Über den Dächern von Medellín

Wieder mit Beat vereint machen wir uns auf den Weg in die Metropole Medellín. Von Cartagena aus sind dies zwei Tage Fahrt durch die Berge Kolumbiens. Es geht von Meereshöhe auf 2500 Meter über Meer, wo sich die Stadt in einem Kessel ausgebreitet hat.

Auf der Fahrt von Cartagena nach Medellín durchqueren wir eine der grössten Landwirtschafts-Gebiete von Kolumbien. So viele Kühe haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Auf Meereshöhe sind sie mager, haben einen Buckel und grosse Ohren. Je höher wir kommen, desto ähnlicher sehen sie unseren Schweizer Kühen. Auf den Strassen begegnen wir hauptsächlich Trucks und Viehtransportern. Campings gibt es auf dem Weg nicht. Wir schlafen zweimal bei Truck-Stops. Neben diesen riesigen Lastern wirkt Beat winzig klein. Nach zwei fahrintensiven Tagen erreichen wir den Camping El Bosque in Santa Elena. Eine kleine Gemeinde oberhalb von Medellín. Der perfekte Ort um die Millionen Metropole zu entdecken.

Der Ruf von Medellín hat sich stark gewandelt. Früher wurde vor allem wegen Pablo Escobar und den Drogenkartellen über die Stadt gesprochen. Heute positioniert sie sich mehr mit modernem Stadtbau und innovativen Projekte zur besseren Integration der armen Bevölkerung. Wir entdecken die Stadt gemeinsam mit Manu und ihrem Hund Tobi. Sie hat es vor rund zehn Jahren von der Schweiz nach Kolumbien verschlagen. Mittlerweile lebt sie schon sieben Jahre in Medellín und gibt uns Einblick in das «echte» Leben. Auf den ersten Blick verzaubert uns die Stadt nicht gerade. Wir fahren mit einem Bus von Santa Elena durch die illegal gebauten Armenviertel an den Ausläufen der Stadt. Danach geht es zu Fuss weiter bis ins sichere Viertel in welchem Manu wohnt. Auf dem Weg sehen wir mehrere Drogensüchtige. Scheinbar bewusstlos liegen sie an der prallen Sonne, auf dem harten Beton. Ein krasses Bild, welches aufzeigt, dass die Probleme der Stadt definitiv noch nicht ganz gelöst sind.

Farbenfrohe Comunas

Auf unseren Entdeckungstouren mit Manu wächst uns die Stadt dann aber immer mehr ans Herz. 16 verschiedene Comunas gibt es in Medellin. Die wohl bekannteste ist die Comuna 13. Ein armes Viertel, welches aber dank Streetart und den Rolltreppen, welche in die steil an den Hang gebauten Siedlungen führen, international bekannt wurde. Jede Comuna hat einen unterschiedlichen Status, an welchen die Kosten für Wasser, Storm, Internet und Miete angepasst sind. So versucht die Stadt alle Bevölkerungsschichten zu einem fairen Preis zu versorgen. Dank diesem Solidaritätsprinzip können auch illegal erbaute Siedlungen nach und nach an die Wasser- und Stromversorgung angeschlossen werden. Dies ist aber nicht die einzige Bestrebung. Ein weiteres wichtiges Projekt und Wahrzeichen der Stadt sind die diversen Seilbahnen. Dank diesen sparen sich die Bewohner mehrere Stunden Arbeitsweg und erhalten mehr Lebensqualität. Wir besuchen gemeinsam mit Manu die berühmte Comuna 13 sowie die weniger bekannte Comuna 6 auf der anderen Stadtseite. Diese grenzt an einen wunderschönen Park, welcher errichtet wurde, um die weitere illegale Bebauung des Hanges zu verhindern. Natürlich lassen wir auch eine Fahrt mit der Seilbahn und den bekannten Rolltreppen nicht aus. So erhält man nochmals einen ganz anderen Blick auf die Stadt.

Trotz den Bemühungen der Stadt ist der Graben zwischen arm und reich weiterhin stark sichtbar. Und auch die Probleme rund um den Drogenhandel und Gewalt sind noch nicht gelöst. Gefallen hat es uns trotzdem. Insbesondere die beeindruckende Streetart, der Blick auf die Stadt aus den Gondeln der Seilbahnen sowie das leckere Essen in den vielen schönen Lokalen. Toll ist auch, dass die Stadt von Natur umgeben ist. Viele der umliegenden Hügel kann man erwandern und wird mit einem wunderschönen Blick auf die Stadt belohnt.

Der Fels von Guatapé

In der Nähe von Medellín liegt der kleine Ort Guatapé. Bekannt ist er für seinen beindruckenden Fels mit Aussicht auf den umliegenden See und seine liebevoll bemalten Gebäude. Viele Touristen besuchen das Dorf als Tagesausflug. Wir fahren natürlich wie immer mit Beat hin und übernachten einmal. Wenn auch sehr touristisch, ist der zu Fuss erklimmbare Fels trotzdem einen Besuch wert. Insbesondere, wenn man wie wir gerade abwarten muss, bis der bewaffnete Streik im Lande vorbei ist.

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