Dschungel, Traumstrände & eine Schiesserei

Tag 31 bis 38

Nach mehr als einer Woche im Landesinneren von Mexiko machten wir uns auf den Weg an den Strand. Um von Guadalajara an den Pazifik zu gelangen, stand uns eine vierstündige Fahrt bevor.

Wie meistens war diese sehr kurzweilig. Links und rechts vom Strassenrand gab es auch auf dieser Etappe atemberaubende Natur zu bestaunen. Am meisten beeindruckt hat uns der wunderschöne Dschungel, in welchem gemäss den Warntafeln Jaguare leben. Zuerst waren wir etwas misstrauisch, nach der dritten Tafel war aber klar, dass es sich nicht um einen Joke handelt. Leider hat keiner unseren Weg gekreuzt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Nach etwas mehr als 4 Stunden, etlichen Kurven und rund 2000 Höhenmeter Differenz, erreichten wir unser Ziel: einen Stellplatz bei einem Hotel zwischen riesigen Fächerpalmen. Am nächsten Tag ging es an die Chacala Beach. Dort kann man direkt am Strand campen und ist während der Woche praktisch allein. Der perfekte Ort um dem Meer zu lauschen und die Seele baumeln zu lassen. Wir blieben zwei Nächte. Bis jetzt definitiv unser Lieblingsplatz.

Im kleinen Dorf findet man alles was man braucht, es gibt zwei bis drei kleine Strandrestaurants und rudimentäre Sanitäranlagen, die man für 5 Pesos (20 Rappen) nutzen kann. Wir haben vorher unseren Kühlschrank gut gefüllt und daher selbst gekocht. Wie es sich an der Küste gehört, gab es leckeres aus dem Meer. Arroz de Camarones sowie Fischfilet mit Salat und Knoblauchbrot.

Sayulita – überlaufenes Hippiedorf

Wir haben gutes und schlechtes über Sayulita gehört. Wie immer, wollten wir uns selbst ein Bild machen und verbrachten daher zwei Nächte auf einem etwas in die Jahre gekommenen Camping. Der Ort selbst war uns zu touristisch und daher haben wir das Zentrum eher gemieden. Vom Strand aus kann man aber eine sehr schöne Dschungelwanderung unternehmen. Neben der tropischen Pflanzenvielfalt gibt es unterschiedlichste Schmetterlinge, Echsen und aussergewöhnliche Spinnen zu bestaunen.

Leider haben wir auch einige Mückenstiche als Souvenir mitgebracht. Aber das war noch das kleinste Übel. In Sayulita grassierte gerade das Norovirus und Bryan wurde von den Viren erwischt. Den restlichen Tag verbrachte er daher in der Hängematte mit Ingwertee und Bouillon. Man kann sagen, es ging im hundeelend. Kein Wunder, wollten wir dann am nächsten Tag schnell weg.

Gefährlich oder nicht?

Nach einem kurzen Übernachtungstopp in La Manzanilla ging es in den Ferienort Manzanillo. Da wir uns nicht sicher waren, ob es möglich ist, der Küste entlang bis nach Puerto Escondido zu fahren, wollten wir uns vorher Rat holen. Trotz mehreren Gesprächen mit Reisenden und Locals, hatten wir immer noch kein klares Bild in Bezug auf die Sicherheit auf dieser Route. Die Meinungen lagen zu weit auseinander.

Zum Glück haben wir auf dem Flug von Zürich nach Mexiko-City Kevin aus Kanada kennengelernt und uns auf Instagram vernetzt. Er verbringt jedes Jahr mehrere Monate in Colima und hat sich auf unsere Anfrage hin umgehört. Bei einem Lunch in einem wunderbaren Seafood-Restaurant am Strand rät er uns dringlich davon ab, der Küste entlang weiter südlich zu reisen. Touristen werden zwar von Gewalt meist verschont, da sich die Konflikte zwischen den Kartellen abspielen. Trotzdem sollte man es aber nicht unbedingt riskieren, diese als gefährlich eingestuften Gebiete, zu durchqueren. Lieber wieder ins Hochland nach Morelia und von dort aus via Puebla nach Oaxaca. Das klingt nach einem Plan.

Mehr als 100 Schüsse – eine denkwürdige Nacht

Nach dem Mittagessen mit Kevin war es bereits nach vier. Daher entschieden wir uns nicht mehr weiterzufahren, sondern die Nacht auf dem Walmart-Parkplatz zu verbringen. Nichts ahnend sassen wir beim Abendessen, als sich der Parkplatz mehr und mehr mit Militär- und Polizei-Pickups füllte. Trotz Vollmontur und schwerer Bewaffnung sah es aber für uns so aus, als würde der ganze Trupp einfach die Pause direkt bei uns verbringen. Die Stimmung schien ausgelassen, sie grüssten freundlich und wünschten uns guten Appetit. Nach einer Runde Uno legten wir uns daher ins Bett und schliefen trotz Hitze einigermassen schnell ein.

Die Polizei in Mexiko – stets in Vollmontur

Während ich tief und fest schlief, wurde Bryan ca. um drei Uhr nachts von Schüssen, Schreien und quietschenden Reifen geweckt. Nicht weit entfernt, muss es zu einem grossen Einsatz gekommen sein. Einzelne Schüsse und Serienfeuer wechselten sich ab und liessen Bryan das Blut in den Adern gefrieren. Von alle dem habe ich erst am nächsten Morgen erfahren. Am besten einfach verharren und abwarten war die Strategie. Und da Bryan mich nicht unnötig in Panik versetzen wollte, hat er mich nicht geweckt. Das war aber für uns definitiv der ausschlaggebende Punkt, unseren Weg in Richtung Inland fortzusetzen.

Grundsätzlich fühlen wir uns in Mexiko sehr wohl und auch Manzanillo gilt als sicher. Zudem denken wir, dass uns die Polizei weggeschickt hätte, wäre es für uns gefährlich gewesen. Es hat uns aber gezeigt, dass wir Vorsicht walten lassen müssen und uns auf den Rat der Locals sowie unser Bauchgefühl verlassen sollten.

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