Abenteuerliche Fahrten entlang der Vulkanstrasse

Ecuador ist durchzogen von Vulkanen. In unserer zweiten Woche in diesem wunderbaren Land entdecken wir gleich drei davon. Wir beginnen mit dem beeindruckenden Cotopaxi, machen eine kurze Pause in Baños, umkreisen den Chimborazo und wandern schliesslich noch zum Quilotoa Krater.

Auf dem Weg von Mindo an den Fusse des Cotopaxi merken wir mit jedem Höhenmeter den wir gewinnen, wie sich die Vegetation verändert. Anstatt von Dschungel sind wir schon bald umgeben von Wiesen und Nadelbäumen. Zur Akklimatisation übernachten wir vor der Fahrt zum Refugio des Cotopaxis bei einer Hacienda auf 3100 Meter. Am nächsten Tag geht es los. Wir haben uns vorgenommen mit Beat bis zum Refugio auf 4600 Meter über Meer zu fahren. Mal schauen ob uns das gelingt. Der Eintritt in den Nationalpark ist gratis, wir müssen uns jedoch wie immer mit Passnummer und vollständigem Namen einschreiben. Die Ranger beim Eingang sind gut gelaunt und wünschen uns Glück. Der erste Teil der Strasse ist geteert, danach folgt eine Naturstrasse in einem einigermassen guten Zustand. In der Ferne erspähen wir die ersten Gipfel. Der Cotopaxi jedoch ist noch dick im Nebel eingepackt. Wir durchqueren die auf 3500 Meter liegende Hochebene. Viel Vegetation hat es nicht mehr. Trotzdem schmücken einige Blumen die sonst kargen Böden. Und immer wieder überqueren kleine Andenfüchse die Strasse.

Nach rund 20 Minuten Fahrt beginnt der eigentliche Anstieg. Der Nebel wird dichter und die Strasse schlechter. Joe (der Camper von Nadle & Tom) fährt voraus. Mit Heckantrieb, doppelt so viele PS wie wir und circa 30 Zentimeter mehr Bodenfreiheit sind sie klar im Vorteil. Zu Beginn klappt alles gut und Beat hat auch in dieser Höhe erstaunlich viel Kraft. Wir werden übermütig und machen einen Fotostopp. Als wir weiterfahren möchten schaffen wir es jeweils nur einen Meter. Danach säuft uns der Motor wieder ab. Mittlerweile befinden wir uns auf 3900 Meter. Da hilft nur eins, zurückrollen und mit Anlauf weiter. Das klappt zum Glück und so bezwingen wir weitere fünf Kurven. Mittlerweile fühlt es sich ein wenig an, als wären wir auf einer Motocross-Strecke. Die Bodenwellen sind tief und der Untergrund teilweise sandig. Da unser Motor nicht so viel Kraft hat, können wir es uns nicht leisten, langsam zu fahren. Das hat zur Folge, dass im Wohnzimmer so ziemlich alles rumfliegt. Bei 4500 Meter müssen wir Forfait geben. Zu gross ist das Risiko, dass wir uns bei dieser unebenen Strasse den Unterboden aufschlagen. Nichtsdestotrotz: Das ist ein neuer Höhenrekord für Beat und uns.

Wenige Minuten später tauchen Nadle und Tom zu Fuss auf und teilen uns mit, dass es beim Parkplatz auf 4600 Metern nicht wirklich anders aussieht. Leider hat sich der Nebel nicht aufgelöst und so beschliessen wir, die Wanderung zur Gletscherkante nicht zu unternehmen. Langsam rollen wir wieder herunter und bewundern bei unserem Schlafplatz hinter einem kleinen Restaurant den Sonnenuntergang. Wir befinden uns immer noch auf 3850 Metern und es ist bitterkalt. Trotzdem möchten wir uns diese Abendstimmung samt Regenbogen nicht entgehen lassen. Wir können uns ja danach wieder aufwärmen. Daraus wird aber leider nichts. Genau in diesem Moment ist uns das Gas ausgegangen. Das heisst keine Heizung und auch kein warmes Essen. Zum Glück helfen uns mit Zweitem Nadle und Tom aus. Nach einer kalten und sauerstoffarmen Nacht werden wir am nächsten Morgen mit einem freien Blick auf den Cotopaxi belohnt. Dafür haben sich alle Strapazen gelohnt.

Verschnaufpause in Baños

Ein hübsches kleines Dorf umgeben von Thermalbädern. Das war unsere Vorstellung von Baños. Bei Ankunft werden wir aber eines Besseren belehrt. Irgendwie können wir diesem beliebten Touristenziel nicht viel abgewinnen. Das Dorf ist im Vergleich mit den malerischen Dörfern im Kolumbien nicht atemberaubend und auch die betonierten Thermalbäder überzeugen uns nicht. Wir schlafen im Garten eines Hostels mit merkwürdigen Gästen und einer etwas verwahrlosten Infrastruktur. Nach einer kurzen Wanderung machen wir uns daher ziemlich schnell auf Richtung Chimborazo. Mit 6263 Meter ist er der höchste Berg in Ecuador. Aber das ist noch nicht alles. Wegen seiner Nähe zum Äquator ist sein Gipfel der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Ort auf der Erdoberfläche.

Vicuñas, Nebel und eine beeindruckende Strasse

Um den Chimborazo herum führen mehrere Strassen. Wir entscheiden uns für die am nächsten beim Gipfel liegende. Dort seien die Chancen, dass er sich zeigt am besten. Denn es ist ziemlich schwierig ihn tatsächlich zu sehen. Die meiste Zeit wird er verdeckt von Wolken oder Nebel. Das ist leider auch bei uns der Fall. Dafür sehen wir mehrere Vicuña-Herden. Im Gegenteil zu Lamas oder Alpacas kann man diese nicht domestizieren. Sie leben wild in den Hochanden ab einer Höhe von 3200 Metern. Wir treffen sie kurz vor der Passhöhe auf 4000 Metern an. Die Kälte scheint ihnen gar nichts auszumachen und trotz mangelnder Vegetation knabbern alle an irgendetwas rum.

Nach einem kurzen Stopp fahren wir weiter zu unserem Übernachtungsplatz. Doch der Weg dahin gestaltet sich alles andere als einfach. Aufgrund eines Erdrutsches müssen wir eine Umfahrung nehmen. Es ist eine kleine Naturstrasse. Sie führt hoch und runter durch eine dünn besiedelte Gegend. Joe fährt voraus und wir versuchen mit Beat dranzubleiben. Bei einem schlammigen Hügel schaffen wir es allerdings nicht mehr hoch. Die in der Nähe wohnende Familie rät uns zudem schnellstens zu verschwinden. Das sei Narco-Gebiet. Wir rollen zurück und suchen einen anderen Weg. Wenige Minuten später erfahren wir dann von Tom und Nadle, dass sie sogar mit einer Machete eingeschüchtert wurden.

Gerne hätten wir die Erdrutsche in Kolumbien zurückgelassen. Aber auch in Ecuador hat es in den letzten Monaten massiv geregnet und viele Strasse sind verschüttet. Eine Herausforderung für uns und Beat.

Verzweifelt suchen wir nach einer anderen Strasse und treffen erneut auf einen Erdrutsch. Schliesslich eskortiert uns ein Local, sodass wir es in die Nähe des Campings schaffen. Mittlerweile ist es Dunkel und wie könnte es anders sein: Es regnet in Strömen! Die Zufahrtsstrasse zum Camping sieht nicht gut aus. Eine weitere steile Naturstrasse. Mangels Alternativen versuchen wir es trotzdem. Kein gute Idee. Beim Abbiegen rutscht Joe mit einem Reifen von der Strasse. Es geht nicht mehr vorwärts und nicht mehr zurück. Wir müssen ihn rausziehen. Gar nicht so einfach, denn möglich ist dies nur rückwärts den Hang hinauf. Nach dieser anstrengenden Irrfahrt liegen die Nerven bereits blank. Trotzdem gibt es nach einer kurzen Besprechung einen Plan. Wir montieren unser Abschleppseil und legen los. Langsam aber stetig ziehen wir Joe wieder auf die Strasse. Die Kupplung stinkt und unsere Reifen drehen durch. Aber es gelingt. Nach drei Anläufen sind alle Reifen wieder auf der Strasse. Nun taucht auch der Besitzer des Campings auf. Da wollen wir aber mittlerweile nicht mehr hin. Denn es regnet weiterhin in Strömen und wir vermuten, dass wir es am nächsten Morgen nicht mehr hoch schaffen. Er bringt uns auf eine flache Baubrache, wo wir schliesslich die Nacht verbringen. Wir sind einfach nur froh, einen sicheren und gut zugänglichen Platz gefunden haben.

Zu Fuss zum wunderbaren Quilotoa-Kratersee

Nadle und Tom machen sich nach diesem Schreck auf den Weg nach Galapagos. Für uns steht der Quilotoa-Loop auf dem Programm. Dieser führt durch wunderbare Täler bis hin zum auf 3800 Meter liegenden Kratersee. Auf dem Weg hat es verschiedene Hostels. Daher wandern wir nur mit einem Tagesrucksack. Beat dürfen wir kostenlos beim Hostel am Ausgangspunkt stehenlassen. Ein super Deal. Die ersten zwei Etappen sind nicht allzu anstrengend. Wir treffen jeweils schon am frühen Nachmittag am Ziel ein und lassen es uns gut gehen. Die Unterkünfte sind liebevoll eingerichtet und sehr gemütlich. Eine hat sogar einen Kamin. Der Schlussspurt hat es dann aber in sich. Es geht runter in den Canyon und dann nochmals rund 1000 Meter hoch bis zum Kratersee. Oben werden wir mit einer atemberaubenden Aussicht und einem warmen über dem Feuer zubereiteten Kaffee belohnt. Wir geniessen den Ausblick und machen uns dann mit einem Taxi auf den Rückweg nach Sigchos wo uns Beat bereits erwartet.

2 Antworten auf „Abenteuerliche Fahrten entlang der Vulkanstrasse

  1. Blanche

    Hoi zäme.
    Siteme wiili lis ich wiedermal de blog ond bi liecht niidisch uf euchi abentüür. Ond die schöne bilder mindered mis fernweh au ned.
    Probiered mal en chäs vo de marke floralp in ecuador. De grossonkel vonere fründin vo mir isch i de 60er jahr vo de CH dethi usgwanderet ond het en chäserei in ibarra ufgmacht! Jetzt het sie scho di 3. generation überno. De camembert isch suuuper :o)
    Gnüsseds ganz fest!!!
    Liebi grüessli
    Blanche

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    • Bianca

      Liebi Blanche, so cool dasd euse Blog lisisch. Ou das wär natürli de hammer gsie. Guete Chäs zfinde isch alles anderi als eifach. Leider simmer mittlerwile scho nüme z Ecuador. Händ aber mal mega feine Chäs gha in Baños. Villicht isch dä au vo ihne gsie. Dankä dir, machemer. Bis gli, Bianca & Bryan

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