Die Magie der Vulkane

Die letzten zehn Tage in Guatemala sollten im Zeichen der Vulkane stehen. Wir verbrachten mehrere Tage am idyllischen Lago de Atitlán sowie in und um unsere neue Lieblingsstadt Antigua.

Einmal im Leben Lava sehen. Das stand ganz weit oben auf Bryans Bucket List. Und genau dieser Traum sollte hier in Guatemala endlich in Erfüllung gehen. Zuerst aus der Ferne und dann später noch ganz nah. In San Marcos de Laguna gibt es direkt am See einen wunderschönen Camping-Platz. So konnten wir bereits beim Frühstück die drei Vulkane bestaunen, die den Atitlan-See umgeben. Neben der atemberaubenden Aussicht bieten die Dörfer rund um den See ebenfalls einiges zu entdecken. Jedes hat seinen eigenen Charakter und ist per Boot schnell und günstig erreichbar.

Wir entschieden uns an einem Tag San Pedro zu besuchen und den zweiten Tag für die Sunrise-Wanderung zum Aussichtspunkt Indian Nose zu nutzen. In San Pedro schlenderten wir gemütlich durch die Gassen, stöberten in den verschiedenen Shops und deckten uns, wie eigentlich immer, auf dem lokalen Markt mit Früchten und Gemüse ein. Nahe am Wasser sind die Restaurants, Cafés und Geschäfte stark vom Tourismus geprägt. Je höher man sich durch die verwinkelten Gassen hocharbeitet, desto lokaler wird es. Die Souvenir-Geschäfte weichen Webereien, Ferreterias und Marktständen und anstatt Touristen wuseln traditionell gekleidete Mayas aus der Volksgruppe der Quiché durch die Strassen.

Am nächsten Tag hiess es für uns früh aufstehen. Denn unser Guide für die Erklimmung des Aussichtspunkt Indian Nose holte uns um 04:00 mit dem TukTuk beim Camping ab. In kompletter Dunkelheit fährt er uns mit dröhnendem Motor die beeindruckende Pass-Strasse zu einem kleinen Dorf hoch. Dort starten wir unsere Wanderung. Wir gehen ca. eine Stunde über einen kleinen Trampelpfad durch den Wald. Auf dem Weg kommen wir an Kaffee-Pflanzen vorbei und erfahren von unserem Guide, dass wir diesen dann oben kosten können. Bei der Aussichtsplattform angekommen pfeift uns der kalte Wind um die Ohren. Wir befinden uns auf 2800 Meter. Nach und nach treffen weitere Touristen ein und die Guides beginnen über dem Feuer Kaffee zuzubereiten. Selten haben wir uns so auf einen heissen Kaffee gefreut. Mit Beginn des Sonnenaufgangs werden langsam die Konturen der beeindruckenden Vulkane sichtbar. Zudem ist aus dieser Höhe der ganze Kratersee zu überblicken und in der Ferne sehen wir sogar die Vulkane Acatenango und Fuego. Diese beiden wollen wir dann von Antigua aus besteigen. Es ist ein magischer Anblick.

An diesem wunderbaren Ort hätten wir gut und gerne noch länger bleiben können. Doch es zieht uns weiter nach Antigua. Die letzten Wochen haben wir fast ausschliesslich in der Natur oder kleinen Dörfern verbracht. Daher freuten wir uns darauf, die alte Hauptstadt von Guatemala zu erkunden. Im Vorfeld hatten wir viel über die Stadt gelesen und die Erwartungen waren hoch. Wer hätte gedacht, dass diese noch übertroffen werden können. Scheinbar jede Gasse übertrumpft die nächste. Immer wieder tauchen alte Ruinen auf und kleine Parks laden zum Verweilen ein. In den Innenhöfe verstecken sich unzählige schöne Restaurants und an jeder Ecke befindet sich ein gutes Café. Wir entscheiden uns, unser Reisebudget etwas aus den Augen zu lassen und möglichst viele dieser tollen Restaurants, Bars und Cafés zu besuchen. Auf dem Camping treffen wir dann auch noch auf unsere Reisefreunde Nadine & Tom aus Bern. Perfekt um die Stadt einen Tag gemeinsam unsicher zu machen und die Verschiffung nach Kolumbien genauer zu planen.

Vulkanbesteigung Acatenango

Neben Essen, Trinken und Schlendern stand aber in Antigua vor allem eines noch auf dem Programm: Die Besteigung des 3976 Meter hohen Vulkans Acatenango. Ein Zweitages-Trip mit Übernachtung auf 3600 Metern. Los ging es auf 2500 Metern. Mit einem Shuttle-Bus wurden wir gemeinsam mit weiteren Abenteuern aus den USA, Australien, Deutschland und Israel zum Ausgangspunkt gefahren. Als wir aussteigen begrüsst uns Regen und dichter Nebel. Der erster Dämpfer. Denn die wichtigste Voraussetzung, um die Ausbrüche des benachbarten Vulkans Fuego zu sehen, ist eine klare Sicht. Jetzt nur nicht die Hoffnung verlieren.

Der Vulkan Acatenango ist 3976 Meter hoch. Sein noch immer aktiver Nachbar Fuego 3763 Meter.

Wir marschieren los. Die ersten zwei Stunden geht es quasi senkrecht hoch. Dank dem Regen ist die Temperatur einigermassen angenehm. Leider verbessert sich das Wetter nicht. Wir essen im strömenden Regen zu Mittag, die Finger sind klamm und viele der Gruppe frieren. Einige beschliessen sogar umzukehren. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Dank dem Motivationscoach Lyndel, geben wir die Hoffnung auf einen abrupten Wetterwechsel noch nicht ganz auf. Immer wieder fordert uns die Australierin auf, positiv zu denken. Wir geben unser Bestes. Und tatsächlich, als wir im Camp ankommen bläst der Wind augenblicklich allen Nebel weg. Wir erhaschen den ersten Blick auf den aktiven Vulkan Fuego. Es bricht regelrecht Euphorie aus.

Lava, Lava, Lava

Wir beziehen unser Zelt und geniessen am Feuer die von den Guides zubereiteten Spaghetti Bolognese. Sogar ein Glas Wein gibt es dazu. Mit dem Einbruch der Dunkelheit sehen wir die ersten Eruptionen des Vulkans. Es ist unbeschreiblich. Angekündigt durch ein lautes Grollen schiesst Lava aus dem Krater, gefolgt von einem lauten Donnern. Es ist von Auge erkennbar wie Lava und Gestein in Strömen dem Hang entlang runterfliessen. Fast alle 10 Minuten bricht der Vulkan aus. Da wir am nächsten Tag um vier Uhr morgens wieder aufbrechen müssen lege ich mich um 21:00 ins Zelt. Bryan kann sich schwerer lösen und bleibt noch etwas länger und schiesst Fotos von diesem Naturspektakel. Es ist eine kalte Nacht und wir schlafen wenig. Wach hält uns einen Mischung aus Adrenalin und Kälte. Am nächsten Morgen folgen nochmals zwei Stunden Wanderung auf den Gipfel des Acatenango, wo wir den Sonnenaufgang geniessen.

Danach folgt der Abstieg bei strahlend schönem Wetter. Auch am Tag ist der Vulkan wunderschön. Jedoch kann man dann nur die Rauchwolken sehen. Die Lava ist nur in der Nacht sichtbar. Wir rutschen die Geröllhänge runter, bestaunen die Vegetation und freuen uns einfach über das gute Wetter. Nach etwas mehr als vier Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt. Im Bus zurück in die Stadt schlafen fast alle. Zurück auf dem Camping freuen wir uns auf eine Dusche. Da es bei uns keine gibt, duschen wir bei einer Frau, die ihr Badezimmer vermietet. Klingt vermutlich merkwürdig, aber das ist es für uns schon lange nicht mehr. In Mittelamerika verdienen sich viele Familien etwas Geld dazu, indem sie ihr Badezimmer vermieten.

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