Magische Natur, farbige Trachten und politische Probleme

Tag 80 bis 88

Nach den erholsamen und inspirierenden Tagen in Rio Dulce machten wir uns auf den Weg Richtung Süden. Auf dem Programm standen Naturpools, ein faszinierender Markt und die ersten Vulkane in Guatemala.

Der erste Stopp auf dieser Etappe war Semuc Champey. Berühmt ist dieser kleine Ort für seine wunderschönen, im Dschungel gelegenen Naturpools und Wasserfälle. Die Strasse dorthin sei jedoch weniger schön, so die Berichte im Netz. Wir entschieden uns einfach mal loszufahren und zu schauen, wie weit wir es schaffen. Stets im Kopf, dass wir allenfalls in einem der Dörfer im Tal übernachten und einen Tagesausflug unternehmen müssen. Zu Beginn lief alles wunderbar und wir kamen gut voran. Nach einer Kurve verwandelte sich dann die geteerte Strasse leider plötzlich eher in ein Flussbeet. Und das schon 50 Kilometer vor dem Ziel. So früh hätten wir nicht damit gerechnet. Aufgeben wollten wir aber noch nicht. Langsam aber stetig mühlen wir uns den Hang hoch.

Immer wieder schlagen wir mit dem Unterboden auf den grossen Steinen auf. Das schmerzt…Da es keine Alternativroute gibt, ist Umdrehen keine Option. Nach ca. 10 Kilometern folgt dann das Beste. Ein junger Mann hat die Strasse mit einem Seil abgesperrt und verlangt 200 Quetzales (CHF 24.-). Glücklicherweise taucht in diesem Moment hinter uns ein Collectivo auf und sorgt für Ablenkung. Wir können uns vorbeischleichen. Da wir nicht schneller als fünf Stundenkilometer fahren können, kommen wir praktisch nicht vom Fleck. Nach mehr als zwei Stunden treffen wir dann auf einen Deutschen, der mit dem Motorrad unterwegs ist. Auch er ist erschöpft von diesen miserablen Strassenbedingungen. Wir machen gemeinsam eine Pause.

Zudem informiert er uns, dass uns noch eine weitere improvisierte Strassensperre erwartet. Er habe bezahlt, da ihn die zwei Männer nicht durchgelassen hätten. Wir wünschen uns gegenseitig Glück und fahren weiter. Tatsächlich geht es nicht lange, bis wir die Männer sehen. Sie haben grosse Steinbrocken auf die Strasse gelegt, sind mit Pickeln ausgerüstet und wollen natürlich auch wieder 200 Quetzales. Doch jetzt reicht’s. Kurzerhand steige ich aus dem Auto aus, blicke in die erstaunten Gesichter der beiden Männer, die fast einen halben Kopf kleiner sind als ich, und rolle die Steine weg. Während sie uns noch verdutzt anschauen und sich in Kekchí unterhalten, starte ich den Motor und fahre an ihnen vorbei. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir dann endlich ein Dorf mit einer geteerten Strasse. Dort wird uns geraten nur bis Lanquín zu fahren, und dann am nächsten Tag ein 4×4 Collectivo zu den Pools zu nehmen.

Glasklare Pools in Mitten des Dschungels

Wir übernachteten auf dem Parkplatz eines Nationalparks und starteten um 09:00 Richtung Semuc Champey. Gleich nach der Ankunft wanderten wir zum Aussichtspunkt und hatten einen perfekten Blick auf die hintereinander gereihten Naturpools. Nach dem Aufstieg wollten wir uns natürlich auch noch ein Bad gönnen. Da es noch relativ früh war, mussten wir uns die Pools nur mit wenigen Touristen teilen. Die Strapazen hatten sich gelohnt und der Anblick des glasklaren Wassers umgeben von Dschungel stimmte uns wieder versöhnlich.

Der grösste Markt in Mittelamerika

Weiter ging es zum nächsten Bergdorf. Chichicastenango oder kurz Chichi. Immer am Donnerstag und Sonntag verwandelt sich dieses beschauliche, auf rund 2000 Meter gelegene Städtchen in einen der farbenprächtigsten Orte von Guatemala. Denn dann findet der Markt statt. Verkäufer aus den benachbarten Tälern strömen nach Chichi. Angeboten werden Blumen, Früchte und Gemüse, Fisch und Fleisch, Tiere sowie traditionelle Kleidung, allerlei Stoffe und Kunsthandwerk. Für uns einer der schönsten Märkte, die wir bis jetzt gesehen hatten. Insbesondere, da die Verkäufer und auch die Gäste kunstvoll bestickte Trachten tragen und neben einigen Touristen vor allem Locals einkaufen. Genutzt wird fast die ganze Fläche der Stadt. So auch auf die Treppe der Kirche Santo Tomás.

Neben dem Markt ist auch der Friedhof von Chichi einen Besuch wert. Dieser könnte nicht anders sein als bei uns zu Hause. Die Särge sind nicht unter der Erde versteckt sondern in farbigen Häuschen, Pyramiden oder Betonhügeln untergebracht. Dekoriert werden sie mit Gegenständen, Lebensmitteln oder Getränken, welche die Verstorbenen besonders mochten. Zudem dient der Friedhof auch als Ort für die traditionellen Maya-Zeremonien, denn dort befindet sich der westlichste Punkt des Dorfes. Die Zeremonien werden täglich am nördlichsten, östlichsten, südlichsten und westlichsten Punkt abgehalten. Wir haben Glück und können bei unserem Besuch eine Zeremonie beobachten. Der Maya Priester schwenkt einen Rauchkübel, es werden Gegenstände verbrannt und wir hören leisen Sprechgesang. Aus Respekt schiessen wir aber nur wenige Bilder und verweilen nicht allzu lange.

Trotz sehr gemütlichem Camping im Garten von Tomas, unter schönen Bäumen und in guter Gesellschaft eines Schweizer Pärchens wollten wir Chichi eigentlich nach drei Nächten verlassen. Doch dem sollte nicht so sein. Pünktlich zu unserer Abfahrt wurden im ganzen Land an 22 Stellen die wichtigsten Strassen blockiert. Die Bevölkerung von Guatemala ist mit einigen politischen Entscheidungen der Regierung alles andere als einverstanden. Solche Proteste seien die einzige Möglichkeit etwas zu änderen, erklärt man uns. In den kommenden 24 Stunden gibt es daher keine Möglichkeit irgendwo hinzufahren. Schon gar nicht an den Atitlan-See. Wir bleiben noch eine Nacht.

Am nächsten Morgen verlieren wir die Geduld und fahren los. Einige der Sperren wurden mittlerweile aufgehoben. Auf unserer Strecke soll es aber noch ein paar geben. No risk, no fun. Weit kommen wir leider nicht. Nach ca. 40 Minuten Fahrt treffen wir auf die erste Strassensperre und verbringen dort rund sieben Stunden. Es gibt kein vor oder zurück mehr, denn hinter uns wurde die Strasse ebenfalls gesperrt. Nach mehreren Gesprächen mit Locals, die ebenfalls feststecken, stellen wir uns darauf ein, dass wir auf der Strasse übernachten müssen.

Doch dann ein Lichtblick. Unsere Staunachbarn klopfen energisch an unsere Scheibe und rufen: los, los, los. Die Sperre ist für eine Stunde geöffnet. Rund um uns herum rennen alle wie wild zu ihren Fahrzeugen und rasen los. So auch wir. Nach etwas mehr als einer Stunde erreichen wir dann doch noch den Lago Atitlan. Der Ausblick der sich am nächsten Morgen bietet ist unbezahlbar. Ein See umgeben von Vulkanen. Mehr zu unseren Erlebnissen am und um den Atitlan-See im nächsten Bericht.

2 Antworten auf „Magische Natur, farbige Trachten und politische Probleme

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