammen mit den Dorfbewohnern wie sich ein aufgelaufenes Fischerboot versucht von den Klippen zu befreien.

Eine Nacht bei den Papageien

Am nächsten Tag steht ein weiterer anstrengender Fahrtag an. Zum Glück mit einer Belohnung am Abend. Wir planen bei einer der grössten Papageien-Kolonien weltweit zu schlafen. Über 100’000 Vögel nisten in den Klippen bei Viedma. Besonders aktiv sind sie bei Sonnenuntergang. Wir parkieren Beat direkt oberhalb der Klippe und können die Papageien so in aller Ruhe beobachten. Sie fliegen in Gruppen über die Klippen und stechen fast schon akrobatisch in ihre in den Klippen liegenden Höhlen. Gepaart mit dem Sonnenuntergang ein faszinierendes Naturspektakel. Zufrieden kriechen wir ins Bett, bevor es am nächsten Tag weiter geht zur ersten Badedestination.

Las Grutas und Mar de Plata

Bei den Badeorten Las Grutas und Mar de Plata gönnen wir uns je einen Tag Auszeit. So können wir noch etwas Sonne tanken und uns anschauen, wie die Argentinier ihre Ferien verbringen. Besser gefallen hat uns definitiv «Las Grutas». Der Strand ist mit seinen Grotten spezieller und es herrscht weniger Ballerman-Stimmung. Dank dem Wind an der Küste schlafen wir trotz sommerlichen Temperaturen auch in Beat gut und wir können endlich wieder einmal draussen sitzen. Danach geht es direkt weiter in die Hauptstadt. Denn es gibt noch so Einiges vorzubereiten.

Höhen und Tiefen in Buenos Aires

Die erste Nacht in Buenos Aires verbringen wir am Strassenrand in Beat. Aufgrund der brütenden Hitze liegen wir fast die ganze Nacht wach. Das wird so nichts. Wir beschliessen Beat vor der Verschiffung in einer Garage noch einen grossen Service zu gönnen und quartieren uns in einem klimatisierten AirBnB ein. Der Plan für die kommende Woche ist folgender: Wir erkunden die Stadt in aller Ruhe, klären alle Details mit unserem Verschiffungsagenten und lassen Beat auf Vordermann bringen. Aber natürlich läuft nichts nach Plan. Vom Verschiffungsagenten werden wir grösstenteils ignoriert und wissen nicht wann wir Beat abgeben müssen respektive ob das Schiff überhaupt fährt. Und auch in der Garage läuft es nicht besser. Nach drei Tagen haben sie noch nicht mit der Arbeit begonnen und das obwohl zwei Scheiben ersetzt, der Heizungskühler getauscht und das morgendliche Motorenstottern behoben werden sollte. Es kommt wie es kommen muss. Als sie endlich zu arbeiten beginnen, sind die Ersatzteile nicht verfügbar und wir müssen uns urplötzlich selbst um alles kümmern. Auch wenn wir uns mittlerweile schon fast etwas an diese Arbeitsmoral gewöhnt haben, sind wir genervt. Denn es könnte jederzeit mit der Verschiffung losgehen und Beat steht komplett zerlegt in der Garage.

Zum Glück hat Buneos Aires als Stadt viel zu bieten und so können wir uns von den ganzen negativen Erlebnissen ablenken. Wir besuchen fast jeden Tag den wunderbaren Mercado San Telmo mit seinen leckeren Empanadas, entdecken eines der besten Thai-Restaurants und vertreiben uns die Zeit im vermutlich schönsten Buchladen der Welt, dem«El Ateneo». Die Bücher sind verteilt im alten und wunderschön beleuchteten Theater. Hier könnte man Stunden verbringen. Zudem ist es perfekt, um sich ein wenig von der Hitze zu erholen. Während wir in Buenos Aires sind herrscht gerade eine krasse Hitzewelle. Tagsüber klettern die Temperaturen auf fast 40 Grad und auch in der Nacht wird es nicht wirklich viel kälter. Daher verlassen wir unser AirBnB nur frühmorgens oder spät abends. Wenn wir uns trotzdem mal am Tag hinaus trauen, dann nicht für lange. Eigentlich schade, denn in den Strassen gibt es viel zu entdecken. Die Anzahl Fruchtläden, Vinotheken, Restaurants und Bars ist beeindruckend.

Armut an jeder Ecke

Die bunten Strassen von Buenos Aires sind leider auch durch Armut gezeichnet. Die seit Jahrzehnten herrschende Inflation und katastrophale wirtschaftliche Lage hat Spuren hinterlassen. In den zwei Wochen, welche wir mit allen Verzögerungen in Buneos Aires verbringen, sehen wir krasse Gegensätze. Während es sich viele Bewohner in den Bars und Restaurants gut gehen lassen, leben andere mit ihrer gesamten Familie auf der Strasse. Wirft man etwas in eine Mülltonne, so wird diese umgehend durchwühlt. Noch nie haben wir so viele Obdachlose und so viel Müll gesehen. Erschreckend ist dabei vor allem, dass es auch viele Familien oder ältere Menschen trifft und nicht wie in anderen Städten mehrheitlich Menschen mit Suchtproblemen. Während dies für die Bewohner der Stadt mittlerweile normal zu sein scheint, so löst es in uns immer wieder Unbehagen aus.

Mehr als 7000 Menschen leben in Buenos Aires auf der Strasse. Diese Zahl stammt aus einer inoffiziellen Statistik, da die Zahlen vom Staat geschönt werden.

Ein versöhnlicher Abschluss

Nach etwas mehr als einer Woche zeichnet sich langsam Licht am Ende des Tunnels ab. Auf eigene Faust haben wir den Heizungskühler an der Ersatzteil-Strasse gefunden und unser Verschiffungsagent hat endlich ein offizielles Abfahrtsdatum für die Verschiffung. Wir beschliessen für die letzten Tage in der Garage einzuziehen, um Beat auszuräumen und die Wertsachen sicher unter dem Bett zu verstauen. Da das Motorenstottern trotz dem erneuten Wechseln des Dieselfilter immer noch besteht, wollen wir uns nun endlich den Glühkerzen annehmen. Auch diese haben wir auf eigene Faust gefunden und gekauft. Der Wechsel sei eine kurze Sache meinen sie. Fünf Minuten später ist eine abgebrochen und nicht mehr zu entfernen. Das gibt es doch nicht! Trotz stundenlangem Schweissen, Gewindeschneiden und Hebeln kommt die Glühkerze nicht raus. Die einzige Möglichkeit wäre, den kompletten Motor auszubauen. Dafür haben wir natürlich keine Zeit mehr, da das Schiff in drei Tagen geht. Es wird emotional! Unsere Stimmung und auch die der Mechaniker sinkt in den Keller. Trotz zwei Wochen Zeit konnte das Hauptproblem nicht gelöst werden und zusätzlich haben wir nun noch eine abgebrochene Glühkerze. Sie arbeiten bis um 10 Uhr abends ohne Erfolg. Wie immer wollen sie nur das Beste für uns und sind extrem bemüht. Daher beschliessen wir, es einfach gut sein zu lassen. Die abgebrochene Glühkerze bleibt drin und wir lassen den Abend mit einem Feierabend Bier und traditionell argentinischer Musik ausklingen. Bryan erhält sogar einen Kurs im Trommeln. Am nächsten Tag dürfen wir noch beim Chef Raffa duschen, bevor es zum Hafen geht.

Chaos im Hafen

Die Fahrt zum Hafen verläuft einigermassen ok. Nach dem Starten stottert Beat wie immer. Er erholt sich dann aber zum Glück sehr schnell. Wir bringen einen Informationszettel am Steuerrad an, damit das Hafenpersonal weiss, wie sie mit dieser Macke umgehen müssen und treffen pünktlich um neun Uhr in Zarate ein. Gemeinsam mit den amerikanischen Reisenden Andy & Weedy stehen wir vor dem Hafen. Von unserem Agenten Daniel Acosta keine Spur. Er trifft erst eine halbe Stunde später ein und hat vergessen zwei Personen pro Fahrzeug anzumelden. Daher müssen Bryan und Weedy draussen bleiben. Das fängt ja schon gut an. Im Hafen stellt sich dann auch noch heraus, dass der Herr von der Versicherung nicht vor Ort ist. Scheinbar wurde er ebenfalls nicht informiert, dass wir heute unsere Fahrzeuge abgeben wollen. Nach einer Stunde warten, treffen die Zollbeamten ein und verlangen, dass alle Gegenstände aus dem Auto geräumt werden. Die mühselig, diebessicher unter dem Bett verstauten Boxen landen am Boden. Jetzt muss plötzlich alles schnell gehen. Der Drogenhund springt frisch fröhlich zwischen den Boxen umher und streunt durch Beat. Vor allem auf dem Bett scheint es ihm gut zu gefallen. Mit seinen Krallen zerreisst er das Bettlaken und springt immer wieder auf die Küchenabdeckung. So richtig professionell wirkt das Ganze nicht. Nach zehn Minuten scheinen sie zufrieden. Ich darf wieder einpacken. Einfacher gesagt als getan. Nur mit der Hilfe von Andy schaffe ich es, alles wieder in die Schubladen zu verstauen. Es ist ein wenig wie Tetris. Danach geht das Warten weiter. Ob der Herr von der Versicherung heute noch vorbeikommen kann, wissen wir nicht. Um uns bei Laune zu halten, schlägt unser Agent ein Mittagessen vor. Eine gute Idee. Danach taucht der Inspektor der Versicherung tatsächlich noch auf und ruckzuck sind alle Dokumente gestempelt. Es ist geschafft. Beat sehen wir erst in drei Wochen in Freeport, Texas wieder. In der Zwischenzeit gönnen wir uns etwas Erholung in Jamaika.