Auf den Spuren der Pinguine

Vom südlichsten Punkt Argentiniens geht es nun der Atlantikküste entlang wieder Richtung Norden. Dabei überqueren wir noch ein letztes Mal die Grenze zwischen Chile und Argentinien. Die Route richtet sich nach den Pinguin-Kolonien. Das Ziel ist, alle in Feuerland lebenden Arten zu besuchen.

Bevor wir den Weg Richtung Norden antreten können, muss Beat jedoch nochmals in die Garage. Seit einigen Tagen raucht er deutlich mehr als gewöhnlich und die Leistung des Motors ist ebenfalls nicht wie gewünscht. In Feuerland gibt es keine grosse Auswahl an Automechanikern. Unsere beste Chance ist die Stadt Río Grande. Wie sich jedoch herausstellt, wird es auch dort eine grosse Herausforderung. Der erste Mechaniker, welchen wir anfahren, ist seit unbestimmter Zeit nicht mehr bei der Arbeit aufgetaucht. Seine Mitarbeiter sind zwar vor Ort, wissen aber nicht was tun. Wann er zurück kommt, weiss niemand so genau. In der zweiten Garage, brechen sie uns drei Schrauben ab, beim Versuch die Injektoren zu prüfen und verweisen uns dann inklusive Schaden weiter an Garage drei. Dort gelingt es, die Injektoren auszubauen. Jedoch stellen sie dann fest, dass dies nicht das Problem war. Nach drei Tagen in drei Garagen und Ausgaben von rund 800 Franken für eine falsch angeordnete Injektoren-Reinigung fahren wir desillusioniert weiter.

Königspinguine in Chile

Obwohl das Problem nicht gelöst ist, fährt sich Beat dank der Reinigung aller Schläuche, des Turbos und der Abgasrückführung etwas besser. Das muss reichen. Nach so viel Frust freuen wir uns nun, auf den anstehenden Besuch einer der einzigen Königspinguin-Kolonie ausserhalb der Subantarktis. Die Pinguine haben sich 2010 in der geschützten Bucht «Bahia Inútil» im chilenischen Teil von Feuerland eingenistet und sind geblieben. Dank der Tierschutzorganisation «Reserva Pingüino Rey» hat sich die Population zudem stetig vergrössert. Vor Ort treffen wir die beiden deutschen Reisenden Henne & Mark wieder. Gemeinsam bewundern wir die Pinguine von den Observations-Terrassen aus. Als dann auch noch Guanacos auftauchen und munter zwischen den Pinguinen umher spazieren, wirkt es schon fast etwas surreal. Nach dem Besuch des Reservats lassen wir den Abend bei einem gemeinsam Abendessen ausklingen. Am nächsten Morgen trennen sich unsere Wege leider schon wieder. Denn Henne & Mark fahren in den Süden und wir Richtung Norden.

Gauchos in Aktion

Als wir am nächsten Morgen der Naturstrasse entlang fahren tauchen vor uns mehrere Hundert Schafe auf. Endlich sehen wir Gauchos in Aktion. Mit Pferd und Hunden treiben sie die Schafe der Strasse entlang. Die Schafe bewegen sich wie ein Fischschwarm, welcher um unsere Auto herumschwirrt. Die Hunde sind klar die Chefs und machen einen beeindruckenden Job. Wir geniessen die Show bevor es weiter geht bis nach Río Gallegos. Dort warten die nächsten Pinguine auf uns.

Der Fluch der Schotterstrassen

Wir treffen wie geplant in Río Gallegos ein und biegen in die 100km lange Schotterpiste ab. Diese soll uns zur Pinguin-Kolonie Nummer zwei führen. Weit kommen wir leider nicht. Ein Pick-up rast ungebremst an uns vorbei und wirbelt dabei unzählige Steine auf. Einer davon fliegt mit voller Wucht in unser Seitenfester und zerstört dieses komplett. Wir müssen die Scheibe rausschlagen, da sich beim Fahren immer wieder Splitter lösen. Das heisst für uns zurück in die Stadt und einen Fensterersatz besorgen. Denn ohne Fenster können wir unmöglich wild schlafen, geschweige denn weite Strecken fahren. Irgendwie sind wir gerade etwas vom Pech verfolgt. Glücklicherweise finden wir bereits am nächsten Tag eine Firma, welche uns eine Plexiglas-Scheibe zuschneiden kann. Mit dieser sollten wir es bis Buenos Aires schaffen. Zur Pinguin-Kolonie wollen wir trotzdem noch. Zweimal nacheinander sollte so ein schlimmer Steinschlag hoffentlich nicht vorkommen. Trotzdem halten wir bei Gegenverkehr nun jeweils ganz an und nehmen so viel Abstand wie möglich.

Angekommen im Pingu-Land

Angekommen bereuen wir diesen Entscheid keine Sekunde. Bereits auf dem Hinweg hören wir den Gesang der Pinguine. Über 80’000 Magellan Pinguine ziehen hier ihre Jungen gross und wir sind mittendrin. Die Magellan Pinguine haben wir zwar bereits in Ushuaia gesehen aber nur vom Boot aus. Vom Parkplatz führt ein Rundweg durch die Kolonie, von welchem man die Pinguine beobachten kann. Immer wieder überqueren sie den Weg und watscheln in ihrem Frack an uns vorbei. Die Jungen rufen unentwegt nach Futter, während Mutter und Vater sich mit dem Bewachen der Nester und Jagen abwechseln. Mehrere Stunden beobachten wir das wilde Treiben und sind fasziniert von diesen lustigen Tieren.

Beat die Pinguin-Höhle

Als wir uns am Abend ins Bett legen, ahnen wir nicht, was uns in der Nacht um den Schlaf bringen wird. Denn an so etwas Absurdes hätten wir nie gedacht. Mehrere Pinguine haben sich unter Beat eingenistet und dort die Nacht verbracht. Allerdings stehen sie deutlich früher auf als wir. Etwa um vier Uhr morgens beginnen sie mit ihrer Morgenroutine. Sie watscheln unter Beat herum und kratzen dabei mit dem Schnabel über unseren Unterboden. Ergänzend dazu scheinen sie so eine Art Konzert zu veranstalten. Es ist unglaublich laut. Als wir aussteigen rennen sie jeweils ums Auto herum und verkriechen sich dann aber gleich wieder auf der anderen Seite. Wir haben keine Chance.

Gemeinsam mit der Sonne, machen sie sich dann etwa um 06:30 auf den Weg zum Meer und watscheln ganz friedlich davon. Müde aber immer noch überwältigt machen wir uns dann nach einem Kontrollgang rund ums Auto auf den Rückweg. Trotz 100km Schotterpiste und dem Malheur mit der Scheibe würden wir diesen magischen Ort immer wieder besuchen.

Weiter in den Norden zu den Rockhopper-Pinguinen

Nun fehlen uns nur noch die Rockhopper Pinguine. Ihr Zuhause liegt nördlicher, auf der vorgelagerten Isla Pingüino. Um sie zu besuchen, muss eine Tour gebucht werden. Wir schlafen auf dem Camping Municipal von Puerto Deseado und fahren am nächsten Morgen mit dem Boot zur Insel. Auf dem Weg gibt es bereits ein erstes Highlight. Wir werden von mehreren Commerson-Delfinen begleitet. Aber nicht diejenigen, welche wir kennen. Sie sind schwarz-weiss und deutlich kleiner als die allgemein bekannten Delfine. Aufgrund ihrer Färbung werden sie auch Panda-Delfin genannt. Sie leben einzig hier im Süden von Argentinien und sind total verspielt. Ein guter Auftakt unserer Tour.

Auf der Insel begegnen wir zuerst mehreren Gruppen Seelöwen, See-Elefanten und Magellan Pinguinen. Sie alle sonnen sich am Ufer der Insel. Nach einem kurzen Spaziergang auf die andere Seite entdecken wir schliesslich die lustigen Rockhopper-Pinguine.

Ihr Name ist Programm. Sie hüpfen von Stein zu Stein und lassen sich schliesslich ins Wasser plumpsen. Dabei wehen ihre langen gelb-schwarzen Fransen im Wind. Ihre Frisur, die knallroten Augen und ihre einzigartige Fortbewegungsart machen sie zu den speziellsten Pinguinen, welche wir auf dieser Reise gesehen haben.

Bis ans Ende der Welt

Nach den eindrücklichen Tagen im Torres del Paine Nationalpark machen wir uns auf den Weg ans Ende der Welt. Genauer gesagt, nach Ushuaia. Dafür fahren wir mehr als 800 Kilometer durch das windige und karge Feuerland.

Einen ersten Stopp legen wir in Puerto Natales ein. Eine hübsche kleine Stadt, in welcher wir uns wieder mit Lebensmitteln eindecken und uns auf einem Camping etwas Luxus gönnen. Hier feiern wir auch Weihnachten. Passt wie die Faust aufs Auge. Schliesslich heisst Natale im Italienischen Weihnachten. Wir geniessen zwei ruhige Tage, an welchen wir einfach mal nichts tun.

Zwei neue Reifen für Beat

Weiter geht es nach Punta Arenas. Ein praktischer Stopp. Denn die Stadt selbst ist alles andere als berauschend. Dafür sollten wir dort endlich zwei neue Reifen finden. Schliesslich fahren wir seit der Carretera Austral mit unserem Ersatzrad, welches schmaler ist als unsere All Terrain Reifen. Das vorher rausgesuchte Geschäft hat die Reifen tatsächlich an Lager. Wir lassen sie montieren und machen uns dann schleunigst aus dem Staub. Stets das Ziel vor den Augen bis Silvester in Ushuaia zu sein. Auf dem Weg dahin macht uns der Wind zu schaffen. Das Steuerrad stets mit beiden Händen fest im Griff arbeiten wir uns vorsichtig, aber stetig Richtung Süden. Die Landschaft ist von den harschen Bedingungen deutlich gezeichnet. Einzig kleine, krumme Bäumchen wachsen in der Ferne. Ihre Äste ragen alle in dieselbe Richtung. In die Richtung des Windes. Insgesamt sind es noch 600 Kilometer und eine Fährfahrt bis wir das «Fin del Mundo» erreichen. Klingt nach nicht so viel. Aufgrund der ermüdenden Bedingungen dauert die Fahrt aber länger als gedacht. Wir schlafen zweimal an Tankstellen und suchen Windschatten hinter den Trucks. Nichtsdestotrotz schaukelt Beat die ganze Nacht im Wind. Zum Glück sind wir beide nicht seekrank und schlafen trotzdem gut.

Ushuaia – die südlichste Stadt der Welt

Die letzte Etappe ist die schönste. Denn quasi aus dem Nichts tauchen die Schneeberge, welche Ushuaia umgeben, in der Ferne auf und der Wind wird durch sie gebremst. Herrlich, wenn es einen für einmal nicht fast wegbläst. Wir sind erstaunt, wie gross die Stadt ist. 80’000 Menschen leben hier, am Ende der Welt. Bekannt ist sie für ihre spezielle Lage und Exkursionen in die Antarktis. Nur 1100 Kilometer trennen uns von der grössten Eiswüste der Erde. Zum Glück kann man Pinguine und Robben auch auf den vorgelagerten Inseln um Ushuaia herum bewundern. Denn eine mehrere Tausend Franken teure Exkursion in die Antarktis würde unsere Reise deutlich verkürzen.

Pinguine, geschlossene Bars und viel Regen

Leider will das Wetter nicht so richtig mitspielen. Es regnet und ist bitterkalt. Eine Wanderung zu unternehmen lohnt sich daher nicht. Dafür buchen wir uns eine Bootstour zu den Magellan Pinguinen. Im geheizten Boot haben wir einen super Blick auf die wilde Landschaft rund um Ushuaia. Zudem machen wir immer wieder Stopps bei den verschiedenen Inseln, auf welchen Pinguine, Kormorane und Robben leben. Und wir sehen sogar Wale. Ein perfekter Ausflug für einen regnerischen Tag. Am Abend wollten wir eigentlich in einem Restaurant Silvester feiern. Doch es stellt sich heraus, dass Silvester in Argentinien vor allem zu Hause gefeiert wird. Die meisten Lokale sind geschlossen und in der Stadt ist komplett tote Hose. Wir reihen uns am Meer mit vielen weiteren Camper auf einem Parkplatz ein und warten bis es Mitternacht ist und stossen ganz unspektakulär an. Bereits um fünf nach zwölf liegen wir im Bett. Nächstes Highlight: Königspinguine in Chile

Unterwegs im Torres del Paine

Von einem Wanderparadies machen wir uns auf den Weg ins Nächste. Auf dem Plan stehen fünf Tage im spektakulären National Park Torres del Paine in Chile. Wir fahren stundenlang durch die Pampa Argentiniens und überqueren schliesslich die Grenze nach Chile.

Der Weg vom Perito Moreno zum Torres del Paine ist nicht gerade mit Highlights gepflastert. Stundenlang fahren wir auf pfeifengeraden Strassen durch die öde Landschaft. Da die Strecke in einem Tag nicht zu bewältigen ist, steht zudem ein romantischer Übernachtungsplatz an der Tankstelle auf dem Programm. Als wir am nächsten Morgen weiterfahren, ist die Stimmung trotzdem ausserordentlich gut. Wir freuen uns auf die bevorstehenden Wandertage. Die Tickets mussten wir bereits Monate im Voraus buchen und unser gesamtes Programm dementsprechend planen. Und jetzt ist es endlich so weit.

Ein einschneidendes Erlebnis

Die Strecke heute ist ähnlich wie gestern. Eine gerade Strasse, links und rechts nichts. Kein Verkehr und meist kein Telefonempfang. Wir stimmen uns mit heiterer Weihnachtsmusik auf die bevorstehende Festtage ein. Bis aus der Ferne ein Feuer auftaucht. Auf der rechten Seite der Strasse sind zudem zwei Pick-ups geparkt. Ein Unfall! Wir halten an und eilen mit unserem Erste-Hilfe-Kasten zur Unfallstelle. Was wir dort sehen, ist schockierend. Den Fahrer und die Beifahrerin hat es durch die Windschutzscheibe mehrere Meter nach vorne geschleudert. Vom Auto ist nicht mehr viel übrig. Das Feuer hat es fast gänzlich zerstört. Die beiden Argentinier, die vor uns eingetroffen sind, teilen uns mit, dass der Fahrer bereits tot sei und der Beifahrerin nicht geholfen werden kann. Jemand sei auf dem Weg zum nächsten Punkt, wo es Signal hat, um die Ambulanz zu benachrichtigen. Ratlos stehen wir am Strassenrand. Schliesslich meinen sie unser Feuerlöscher könnte hilfreich sein. Zum Einsatz kommt er dann aber doch nicht. Zu gross ist das Risiko, dass der Schaum mit dem starken Wind zur verletzen Person rüber geweht wird.

Über 6000 Personen versterben jährlich auf den Strassen Argentiniens. In der Schweiz sind es lediglich 220.

Nach einer gefühlten Ewigkeit trifft schliesslich die Ambulanz ein. Ohne Blaulicht oder Sirene. Ganz gemütlich steigen die beiden Sanitäter aus. Sie tragen keine Arbeitskleider, sondern Trainerhosen. Ob der Fahrer wirklich tot ist, wird erst mal nicht kontrolliert. Er liegt mit einer Jacke über dem Kopf auf dem Boden. Sie laden die verletzte Person ein und kontrollieren dann nach einer weiteren Viertelstunde doch noch, ob der Fahrer Puls hat. Er scheint definitiv tot. Danach fahren sie wieder ohne Blaulicht davon. Der Tote bleibt liegen. Das Auto brennt immer noch. Der erste Pick-up fährt weg und uns wird mitgeteilt, dass wir gehen sollen. Fassungslos starren wir auf die sich abspielende Szene und hoffen einfach inständig, dass wenigstens bald jemand kommt und den Toten mitnimmt. Uns wird bewusst, dass wir unglaublich Glück hatten, dass uns bei all diesen Stunden im Auto nie etwas passiert ist. Und wir realisieren jetzt erst richtig, wie professionell die Ambulanz in der Schweiz arbeitet und dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Schweigend fahren wir weiter bis zur Grenze. Die Vorfreude ist verflogen und der Schock sitzt tief.

Lebensmittel- und Geldengpässe in Chile

Trotz allem schaffen wir es noch an die Grenze und versuchen, die schrecklichen Bilder aus unseren Köpfen zu verbannen. Bei der Grenzüberquerung trennen wir uns wie immer von den letzten frischen Lebensmitteln, welche nicht eingeführt werden dürfen. Unsere ganze Hoffnung, Lebensmittel für die kommenden fünf Tage zu finden, liegt in einem kleinen Laden in der Nähe der Grenze. Die Ausbeute ist mager. Wir finden ein paar Äpfel, eine Avocado, Hackfleisch und Toastbrot. Zum Glück haben wir noch viele Vorräte. Damit wird sich schon etwas machen lassen. Bereits kurz nach der Grenze verändert sich die Landschaft. Wir kommen an wunderschönen Lagunen vorbei und in der Ferne zeigen sich die Türme des Bergmassives. Ein beeindruckender Anblick.

Wir registrieren uns kurz beim Besucherzentrum und informieren uns über die Windstärke in den nächsten Tagen. Denn am Lago Pehoé, wo wir Beat zurücklassen, soll es in der Vergangenheit schon mehrfach Fahrzeuge umgewindet haben. Glücklicherweise hält sich der Wind in den nächsten Tagen in Grenzen. Somit können wir Beat guten Gewissens drei Tage dort parkieren. Allerdings wartet vor Ort eine weitere Überraschung auf uns. Die Fähre zum Ausgangspunkt des Trekkings kann neu nur noch bar bezahlt werden und kostet umgerechnet 140 Franken. Da wir direkt von Argentinien kommen und es unterwegs keine Bankomaten gab, haben wir nicht genügend chilenisches Geld dabei. Zum Glück finden wir einen Busfahrer, welcher uns zu einem schrecklichen Kurs argentinische Pesos wechselt. Nachdem wir auch dieses Hindernis aus dem Weg geräumt haben, kann es endlich losgehen. Nun müssen nur noch die Rucksäcke gepackt und der Proviant vorbereitet werden.

Gletscher, Eisschollen und atemberaubende Panoramablicke

Statt dem weltbekannten W-Trek machen wir das VI. Denn leider konnten wir in der Mitte des Trekkings keine Übernachtungsmöglichkeit finden. Somit wandern wir die ersten drei Etappen und kehren dann zu Beat zurück und fahren auf die andere Seite. Von dort können wir die letzte Etappe in einem Tag zurücklegen. Los geht es mit der Fähre. Die 30 Minuten lange Fahrt bringt uns zum Camping Paine Grande, von welchem wir uns direkt auf den Weg machen zum Lago Grey. Es geht stetig etwas bergauf, ist aber auch mit unseren Rucksäcken gut machbar. Oben angekommen stellen wir unser Zelt auf und verbringen danach noch eine Stunde am wunderschönen Gletschersee. Dieser ist übersäht mit Eisschollen, welche im Sonnenlicht glitzern. Definitiv nicht etwas, das man jeden Tag sieht und ein super Auftakt. Je später es wird, desto kälter wird der Wind. Wir ziehen uns in unser Zelt zurück und kochen einen mexikanischen One Pot. Das erste kreative Menü mit den erstandenen Lebensmitteln.

Gletscherabbrüche beim Mirador Británico

Nach der ersten Nacht im Zelt geht es zurück zum Paine Grande. Dort verbringen wir eine weitere Nacht. Danach steht eine anstrengende Etappe an. Es geht zum Mirador Británico und wieder zurück. Insgesamt sind dies 28 Kilometer mit einigen Höhenmetern. Den Rucksack lassen wir beim Camping zurück. Wir starten früh morgens. Das Wetter ist etwas schlechter als an den beiden Tagen zuvor aber für Patagonien immer noch sehr gut. Es geht durch einen abgebrannten Wald, vorbei an verschiedenen Lagunen und schliesslich einem Fluss entlang hoch bis zu einem weiteren Gletscher. Dort können wir beobachten, wie Teile des an den Felsen geklebten Gletscher abbrechen und in die Tiefe donnern. Ein Naturschauspiel. Zudem bietet der Mirador einen spektakulären Panoramablick auf die umliegenden Felstürme.

Ein Tag Pause am Lago Pehoé

Zurück im Paine Grande entscheiden wir uns das Zelt abzubrechen und am gleichen Abend zu Beat zurückzukehren. Denn für den nächsten Tag ist Regen angesagt. Wir setzen einen Tag aus und machen nur einen kleinen Spaziergang zum Mirador Condor. Dieser führt am Wasserfall Salto Grande vorbei und schliesslich zu einer weiteren Lagune. Der Wind fegt uns fast weg und peitscht uns den Regen ins Gesicht. Auf dem Rückweg joggen wir, uns sind heil froh, als wir bei Beat ankommen.

Mirador Base las Torres — Das beste zum Schluss

Nachdem wir das V nun schon erwandert haben, steht am letzten Tag noch das I an. Der Mirador Base las Torres gilt als Highlight. Wir erwischen perfektes Wetter und starten am frühen Morgen vom Visitor Center aus. Leider mit sehr wenig Schlaf, da das Team des Nationalparks am Vorabend bis spät in die Nacht hinein eine Weihnachtsparty veranstaltet hatte. Der Bass der Musik war so laut, dass es Beat regelrecht schüttelte. Aber was soll’s. Um 07:00 laufen wir los und erreichen die eisblaue Lagune mit Blick auf die Türme fast als Erste. Als die Massen eintreffen sind wir schon wieder auf dem Rückweg. Trotz einiger planerischen Schwierigkeiten ist am Schluss alles perfekt aufgegangen und wir konnten das Trekking im Torres del Paine in vollen Zügen geniessen. Nächstes Ziel: Ushuaia – Fin del Mundo

Im Wanderparadies von Argentinien

Nach zehn Tagen Regen auf der Carretera Austral freuen wir uns wie kleine Kinder auf das bevorstehende gute Wetter. Die nächsten Tage verbringen wir im Wanderparadies El Chaltén. Von dort aus geht es weiter nach El Calafate und schliesslich zum Gletscher Perito Moreno.

Die Stimmung auf dem Weg nach El Chaltén ist ausgelassen. Endlich ist das Wetter wieder auf unserer Seite. Gemäss Prognose stehen uns vier sonnige Tage bevor. Richtig warm wird es zwar nicht, aber das stört uns nicht. Hauptsache Sonne und klare Sicht. Die Strecke ins Wanderparadies von Argentinien führt stundenlang durch die Pampa. Die einzige Abwechslung bieten die Guanacos, welche mit ihren Jungtieren durch die öde Landschaft galoppieren. Und dann taucht er plötzlich in der Ferne auf, der bekannteste Berg Argentiniens. Mit seinen kantigen, schneebedeckten Türmen wirkt er schon fast etwas bedrohlich. Bienvenidos a El Chaltén.

Wandermarathon rund um den Fitz Roy

Wir parkieren Beat auf dem Gratisparkplatz neben dem Informationszentrum und machen uns schlau, welche Wanderungen wir unternehmen können. Eine davon soll mehrtägig sein. In Santiago de Chile haben wir uns endlich ein Zelt, Schlafsäcke und einen Kocher gekauft. So sind wir flexibel und müssen nicht immer etwas ausleihen. Die Beratung durch die Parkrangerin ist perfekt und so ist es schnell entschieden. Als erstes geht es in einer Zweitageswanderung zur «Laguna de los Tres» sowie zur Gletscherlagune Toro und am dritten Tag dann noch zum «Loma del Pliegue Tumbado». So können wir den Fitz Roy von allen Seiten bewundern.

Testlauf für unser neues Zelt

Die erste Etappe der Zweitageswanderung führt uns durch einen hübschen Wald an den Fuss des Fitz Roys. Dort schlagen wir unser Nachtlager auf. Es windet und nieselt leicht. Mal schauen, ob sich unser günstiges Zelt unter diesen Bedingungen bewährt. Beim Auspacken des Equipments merke ich, dass wir den Kochtopf vergessen haben. Nicht gerade praktisch, wenn man Pasta kochen möchte. Zum Glück sind wir nicht die einzigen, die hier übernachten. Schlimmstenfalls könnten wir eine Pfanne ausleihen. Während Bryan das Zelt fertig aufstellt, suche ich das Plumpsklo im Wald und finde auf dem Weg eine zurückgelassene Pfanne inklusive Schwamm und Deckel. Es scheint, als wäre das Karma auf unserer Seite. Bryan staunt nicht schlecht, als ich wenige Minuten später mit der Pfanne in der Hand zurückkomme. Unserer Pasta-Party steht nichts mehr im Weg. Wir essen bereits um sechs Uhr und verkriechen uns ins Zelt. Morgen geht es um 04:30 weiter. Früh ins Bett zu gehen, ist daher nicht die schlechteste Idee.

Sonnenaufgang inklusive Eisregen

Am nächsten Morgen brechen wir gemeinsam mit Rob aus dem Nachbarszelt um 04:45 auf zur Laguna de los Tres auf. Auf dem Weg merken wir, dass der Sonnenaufgang früher ist als gedacht. Bryan und Rob sprinten den Gipfel hoch und schaffen es tatsächlich rechtzeitig. Ich treffe zehn Minuten später ein. Das Licht ist weich und warm und der Fitz Roy wird angeleuchtet. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt. Besonders gemütlich ist es auf dem Gipfel jedoch nicht. Der harsche Wind peitscht uns gefrorene Regentropfen ins Gesicht und die Sonne hat noch zu wenig Kraft, um uns zu wärmen. Wir geniessen den magischen Anblick und treten dann nach kurzer Zeit den Abstieg an. Zurück im Camp gibt es Frühstück bevor wir die nächsten 20 Kilometer zur Gletscherlagune in Angriff nehmen.

Glitzernde Eisschollen und stürmischer Wind

Zum Glück kämpft sich die Sonne zwischen den Wolken hindurch und wärmt uns auf dem Weg zu Lagune Nummer zwei. Bevor dort ein erneuter Anstieg ansteht, essen wir unsere Sandwichs und verstecken die Rucksäcke im Gebüsch. So müssen wir diese nicht zur Lagune tragen, sondern können sie auf dem Rückweg ins Dorf wieder mitnehmen. Eine weise Entscheidung. Denn auch auf dieser Strecke weht wieder der patagonische Wind. Teilweise ist es auf der Krete um die Lagune kaum möglich, zu laufen.

Windböen von rund 80 Stundenkilometer sind in Patagonien keine Seltenheit. Besonders im Frühling und Sommer.

Die Windböen, bringen uns immer wieder vom Pfad ab. Schritt für Schritt arbeiten wir uns zum Ufer der Lagune vor. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und den Kopf zum Boden geneigt. Angekommen setzen wir uns in den Windschatten eines grossen Steins und bewundern die glitzernden Eisschollen im Wasser der Lagune. Im Hintergrund einmal mehr der Fitz Roy. Dieses Mal etwas wolkenverhangen, aber nicht weniger beeindruckend. Wir sind fasziniert von diesem kantigen Bergmassiv und der wunderschönen Umgebung. Nach einem dreistündigen Abstieg treffen wir wieder bei Beat ein und lagern die Füsse hoch. Schliesslich steht morgen nochmals eine Tageswanderung an.

Abschlusswanderung zum Loma del Pliegue Tomado

Die letzte Wanderung kommt uns vor wie ein Kinderspiel. Dieses Mal sind wir nur mit einem leichten Tagesrucksack unterwegs. So ganz ohne Gewicht erreichen wir den Aussichtspunkt innerhalb von drei Stunden. Neben dem Blick auf die Berge bietet dieser Gipfel zusätzlich einen wunderbaren Panoramablick über die ganze Region. Der perfekte Abschluss unseres Wandermarathons. Am Abend fahren wir vom kostenlosen Parkplatz noch zum im Dorf gelegenen Camping und geniessen dort eine wohlverdiente warme Dusche.

El Calafate und Perito Moreno

Etwas reumütig verlassen wir El Chaltén. Mit den kostenlosen Übernachtungsmöglichkeiten sowie den vielen wunderschönen Pfaden ist es ein absolutes Camper- und Wanderparadies. Trotzdem zieht es uns weiter in Richtung Süden. Bevor es zum Gletscher Perito Moreno geht, übernachten wir im hübschen Ort El Calafate. Dort gönnen wir uns nach so viel Anstrengung ein leckeres Abendessen und ein gutes Glas Wein. Der Gletscher Perito Moreno ist nicht nur wegen seiner Grösse berühmt, sondern, weil er als einer der einzigen weltweit wächst. Warum, das weiss niemand so genau. Während unseres Besuchs können wir beobachten, wie Eisschollen abbrechen und ins Wasser stürzen. Begleitet wird dies von einem lauten Grollen. An der dicksten Stelle ist die in den Gletschersee auslaufende Zunge bis zu 80 Meter hoch. So etwas haben wir noch nie gesehen. Von den Holzstegen aus, kann man den Gletscher von allen Seiten bewundern. Auf eine Bootsfahrt verzichten wir. Der Anblick vom Steg aus, ist eindrücklich genug.

Unterwegs auf der Carretera Austral

Ab in den Süden auf der weltbekannten Carretera Austral. Sie führt durch Fjorde, vorbei an massiven Gletschern, entlang wilder Natur sowie durch kleine verschlafene Dörfchen. Zehn abenteuerliche Tage inklusive einer stürmischen Fährfahrt, zwei platten Reifen und Unmengen an Regen.

Patagonien ist bekannt für stürmisches und unvorhersehbares Wetter. So ist es keine Überraschung, dass die ganze Region wolkenverhangen ist, als wir die Carretera Austral erreichen. Zum Glück haben wir so oder so geplant, den Nachmittag in den «Termas del Sol» im kleinen Ort Puelo zu verbringen. Die Anlage ist perfekt in die Natur eingebettet und bietet Entspannung in zehn thermischen Pools. Je nach dem, welchen man besucht, ist das Wasser angenehm temperiert, eiskalt oder heiss. Ein guter Zeitvertreib, an diesem trüben Nachmittag. Der einzige Wermutstropfen ist der Preis. Dieser ist in den letzten Jahren massiv angestiegen und mit fast 45 Franken pro Person auch für Chile sehr hoch. Nach einem anfänglichen Schock, geniessen wir trotzdem einige entspannende Stunden. Danach fahren wir zu unserem Übernachtungsplatz neben einem Fluss.

Auf zur Fähre nach Hornopirén

Am nächsten Tag setzen wir unsere Fahrt fort. Leider regnet es immer noch in Strömen und das Wasser hat die Naturstrasse schon ordentlich zerfressen. Sie ist mit Wasser gefüllten Löchern übersäht und an einigen Stellen ziemlich schlammig. Zum Glück ist das letzte Stück der Strecke asphaltiert. So erreichen wir nach einer langen und holprigen Fahrt den kleinen Ort Hornopirén. Von dort aus geht es via Fähre weiter. Diese mussten wir bereits sieben Tage im Voraus buchen, da sie nur wenige Plätze bietet. Um kein Risiko einzugehen, sind wir zwei Tage vor Abfahrt dort. Zum Glück. Denn als wir von unserem Einkauf zurück kommen, finden wir Beat mit einem Platten Reifen vor. Da es bereits Abend ist, können wir diesen nicht mehr reparieren lassen. Wir bocken Beat auf und schlafen auf dem Wagenheber. Am nächsten Morgen tragen wir den Reifen zu einem nahegelegenen Mechaniker, welcher ihn repariert. Danach besuchen wir den lokalen Markt im Ort und flanieren im Regen durch die ausgestorbenen Gassen. Eine grössere Wanderung unternehmen wir wegen des weiterhin trüben Wetters nicht. Wir verkriechen uns in Beat und hoffen, dass der Regen bald nachlässt. Mal sehen, ob Petrus unsere Wünsche erhört.

Mit den Hitchhikers weiter bis nach Chaitén

Auf der Fähre machen wir Bekanntschaft mit drei Jugendlichen von Belgien, welche die Panamericana per Anhalter bereisen. Sie sind auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit bis nach Chaitén. Eigentlich wollten wir nicht so weit fahren, sondern in der Mitte der Strecke eine Wanderung unternehmen. Aber da uns Petrus nicht erhört hat, und es weiterhin wie aus Eimern giesst, lassen wir das. Langsam sind wir etwas genervt vom Dauerregen. Unterwegs lässt sich jeweils nur erahnen, wie schön die Aussicht auf die Berge sein müsste. Auch die Hitchhikers haben ihr Programm aufgrund des Wetters umgestellt. Sie erzählen uns auf der zweistündigen Fahrt von ihrer verrückten Reise. Innerhalb von nur drei Monaten sind sie per Autostopp von Montreal bis nach Chile gereist. Unglaublich! Trotz dem grauenhaften Strassenzustand ist es eine kurzweilige Fahrt. In Chaitén angekommen laden wir die drei Jungs aus und suchen uns einen Schlafplatz. Auf der Carretera Austral darf man überall wild übernachten und so machen wir es auch. Als wir am Abend online das Wetter anschauen, gibt es einen Lichtblick. Morgen sollte es nicht den ganzen Tag regnen.

Der hängende Gletscher von Queulat

Das regenfreie Fenster nutzen wir für eine Wanderung zum hängenden Gletscher von Queulat. Diese führt über eine Hängebrücke durch einen Märchenwald bis hin zum Aussichtspunkt auf den einzigartigen hängenden Gletscher. Es tut richtig gut wieder draussen in der Natur sein. Der Weg ist zwar sehr matschig aber das macht uns nichts aus. Die Flora ist wunderschön. Alles ist mit Moos und Farn überwachsen. Es sieht aus wie in einem Märchenwald. Nach etwas mehr als einer Stunde erreichen wir die Aussichtsplattform. Von dort aus hat man den perfekten Blick auf den Gletscher. Als sich die Sonne kurz zeigt schimmert er eisig blau. Immer wieder brechen kleinere Stücke ab und tosen zusammen mit den Wasserfällen ins Tal. Ein einzigartiger Anblick. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher zum Gletschersee bevor es zurück geht zu Beat. Ein toller Ausflug. So haben wir uns das vorgestellt.

Auf direktem Weg zu den Capillas de Marmol

Leider hält das Wetterglück nur kurz an. Bereits am nächsten Tag regnet es wieder in Strömen und die Prognosen für die nächsten zehn Tage sehen auch nicht besser aus. Sogar die Locals raten uns davon ab, Wanderungen zu unternehmen. Schweren Herzens beschliessen wir daher, einige Highlights auszulassen und zwei Tage durchzufahren bis zu den Capillas de Marmol. Dort erwartet uns die Sonne und eine abenteuerliche Schifffahrt. Auf dem Weg holen wir uns dann leider nochmals einen Platten. Als wir an einer Baustellenampel anhalten fuchtelt der Bauarbeiter wie wild mit den Händen und zeigt auf unseren hinteren Reifen. Wir ahnen es schon. Der in Hornopirén reparierte Reifen hat erneut ein Loch. Mitten auf der Strasse und im Matsch bocken wir Beat auf und montieren das Ersatzrad. Glücklicherweise sind wir mittlerweile geübt. Innerhalb von wenigen Minuten ist der Reifen gewechselt. Nun lässt sich nur hoffen, dass wir es mit dem Ersatzreifen bis nach Punta Arenas schaffen. Denn unterwegs wird es unmöglich sein, passende Reifen zu finden.Wir lassen nochmals etwas mehr Luft raus und erreichen so unversehrt den Ort Puerto Tranquilo am Ufer des Lago General Carrera. Dort befindet sich der Ausgangspunkt für die Exkursionen zu den Marmorhöhlen.

Mindestens ein platter Reifen gehört auf der Carretera Austral zum guten Ton, hat man uns gesagt. Na, wenn das so ist. 🙂

Wir buchen die Tour für den nächsten Morgen. Als wir aufstehen scheint die Sonne. Perfekt! Ausgerüstet mit Schwimmweste steigen wir in das Boot. Der Wellengang auf dem See ist beträchtlich und die Guides informieren uns, dass die Fahrt abenteuerlich werden könnte. Das war eine Untertreibung. Denn nach rund zehn Minuten gibt der Motor unseres Bootes den Geist auf. Wir treiben im Wasser und werden von den Wellen ordentlich durchgeschüttelt. Alle Versuche der Crew, das Boot wiederzubeleben, scheitern. Was nun? Wir werden von einem anderen Boot abgeschleppt. Das klappt zum Glück ohne Probleme und die ganze Gruppe nimmt das Malheur mit Humor. Nach einer Stunde sitzen wir in einem neuen Boot und brechen nun tatsächlich auf. Das Wasser ist eisblau und die Aussicht auf die umliegenden Berge malerisch. Der Wind pfeift uns um die Ohren und das Wasser klatscht uns ins Gesicht. Die Wellen sind nicht kleiner geworden und es schlägt mächtig. Angekommen bei den Höhlen ist der Seegang zum Glück deutlich ruhiger. Wir können in die Höhlen reinfahren und die verschiedenen Gesteinsschichten und Formationen bewundern. Ein Wunder der Natur! Über mehr als 6000 Jahre lang hat das Wasser das Gestein geschliffen und so diese einzigartigen Höhlen geschaffen. Definitiv ein Besuch wert und ein weiteres Highlight auf der Carretera Austral. Bevor wir zurückkehren, bringen wir drei Reisende an Land. Sie fühlen sich nicht der Lage die Rückfahrt im Boot zu meistern und werden mit dem Auto zurückgebracht. Danach stechen wir in See. Mit der Kapuze fest über den Kopf gezogen, fahren wir über den rauen See. Es fühlt sich ein bisschen an wie auf einer Achterbahn. Wir krallen uns am Bootsrand fest und geniessen die rasante Fahrt.

Die letzte Etappe

Nach nur acht Tagen sind wir nun schon fast am Ende der Carretera Austral. Die letzte Etappe führt dem Lago General Carrera entlang bis nach Argentinien. Es ist der grösste See Chiles. Der östliche Zipfel des Sees liegt aber in Argentinien. Dort wollen wir über die Grenze. Ein würdiger Abschluss. Für einmal scheint die Sonne und wir haben einen wunderbaren Ausblick auf den eisblauen See und die umliegende Landschaft. Langsam und äusserst vorsichtig fahren wir der einem Waldweg ähnelnden Strasse entlang bis nach Chilechico. Nächster Stopp: Das Wanderparadies El Chaltén.

Wunderbare Seenlandschaften

Die nächsten Wochen sind geprägt von schneebedeckten Vulkanen, uralten Araukarienbäumen und kristallklaren Seen. Wir fahren von Santiago de Chile nach Pucón. Von dort aus geht es einmal mehr über die Grenze entlang der bekannten «Ruta de los siete lagos» bis nach Bariloche. Und zum Abschluss zum Vulkan Osorno, welcher bereits wieder in Chile liegt.

Auf dem Weg von Santiago de Chile nach Pucón übernachten wir auf einem kleinen Biobauernhof. Dieser liegt ziemlich abgelegen, aber ungefähr in der Mitte der Strecke. Während wir der schmalen Naturstrasse entlang fahren, streifen wir immer wieder die gelben Blütensträucher. Die Umgebung ist wild und wunderschön. Auf dem Bauernhof angelegen, gönnen wir uns etwas Ruhe. Es war eine lange, anstrengende Fahrt, denn es gab wieder einmal einen Streik. Hunderte Lastwagenfahrer haben alle 20 Kilometer die Autobahn blockiert und dadurch einen enormen Rückstau verursacht. Nichts desto trotz haben wir unser Ziel erreicht. Jedoch mit zwei Stunden Verspätung. Am nächsten Tag zeigt uns die Bäuerin noch den Hof und wir dürfen frische Früchte pflücken. Der perfekt Start in den Tag.

Villaricca – der schönste Vulkan Chiles

Zum Glück sind die Lastwagenfahrer am nächsten Morgen nicht mehr unterwegs oder zumindest nicht auf unserer Strecke. Wir schaffen es wie geplant nach Pucón und freuen uns wahnsinnig über die grünen Wiesen, Blumenfelder und schönen Wälder. Erst jetzt wird uns bewusst, dass wir dies richtig vermisst haben. Denn die Landschaft in den Hochebenen Boliviens und Chiles ist zwar wunderschön, aber im Vergleich karg. Wer jetzt denkt, das wäre es gewesen mit den Streiks der täuscht sich. Denn neben den Lastwagenfahrer streiken auch die Nationalpark-Mitarbeiter. Und zwar schon seit einigen Wochen, weshalb einige Parks geschlossen sind. Davon lassen wir uns aber nicht abschrecken. Wir haben gehört, dass man sich zum Teil über die nicht besetzen Seiteneingänge problemlos reinschleichen kann. Unser Ziel ist ein Aussichtspunkt, von welchem man einen schönen Blick auf den Vulkan Villarrica sowie die umliegenden Vulkane hat.

Die Araukarie ist der Nationalbaum Chiles und wird auch Andentanne genannt.

Wir fahren mit Beat bis zum Ausgangspunkt der Wanderung und können problemlos passieren. Die Rangerstation ist nicht besetzt. Der erste Teil der Wanderung führt durch einen wunderschönen Wald. Angetan haben es uns vor allem die Araukanien, mit ihren perfekt aneinander gereihten Blättern. Das Wetter ist perfekt und die Temperaturen sommerlich. Wir sind in kurzen Hosen und T-Shirt unterwegs. Als wir aus dem Wald herauskommen und feststellen, dass wir nun noch mehrere Kilometer über ein Schneefeld wandern müssen, zweifeln wir etwas an unsere Kleiderwahl. Vor allem, als wir wenige Minuten später auf chilenische Schüler treffen, die dick eingepackt einen Schneehügel runterrutschen. Wir setzen unseren Pfad trotzdem fort bis zum Aussichtspunkt, welcher einen freien Blick auf den aktiven Vulkan Villarrica offenbart. Trotz Schnee ist es nicht wirklich kalt. Der Villarrica stösst kontinuierlich kleine Rauchwolken aus und wirkt wie ein schlafender Riese. Ein toller Anblick. Auf dem Rückweg geht es nur noch bergab und so sind wir schnell wieder bei Beat. Es geht weiter zu unserem Schlafplatz an der argentinischen Grenze neben einem weiteren Vulkan, dem Lanin.

Die sieben Seen-Route

Wir übernachten auf einem Rastplatz zwischen Aurakanien mit wunderbarer Sicht auf den Vulkan Lanín. Dieser steht quasi auf der Grenze zwischen Chile und Argentinien. Da wir aufgrund unserer Reservation im Torres del Paine Nationalpark etwas Zeitdruck haben, besuchen wir den dazugehörigen Nationalpark nicht, sondern fahren direkt weiter nach Bariloche. Aber immerhin konnten wir den kegelförmigen Vulkan von unserem Schlafplatz aus bewundern.

Die Strecke vom Lanín nach Bariloche ist ein Traum. Sie schlängelt sich vorbei an den kristallklaren Seen und führt durch kleine hübsche Dörfer. Da gerade Frühling ist, sind die Seen eingerahmt durch knallgelbe Büsche und die Strassen gesäumt von verschiedenfarbigen Lupinenfelder. Nach einigen Stunden treffen wir in Bariloche ein und informieren uns bei der Touristeninformation welche Wanderwege bereits geöffnet sind. Denn wenn auch im Tal die Temperaturen bis auf 25 Grad klettern und alles blüht, hat es in den Bergen noch ziemlich viel Schnee. Wir entscheiden uns, an einem Tag dem See entlang zu spazieren und in der bekannten Brauerei Patagonia ein Bier mit Panoramablick zu geniessen und am anderen Tag eine grösser Route in den Bergen zu machen. Diese sollte gemäss Informationen online und im Touristenbüro geöffnet sein. Und natürlich gönnen wir uns in der Stadt noch ein leckeres argentinisches Steak.

Bariloche wird häufig mit der Schweiz verglichen. Die Häuser im Ski- und Wanderparadies ähneln Schweizer Chalets und es gibt diverse Schokoladengeschäfte.

Übernachten dürfen wir kostenlos in der direkt neben Bariloche gelegenen Colonia Suiza. Diese hat wenig mit der Schweiz zu tun, ist aber ein guter Ausgangspunkt für die Wanderung und bietet einen schönen Souvenirmarkt sowie einen Badestrand. Wir wandern direkt vom Camping aus los bis zum Refugio, bei welchem wir gemäss Karte zum weiterführenden Wanderweg traversieren sollten. Oben angekommen, teilt uns der Hüttenwart dann aber leider mit, dass wir das Schneefeld nicht überqueren dürfen. Letzte Woche sei jemand stecken geblieben und musste gerettet werden. Schade! So wird aus der geplanten Runde leider nichts. Wir wandern den gleichen Weg wieder zurück. Gelohnt hat es sich trotzdem, denn vom Refugio aus hat man eine tolle Weitsicht über die verschiedenen Seen. Zurück in der Colonia Suiza besuchen wir noch die «Feria Artesanal» und entdecken das leckerste Honigbier von Argentinien. Auf einer kleinen Bühne spielt eine argentinische Band Livemusik, es wird getanzt und gesungen. Die Stimmung ist ausgelassen. Wir legen die Füsse hoch und lassen die fröhliche Stimmung auf uns wirken, bis wir uns müde aber zufrieden in Beat zurückziehen.

Zurück nach Chile zum Vulkan Osorno

Auf dem Weg nach Chile übernachten wir noch einmal an einem wunderschönen See und geniessen ein Fondue. Dieses haben wir im Supermarkt gefunden. Somit kommt doch noch ein wenig Schweizer-Stimmung auf in der argentinischen Schweiz. Danach geht es über die Grenze in Richtung Puerto Montt. Wir campen am Ufer des Lago Llanquihue mit freier Sicht auf den Vulkan Osorno. Es ist unglaublich, wie viele schöne Ecken es hier zu entdecken gibt. Gerne hätten wir etwas mehr Zeit in dieser wunderbaren Seenregion verbracht. Aber die Tickets für den Torres del Paine Nationalpark sind gebucht. Wir müssen weiter. Nächste Etappe: Carretera Austral, auch bekannt als die schönste Strasse der Welt!

Natur, Wein und Grossstädte

Auch in unserer zweiten Woche in Argentinien dreht sich wieder vieles um Wein. Aber nicht nur, vor Mendoza machen wir einen Abstecher in den von Unesco ausgezeichneten Nationalpark Talampaya. Danach tauchen wir in Mendoza in die Welt des Weins ein, bevor es weitergeht nach Chile in die Grossstädte Santiago und Valparaíso.

Nach der Weindegustation in Cafayate verabschieden wir uns vorerst von Nadle und Tom. Sie fahren nach Cordoba und wir Richtung Nationalpark Talampaya. Dort warten eine einzigartige Wüstenlandschaft und skurrile Felsformationen auf uns. Obwohl die Strasse in Richtung Talampaya in einem sehr guten Zustand ist, schaffen wir es nicht in einem Tag. Argentinien ist riesig. Fahretappen über 500km sind keine Seltenheit. Da wir nicht gerne mehr als fünf Stunden am Stück fahren, haben wir uns im Vorfeld einen kostenlosen Camping Municipal herausgesucht. Als wir eintreffen, sind schon zwei deutsche Pärchen vor Ort und wir werden direkt zum Kaffee eingeladen. Das Highlight folgt aber noch: drei streunende Hundebabies. Sie verbringen den ganzen Nachmittag und Abend mit uns. Am liebsten hätten wir alle drei mitgenommen. Aber Reisen mit einem Hund, oder besser gesagt drei Hunden, wäre weitaus komplizierter. Daher lassen wir sie schweren Herzens zurück und vertrauen darauf, dass sie auf dem Camping ein gutes Zuhause finden. Und wenn nicht, werden sie dort hoffentlich gefüttert und von ihrem grossen Bruder beschützt. Dieser hatte es sich direkt in Beat gemütlich gemacht.

Talampaya Nationalpark

Am nächsten Nachmittag treffen wir beim Talampaya Nationalpark ein. Rund um uns herum hat es nichts ausser rotem Sand und spärlichen Büschen. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel. Zum Glück haben wir unsere Markise und können uns in den Schatten setzen. Zum Abendessen gibt es Chorizo vom Grill und einen fast schon kitschigen Sonnenuntergang. Danach legen wir uns ins Bett, damit wir für die geführte Tour am nächsten Morgen fit sind. Um 08:30 geht es los. Im Bus angekommen, stellen wir fest, dass wir einen argentinischen Seniorenausflug auffüllen. Es herrscht lautes Geschnatter und Gelächter. Schmunzelnd setzen wir uns hin und beobachten das wilde Treiben, bevor es los geht. Wir fahren durch den roten Sand in den Canyon hinein, vorbei an den fast in den Himmel ragenden, zerklüfteten Felswänden. Ein toller Anblick. Beim ersten Stopp erklärt uns der Guide die Flora und Fauna. In dieser kargen Umgebung leben tatsächlich noch einige Tiere. Wir sehen Hasen, einen Fuchs und Kondore. Danach geht es weiter zu einer Echowand sowie den Monolithen. Wir sind fasziniert von der Landschaft und den riesigen Felsmonolithen und geniessen die gute Stimmung, die durch die argentinische Reisegruppe verbreitet wird. Nach rund drei Stunden sind wir zurück beim Parkplatz. Normalerweise sind wir keine Fans von geführten Touren, aber diese hat sich wirklich gelohnt.

Radtour durch die Weingüter von Mendoza

Als wir in Mendoza ankommen sind wir erstaunt, wie gross die Stadt ist. Mit Agglomeration leben fast eine Million Menschen in der Stadt des Weins. Umrundet ist sie von Weingütern, welche den weltbekannten Malbec produzieren. Die erste Nacht verbringen wir in der Stadt und schlafen auf einem bewachten Parkplatz im Zentrum. Danach fahren wir etwas aus der Stadt heraus auf einen in einem grossen Park angelegten Camping. Leider regnet es für zwei Tage ununterbrochen, weshalb wir vorerst keine Weintour machen können. Als wir dann am Montag los wollen, gibt unsere Starter-Batterie den Geist auf. Zum Glück ist der Bewirtschafter des Campings mit seinem Traktor vor Ort und überbrückt uns. So schaffen wir es trotzdem noch zum Fahrradverleih, von wo aus wir unsere Weintour starten.

Rebstauden wohin das Auge reicht. Das Weinanbaugebiet in Mendoza ist fast so gross wie der Kanton Zürich.

Als erstes besuchen wir das kleine Bio-Weingut Pulmary. Der junge Inhaber spricht perfekt Englisch und erklärt uns, was die Lagerung in den verschiedenen Fässern für eine Wirkung auf den Wein hat. Zudem dürfen wir ab Fass kosten und können somit direkt vergleichen. Der Unterschied zwischen dem im französischen oder amerikanischen Eichenfass gelagertem Wein ist deutlich erkennbar. Eine tolle und sehr authentische Tour. Nach drei Gläsern Wein sowie einem halben Glas Bier schwingen wir uns leicht beschwipst wieder auf unsere Räder. Beim nächsten Stopp gibt es etwas in den Magen. In einem Familienbetrieb verkosten wir verschiedene Oliven-Tapenaden und Konfitüren. Denn neben Wein werden in der Region rund um Mendoza auch Oliven und Früchte angebaut. Nach diesem Apéro geht es über die guten Velowege weiter zu einer Wein-Finca, wo es ein leckeres Mittagessen gibt. Natürlich begleitet durch ein Glas Malbec. Zu guter Letzt radeln wir noch zu einem luxuriösem Weingut, auf welchem wir in Mitten der Reben degustieren können. Ein würdiger Abschluss. Mittlerweile ist es schon nach fünf Uhr. Da wir die Fahrräder um sechs zurückbringen müssen, legen wir auf dem Rückweg einen kleinen Sprint hin. Danach sind wir schon fast wieder nüchtern. 😉

Über die Anden nach Santiago de Chile

Nach zwei erlebnisreichen Wochen in Argentinien verabschieden wir uns vorerst vom Land des Weins und fahren über die Anden nach Chile. Eine schöne Strecke, die unter anderem an der Puente de Inca vorbeiführt. Eine durch Schwefelablagerungen natürlich geformte Brücke. Wir legen einen kurzen Fotostopp ein, bevor wir an der Grenze eintreffen. Diese liegt auf der chilenischen Seite direkt neben einem Skigebiet. Im Frühling hat es hier keinen Schnee und die verwaisten Skilifte und Chalets wirken etwas gespenstig. Das Ein- und Ausreiseprozedere dauert mehrere Stunden aufgrund des sehr grossen Andrangs. Es scheint, als wollte heute das halbe Land hier über die Grenze. Hinzu kommt, dass Chile alle Autos auf Lebensmittel durchsucht werden. Daher dauert die Einreise meist länger, als in anderen Ländern. Zum Glück sind wir mittlerweile geübt im Warten. Trotzdem sind wir froh, als wir den Grenzkomplex nach drei Stunden verlassen und Richtung Santiago de Chile fahren. In der riesigen Stadt angekommen, finden wir einen kostenlosen Übernachtungsplatz am Fusse des Cerro San Cristóbal und treffen dort auf die deutschen Reisenden Henne & Mark. Gemeinsam lassen wir den Abend bei einem Bier ausklingen. Lange möchten wir nicht in der Stadt verweilen. Aber wie immer in den grossen Städten gibt es ein paar Dinge zu organisieren. Wir benötigen eine neue Bordbatterie, möchten den Dieselfilter wechseln lassen und den mittlerweile tropfenden Wasserhahn ersetzen. Da die Fachgeschäfte in der ganzen Stadt verteilt sind, benötigen wir fast zwei Tage, um alles zu erledigen. Natürlich nehmen wir uns auch noch etwas Zeit, die Stadt zu besichtigen. Da wir direkt am Fusse des Cerro San Cristóbal übernachten, lassen wir uns eine Fahrt mit der Seilbahn zum Aussichtspunkt nicht nehmen. Von dort aus wird einem erst klar, wie riesig Santiago ist. Fast sieben Millionen Menschen leben in dieser Metropole. Zudem besuchen wir das Menschenrechts-Museum, in welchem die Geschichte der Schreckensherrschaft unter Pinochet eindrücklich aufbereitet wurde. Danach geht es weiter in die Künstlerstadt Valparaíso.

Farbige Strassen in Valparaíso

Valparaíso liegt nur eine kurze Fahrt von Santiago de Chile entfernt. Bekannt ist es für seine tolle Lage am Meer und unzählige Graffitis. Aufgrund der vielen Warnungen in der Camping-App iOverlander übernachten wir in einem Vorort ausserhalb der Stadt. In den letzten Jahren hat der Anteil Obdachloser und Drogensüchtiger in der Stadt stark zugenommen und damit leider auch die Kriminalität. Immer wieder wurden Reisenden die Reifen zerstochen oder Scheiben eingeschlagen. Das möchten wir nicht riskieren. Mit dem öffentlichen Bus sind wir von unserem Camping aus innerhalb von 40 Minuten in der Stadt. Das passt perfekt. Wir verbringen einen Tag gemütlich auf dem Camping und am nahe gelegenen Strand sowie einen Tag in der Stadt. Im bekannten Künstlerviertel gibt es tatsächlich an jeder Ecke etwas zu entdecken. Wir flanieren durch die Gassen, essen ein Glacé, bewundern die Streetart und besuchen den Fischmarkt. Allerdings kommen wir immer wieder an Ecken vorbei, wo deutlich zu sehen ist, dass sich die Stadt nicht in eine gute Richtung entwickelt. Das trübt das Erlebnis etwas. Am Abend erfahren wir dann, dass Nadle & Tom jetzt in Santiago sind und in einer Woche nach Hause fliegen. Wir beschliessen nochmals nach Santiago zurückzufahren, bevor es in den Süden geht. Über ein Jahr hinweg sind wir immer wieder gemeinsam gereist und haben unzählige tolle Erinnerungen gesammelt. Darauf wollen wir nochmals anstossen und gebührend Abschied nehmen.

Die ersten Tage in Chile und Argentinien

Der Grenzübertritt von Bolivian nach Chile ist spektakulär, denn der Grenzposten Hito Cajon liegt auf 4480 Metern. Danach geht es mehrere tausend Meter hinunter in die Wüstenstadt San Pedro de Atacama. Lange verweilen wir nicht im Lande, denn fortan fahren wir im Zickzack Richtung Süden. Der nächste Stopp liegt bereits in Argentinien. Wir besuchen die eher unbekannte aber schöne Stadt Salta. Von dort aus arbeiten wir uns weiter vor ins Landesinnere bis zum ersten Weingebiet: Cafayate.

Nach einer eisig kalten Nacht (-11 Grad im Auto) und einem ausgiebigen Geburtstagsbrunch mit Pancakes und Brownies machen wir uns auf den Weg zum Grenzposten. Aktuell sind wir noch in Bolivien aber die Grenze ist nur einige hundert Meter entfernt. Bryan kann somit seinen Geburtstag in zwei verschiedenen Ländern feiern. Gar nicht schlecht oder? Die Grenze Hito Cajon zählt zu den höchstgelegenen weltweit. Strom gibt es auf der bolivianischen Seite heute keinen. Wir müssen unsere Daten von Hand eintragen und die Grenzbeamten fotografieren unsere Dokumente mit dem Handy. Wenn der Strom wieder da ist, wird dann alles nacherfasst. Der chilenische Komplex ist eine Art «Drive Through». Uns ist es recht, denn es windet und ist kalt. Nach einer kurzen Passkontrolle steht die Inspektion des Fahrzeugs an. Nun ist es Zeit von unseren Pflanzen Abschied zu nehmen, die uns seit Mexiko begleiten. Denn in Chile ist die Einfuhr von Pflanzen, Früchten, Gemüse, Eier und Fleisch streng verboten. Das Personal ist sehr freundlich uns alles geht speditiv voran. Nach rund 30 Minuten fahren wir in Richtung San Pedro de Atacama. Bienvenido a Chile!

Sonne tanken in San Pedro de Atacama

Die Strasse von der Grenze bis nach San Pedro ist einzigartig. Innerhalb von weniger als einer Stunde lassen wir 2000 Höhenmeter hinter uns. Diesel benötigen wir keinen, wir können Beat einfach den Berg hinunterrollen lassen. In der Stadt angekommen, quartieren wir uns auf einem Camping ein, und setzen uns zuallererst ein wenig an die Sonne. Herrlich, diese Temperaturen. Die Architektur der Stadt ist nicht gerade atemberaubend und auch die sandigen Strassen irritieren uns anfangs ein wenig. Dafür überzeugt das gastronomische Angebot. Hinter den unscheinbaren Fassaden verstecken sich hübsche Innenhöfe. Diese beherbergen charmante Cafés, leckere Bäckereien sowie schöne Restaurants und Bars. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Schliesslich haben wir die letzten Wochen stets in abgelegenen Regionen verbracht. Hinzu kommt, dass es solche Angebote in Bolivien und Peru lediglich in den ganz grossen Städten gibt. Nach drei erholsamen Tagen brechen wir auf zum Magic Bus. Dieser liegt in der Wüste etwas ausserhalb von San Pedro und ist der perfekte Ort, um die Sterne zu beobachten.

Sand- und Touristenansturm

Um zum Magic-Bus zu gelangen steht wieder einmal ein Wellblech-Piste auf dem Plan. Unsere Begeisterung hält sich in Grenzen. Aber was nimmt man nicht alles auf sich, um an schöne Orte zu gelangen. Zum Glück ist die Strecke nicht allzu lang. Als wir eintreffen brennt die Sonne richtiggehend vom Himmel. Ausser uns ist niemand vor Ort. Wir parkieren unseren Van und erkunden die Gegend. Wir planen hier zu schlafen und die Abend- und Nachtstimmung zu nutzen. Hinter dem schon ziemlich verrosteten Bus türmen sich Hügel aus geschmolzenem Salz auf. Auf den ersten Blick wirkt es wie Sand und Glas. Als wir von unserer kleinen Entdeckungstour zurückkommen, treffen die ersten Touristenbusse ein. Innert weniger Minuten füllt sich der Parkplatz und die Leute stehen Schlange. Ein Spektakel. Wir sitzen ganz gemütlich in unseren Campingstühlen und beobachten, wie die Touristen posieren. Am späteren Nachmittag wird der Wind immer stärker. Es folgt ein richtiger Sandsturm. So schnell wie der Sturm kam, sind dann auch die Touristen wieder weg. Das Abendessen draussen fällt aufgrund dieser harschen Bedingungen leider ins Wasser. Wir flüchten in unsere Camper, kochen dort etwas und warten bis sich die Lage entspannt. Mit dem Einbruch der Dunkelheit lässt der Wind nach. Dafür ist es nun ziemlich kalt. Ausgerüstet mit Glühwein und dick eingepackt setzen wir uns nach Draussen und beobachten den klaren Sternenhimmel. Wir haben ein super Sicht auf die verschiedenen Sternbilder. Und natürlich schiessen nun auch wir noch ein paar Bilder mit dem Magic Bus. Ganz in Ruhe und ohne Zuschauer.

Ein unnötiger Umweg zu einer verwaisten Grenze

Bereits nach fünf Tagen in Chile verlassen wir das Land wieder. Denn im Norden hat auch Argentinien so Einiges zu bieten. Fortan werden wir immer wieder die Grenze zwischen den beiden Ländern überqueren, da die Highlights entlang der Grenze auf beiden Seiten verstreut sind. Ein Reisender hat uns die Strasse über den Paso Sico empfohlen. Diese soll landschaftlich wunderschön sein. Rund drei Stunden dauert die Fahrt in die Anden bis zum Grenzposten. Wir treffen erst am späten Nachmittag ein. Die Gebäude wirken verwaist. Es ist weit uns breit niemand zu sehen. Wir betreten das Gebäude und machen uns bemerkbar: «Hola, hay alguien?» Nach mehrmaligem Rufen schlurft ein Beamter in unsere Richtung. Er teilt uns mit, dass sich die chilenischen Grenzbeamten aufgrund eines Konflikts von dieser Grenze zurückgezogen haben. Es sei nur die argentinische Seite geöffnet. Ohne Ausreisestempel von Chile könne er uns aber nicht reinlassen. Fassungslos starren wir ihn an. Das wollen wir so nicht hinnehmen. Wir fordern ein Lösung. Schliesslich sind wir drei Stunden zur Grenze gefahren und auf keinem der Strassenschilder war vermerkt, dass diese geschlossen ist. Doch egal was wir versuchen, es ist nichts zu machen. Frustriert und wütend verkriechen wir uns in unsere Autos. Zurückfahren in der Dunkelheit ist keine Option. Wir schlafen an der Grenze. Als uns am nächsten Morgen ein zutraulicher Fuchs begrüsst, ist der Frust schon fast wieder verflogen. Wir nehmen die sechsstündige Reise zur Grenze Nummer zwei in Angriff. Zuerst geht es den gleichen Weg zurück nach San Pedro und dann nochmals drei Stunden hoch in die Anden zur benachbarten Grenze. Insgesamt sind dies 330km und rund 4000 Höhenmeter. Eine anstrengende Fahrt. Dafür verläuft die Ein- und Ausreise nun reibungslos. Wir sind in Argentinien!

Zwischenstopp in Salta

Auf der Strecke zum ersten Weingebiet Argentiniens liegt die eher unbekannte Stadt Salta. Dort legen wir einen Stopp ein, um uns zu organisieren und einfach mal nichts zu machen. Daher gibt es auch praktisch keine Bilder, obwohl die Stadt so einiges zu bieten hatte. Argentinien befindet sich seit Jahrzehnten in einer schlimmen Wirtschaftskrise. Das Geld entwertet sich wöchentlich. Preise sind meist nicht angeschrieben, weil sie sich so schnell verändern. In den grossen Supermärkten gibt es digitale Anzeigen, für eine flexiblere Anpassung. Was für die Leute im Land schrecklich ist, ist für uns Reisende ein Vorteil. Denn wir können unsere stabile Währung zu einem unglaublichen Kurs bei Western Union umtauschen. International bekannt ist dieses Verfahren als Blue Dollar. Für 100 Franken erhalten wir argentinische Pesos im Wert von 200 Franken. Dafür geben wir das Geld im Land aus und unterstützen die Wirtschaft hoffentlich ein wenig. In Salta probieren wir dies zum ersten Mal aus und besuchen eine Western Union Filiale. Für 300 Franken erhalten wir über 100’000 argentinische Pesos. Die grösste Note ist 1000, meist bekommt man aber nur 500er. Das ist dann ein ordentlicher Stapel Geld. Ziemlich ungewohnt für uns.

Cafayate – Wein und gutes Essen

Wein und Argentinien. Ein untrennbares Duo. Seit Beginn unserer Reise freuen wir uns auf den guten Wein in Argentinien. Die Vorfreude ist also gross, als wir zum ersten Weingebiet aufbrechen. Die im Norden gelegene Stadt Cafayate ist deutlich weniger bekannt als Mendoza, gemäss Vorab-Recherche aber mindestens genauso schön. Zudem wächst hier eine besondere Rebsorte: Torrontés. Aus dieser weissen Traube wird ein erfrischender Weisswein hergestellt. Perfekt für die heissen Temperaturen. Die Anreise ins hübsche Städtchen allein ist schon ein Abenteuer. Wir fahren durch bizarre rote Felsformationen, vorbei an Canyons and Flüssen bis schliesslich die ersten Rebfelder in der Ferne auftauchen. Beat stellen wir auf dem Camping Municipal ab. Argentinien ist eine Camping Nation. Daher verfügt jedes grössere Dorf über einen Camping mit Grillstellen, Duschen und Toiletten. Die Plätze sind nicht immer wunderschön aber sehr praktisch und kostengünstig. Am nächsten Tag besuchen wir das bekannte Weingut Piatelli. Es stehen eine Führung, eine Degustation sowie ein Mittagessen mit Weinbegleitung auf dem Programm. Vor allem der erfrischende Torrontés hat es uns angetan. Natürlich kaufen wir uns gleich eine Flasche. Nach dem super leckeren Essen und einigen Gläsern Wein legen wir ganz nach argentinischer Manier eine lange Siesta ein. Man sollte sich ja an die lokalen Gepflogenheiten anpassen. 😉 Nächster Stopp: Nationalpark Talampaya

Eine Fahrt durch surreale Landschaften

Unsere letzten Tage in Bolivien verbringen wir auf der Salar Uyuni und der berühmt berüchtigten Lagunenroute, welche uns schliesslich nach Chile führt.

Bevor wir uns auf die grösste Salzwüste der Welt wagen, sind ein paar Vorbereitungen notwendig. Wir decken uns mit Lebensmitteln und Wasser für 3-4 Tage ein und gönnen Beat ein Beauty-Treatment. Er wird komplett gewaschen und dann zum Schutz vor dem Salz eingefettet. Jetzt kann es losgehen!

Faszinierende Salar Uyuni

Als wir vom Dorf aus in Richtung Salzwüste fahren, wird uns erst richtig klar, wie gross diese ist. In der Ferne sieht man einige Berge, ansonsten weit und breit nichts ausser Salz. An der breitesten Stelle erstreckt sich die Salar Uyuni über 110km. Es wird geschätzt, dass sie aus zehn Milliarden Tonnen Salz besteht. Die Salzkruste ist je nach Ort und Jahreszeit unterschiedlich dick. Wir haben uns vorab über die aktuelle Lage erkundigt und wurden informiert, dass der östliche Teil problemlos ganzjährig befahren werden kann. Kritisch sei es nur ganz im Westen. Perfekt! Unserer geplanten Route steht nichts im Weg. Wir fahren zuerst zur in der Mitte gelegenen Insel Incahuasi und dann von dort aus weiter bis ganz in den Norden zum Vulkan Tunupan. Natürlich mit ganz vielen Fotostopps, Pausen und Umwegen.

Über die Salzwüste zu tuckern ist ein spezielles Gefühl. Es gibt keine Strassen und auch an vielen Stellen keinen Empfang. Wir folgen den sichtbaren Spuren und fragen immer wieder bei den Jeeps der Touren nach, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Zudem bilden wir gemeinsam mit Nadle und Tom einen Konvoi. So könnten wir uns jederzeit aushelfen.

Wir verbringen den ganzen Tag auf der Salzwüste bis wir am Abend den Fuss des Vulkans Tunupa erreichen. Dort wollten wir uns eigentlich aufs oder ganz nahe ans Wasser stellen, um die Spiegelung für ausgefallene Fotos zu nutzen. Aber dafür fehlte uns dann doch der Mut. Wir entscheiden uns für einen sicheren, trockenen Platz einige Meter entfernt. Es herrscht absolute Ruhe. Lediglich ein paar Flamingos durchkämmen das seichte Wasser auf der Suche nach Nahrung. Als die Sonne untergeht spiegeln sich die Sterne der Milchstrasse im auf der Salar liegenden Wasser. Fernab der Lichtverschmutzung ist diese klar zu erkennen und perfekt mit der Kamera einzufangen. Trotz den getroffenen Sicherheitsmassnahmen werden Bryan und Tom in der Nacht von Albträumen heimgesucht. So ganz trauen wir dieser Salzwüste doch nicht, insbesondere da wir wissen, dass sich darunter eine Salzlauge befindet. Und natürlich hört man im Voraus stets Schauergeschichten von Reisenden, die eingebrochen sind. Stell dir mal vor, du sinkst im Schlaf immer weiter ein und merkst nichts davon. Eine Horrorvorstellung.

Fotoshooting auf der Salar

Am nächsten Morgen frühstücken wir gemütlich vor unseren Autos. Sicherlich einer der spektakulärsten Frühstücksorte auf unserer ganzen Reise. Die Aussicht und Weite ist surreal. Genau diese Weite wollen wir nun noch nutzen, um coole Perspektivenbilder zu erstellen. Für diese ist die Salar Uyuni bekannt. Ganz so einfach ist es aber nicht. Das stellen wir schnell fest. Ist das Objekt im Vordergrund zu klein, werden die Personen im Hintergrund unscharf. Was die optische Täuschung zunichte macht. Und das trotz korrekter Einstellung der Kamera. Nach einigen Stunden haben wir den Dreh raus. Wir verzichten auf die kleinen Figuren und stellen unser Fotokonzept etwas um. Es entstehen viele witzige Bilder. Aber seht selbst.

Panoramasicht auf dem Vulkan Tunupa

Nach eineinhalb Tagen in und ums Auto freuen wir uns auf etwas Bewegung. Wir möchten den Kraterrand des Vulkans Tunupa erklimmen. Von dort aus sieht man zum einen in den Vulkankrater hinein und hat zum anderen den perfekten Panoramablick über die Salzwüste. Der Aufstieg dauert rund drei Stunden. Begleitet werden wir wie so oft von einem streunenden Hund. Oben angekommen, geniessen wir die goldene Stunde und den Wahnsinnsausblick. Zu lange können wir aber nicht bleiben, denn vom Abstieg im Dunkeln wurde uns abgeraten. Im Stechschritt laufen wir zurück zu Beat. Dort werden wir von Nadle und Tom mit einem leckeren Abendessen empfangen. Das ist Service. Wir schlafen eine weitere Nacht auf der Salar, bevor wir die diese erneut überqueren, um zurück ins Dorf zu gelangen.

Die Lagunenroute ­– Beats grösste Herausforderung

Wer jetzt denkt, die Salzwüste wäre schon die grösste Challenge gewesen der irrt sich. Denn nun folgt die Lagunenroute. Die Strassen, wenn man diese überhaupt so nennen möchte, sind eigentlich nur für 4×4 Fahrzeuge geeignet, komplett remote und oftmals in schlechtem Zustand. Dafür befindet man sich in einer wunderschönen Umgebung. Die Route führt vorbei an farbigen Lagunen, surrealen Vulkanlandschaften, Geysiren und Steinwüsten. Telefonempfang gibt es auf der ganzen Strecke nicht. Gute Organisation ist daher essenziell. Zurück im Dorf nach unserer dreitägigen Tour auf der Salar waschen wir Beat erneut, um das Salz loszuwerden und somit Schäden an der Karosserie zu vermeiden. Zudem decken wir uns nochmals mit jede Menge Wasser ein, füllen unsere Ersatzkanister mit Diesel und den Kühlschrank mit Lebensmittel. Zudem gönnen wir uns in einem Hotel am Stadtrand noch eine Dusche. Denn ihr ahnt es vermutlich schon, auf der ganzen Strecke gibt es natürlich auch keine Duschen. Wir rechnen damit, dass wir vier bis fünf Tage unterwegs sind.

Vom Zugfriedhof in die Steinwüste

Die erste Etappe ist harmlos. Nach einigen Minuten Fahrt erreichen wir den ausserhalb von Uyuni gelegenen Zugfriedhof. Er besteht aus rund 100 verrosteten Lokomotiven, welche nach dem Zusammenbruch der Edelmetallindustrie 1940, dort zurückgelassen wurden. Zusammen mit der Salzwüste im Hintergrund ein spannendes Fotomotiv. Zudem kann man die Wracks erklettern und die Graffitis bewundern. Weiter geht es über eine Wellblechpiste bis zu unserem Schlafplatz. Dieser liegt inmitten der Steinwüste. Auf dem Weg lassen wir nochmals mehr Luft aus unseren Reifen, um Beats und unsere Gelenke zu schonen. Eine weise Entscheidung. Nun schlägt es deutlich weniger. Immer wieder werden wir von Jeeps und Pickups überholt, die mit 80 Stundenkilometer über die gerippte Piste rasen. Diese Taktik ermöglicht ihnen, quasi über die Wellen zu schweben. Für uns leider keine Option, denn zwischendurch tauchen plötzlich Löcher auf oder der Wall in der Mitte ist so hoch, dass wir aufschlagen würden. Uns bleibt somit nur, das Rütteln in Kauf zu nehmen, und ganz geduldig ans Ziel zu kriechen. Als wir am Schlafplatz ankommen belohnen wir uns mit einem kühlen Bier und beobachten die Viscachas (Hasenmäuse), welche von Felsen zu Felsen hüpfen. Ein sehr idyllischer und einzigartiger Schlafplatz direkt am Startpunkt einer Rundwanderung. Diese unternehmen wir am nächsten Morgen vor der Weiterfahrt zur Laguna Colorada.

Flamingos und Vicuñas bei der Laguna Colorada

Auf dem Weg zur Laguna Colorada brauchen wir viel Geduld. Immer wieder ist der Sandwall in der Mitte so hoch, dass wir mit unserer geringen Bodenfreiheit die Strasse mehr oder weniger neu pflügen. Eine gute Spur zu finden ist schwierig. Entweder wir fahren auf dem Sand und schwimmen oder in den Spuren und sammeln dabei jede Menge Steine und Sand auf. Für Nadle und Tom ist es etwas einfacher, da ihr Fahrzeug ca. 30 Zentimeter mehr Bodenfreiheit hat. Aber auch sie sind müde und froh, als wir den Aussichtspunkt oberhalb der Lagune erreichen. Mittlerweile ist es schon fast dunkel. Wir kochen Abendessen und fallen erschöpft ins Bett. Am nächsten Morgen besuchen wir die Lagune und sind fasziniert. Die Farbe des Wassers wirkt schon fast giftig. Einige Streifen sind pink, andere eher orange und wieder andere graublau. Dekoriert wird dieses Gemälde von hunderten von Flamingos, die im Wasser nach Nahrung fischen und Vicuñas die am Ufer Wasser trinken. Ein Schauspiel. Wir setzen uns hin, beobachten die Tiere und tanken etwas Sonne. Natürlich stets mit Kappe und Daunenjacke, denn wir befinden uns nach wie vor auf 4000 Metern und es weht ein bissiger Wind.

Wind, Steine und die erste kritische Situation

Weiter geht es durch eine Mondlandschaft zu den Geysiren. Zu Beginn ist die Strasse ähnlich wie am Tag zuvor. Rund um die Geysire verschlechtert sich diese aber deutlich. Neben Sand liegen nun auch viele grosse Steine auf der Fahrbahn. Eigentlich wollten wir bei den Geysiren übernachten. Der starke Wind macht uns aber Sorgen und daher beschliessen wir bis zur heissen Quelle kurz vor der Laguna Verde durchzufahren. Bryan fährt und Tom und ich gehen voraus und räumen stetig Steine aus dem Weg. Wir kommen nur langsam voran. Wenig später fahren wir uns dann auch noch auf einem Sandwall fest. Mit den Händen schaufle ich wie ein Hund den Sand weg, während Bryan versucht den optimalen Winkel zu finden, um diesen zu überqueren. Ein Pflug hat die Hauptstrasse freigeräumt und die Zugangsstrasse, von welcher wir kommen, komplett zugeschüttet. Mit Mühe und Not schaffen wir es uns selbst auszubuddeln und nicht wieder festzufahren. Langsam, aber sicher fragen wir uns, weshalb wir uns dies zugemutet haben.

Ein heilsames Bad und eine eisblaue Lagune

Trotz wunderschöner Natur setzen uns Kälte, Wind und die schlechten Strassen mehr und mehr zu. Mittlerweile sind wir schon drei Tage unterwegs. Als wir am nächsten Morgen in der heissen Quelle sitzen und den Flamingos bei ihrer Morgenroutine zuschauen, ist die Welt schnell wieder in Ordnung. Wir bleiben im Wasser, bis unsere Finger komplett verschrumpelt sind und brechen dann mit neuer Energie auf zur Laguna Verde. Diese ist, wie wir finden, eher eisblau als grün aber auf jeden Fall wunderschön. Das knallige Wasser, der von Vulkanen umrahmten Lagune, bringt einen willkommenen Farbtupfer in die sonst karge Landschaft. Angekommen machen wir uns zu Fuss auf den Weg ans Ufer. Der Wind ist erbarmungslos und eiskalt. Länger als eine halbe Stunde halten wir es nicht aus und flüchten zurück in unsere Autos. Nichts wie weg, zur etwas windgeschützten Grenze zu Chile. Natürlich gibt es auf den letzten Kilometern nochmals eine Herausforderung. Wir müssen den Fluss, welcher zur Lagune führt, durchqueren. Bei der näheren Betrachtung sind wir uns unsicher, ob dieser für uns nicht zu tief ist. Einige Meter von der Strasse entfernt ist das Wasser seichter. Jedoch gibt es noch keine Spur. Nadle und Tom bleiben auf der Strasse und schaffen es ohne Probleme durch das ungefähr einen halben Meter tiefe Wasser. Wir versuchen unser Glück bei der seichteren Stelle und brechen prompt mit den beiden Vorderrädern ein. Der Untergrund ist nicht so hart wie es schien. Innert Sekunden wechseln wir in den Rückwärtsgang und schaffen es mit Mühe und Not zurückzusetzen. Uns bleibt nichts anderes übrig, als die Überquerung ebenfalls bei der tiefen Stelle zu versuchen. Wenn das nur gut geht. Es gelingt problemlos. Da haben wir uns wohl unnötig in eine unangenehme Situation gebracht. Nach diesem Schock erreichen wir das Refugio. Dort verbringen wir die letzte Nacht in Bolivien, bevor es an Bryans Geburtstag nach Chile geht.

Anspruchsvolle Strassen, Dinosaurier und gefährliche Minen

Unsere zweite Woche in Bolivien ist adrenalinreich. Wir fahren die weltbekannte Death Road, verfolgen die Spuren von Dinosauriern, besuchen die zwei Städte Cochabamba und Sucre und rennen durch stickige Minentunnels in Potosí.

Der Weg aus der Stadt La Paz zur Death Road gestaltet sich abenteuerlich. Die Strassen in der Stadt sind eng, steil und vielbefahren. Nicht die optimalen Voraussetzungen für Beat. Einige Male schaffen wir es an den steilen Hängen nur mit Ach und Krach anzufahren. Leicht gestresst, aber froh, dass wir es rausgeschafft haben, treffen wir uns vor Beginn der Death Road mit Nadle und Tom. Nach einer kurzen Verschnaufpause stürzen wir uns ins nächste Abenteuer. Die Death Road war eine der gefährlichsten Strassen weltweit. Heute ist sie nicht mehr Hauptverkehrsachse und die Lage somit deutlich entschärft. Trotzdem soll man Vorsicht walten lassen. Direkt nach der Einfahrt prangt eine grosse Warntafel. Nebel hängt über dem Tal, die Strasse ist nass und die Stimmung mystisch. Auf geht’s! Wir schlängeln uns der Naturstrasse entlang, vorbei an dicht bewachsenen Hängen und Felswänden. Links geht es teilweise hunderte Meter ins Tal hinab. Ansonsten ist die Strasse in gutem Zustand und schön zu fahren. So ohne Gegenverkehr keine Sache. Einzig die Drohne kämpft. Wir lassen uns verfolgen, um die magische Stimmung einzufangen als es passiert. Sie übersieht einen Felsvorsprung und kollidiert. Zum Glück gelingt es Bryan noch zu landen. Erstaunlicherweise ist nichts kaputt. Danach lassen wir das, mit dem Verfolgungsmodus. Als die Dämmerung langsam einsetzt, entscheiden wir uns eine Nacht direkt an der Death Road zu verbringen. Es gibt leckeren Kürbisrisotto mit bester Aussicht aufs Tal.

Tropische Temperaturen in Cochabamba

Am nächsten Morgen nehmen wir die letzten Kilometer der Death Road in Angriff. Während die ersten Tage in Bolivien von Wind und Kälte geprägt waren, wird es nun mit jedem Höhenmeter, den wir verlieren, wärmer. Daher lassen wir uns ein erfrischendes Bad in einer eisig kalten Quelle am Ende der Strasse nicht entgehen. Ein weiser Entscheid, denn als wir in Cochabamba eintreffen ist es fast dreissig Grad. Die Stadt liegt in der Regenwaldzone von Bolivien und ist das pure Gegenteil von La Paz. Nicht staubtrocken, sondern feuchtwarm und vor allem grün. Eine willkommene Abwechslung. Wir besuchen den Markt, kosten typisch bolivianisches Essen und erkunden die Stadt mit den farbigen Schulbussen.

Auf den Spuren der Dinosaurier im Nationalpark Toro Toro

Nach so viel Stadt freuen wir uns auf Ausflüge in der Natur. Der Nationalpark Toro Toro liegt einige Stunden von Cochabamba entfernt und bietet spannende Felsformationen, Schluchten, Dinosaurier-Spuren und Bryans neuer Lieblingshund Bruno. Der Zutritt ist nur mit einem Guide erlaubt. Wir buchen diesen für zwei Tage. Am ersten Tag geht es entlang der versteinerten Dinosaurier-Spuren in einen 80 Meter hohen Canyon und schliesslich zu einem mit Moos überwachsenen Wasserfall. Die über eine Million Jahre alten Dinosaurier-Spuren sind aufgrund der tektonischen Verschiebung der Platten erneut an die Oberfläche geraten und lassen erahnen, wie die Welt damals aussah. Aber auch der Canyon und der verwunschene Wasserfall sind beindruckend. Ein stimmiger Tagesausflug.

Am zweiten Tag stehen die Höhlen und Schluchten auf dem Programm. Wir wollen uns die 50 Franken für den Transport sparen und beschliessen selbst zu fahren. Die Strasse ist steinig und in sehr schlechtem Zustand. Zudem sind wir mit dem Guide sowie Nadle und Tom etwas überladen. Es kommt, wie es kommen muss, nach rund 30 Minuten haben wir einen Platten. Das erste Mal Reifenwechseln steht an. Da die Schrauben das letzte Mal mit der Maschine angezogen wurden und ziemlich staubig sind, bewegen sich diese trotz grossem Kraftaufwand keinen Millimeter. Zum Glück fährt ein paar Minuten später ein Fahrzeug vorbei, welches über einen stabileren Kreuzschlüssel verfügt und leiht uns diesen aus. Zusammen mit dem Allerheilmittel WD-40 lösen sich die Schrauben. Eigentlich würde man jetzt das Ersatzrad montieren. Hier gibt es aber einen viel besseren Service. Der Reifen wird auf ein Motorrad gebunden, in der Stadt repariert und ist innerhalb von nur einer Stunde wieder bei uns. Kostenfaktor: 3 Franken! In der Zwischenzeit kochen wir am Strassenrand einen Kaffee und gönnen uns einen Snack. Gar nicht so übel.

Rostrote Höhlen und einzigartige Steinformationen

Mit etwas Verzögerung erreichen wir den Ausgangspunkt zu den Höhlen. Über eine Stunde klettern und kriechen wir durch das Felslabyrinth. Ausser uns ist niemand unterwegs. Es ist nur schwer vorstellbar, wie sich so etwas formiert hat. Wir geniessen die Ruhe und erklimmen noch einige Felsen, bevor es wieder zurück geht ins Dorf. Am Abend steht ein weiteres Highlight auf dem Programm. Direkt am Hauptplatz gibt es eine Raclette-Stube. Geführt wird das Restaurant von einem Westschweizer, welcher seit einiger Zeit in Toro Toro lebt. Seit einer Ewigkeit hatten wir keinen richtigen Käse mehr. Wir gönnen uns das Raclette Deluxe und eine Flasche Weisswein. Es ist fast so gut wie zu Hause.

Via Sucre nach Potosí

Unser nächster Stopp in Bolivien ist Sucre. Eine hübsche Stadt auf dem Weg in Richtung Norden. Leider aber mit nicht allzu vielen guten Campingoptionen. Generell ist es in Bolivien schwierig Campings mit Infrastruktur zu finden. Oftmals übernachten wir in der Natur oder auf Parkplätzen. Das heisst für uns nur alle drei bis vier Tage eine Dusche. Und auch Wäsche waschen wäre dringend wieder einmal notwendig. Nach ein wenig Recherche finden wir einen zentral gelegenen Parkplatz mit einer rustikalen Dusche. Besser als nichts. Wir erkunden die Stadt, bringen unsere Wäsche in die Wäscherei und kaufen uns an der riesigen Ersatzteilstrasse neue Scheibenwischer sowie zwei 10 Liter Dieselkanister. Diese bringen uns etwas mehr Flexibilität, wenn wir lange nicht tanken können. Ansonsten hat es uns Sucre nicht wirklich angetan und wir beschliessen unsere Reise fortzusetzen nach Potosí.

Adrenalin pur in den Minen von Potosí

Als wir die Ortstafel von Potosí passieren ist es bereits Abend. Das Wetter ist schlecht und lässt die sonst schon eher deprimierende Stadt noch grauer aussehen. Aber wir sind ja nicht hier, um die Architektur zu bewundern. Bekannt ist Potosí für seine Minen. Nach einer mehr oder wenigen ruhigen Nacht am Busbahnhof werden wir am nächsten Morgen um 08:00 abgeholt für die Minentour. Als erstes geht es ins Lager, wo wir mit einem Overall, Gummistiefeln, Helmen und Stirnlampen ausgerüstet werden. Jetzt sehen wir selbst aus wie Minenarbeiter. In voller Montur geht es weiter zum Markt der Mineure. Dort decken wir uns mit Geschenken für die Mineure ein. Wir kaufen Süssgetränke, Kokablätter und eine Stange Dynamit. Das Übliche halt.

Unterdessen ist es bereits 10 Uhr und wir sind etwas unruhig. Wann geht es denn nun los? Die beiden Guides diskutieren miteinander, während wir im Auto warten. Schliesslich informieren sie uns, dass die geplante Mine nicht besichtigt werden kann, weil dort heute gestreikt wird. Stattdessen fahren wir zu einer anderen Mine, welche weniger häufig von Touristen besucht wird. Vor dem Eingang gibt es ein kurzes Briefing und dann rennen wir in den Stollen hinein. Es wird immer dunkler und stickiger. Vor uns laufen zwei Männer mit einem leeren Minenwagen. Plötzlich knallt es. Der Wagen liegt neben der Schiene und die Männer drücken sich an die Stollenwand. Unser Guide ruft hektisch, nach rechts! Auch wir drücken uns an die Stollenwand. Einig Sekunden später rast ein vollbeladener Wagen an uns vorbei. Dieses Szenario wiederholt sich etliche Male. Angekündigt werden die vollen Wagen von den Stirnlampen der Mineure, lautem Rattern und den Warnrufen unseres Guides. Die Arbeiter tragen meist alte Fussballtrikots und Jeans. Die Backen ausgebeult von den vielen Kokablättern. Der Blick leer. Schweisstropfen auf der Stirn. Zwischendurch haben wir die Möglichkeit einige Wort mit ihnen zu wechseln. Viel Zeit bleibt aber nicht. Nach rund einer Stunde verlassen wir den Hauptstollen und klettern in einen Nebenstollen hinunter. Dort dürfen wir eine Sprengung beobachten. Die beiden jungen Männer erzählen uns wie viele Jahre sie schon in der Mine arbeiten und weshalb. Lange möchten sie das nicht mehr machen. Nur noch so lange, bis sie genügend gespart haben. Der Grund ist bei allen derselbe. Schnelles Geld. Oftmals werden daraus aber doch mehrere Jahre. Das geht zu Lasten der Gesundheit. Bereits nach zehn Jahren in den Minen leiden viele Arbeiter unter Lungenproblemen. Immerhin arbeiten hier keine Kinder. Unser Guide war selbst Mineur und erzählt von seinen Erfahrungen. Als wir nach zwei Stunden in Richtung Licht aus dem Tunnel rennen, sind wir alle froh, wieder an der frischen Luft zu sein. Unfassbar, dass es immer noch Menschen gibt, die unter solchen Bedingungen täglich arbeiten müssen.