Der Küste entlang bis nach Buenos Aires

Die letzte Etappe in Südamerika führt uns der Atlantik-Küste entlang bis nach Buenos Aires. Auf dem Weg besuchen wir die bekanntesten Badeorte. 1800 Kilometer fahren wir auf den Autobahnen Argentiniens. Die Distanzen sind riesig. In der Hauptstadt angekommen steht die Organisation der Verschiffung in die USA an.

Wir wussten, dass Argentinien riesig ist. Auf dem Weg nach Buenos Aires hat sich dies nochmals verdeutlicht. Wir fahren jeden Tag ungefähr 400 Kilometer und durchqueren so innerhalb einer Woche fast das ganze Land. Wenn auch die Strecke nicht mit vielen Highlights auftrumpft, finden wir immer ein schönes Schlafplätzchen. Auf dem Weg passieren wir die grösste Dinosaurier-Statue und legen einen ersten Stopp im Küstenort Raswon ein. Entlang der rauen Küste ist Wildcampen erlaubt. Perfekt für eine ruhige Nacht mit einer erfrischenden Brise. Beim Abendspaziergang treffen wir wie so oft auf streunende Hunde und beobachten zusammen mit den Dorfbewohnern wie sich ein aufgelaufenes Fischerboot versucht von den Klippen zu befreien.

Eine Nacht bei den Papageien

Am nächsten Tag steht ein weiterer anstrengender Fahrtag an. Zum Glück mit einer Belohnung am Abend. Wir planen bei einer der grössten Papageien-Kolonien weltweit zu schlafen. Über 100’000 Vögel nisten in den Klippen bei Viedma. Besonders aktiv sind sie bei Sonnenuntergang. Wir parkieren Beat direkt oberhalb der Klippe und können die Papageien so in aller Ruhe beobachten. Sie fliegen in Gruppen über die Klippen und stechen fast schon akrobatisch in ihre in den Klippen liegenden Höhlen. Gepaart mit dem Sonnenuntergang ein faszinierendes Naturspektakel. Zufrieden kriechen wir ins Bett, bevor es am nächsten Tag weiter geht zur ersten Badedestination.

Las Grutas und Mar de Plata

Bei den Badeorten Las Grutas und Mar de Plata gönnen wir uns je einen Tag Auszeit. So können wir noch etwas Sonne tanken und uns anschauen, wie die Argentinier ihre Ferien verbringen. Besser gefallen hat uns definitiv «Las Grutas». Der Strand ist mit seinen Grotten spezieller und es herrscht weniger Ballerman-Stimmung. Dank dem Wind an der Küste schlafen wir trotz sommerlichen Temperaturen auch in Beat gut und wir können endlich wieder einmal draussen sitzen. Danach geht es direkt weiter in die Hauptstadt. Denn es gibt noch so Einiges vorzubereiten.

Höhen und Tiefen in Buenos Aires

Die erste Nacht in Buenos Aires verbringen wir am Strassenrand in Beat. Aufgrund der brütenden Hitze liegen wir fast die ganze Nacht wach. Das wird so nichts. Wir beschliessen Beat vor der Verschiffung in einer Garage noch einen grossen Service zu gönnen und quartieren uns in einem klimatisierten AirBnB ein. Der Plan für die kommende Woche ist folgender: Wir erkunden die Stadt in aller Ruhe, klären alle Details mit unserem Verschiffungsagenten und lassen Beat auf Vordermann bringen. Aber natürlich läuft nichts nach Plan. Vom Verschiffungsagenten werden wir grösstenteils ignoriert und wissen nicht wann wir Beat abgeben müssen respektive ob das Schiff überhaupt fährt. Und auch in der Garage läuft es nicht besser. Nach drei Tagen haben sie noch nicht mit der Arbeit begonnen und das obwohl zwei Scheiben ersetzt, der Heizungskühler getauscht und das morgendliche Motorenstottern behoben werden sollte. Es kommt wie es kommen muss. Als sie endlich zu arbeiten beginnen, sind die Ersatzteile nicht verfügbar und wir müssen uns urplötzlich selbst um alles kümmern. Auch wenn wir uns mittlerweile schon fast etwas an diese Arbeitsmoral gewöhnt haben, sind wir genervt. Denn es könnte jederzeit mit der Verschiffung losgehen und Beat steht komplett zerlegt in der Garage.

Zum Glück hat Buneos Aires als Stadt viel zu bieten und so können wir uns von den ganzen negativen Erlebnissen ablenken. Wir besuchen fast jeden Tag den wunderbaren Mercado San Telmo mit seinen leckeren Empanadas, entdecken eines der besten Thai-Restaurants und vertreiben uns die Zeit im vermutlich schönsten Buchladen der Welt, dem«El Ateneo». Die Bücher sind verteilt im alten und wunderschön beleuchteten Theater. Hier könnte man Stunden verbringen. Zudem ist es perfekt, um sich ein wenig von der Hitze zu erholen. Während wir in Buenos Aires sind herrscht gerade eine krasse Hitzewelle. Tagsüber klettern die Temperaturen auf fast 40 Grad und auch in der Nacht wird es nicht wirklich viel kälter. Daher verlassen wir unser AirBnB nur frühmorgens oder spät abends. Wenn wir uns trotzdem mal am Tag hinaus trauen, dann nicht für lange. Eigentlich schade, denn in den Strassen gibt es viel zu entdecken. Die Anzahl Fruchtläden, Vinotheken, Restaurants und Bars ist beeindruckend.

Armut an jeder Ecke

Die bunten Strassen von Buenos Aires sind leider auch durch Armut gezeichnet. Die seit Jahrzehnten herrschende Inflation und katastrophale wirtschaftliche Lage hat Spuren hinterlassen. In den zwei Wochen, welche wir mit allen Verzögerungen in Buneos Aires verbringen, sehen wir krasse Gegensätze. Während es sich viele Bewohner in den Bars und Restaurants gut gehen lassen, leben andere mit ihrer gesamten Familie auf der Strasse. Wirft man etwas in eine Mülltonne, so wird diese umgehend durchwühlt. Noch nie haben wir so viele Obdachlose und so viel Müll gesehen. Erschreckend ist dabei vor allem, dass es auch viele Familien oder ältere Menschen trifft und nicht wie in anderen Städten mehrheitlich Menschen mit Suchtproblemen. Während dies für die Bewohner der Stadt mittlerweile normal zu sein scheint, so löst es in uns immer wieder Unbehagen aus.

Mehr als 7000 Menschen leben in Buenos Aires auf der Strasse. Diese Zahl stammt aus einer inoffiziellen Statistik, da die Zahlen vom Staat geschönt werden.

Ein versöhnlicher Abschluss

Nach etwas mehr als einer Woche zeichnet sich langsam Licht am Ende des Tunnels ab. Auf eigene Faust haben wir den Heizungskühler an der Ersatzteil-Strasse gefunden und unser Verschiffungsagent hat endlich ein offizielles Abfahrtsdatum für die Verschiffung. Wir beschliessen für die letzten Tage in der Garage einzuziehen, um Beat auszuräumen und die Wertsachen sicher unter dem Bett zu verstauen. Da das Motorenstottern trotz dem erneuten Wechseln des Dieselfilter immer noch besteht, wollen wir uns nun endlich den Glühkerzen annehmen. Auch diese haben wir auf eigene Faust gefunden und gekauft. Der Wechsel sei eine kurze Sache meinen sie. Fünf Minuten später ist eine abgebrochen und nicht mehr zu entfernen. Das gibt es doch nicht! Trotz stundenlangem Schweissen, Gewindeschneiden und Hebeln kommt die Glühkerze nicht raus. Die einzige Möglichkeit wäre, den kompletten Motor auszubauen. Dafür haben wir natürlich keine Zeit mehr, da das Schiff in drei Tagen geht. Es wird emotional! Unsere Stimmung und auch die der Mechaniker sinkt in den Keller. Trotz zwei Wochen Zeit konnte das Hauptproblem nicht gelöst werden und zusätzlich haben wir nun noch eine abgebrochene Glühkerze. Sie arbeiten bis um 10 Uhr abends ohne Erfolg. Wie immer wollen sie nur das Beste für uns und sind extrem bemüht. Daher beschliessen wir, es einfach gut sein zu lassen. Die abgebrochene Glühkerze bleibt drin und wir lassen den Abend mit einem Feierabend Bier und traditionell argentinischer Musik ausklingen. Bryan erhält sogar einen Kurs im Trommeln. Am nächsten Tag dürfen wir noch beim Chef Raffa duschen, bevor es zum Hafen geht.

Chaos im Hafen

Die Fahrt zum Hafen verläuft einigermassen ok. Nach dem Starten stottert Beat wie immer. Er erholt sich dann aber zum Glück sehr schnell. Wir bringen einen Informationszettel am Steuerrad an, damit das Hafenpersonal weiss, wie sie mit dieser Macke umgehen müssen und treffen pünktlich um neun Uhr in Zarate ein. Gemeinsam mit den amerikanischen Reisenden Andy & Weedy stehen wir vor dem Hafen. Von unserem Agenten Daniel Acosta keine Spur. Er trifft erst eine halbe Stunde später ein und hat vergessen zwei Personen pro Fahrzeug anzumelden. Daher müssen Bryan und Weedy draussen bleiben. Das fängt ja schon gut an. Im Hafen stellt sich dann auch noch heraus, dass der Herr von der Versicherung nicht vor Ort ist. Scheinbar wurde er ebenfalls nicht informiert, dass wir heute unsere Fahrzeuge abgeben wollen. Nach einer Stunde warten, treffen die Zollbeamten ein und verlangen, dass alle Gegenstände aus dem Auto geräumt werden. Die mühselig, diebessicher unter dem Bett verstauten Boxen landen am Boden. Jetzt muss plötzlich alles schnell gehen. Der Drogenhund springt frisch fröhlich zwischen den Boxen umher und streunt durch Beat. Vor allem auf dem Bett scheint es ihm gut zu gefallen. Mit seinen Krallen zerreisst er das Bettlaken und springt immer wieder auf die Küchenabdeckung. So richtig professionell wirkt das Ganze nicht. Nach zehn Minuten scheinen sie zufrieden. Ich darf wieder einpacken. Einfacher gesagt als getan. Nur mit der Hilfe von Andy schaffe ich es, alles wieder in die Schubladen zu verstauen. Es ist ein wenig wie Tetris. Danach geht das Warten weiter. Ob der Herr von der Versicherung heute noch vorbeikommen kann, wissen wir nicht. Um uns bei Laune zu halten, schlägt unser Agent ein Mittagessen vor. Eine gute Idee. Danach taucht der Inspektor der Versicherung tatsächlich noch auf und ruckzuck sind alle Dokumente gestempelt. Es ist geschafft. Beat sehen wir erst in drei Wochen in Freeport, Texas wieder. In der Zwischenzeit gönnen wir uns etwas Erholung in Jamaika.

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