Einzigartige Natur in den Bergen Kolumbiens

Von der Grossstadt Medellín geht es zuerst ins idyllische Kaffeedorf Jardín und danach ins Bergdorf Urrao. Die bewaffneten Streiks sind beendet und so können wir uns wieder frei bewegen.

Kolumbien ist einer der grössten Kaffeeexporteure in Südamerika. Einzig Brasilien exportiert noch mehr des braunen Golds. Ein Besuch eines Kaffeedorfes wollten wir uns daher nicht entgehen lassen. Von Medellín aus fahren wir nach Jardín. Neben leckerem Kaffee trumpft das kleine idyllische Dorf auch mit einer einzigartigen Vielfalt an Vögeln auf. Die Fahrt dahin gestaltet sich allerdings anstrengend. Mittlerweile hat die Regenzeit in Kolumbien begonnen und viele Strassen sind mit Erdrutschen übersäht. Hinzu kommen hunderte überladene Laster, welche sich durch die engen Strassen schlängeln. Aus der dreistündigen Fahrt wird ein siebenstündiger Marathon. Gefühlt alle fünf Kilometer warten wir eine halbe Stunde, weil die Strassen wegen der Erdrutsche nur einspurig befahrbar sind. Wir erreichen unseren Stellplatz in Jardín erst im Dunkeln und schwitzen einmal mehr Blut bei der Anfahrt. Denn die Zufahrtstrasse ist nicht gerade für grosse Fahrzeuge ausgelegt. Wir schaffen es aber ans Ziel und zerbrechen uns nicht den Kopf, wie wir in ein paar Tagen wieder rauskommen. Die Familie, die auf dem Grundstück der Cabañas wohnt, empfängt uns herzlich. Wir zeigen ihnen noch kurz Beat und hüpfen dann schon bald ins Bett.

Jardín – Malerisches Kaffeedorf und Vogelparadies

Am nächsten Morgen erleben wir sogleich, warum Jardín für seine Vogelwelt bekannt ist. Direkt neben unserem Stellplatz hat es eine Fütterungsstelle, welche Vögel in allen Formen und Farben anzieht. Im Sturzflug steuern sie auf die bereitgelegten Bananen zu. Einer frisst Bryan sogar aus der Hand. Es dauert nicht lange und alles ist weg. Nach diesem Spektakel machen wir uns auf zum bekanntesten Café in Jardín. Es liegt am Hang in Mitten der Kaffeeplantagen und ist am besten zu Fuss erreichbar. Die kurze Wanderung führt vorbei an mit Moos behangenen Bäumen, über einen hübschen Fluss bis hin zu den Kaffeeplantagen. Oben angekommen, erwartet uns eine beeindruckende Aussicht und leckerer Kaffee. Wir decken uns mit einem Sack Bohnen ein und wandern via Wasserfall zurück ins Dorf. Ganz unverhofft stossen wir auf dem Rückweg auf ein weiteres ziemlich spektakuläres Tier. Auf den Blättern der Büsche links und rechts befinden sich mehrere dutzend Heuschrecken. Jedoch sind diese nicht wie bei uns einfach grün oder braun. Ihre Farbspektrum reicht von einem knalligen hellblau, über leuchtrot bis hin zu giftgrün.

Zurück im Dorf werden wir von einem Platzregen überrascht. Wir machen es wie die Einheimischen, setzen uns an die Hauswand und gönnen uns ein Bier. Unter dem Vorsprung der traditionellen Häuser sind wir vom Regen geschützt und können beobachten, wie die Verkäufer hastig ihre Stände zudecken und sich ins Trockene retten. Leider verwandelt sich der Platzregen aber in ein ausgewachsenes Gewitter und so bleibt uns nichts anderes übrig, als das letzte Tier für den heutigen Tag im strömenden Regen zu besuchen. Der «Gallito de Roca», welchen man am besten in einem Vogelreservat etwas ausserhalb beobachten kann, sieht ein wenig aus wie ein Fabelwesen. Es geht nicht lange und wir erspähen ihn zwischen den Bäumen. Mit seinem knallroten Gefieder sticht er auch im Regen hervor. Der Schnabel ist aufgrund seiner bauschigen Haube am Kopf praktisch nicht sichtbar. Der sintflutartige Regen scheint die Vögel überhaupt nicht zu stören. Insgesamt können wir mindestens fünf ausfindig machen. Nach einer Stunde sind wir komplett durchnässt und ziemlich hungrig. Wir gönnen uns im Dorf eine leckere Pizza fahren dann mit einem Tuktuk zurück zu Beat.

Páramo – Einzigartige Naturschutzgebiete in den Bergen Kolumbiens

Von der warmen Kaffeeregion geht es in das Bergdorf Urrao. Vier Stunden dauert die Fahrt durch die Berge. Die Strasse ist eng und kurvig und die Abhänge sind steil. Aber das schockiert uns schon lange nicht mehr. Auf dem Hinweg sehen wir nur ein paar kleine Erdrutsche und so kommen wir pünktlich an. Vor Ort parkieren wir Beat und treffen uns wieder mit Manu. Sie führt uns gemeinsam mit dem lokalen Guide Lucho die nächsten drei Tage durch das andine Hochmoor «Páramo». Im Reservat gibt es weit und breit nichts, um das sensible Ökosystem zu schützen. Das heisst für uns, dass wir alles mitbringen müssen. Die Campingausrüstung stellt uns Lucho zur Verfügung. Die Mahlzeiten haben wir in Abstimmung mit Manu vorgängig geplant und portioniert. Da wir einige Höhenmeter zurücklegen, gönnen wir uns auf diesem Trekking ein Maultier, welches das Equipment hochträgt.

Märchenwald, Kolibris und jede Menge Schlamm

Am ersten Tag geht es mit dem Taxi bis an den Rand des Reservats auf 2600 Metern. Es ist sechs Uhr morgens, kühl und etwas neblig. Uns steht ein Anstieg von 1000 Metern bevor. Die erste Etappe führt über Weiden, durch einen verwunschenen Wald und schliesslich zu einem Kolibri Reservat. Dort machen wir eine Pause und können rund zwölf verschiedene Kolibriarten beobachten und fotografieren. Einer hat einen ganz langen Schnabel fast wie ein Speer, ein anderer eine rosarot funkelnde Brust andere schimmern im Licht wunderschön türkisblau. Hektisch schwirren sie um die Nektarbehälter herum. Wir sitzen auf der Holzbank und beobachten diese faszinierenden Winzlinge noch eine Weile, bis es schliesslich weiter geht.

Bis zum Hochplateau, wo wir unser Camp aufbauen, sind es nochmals rund 500 Höhenmeter. Wir sind nun schon auf mehr als 3000 Meter. Die Vegetation hat sich deutlich verändert und mit ihr auch der Weg. Obwohl die Sonne scheint ist alles sehr schlammig. Hinzu kommt, dass der Untergrund teilweise wie Wiese aussieht, in Tat und Wahrheit aber ein überwucherter Teich ist. Immer wieder stecken wir mit unseren Wanderschuhen im Schlamm fest. Unser Guide Lucho wandert in Gummistiefeln. Bei diesen Bedingungen definitiv ein Vorteil. Nach einer weiteren Stunde sehen wir die ersten Frailejones. Sie sind die Stars der Páramos. Nur rund 1cm wachsen sie pro Jahr. Mit ihren fein behaarten Blättern können sie Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und sind daher auch in dieser Höhe lebensfähig. Bis zu zwei Meter hoch können sie werden. Dafür benötigen sie aber mehr als 100 Jahre.

Wie Soldaten stehen die Frailejones in der Landschaft. Unser Weg führt mitten durch sie hindurch, bis wir auf 3600 Metern schliesslich unseren Schlafplatz erreichen. Das Maultier ist auch schon vor Ort und wir beginnen unser Camp aufzubauen. Gar nicht so einfach, denn der Boden ist überall ziemlich matschig. Schliesslich finden wir aber einen mehr oder weniger guten Platz. Wir kochen Pasta mit Pesto und verkriechen uns dann mit dem Einbruch der Dunkelheit ins Zelt. Die siebenstündige Wanderung hat uns etwas zugesetzt. In der Nacht regnet es immer wieder. Rund um unser Zelte bilden sich Seen. Im Zelt bleibt es aber zum Glück trocken.

Aufstieg auf 4000 Meter

Nach einem kurzen Frühstück nehmen wir dann den letzten Anstieg in Angriff. Heute geht es bis auf 4000 Meter und zu einer Lagune. Die Zelte lassen wir stehen. Denn nach dem Gipfel geht es wieder zurück zum Camp. Es sind nicht viele Kilometer, die wir zurücklegen müssen, aber auf dieser Höhe ist die Luft dünner. Erschwerlich hinzu kommen der kaum sichtbare Weg und die vielen Sumpflöcher. Belohnt werden wir dafür nach rund drei Stunden mit einer wunderbaren Aussicht in die Ferne und auf die Lagune. Weit und breit ist keine Zivilisation zu sehen. Wir befinden uns irgendwo im Nirgendwo. Kurz nach dem Sonnenuntergang machen wir uns im Dunkeln auf den Rückweg. Das Abendessen fällt aufgrund der Kälte wieder eher kurz aus. Erschöpft aber zufrieden fallen wir ins Bett.

Am dritten Tag geht es wieder zurück in die Zivilisation. Trotz Regenzeit hatten wir bis jetzt extremes Glück. Geregnet hat es nur in der Nacht. Doch beim Abstieg ist es dann soweit. Es zieht ein Gewitter auf. Wir wandern auf dem Pfad der Mullis rund sieben Stunden bergab. Mit zittrigen Knien und völlig durchnässt erreichen wir dann schliesslich den Ausgangspunkt. Jetzt schnell ins Taxi und unter die warme Dusche. Manu fährt am nächsten Morgen mit dem ersten Bus um 05:00 zurück nach Medellín und informiert uns von unterwegs schon über den schlechten Strassenzustand. Unterdessen hat es auf der Strecke mehrere Erdrutsche gegeben und die Strasse ist bedeckt mit Schlamm. Als wir uns um 07:00 vor der Abfahrt noch einen Kaffee holen meint die Dame, die Strasse sei nicht mehr befahrbar. Wir probieren es trotzdem und schaffen es tatsächlich. Beat hat danach allerdings eine neue Farbe. Er ist von oben bis unten bedeckt mit Schlamm. Mehrere hundert Meter fahren wir durch Schlammseen und wir passieren mindestens zehn Erdrutsche. Nachdem wir den schlimmsten Teil überstanden haben gönnen wir uns noch einen Kaffee in einem ziemlich coolen Café. Nächster Stopp: Salento.

2 Antworten auf „Einzigartige Natur in den Bergen Kolumbiens

    • Bryan

      Hi André!

      Vielen Dank für dein Interesse 🙂 Für Tieraufnahmen verwenden wir meistens das Canon EF 70-200mm 2.8 IS II und allenfalls noch mit einem 2x Extender.

      Liebe Grüsse aus Cusco,
      Bianca, Bryan & Beat

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