Einzigartige Natur in den Bergen Kolumbiens

Von der Grossstadt Medellín geht es zuerst ins idyllische Kaffeedorf Jardín und danach ins Bergdorf Urrao. Die bewaffneten Streiks sind beendet und so können wir uns wieder frei bewegen.

Kolumbien ist einer der grössten Kaffeeexporteure in Südamerika. Einzig Brasilien exportiert noch mehr des braunen Golds. Ein Besuch eines Kaffeedorfes wollten wir uns daher nicht entgehen lassen. Von Medellín aus fahren wir nach Jardín. Neben leckerem Kaffee trumpft das kleine idyllische Dorf auch mit einer einzigartigen Vielfalt an Vögeln auf. Die Fahrt dahin gestaltet sich allerdings anstrengend. Mittlerweile hat die Regenzeit in Kolumbien begonnen und viele Strassen sind mit Erdrutschen übersäht. Hinzu kommen hunderte überladene Laster, welche sich durch die engen Strassen schlängeln. Aus der dreistündigen Fahrt wird ein siebenstündiger Marathon. Gefühlt alle fünf Kilometer warten wir eine halbe Stunde, weil die Strassen wegen der Erdrutsche nur einspurig befahrbar sind. Wir erreichen unseren Stellplatz in Jardín erst im Dunkeln und schwitzen einmal mehr Blut bei der Anfahrt. Denn die Zufahrtstrasse ist nicht gerade für grosse Fahrzeuge ausgelegt. Wir schaffen es aber ans Ziel und zerbrechen uns nicht den Kopf, wie wir in ein paar Tagen wieder rauskommen. Die Familie, die auf dem Grundstück der Cabañas wohnt, empfängt uns herzlich. Wir zeigen ihnen noch kurz Beat und hüpfen dann schon bald ins Bett.

Jardín – Malerisches Kaffeedorf und Vogelparadies

Am nächsten Morgen erleben wir sogleich, warum Jardín für seine Vogelwelt bekannt ist. Direkt neben unserem Stellplatz hat es eine Fütterungsstelle, welche Vögel in allen Formen und Farben anzieht. Im Sturzflug steuern sie auf die bereitgelegten Bananen zu. Einer frisst Bryan sogar aus der Hand. Es dauert nicht lange und alles ist weg. Nach diesem Spektakel machen wir uns auf zum bekanntesten Café in Jardín. Es liegt am Hang in Mitten der Kaffeeplantagen und ist am besten zu Fuss erreichbar. Die kurze Wanderung führt vorbei an mit Moos behangenen Bäumen, über einen hübschen Fluss bis hin zu den Kaffeeplantagen. Oben angekommen, erwartet uns eine beeindruckende Aussicht und leckerer Kaffee. Wir decken uns mit einem Sack Bohnen ein und wandern via Wasserfall zurück ins Dorf. Ganz unverhofft stossen wir auf dem Rückweg auf ein weiteres ziemlich spektakuläres Tier. Auf den Blättern der Büsche links und rechts befinden sich mehrere dutzend Heuschrecken. Jedoch sind diese nicht wie bei uns einfach grün oder braun. Ihre Farbspektrum reicht von einem knalligen hellblau, über leuchtrot bis hin zu giftgrün.

Zurück im Dorf werden wir von einem Platzregen überrascht. Wir machen es wie die Einheimischen, setzen uns an die Hauswand und gönnen uns ein Bier. Unter dem Vorsprung der traditionellen Häuser sind wir vom Regen geschützt und können beobachten, wie die Verkäufer hastig ihre Stände zudecken und sich ins Trockene retten. Leider verwandelt sich der Platzregen aber in ein ausgewachsenes Gewitter und so bleibt uns nichts anderes übrig, als das letzte Tier für den heutigen Tag im strömenden Regen zu besuchen. Der «Gallito de Roca», welchen man am besten in einem Vogelreservat etwas ausserhalb beobachten kann, sieht ein wenig aus wie ein Fabelwesen. Es geht nicht lange und wir erspähen ihn zwischen den Bäumen. Mit seinem knallroten Gefieder sticht er auch im Regen hervor. Der Schnabel ist aufgrund seiner bauschigen Haube am Kopf praktisch nicht sichtbar. Der sintflutartige Regen scheint die Vögel überhaupt nicht zu stören. Insgesamt können wir mindestens fünf ausfindig machen. Nach einer Stunde sind wir komplett durchnässt und ziemlich hungrig. Wir gönnen uns im Dorf eine leckere Pizza fahren dann mit einem Tuktuk zurück zu Beat.

Páramo – Einzigartige Naturschutzgebiete in den Bergen Kolumbiens

Von der warmen Kaffeeregion geht es in das Bergdorf Urrao. Vier Stunden dauert die Fahrt durch die Berge. Die Strasse ist eng und kurvig und die Abhänge sind steil. Aber das schockiert uns schon lange nicht mehr. Auf dem Hinweg sehen wir nur ein paar kleine Erdrutsche und so kommen wir pünktlich an. Vor Ort parkieren wir Beat und treffen uns wieder mit Manu. Sie führt uns gemeinsam mit dem lokalen Guide Lucho die nächsten drei Tage durch das andine Hochmoor «Páramo». Im Reservat gibt es weit und breit nichts, um das sensible Ökosystem zu schützen. Das heisst für uns, dass wir alles mitbringen müssen. Die Campingausrüstung stellt uns Lucho zur Verfügung. Die Mahlzeiten haben wir in Abstimmung mit Manu vorgängig geplant und portioniert. Da wir einige Höhenmeter zurücklegen, gönnen wir uns auf diesem Trekking ein Maultier, welches das Equipment hochträgt.

Märchenwald, Kolibris und jede Menge Schlamm

Am ersten Tag geht es mit dem Taxi bis an den Rand des Reservats auf 2600 Metern. Es ist sechs Uhr morgens, kühl und etwas neblig. Uns steht ein Anstieg von 1000 Metern bevor. Die erste Etappe führt über Weiden, durch einen verwunschenen Wald und schliesslich zu einem Kolibri Reservat. Dort machen wir eine Pause und können rund zwölf verschiedene Kolibriarten beobachten und fotografieren. Einer hat einen ganz langen Schnabel fast wie ein Speer, ein anderer eine rosarot funkelnde Brust andere schimmern im Licht wunderschön türkisblau. Hektisch schwirren sie um die Nektarbehälter herum. Wir sitzen auf der Holzbank und beobachten diese faszinierenden Winzlinge noch eine Weile, bis es schliesslich weiter geht.

Bis zum Hochplateau, wo wir unser Camp aufbauen, sind es nochmals rund 500 Höhenmeter. Wir sind nun schon auf mehr als 3000 Meter. Die Vegetation hat sich deutlich verändert und mit ihr auch der Weg. Obwohl die Sonne scheint ist alles sehr schlammig. Hinzu kommt, dass der Untergrund teilweise wie Wiese aussieht, in Tat und Wahrheit aber ein überwucherter Teich ist. Immer wieder stecken wir mit unseren Wanderschuhen im Schlamm fest. Unser Guide Lucho wandert in Gummistiefeln. Bei diesen Bedingungen definitiv ein Vorteil. Nach einer weiteren Stunde sehen wir die ersten Frailejones. Sie sind die Stars der Páramos. Nur rund 1cm wachsen sie pro Jahr. Mit ihren fein behaarten Blättern können sie Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und sind daher auch in dieser Höhe lebensfähig. Bis zu zwei Meter hoch können sie werden. Dafür benötigen sie aber mehr als 100 Jahre.

Wie Soldaten stehen die Frailejones in der Landschaft. Unser Weg führt mitten durch sie hindurch, bis wir auf 3600 Metern schliesslich unseren Schlafplatz erreichen. Das Maultier ist auch schon vor Ort und wir beginnen unser Camp aufzubauen. Gar nicht so einfach, denn der Boden ist überall ziemlich matschig. Schliesslich finden wir aber einen mehr oder weniger guten Platz. Wir kochen Pasta mit Pesto und verkriechen uns dann mit dem Einbruch der Dunkelheit ins Zelt. Die siebenstündige Wanderung hat uns etwas zugesetzt. In der Nacht regnet es immer wieder. Rund um unser Zelte bilden sich Seen. Im Zelt bleibt es aber zum Glück trocken.

Aufstieg auf 4000 Meter

Nach einem kurzen Frühstück nehmen wir dann den letzten Anstieg in Angriff. Heute geht es bis auf 4000 Meter und zu einer Lagune. Die Zelte lassen wir stehen. Denn nach dem Gipfel geht es wieder zurück zum Camp. Es sind nicht viele Kilometer, die wir zurücklegen müssen, aber auf dieser Höhe ist die Luft dünner. Erschwerlich hinzu kommen der kaum sichtbare Weg und die vielen Sumpflöcher. Belohnt werden wir dafür nach rund drei Stunden mit einer wunderbaren Aussicht in die Ferne und auf die Lagune. Weit und breit ist keine Zivilisation zu sehen. Wir befinden uns irgendwo im Nirgendwo. Kurz nach dem Sonnenuntergang machen wir uns im Dunkeln auf den Rückweg. Das Abendessen fällt aufgrund der Kälte wieder eher kurz aus. Erschöpft aber zufrieden fallen wir ins Bett.

Am dritten Tag geht es wieder zurück in die Zivilisation. Trotz Regenzeit hatten wir bis jetzt extremes Glück. Geregnet hat es nur in der Nacht. Doch beim Abstieg ist es dann soweit. Es zieht ein Gewitter auf. Wir wandern auf dem Pfad der Mullis rund sieben Stunden bergab. Mit zittrigen Knien und völlig durchnässt erreichen wir dann schliesslich den Ausgangspunkt. Jetzt schnell ins Taxi und unter die warme Dusche. Manu fährt am nächsten Morgen mit dem ersten Bus um 05:00 zurück nach Medellín und informiert uns von unterwegs schon über den schlechten Strassenzustand. Unterdessen hat es auf der Strecke mehrere Erdrutsche gegeben und die Strasse ist bedeckt mit Schlamm. Als wir uns um 07:00 vor der Abfahrt noch einen Kaffee holen meint die Dame, die Strasse sei nicht mehr befahrbar. Wir probieren es trotzdem und schaffen es tatsächlich. Beat hat danach allerdings eine neue Farbe. Er ist von oben bis unten bedeckt mit Schlamm. Mehrere hundert Meter fahren wir durch Schlammseen und wir passieren mindestens zehn Erdrutsche. Nachdem wir den schlimmsten Teil überstanden haben gönnen wir uns noch einen Kaffee in einem ziemlich coolen Café. Nächster Stopp: Salento.

Über den Dächern von Medellín

Wieder mit Beat vereint machen wir uns auf den Weg in die Metropole Medellín. Von Cartagena aus sind dies zwei Tage Fahrt durch die Berge Kolumbiens. Es geht von Meereshöhe auf 2500 Meter über Meer, wo sich die Stadt in einem Kessel ausgebreitet hat.

Auf der Fahrt von Cartagena nach Medellín durchqueren wir eine der grössten Landwirtschafts-Gebiete von Kolumbien. So viele Kühe haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Auf Meereshöhe sind sie mager, haben einen Buckel und grosse Ohren. Je höher wir kommen, desto ähnlicher sehen sie unseren Schweizer Kühen. Auf den Strassen begegnen wir hauptsächlich Trucks und Viehtransportern. Campings gibt es auf dem Weg nicht. Wir schlafen zweimal bei Truck-Stops. Neben diesen riesigen Lastern wirkt Beat winzig klein. Nach zwei fahrintensiven Tagen erreichen wir den Camping El Bosque in Santa Elena. Eine kleine Gemeinde oberhalb von Medellín. Der perfekte Ort um die Millionen Metropole zu entdecken.

Der Ruf von Medellín hat sich stark gewandelt. Früher wurde vor allem wegen Pablo Escobar und den Drogenkartellen über die Stadt gesprochen. Heute positioniert sie sich mehr mit modernem Stadtbau und innovativen Projekte zur besseren Integration der armen Bevölkerung. Wir entdecken die Stadt gemeinsam mit Manu und ihrem Hund Tobi. Sie hat es vor rund zehn Jahren von der Schweiz nach Kolumbien verschlagen. Mittlerweile lebt sie schon sieben Jahre in Medellín und gibt uns Einblick in das «echte» Leben. Auf den ersten Blick verzaubert uns die Stadt nicht gerade. Wir fahren mit einem Bus von Santa Elena durch die illegal gebauten Armenviertel an den Ausläufen der Stadt. Danach geht es zu Fuss weiter bis ins sichere Viertel in welchem Manu wohnt. Auf dem Weg sehen wir mehrere Drogensüchtige. Scheinbar bewusstlos liegen sie an der prallen Sonne, auf dem harten Beton. Ein krasses Bild, welches aufzeigt, dass die Probleme der Stadt definitiv noch nicht ganz gelöst sind.

Farbenfrohe Comunas

Auf unseren Entdeckungstouren mit Manu wächst uns die Stadt dann aber immer mehr ans Herz. 16 verschiedene Comunas gibt es in Medellin. Die wohl bekannteste ist die Comuna 13. Ein armes Viertel, welches aber dank Streetart und den Rolltreppen, welche in die steil an den Hang gebauten Siedlungen führen, international bekannt wurde. Jede Comuna hat einen unterschiedlichen Status, an welchen die Kosten für Wasser, Storm, Internet und Miete angepasst sind. So versucht die Stadt alle Bevölkerungsschichten zu einem fairen Preis zu versorgen. Dank diesem Solidaritätsprinzip können auch illegal erbaute Siedlungen nach und nach an die Wasser- und Stromversorgung angeschlossen werden. Dies ist aber nicht die einzige Bestrebung. Ein weiteres wichtiges Projekt und Wahrzeichen der Stadt sind die diversen Seilbahnen. Dank diesen sparen sich die Bewohner mehrere Stunden Arbeitsweg und erhalten mehr Lebensqualität. Wir besuchen gemeinsam mit Manu die berühmte Comuna 13 sowie die weniger bekannte Comuna 6 auf der anderen Stadtseite. Diese grenzt an einen wunderschönen Park, welcher errichtet wurde, um die weitere illegale Bebauung des Hanges zu verhindern. Natürlich lassen wir auch eine Fahrt mit der Seilbahn und den bekannten Rolltreppen nicht aus. So erhält man nochmals einen ganz anderen Blick auf die Stadt.

Trotz den Bemühungen der Stadt ist der Graben zwischen arm und reich weiterhin stark sichtbar. Und auch die Probleme rund um den Drogenhandel und Gewalt sind noch nicht gelöst. Gefallen hat es uns trotzdem. Insbesondere die beeindruckende Streetart, der Blick auf die Stadt aus den Gondeln der Seilbahnen sowie das leckere Essen in den vielen schönen Lokalen. Toll ist auch, dass die Stadt von Natur umgeben ist. Viele der umliegenden Hügel kann man erwandern und wird mit einem wunderschönen Blick auf die Stadt belohnt.

Der Fels von Guatapé

In der Nähe von Medellín liegt der kleine Ort Guatapé. Bekannt ist er für seinen beindruckenden Fels mit Aussicht auf den umliegenden See und seine liebevoll bemalten Gebäude. Viele Touristen besuchen das Dorf als Tagesausflug. Wir fahren natürlich wie immer mit Beat hin und übernachten einmal. Wenn auch sehr touristisch, ist der zu Fuss erklimmbare Fels trotzdem einen Besuch wert. Insbesondere, wenn man wie wir gerade abwarten muss, bis der bewaffnete Streik im Lande vorbei ist.

Malerische Dörfer & grausame Häfen

Nach unserem Ausflug an den nördlichsten Zipfel von Kolumbien hängen wir noch eine Schlaufe ins Landesinnere an. Denn Beat steht gemäss unserer Agentin auch nach zehn Tagen immer noch in Panama am Hafen. Warum weiss niemand so genau. Wir setzen unseren Roadtrip im Mietauto noch etwas fort, bevor es nach Cartagena zurückgeht.

Es sei das schönste Dorf im ganzen Land. Das haben uns bereits mehrere Kolumbianer gesagt. Also nichts wie hin. Aber Kolumbien ist gross und zwischen der nördlichen Küste und Barichara liegen 800 Kilometer Niemandsland. Was soll’s, wir haben ja nichts Besseres zu tun. Da wir es unmöglich in einem Tag schaffen, machen wir den ersten Stopp im unscheinbaren Curumaní. Ein Hotel für 11 Franken soll es werden. Schliesslich müssen wir auf unser Budget achten. Diese Extratage ohne Beat gehen ins Geld.

Günstige Hotels in Mittel- und Südamerika verfügen selten über ein Fenster. Etwas gewöhnungsbedürftig für uns Europäer.

Das Zimmer entspricht dem Preis. Nur nicht genau hinschauen und möglichst schnell wieder raus. Für mehr als Schlafen eignet es sich definitiv nicht. Es hat keine Fenster und feuchtet ziemlich. Auch auf die Klimaanlage ist auch kein Verlass. Sie klingt wie ein uralter Dieselgenerator. Direkt neben unserem Hotel befindet sich zum Glück ein Tienda. Das wäre bei uns ein grösserer Kiosk. Einfach mit dem Unterscheid, dass sich diese bei uns nach Feierabend nicht in Bars verwandeln. In Kolumbien versammelt sich dort meist das halbe Dorf. Denn es gibt günstiges Bier und Snacks.

Una noche colombiana

Wie immer dröhnt aus einer riesigen Box viel zu laute Musik. Trotzdem wirkt es auf uns einigermassen einladend. Wir bitten die Dame, die dort arbeitet, die Lautstärke etwas runterzudrehen. Widerwillig lenkt sie ein. So sollten wir zumindest eine Runde Karten spielen können. Und natürlich gönnen wir uns dazu ganz nach kolumbianischer Manier ein kaltes Bier. Bereits nach wenigen Minuten entwickeln wir uns zur Dorfattraktion. Hierhin scheinen sich wohl nie Touristen zu verirren. Wir beschliessen spontan auch noch eine Flasche des kolumbianischen Likörs Aguardiente zu kaufen und geben dem Nachbartisch ebenfalls einen Shot aus. Es stossen mehr Leute dazu, es wird getanzt, fotografiert und vor allem viel gelacht. Die Stunden vergehen uns so essen wir auch noch gleich dort. Es gibt Hot Dogs Suizos. Ein denkwürdiger und definitiv sehr kolumbianischer Abend.

Am nächsten Tag geht es trotz dezentem Kater früh weiter Richtung Barichara. Nach mehr als sechs Stunden Fahrt gönnen wir uns in Bucuramanga ein leckeres italienisches Abendessen und eine Nacht in einem sauberen Hotel. Weiter geht es durch den beeindruckenden Canyon von Chicamocha. Nach gefühlten tausend Kurven kommen wir ziemlich gerädert am Ziel an. Zum Glück haben wir hier eine schöne Unterkunft. Neben den zwei hübschen Zimmern steht uns auch noch eine Küche zur Verfügung. Vom kleinen Balkon aus sehen wir in die malerischen Strassen des Dorfes. Wir gönnen uns einen Apéro und Nadine kocht ein feines Pad Thai. Es ist perfekt. Trotz einbrechender Dunkelheit schlendern wir danach noch durch die Gassen und probieren ein Stück von der direkt auf der Gasse zubereiteten Dorfpizza. Als es zu regnen beginnt verkriechen wir uns ins Bett.

Am nächsten Morgen steht eine Wanderung auf dem Camino Real bevor. Dieser verbindet die beiden idyllischen Dörfer Barichara und Guane miteinander. Die perfekte Art, um die Gassen von Barichara, die umliegende Natur sowie das Nachbarsdorf Guane zu entdecken. Wir starten früh, da es gemäss Berichten am Nachmittag ziemlich warm werden kann. Die ersten Kilometer führen über Pflasterstein, vorbei an liebevoll bemalten Häusern. Danach geht es weiter auf einem Naturpfad. Wir sind umgeben von Feldern und wilder Natur, Kühe weiden und Schmetterlinge fliegen von Blume zu Blume. Das Wetter ist perfekt und schenkt uns eine unglaubliche Weitsicht in die umliegenden Täler. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir das Dorf Guane. Ein kleines aber ebenfalls idyllisches Dorf.

Zeit für ein typisches kolumbianisches Fruchtglacé. Übrigens, der Stiel muss so schräg sein. Zuerst haben wir gedacht, das sei ein Fehler. Später haben wir dann aber festgestellt, dass es immer so ist. Zurück geht es mit einem Collectivo. Es ist landesgetreu rot-gelb-blau bemalt. Der Fahrer rast einer kurvenreichen Strasse entlang. Er scheint die Strasse zu kennen wie seine eigene Hosentasche. Natürlich gibt es keine Sicherheitsgurte. Wir krallen uns an den an der Seite angebrachten Griffen fest und sind froh, als wir unser Ziel, den Aussichtspunkt «Salto del Mico» erreichen. Dieser liegt kurz vor Baricharra und eignet sich perfekt für ein Foto mit atemberaubender Aussicht ins Tal. Danach spazieren wir gemütlich zurück in unser AirBnB.

Am folgenden Tag machen wir uns auf den Rückweg nach Cartagena. In vier Tagen sollte Beat im Hafen ankommen. Wir möchten bereits einen Tag vor der geplanten Ankunft in Cartagena sein und haben für die 800 Kilometer lange Rückfahrt drei Tage eingeplant. Das sollte auch auf kolumbianischen Strassen machbar sein. Doch es kommt alles anders. Als wir nach unserer ersten Fahretappe in Bucuramanga ankommen, informiert uns die Agentin, dass Beat und Joe (das ist der Van von Nadine und Tom) scheinbar schon seit zwei Tagen in Cartagena stehen. Sie habe dies selbst erst jetzt erfahren und sei sehr erstaunt darüber. Na toll, und wir sind noch mehr als 600 Kilometer entfernt. Um ein Fahrzeug auszulösen und den Container zu öffnen, benötigt es immer beide Parteien. Nadine und Tom teilen den Container mit dem Tessiner Luca und wir mit dem Argentinier Oscar. Das Drama nimmt seinen Lauf. Während Luca bereits in Cartagena ist und uns wiederholt wütende Sprachnachrichten schickt, erfahren wir, dass Oscar scheinbar auf einer Insel vor Kolumbien gestrandet ist. Er ist nicht wie wir nach Kolumbien geflogen, sondern hat versucht mit dem Boot einzureisen.

Die Verschiffung über den Darien Gap. Sie raubt den meisten Reisenden den letzten Nerv. So auch uns.

Wir beschliessen am nächsten Morgen um 06:00 loszufahren, um möglichst schnell nach Cartagena zu kommen. Google gibt für diese Strecke etwas mehr als 12 Stunden an. Wir wissen jedoch, dass wir noch 1-2 Stunden zugeben müssen. Denn die Strassenqualität ist schlecht und oft trifft man auf dem Weg auf Baustellen und Unfälle. Natürlich schüttet es wie aus Eimern als wir losfahren. Bereits aus der Stadt heraus hat es aufgrund der überschwemmten Strassen massiv Stau. Wir beerdigen den Gedanken heute Abend in Cartagena zu sein, informieren Luca und versuchen mit Oscar in Kontakt zu treten. Via Facebook-Call erreichen wir ihn tatsächlich und erfahren, dass er immer noch auf der Insel feststeckt und das Boot in den nächsten Tag abgeschleppt werden sollte. Als wir endlich auf die Autobahn kommen eröffnet uns die Dame an der Mautstelle die nächste Hiobsbotschaft: Ein Tanklaster ist umgekippt. Die Strasse ist für mehrere Stunden gesperrt. Es scheint so, als hätte sich die ganze Welt gegen uns verschworen.

Ein typisches Bild auf den Strassen Kolumbiens – umgekippte Laster

Wir fahren an der stehenden Kolonne vorbei, um uns ein Bild vom Unfall zu verschaffen. Es sieht nicht gut aus. Das Benzin ist über die ganze Strasse ausgelaufen und der Laster blockiert beide Spuren. Zu unserem Erstaunen beschliesst der zuständige Polizist trotzdem, den Laster quer über die Strasse zu ziehen. Es funkt und quietscht. Während die Locals dem Spektakel aus einer Distanz von nur wenigen Metern zuschauen versuchen wir etwas Land zu gewinnen. Schliesslich liegt auf der ganzen Strasse hochentzündliches Benzin. Nun ist zwar der Weg frei, aber auf dem glitschigen Benzin gelingt es den schweren Lastern nicht sich den Hang hochzuquälen. Mehrere Männer stossen die Lastwagen hoch. Nach zwei Stunden ist die Strasse wieder befahrbar. Wir schlittern mit unserem VW vorsichtig um die Kurve. Mittlerweile ist es Nachmittag und wir fahren bis zum Einbruch der Dunkelheit. In einem Hotel irgendwo im nirgendwo gibt es dann noch eine Pizza. Am nächsten Tag treffen wir endlich in Cartagena ein.

Keine Spur von Oscar

Nadine und Tom können ihren Joe dann bereits am nächsten Tag aus dem Container holen. Dafür hat sich der stressige Rückweg gelohnt. Für uns sieht es aber leider nicht so gut aus. Mittlerweile ist die Verbindung zu Oscar abgebrochen. Niemand weiss, wo er genau ist und wann er in Cartagena eintrifft. Über die Agentin erhalten wir den Kontakt seiner Tochter und versuchen ihn so zu erreichen. Schliesslich erhalten wir die Nummer des Kapitäns und erfahren, dass er Oscar südlich von Cartagena mehr oder weniger an Land geworfen hat. Dort sei es aber alles andere als sicher und er mache sich Sorgen. Wir besprechen verschiedene Optionen, sollte er innerhalb der nächsten drei Tage nicht auftauchen. Unsere einzige Chance den Container ohne ihn zu öffnen wäre eine offizielle Vermisstmeldung.

Warten auf Beat – Tag und Nacht

Am nächsten Tag dann eine erste gute Botschaft. Oscar hat sich bei seiner Tochter gemeldet und wartet auf eine Geldüberweisung, um den Transfer nach Cartagena zu bezahlen. Denn an der Küste hat man ihn scheinbar ausgeraubt. Jedoch bestätigt sich unser Verdacht, dass er illegal eingereist ist. Er muss sich somit zuerst noch beim Migrationsamt stellen und ein Busse bezahlen. Das heisst für uns nochmals einen Tag warten. In unserer Unterkunft können wir nicht noch eine Nacht bleiben. Wir ziehen um in ein Hotel. Langsam aber sicher verlieren wir die Nerven.

Wiedervereinigung mit Beat

Da ich nicht mehr länger rumsitzen kann, entscheide ich mich etwas den Kopf zu lüften und eine Runde um die Halbinsel Bocagrande in Cartagena zu drehen. Dann bin ich danach beim Auslöseprozedere im Hafen sicher entspannter. Gemäss Plan geht es um drei Uhr los. Als im am weitesten entfernt bin ruft mich Bryan an. In einer Stunde müssen wir am Hafen sein. Die Auslösung hat sich um drei Stunden vorverschoben. Das war ja klar. Ich renne zurück in unser Hotel. Es ist elf Uhr und mindestens 30°. Völlig verschwitzt und mit rotem Kopf komme ich im Hotel an. Am Hafen ist lange Kleidung vorgeschrieben. Ich ziehe mich um und wir springen in ein Uber. Die Kleidung klebt mir am Körper und meine Laune ist nicht die Beste. Aber was soll’s. Wenigstens kriegen wir jetzt endlich Beat zurück. Vor Ort treffen wir auf Oscar und den Mann unserer Agentin. Da Oscar scheinbar keine lange Kleidung besitzt, hat er alles von unserer Agentin erhalten. Er sieht ein wenig aus, als wäre er obdachlos und mimt den sterbenden Schwan. Als wir einige Minuten warten müssen, legt er sich im Wartesaal hin und schläft. Die Angestellten schauen uns verwundert an. Uns ist es egal. Wir sind froh, dass er lebt und wenigstens so halb anwesend ist.

Nach einer halben Stunde werden wir aufgerufen und dürfen Beat abholen. Das Manövrieren aus dem Container gelingt noch gut. Aber beim rausfahren aus dem Hafen touchiert Oscar etwas und die Seitenschürze seines Mercedes Cabriolet fällt ab. Ich sehe schon die Barriere, darf nun aber nicht raus, weil sie zuerst klären möchten, wessen Schuld der Unfall ist. Jetzt reicht’s! Ich teile dem Hafenmitarbeiter sichtlich aufgebracht und mit Tränen in den Augen mit, dass ich keine weitere Sekunde warte. Mit weinenden Frauen können sie nicht umgehen und schliesslich öffnen sie die Barriere. Wir haben es geschafft. Nach 25 Tagen sind wir wieder mit Beat vereint.

Farbiger Auftakt in Südamerika

Die ersten Tage in Kolumbien verbringen wir ohne Beat. Denn dieser steht noch in Panama am Hafen und wartet auf ein Schiff. Nach ein paar Tagen in Cartagena geht es mit dem Mietauto der Küste entlang fast zum nördlichsten Punkt von Südamerika.

Bereits auf der kurzen Fahrt vom Flughafen in die Altstadt, verzaubert uns Cartagena. Wir fahren der antiken Stadtmauer entlang, dann durch enge Gassen, vorbei an wunderschönen Häusern mit farbigen Türen und Balkonen. Es ist kurz nach vier, die Sonne steht tief und taucht alles in warmes Licht. Riesige knallig pinke Bougainvillea Sträucher dekorieren die Hauswände. Die Strassen sind belebt und die Stimmung fröhlich. Unser AirBnB befindet sich in Mitten der Altstadt. Perfekt, um die unzähligen schönen Gassen zu Fuss zu entdecken.

Wir verbringen drei Tage in der geschichtsträchtigen Karibik-Stadt. Da es tagsüber sehr heiss ist, flanieren wir vor allem morgens und gegen den Abend durch die Gassen. Natürlich können wir es nicht lassen, ein Foto mit den traditionell gekleideten Palenquera-Frauen zu machen, welche das Stadtbild von Cartagena prägen. In ihren farbigen Kleidern versprühen sie jede Menge Lebensfreude. Sie zelebrieren die Befreiung aus der Sklaverei. Ihr Name ist eine Hommage an ihren Heimatort San Basilio de Palenque. Der erste Ort in den «Americas» welcher sich 1621 von der Sklaverei befreien konnte.

Cartagena wird von sehr vielen Touristen besucht. In der Altstadt wird man deshalb von den Strassenverkäufern und Rappern etwas überrannt. Im angrenzenden In-Quartier Getsemaní ist es gemütlicher. Ein Besuch lohnt sich vor allem, um die zahlreichen Graffitis und Outdoor-Ausstellungen zu bewundern. Natürlich gibt es auch guten Kaffee, leckeren Streetfood und zahlreiche Bars. Der perfekte Ort um planlos durch die Gassen zu streifen. Spannendes zu entdecken gibt es an jeder Ecke.

Nach drei Tagen beschliessen wir Cartagena zu verlassen und uns zusammen mit Nadine und Tom, ein Mietauto zu schnappen. Denn Beat hat noch mehr als eine Woche Verspätung. Diese Zeit wollen wir nutzen, um den Nordosten von Kolumbien zu entdecken. Für nur 30 Dollar am Tag kriegen wir einen VW Gol (heisst in Südamerika tatsächlich so 😀). Dieser bietet gerade genügend Platz für uns vier mit Gepäck. Das Abenteuer kann starten.

Etwas kleiner als Beat aber dafür mit Klimaanlage.

Der Schlammvulkan «El Totumo»

Nur wenig ausserhalb von Cartagena befindet sich ein Schlammvulkan, in welchem man baden kann. Unser erster Stopp. Sein Schlamm soll eine heilende und verjüngende Wirkung haben. Als wir ankommen sind wir etwas enttäuscht. Wirklich spektakulär sieht der Vulkan nicht aus. Dafür ist das Bad umso spektakulärer.

Das Bad im Schlammvulkan fühlt sich an, als würde man in einem Pudding feststecken. Klingt eklig, ist aber unglaublich witzig.

Ich steige in das Becken und versuche zu schwimmen. Keine Chance! Mich überkommt ein Gefühl der Panik, doch dann merke ich, dass ich feststecke wie in einem Pudding. Untergehen kann man nicht. Bryan, Nadine und Tom stürzen sich ebenfalls in den Schlamm. Wir versuchen uns irgendwie fortzubewegen, was sich sehr schwierig gestaltet. Den anderen Besuchern ergeht es gleich. Rund um uns herum hört man Gekicher und Gekreische. Ein sonderbares aber sehr lustiges Erlebnis.

Wunderschöne Strände im Tayrona Nationalpark

Nach dem Schlammbad geht es weiter nach Santa Marta. Dort übernachten wir in einem eher bescheidenen Hostel und machen uns am nächsten Morgen früh auf den Weg in den Tayrona Nationalpark. Bekannt ist der Park für seine wunderschönen Strände. Wenn man alle Strände besuchen möchte benötigt man etwa fünf Stunden hin und zurück. Der Pfad führt durch den Dschungel, vorbei an Brüll- und Klammeraffen. Immer wieder blitzt das Meer hervor und Abzweigungen führen zu den verschiedenen Buchten. Am letzten Strand wird man mit einer Aussichtsplattform und einen Blick über die Küste belohnt.

Im Tayrona Nationalpark leben verschiedene indigene Völker. Auf unserer Wanderung begegnen wir Kindern der Kogi mehrfach. Sie tragen weisse und beige Trachten und wandern meist barfuss durch den Dschungel. Um ihnen etwas Ruhe vom Tourismus zu gönnen und der Natur Erholung zu bieten, wird der Park seit 2015 jedes Jahr für einen Monat geschlossen.

Auf in die Wüste Kolumbiens

Weiter geht es in die Wüste Kolumbiens «La Guajira». Obwohl einige Reisende abgeraten haben mit einem Mietauto auf eigene Faust dorthin zu fahren, wollen wir es uns nicht nehmen lassen. Wir haben uns bei einem Hostel erkundigt, wie die aktuelle Sicherheitslage ist und sind zuversichtlich, dass wir es auch ohne 4×4 schaffen. Da aktuell Kite-Saison ist, hat es mehr Touristen, was die Sicherheit vor Ort erhöht. Ausgerüstet mit Lebensmitteln und genügend Wasser machen wir uns auf den Weg. Wie erwartet treffen wir auf einige von Kindern organisierte Strassensperren, welche wir einfach durchfahren. Mit dem kleinen VW Gol können wir ohne Probleme unter den gespannten Seilen durchrutschen.

Die letzte Etappe zum Dörfchen Cabo de Vela gestaltet sich tatsächlich etwas schwieriger. Die Strasse wir immer steiniger und hohe Absätze machen dem Mietauto zu schaffen. Wir schlagen ein paar Mal auf und zucken zusammen, wenn es Steine an die Carrosserie spickt. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unser Ziel und finden ein günstiges Hotelzimmer. Als wir am nächsten Tag feststellen, dass es keine Bankautomaten gibt und unser Bargeld nicht ausreicht, müssen wir uns nach einer Alternative umschauen. Wir übernachten etwas ausserhalb bei einer lokalen Familie. Sie haben eine kleine Hütte am Meer, in welchem Hängematten aufgehängt werden können. Knapp drei Franken pro Person kostet es. Das liegt im Budget. Kochen dürfen wir in ihrer Küche. Die perfekte Gelegenheit um einen Einblick in das Leben vor Ort zu erhalten. Wir sind froh um diesen herzlichen Kontakt. Denn im Dorf selbst sind Touristen nicht wirklich erwünscht. Es herrscht eine komische Stimmung.

In der Nacht wird es kalt und der Wind pfeift uns um die Ohren. Die Bambusstängel bieten nur bedingt Schutz. Wir sind froh, als es Morgen ist. Bevor es wieder zurück geht in die Zivilisation besuchen wir den Pilón de Azúcar. Einen Sandberg in der Wüste, von welchem aus man eine wunderbare Aussicht über das türkisblaue Meer hat und fast bis nach Venezuela sieht. Wo man hinblickt hat es nichts als Sand, Kakteen und Ziegen. Eine faszinierende Landschaft.

Pleiten, Pech und Panama

Das letzte Land in Mittelamerika sollte Panama sein. Ein Land, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Leider nicht positiv. Aber mehr dazu später. Wir überquerten die Grenze ganz im Norden des Landes bei der Karibikküste. Von dort aus ging es auf die berühmten Inseln Bocas del Toro, ins Wanderparadies El Valle de Antón und schliesslich nach Panama City zur Verschiffung.

Nach einem mehr oder weniger einfachen Grenzübergang fuhren wir voller Elan los Richtung Almirante. Dort wollten wir einmal übernachten und danach mit der Fähre auf die schöne Insel Bocas del Toro. Um dort hin zu gelangen stand eine Fahrt durch die Hügel Panamas bevor. Aber bereits bei den ersten etwas steileren Etappen kurz nach der Grenze wollte Beat nicht mehr. Die Tourenzahl fiel trotz runterschalten immer weiter, bis wir schliesslich am Hang zum stehen kommen. Anfahren ist nicht mehr möglich, auch nachdem wir den kompletten Wassertank geleert haben. Uns bleibt nichts anderes übrig als ein Stück rückwärts zu rollen und in einem unmöglichen Manöver zu wenden. Vermutlich war die Strasse einfach zu steil denken wir uns. In den letzten Wochen haben wir das ja immer Mal wieder erlebt. Wir fahren zurück und wählen eine fast flache Alternativroute. Trotzdem erholt sich Beat nicht. Auf einem geraden Stück auf der Autobahn bleiben wir erneut stehen. Mehrfach versuchen wir anzufahren, aber nach einem kurzen Lebenszeichen stellt der Motor immer wieder ab. Es gibt kein Weiterkommen mehr. Der Beginn einer zehntägigen Odyssee.

Nur einige Minuten nach dem Aufstellen des Pannendreiecks halten zwei Lastwagenfahrer an. Sie weisen uns darauf hin, dass wir hier auf keinen Fall bleiben können. Denn sobald es dunkel wird, sei es sehr gefährlich und wir mit unserem gelben Bus leichte Beute. Sie schauen sich den Motor an und wollen helfen. Aber auch sie schaffen es nicht den Motor zu starten und können die Ursache nicht eruieren. Wir schieben Beat zu dritt einmal quer über die Autobahn, denn wir müssen wieder zurück in die Grenzstadt Changuinola. Als wir zumindest in die richtige Richtung stehen, versucht der Lastwagenfahrer loszufahren. Bryan und ich schieben und springen rein. Doch weiter als ein paar Meter schaffen wir es auch so nicht. Wir betteln ihn an, dass er uns abschleppt. Was er schliesslich widerwillig macht. Als wir dann nach einigen Minuten von der Polizei angehalten werden, wissen wir auch warum er sich so gesträubt hat. Scheinbar ist es in Panama illegal, jemanden privat abzuschleppen. Zumindest mit einem Lastwagen. Wir müssen den Abschleppservice anrufen, Beat wird verladen und zur Garage des Abschleppservice gebracht. Dort verbringen wir die Nacht.

Eine erste Diagnose

Am nächsten Tag schauen sich die Mechaniker der Werkstatt den Motor an und lesen mit einem Auslesegerät den Fehlerspeicher aus. Parallel dazu kontaktieren wir unseren Garagisten in der Schweiz und fragen nach seinem Rat. Gemäss Fehlerspeicher stimmt das Luft-Dieselgemisch nicht. Die Mechaniker in Panama schliessen daraus, dass der Luftmassenmesser kaputt sei. Da Fiat in Panama nicht wirklich verbreitet ist, gibt es in der Nähe keine Ersatzteile. Das Teil muss in Panama City bestellt werden und kann erst in vier Tagen geliefert werden. DHL oder Express scheinen sie hier nicht zu kennen…Langsam aber sicher werden wir nervös. Denn in 10 Tagen müssen wir in Colón das Auto für die Verschiffung abgeben und bis dahin sind noch 800 Kilometer zu fahren. Zudem ist unser Garagist aus der Schweiz ganz anderer Meinung. Alle seine Hinweise werden aber von den Mechanikern hier gekonnt ignoriert.

Wir verbringen noch eine weitere unangenehme Nacht in der Garage. Es ist heiss, stickig und dreckig. In der Zwischenzeit wird das Ersatzteil bestellt und wir entscheiden uns für 4 Tage mit dem Bus und Schiff nach Bocas del Toro zu fahren, anstatt in der Garage auf das Ersatzteil zu warten. Etwas Ablenkung tut uns sicherlich gut.

Traumstrände auf Bocas del Toro

Bocas del Toros ist eine Inselgruppe im karibischen Meer vor Panama. Bekannt sind die Inseln vor allem für die wunderschönen Strände. Zu Recht. Wir verbringen zwei Nächte in einem Bungalow mit traumhafter Aussicht aufs Meer. Der dem Hotel zu Füssen liegende Strand Playa Bluff ist einer der schönsten Strände, die wir auf unserer Reise gesehen haben. Es gelingt uns einigermassen abzuschalten.

Bevor es wieder zurück in die Garage geht unternehmen wir noch einen Ausflug zum Red Frog Beach. Dieser liegt auf einer anderen Insel und beheimatet winzige, knallrote Frösche. Mal schauen ob wir diese finden. Das Speedboat lädt uns an einem Steg hinter dem Strand ab. Nach einem kurzen Fussmarsch erreichen wir den Strand. Wir legen unsere Strandtücher aus und machen uns sogleich auf die Suche nach den Namensgebern des Strandes. Direkt im Dschungel hinter dem Strand sollen sie sich verstecken. Nach einer Sandstrasse folgen mehrere sumpfige Pfade. Nicht nur Frösche scheint es hier zu geben, sondern auch hunderte von Mücken. Innert Sekunden werden wir zerstochen. Als sich dann aber der erste rote Frosch zeigt, ist uns das egal. Plötzlich sind sie überall. Lediglich so gross wie ein Daumen und tatsächlich knallrot mit schwarzen Punkten. Dafür nehmen wir gerne ein paar Stiche in Kauf. Danach geniessen wir am Strand noch ein kühles Bier und die Sonne, bevor es wieder zurück auf die Hauptinsel geht.

Hilfe aus der Hauptstadt und von zu Hause

Als wir nach 4 Tagen wieder in Changuinola eintreffen ist das Ersatzteil vor Ort. Die Stimmung ist angespannt. Vor unseren Augen bauen sie den neuen Luftmassenmesser ein. Der Moment der Wahrheit steht bevor. Nun sollte sich der Motor ohne Probleme starten lassen. Leider ist dies nicht der Fall. Beim bestellten Teil handelt es sich um eine chinesische Kopie, die nicht für unser Fahrzeug geeignet ist. Nun können wir unseren Frust nicht mehr zurückhalten. Insbesondere, da sich scheinbar niemand für diesen Fehler, welcher uns vier Tage gekostet hat, verantwortlich fühlt. Nach mehreren Diskussionen mit dem Chef der Garage beschliessen wir, dass wir hier nicht weiterkommen. Aber wie weiter?

Die am schlechtesten ausgebildeten Mechaniker findet man in Panama.

Da sich der Motor nicht starten lässt, sind wir in Changuinola gefangen. In unserer Verzweiflung wenden wir uns an die Overlander Embassy in Panama City und erhalten einen guten Tipp für einen Mechaniker in David. Einziges Problem: David ist fast 600 Kilometer entfernt. Wir spielen mit dem Gedanken uns für 400 Dollar abschleppen zu lassen. Doch bevor wir das in Betracht ziehen, rufen wir den Mechaniker Erick in David an und schildern unser Problem im Detail. Zum Glück, denn er hat einen Kontakt in Changuinola und bietet uns an, diesen Mechaniker aus der Ferne zu coachen. Unsere beste Option. Wir lassen uns erneut abschleppen und quartieren uns in der Garage von Freddy Krüger ein. Kein Scherz, er hat seine Garage tatsächlich so benannt. Hoffen wir, dass sich der Albtraum hier nicht fortsetzt. Mein Vater macht sich in der Schweiz in der Zwischenzeit noch auf den Weg in eine Fiat Garage und erhält dort auch noch gute Tipps, was geprüft werden soll. Per Zufall war der Mechaniker in dieser Garage erst kürzlich für längere Zeit in Panama und rät uns, allen genau auf die Finger zu schauen. Gemäss seinen Erfahrungen gibt es in Panama sehr viele schlechte Mechaniker. Jetzt einfach nicht die Hoffnung verlieren.

Mit den Tipps unseres Garagisten aus Oerlikon, den Anweisungen von Erick aus David und den Empfehlungen der Fiat Garage in der Schweiz haben wir für Freddy eine Liste zusammengestellt. Er macht sich sofort an die Arbeit und prüft Punkt für Punkt. Als er schliesslich die Auspuffanlage abhängt, springt der Motor sofort an. Wir haben das Problem gefunden. Der Dieselpartikelfilter ist komplett verstopft. Reinigen lässt sich dieser nicht mehr und so bleibt uns nur die Option, den Filter zu entfernen. Da es in Mittel- und Südamerika keine Vorschriften in Bezug auf Abgaswerte gibt, werden hier keine solchen Filter verbaut. Zudem stellen diese wegen der schlechten Dieselqualität ein Risiko dar. Von Hand spitzen Freddy und sein Team den Inhalt des Filters raus und bauen diesen leer wieder ein. Bei der Probefahrt trauen wir unseren Augen und Ohren nicht. Beat fährt besser als am ersten Tag. Erst jetzt wird uns bewusst, dass die Leistung vermutlich mit jeder Tankfüllung stetig abgenommen hat. In Reisforen lesen wir dann, dass viele den Dieselpartikelfilter schon vor der Reise entfernen lassen. Zuhause gibt es aber nur wenige Garagen die das anbieten, da es in Europa illegal ist. Wir sind einfach nur froh, dass unser Beat wieder fährt. Auch wenn er jetzt eine Dreckschleuder ist. An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an die Overlander Embassy, Erick Chavez aus David, Herr Gajic in Oerlikon, meinen Papi und die Fiat Garage in der Schweiz.

Wanderparadies Valle de Anton

Am selben Tag werden wir informiert, dass sich die Verschiffung um drei Tage verschiebt. Das gibt uns etwas Zeit, trotzdem noch etwas von Panama zu entdecken. Es geht in das Wander- und Vogelparadies Valle de Anton. Dort verbringen wir zwei Tage auf dem idyllischen Campingplatz von Mario, beobachten Vögel und unternehmen eine Wanderung zum Cara de Iguana (Echsengesicht).

Jetzt aber schleunigst auf nach Panama City. Dort steht die Zollinspektion für die Verschiffung an. Vorher verbringen wir aber noch eine Nacht direkt am Panamakanal mit unseren Reisefreunden Nadine und Tom aus Bern und erkunden die wenigen schönen Flecken in Panama City. Wirklich warm werden wir mit dieser Stadt nicht. Zu gross ist der Graben zwischen Arm und Reich. Schockiert sind wir auch vom Viertel, in welchem sich die Zollinspektion befindet. Als Nadine und ich die Papiere für die Verschiffung abholen, werden Bryan und Tom von einem Anwohner darauf hingewiesen, dass sie zu Ihrer persönlichen Sicherheit lieber etwas bezahlen müssen. In den verlotterten Gebäuden gegenüber wohnen bewaffnete Gangmitglieder und wir wollten ja nicht angeschossen werden. Wir bezweifeln zwar, dass dies stimmt, kaufen ihm aber zur Sicherheit trotzdem etwas ab und machen uns schnellstmöglich aus dem Staub.

Am nächsten Tag fahren wir dann gemeinsam nach Colón, um die Fahrzeuge in den Container zu verladen. Ähnlich wie auch bei den Grenzübertritten läuft alles eher etwas chaotisch ab. Aber nach rund drei Stunden sind die Autos verladen und wir haben alle notwendigen Papiere. Beat passt haargenau in den Container. Nach dem Festzurren bleibt links und rechts so wenig Platz, dass die Arbeiter über das vordere Fenster einsteigen müssen und den Container dann über die Hecktüren verlassen. Wir schauen zu wie der Container mit einem Bolzen definitiv verschlossen wird und kehren dann zurück nach Panama City.

Der Flug nach Cartagena ist gebucht und wir freuen uns Panama zu verlassen. Doch so einfach lässt uns dieses Land nicht gehen. Als wir am Flughafen einchecken möchten, akzeptiert die Fluggesellschaft unsere Verschiffungspapiere nicht. Um nach Kolumbien einzureisen, benötigt man einen Ausreiseflug. Diesen haben wir natürlich nicht, da wir ja mit dem Auto reisen. Trotz Zollpapieren und Stempel im Pass weigert sich die Angestellte am Schalter partout uns boarden zu lassen. Wir verpassen den Flug. Zwei Tage später versuchen wir es nochmals, dieses Mal ausgerüstet mit Fake-Flugtickets. Natürlich möchte diese jetzt plötzlich niemand mehr sehen. Aber egal, Hauptsache weg hier. Südamerika wir kommen!

Ein tierischer Abschluss

Fünf Wochen haben wir in Costa Rica verbracht. Verzaubert hat uns in diesem Land vor allem die Tierwelt. Genau dieser wollten wir uns zum Abschluss nochmals intensiv widmen. Dafür ging es via Playa Uvita in den für seine Artenvielfalt bekannten Corcovado Nationalpark ganz im Süden des Landes und danach an die Karibikküste.

Auf dem Weg zum Corcovado Nationalpark verbrachten wir eine Nacht auf einem Camping direkt am berühmten Walfisch-Flossen-Strand «Playa Uvita». Leider ist in Costa Rica mittlerweile fast nichts mehr kostenlos, auch nicht die Natur. 5 Dollar kostet der Eintritt zum Strand. Unser Gastgeber auf dem Camping findet das ebenfalls übertrieben und zeigt uns einen Gratis-Schleichweg. Warum nicht, denken wir. Innerhalb von fünf Minuten sind wir vom Camping am Strand. Dieser ist endlos lang, fast komplett unberührt und umrahmt von Dschungel. Wir suchen uns ein Plätzchen am Schatten und beobachten die brechenden Wellen, in welchen sich Duzende Rochen tummeln. Das ist auch der Grund warum wir uns nicht ganz ins Wasser wagen. Vom Strand aus gibt es genug zu beobachten. Leguane spazieren vorbei, Affen liefern sich eine Verfolgungsjagd direkt über unseren Köpfen und einige mutige Surfer teilen sich die Wellen mit den Rochen.

Die berühmte Walfisch-Flosse ist vom Strand aus nicht sichtbar. Entweder man wandert zu einem Aussichtspunkt oder lässt wie Bryan die Drohne in den Himmel steigen. Wichtig ist auch, dass Ebbe ist, ansonsten hat es zu viel Wasser. Wir hatten Glück und konnten die Flosse schön einfangen.

Nicht nur wegen des Strandes hat sich dieser Abstecher gelohnt. Zu unserer Freude entdecken wir am nächsten Morgen ein Bagelgeschäft in der Nähe. Gutes Brot ist schwer zu finden und daher ist die Freude gross. Wir können uns nicht zurückhalten und kaufen vier verschiedene Sorten. Das perfekte Frühstück für die bevorstehende lange und kurvige Fahrt zum Corcovado Nationalpark.

Über fünf Prozent der weltweiten Tierpopulation lebt im Corcovado Nationalpark auf engstem Raum.

Der Corcovado Nationalpark befindet sich auf einer Halbinsel und ist umgeben vom Meer. Bekannt ist das Gebiet für unberührte Natur, eine beeindruckende Artenvielfalt und wunderschöne Strände. Da man mehrtägige Touren Monate im Voraus buchen muss und wir nie mehr als 2-3 Tage voraus planen, entscheiden wir uns für eine Sunset-Kayaktour und eine Tageswanderung. Den Nationalpark kann man nur mit einem Guide besuchen und die Touren sind sehr teuer. Dafür erhält man Zugang zu einem ursprünglichen Dschungel, sieht unglaublich viele Tiere und hat einen gut ausgebildeten Guide. Bereits auf unserem Camping wird klar, wie viele Tiere hier leben. Vom Frühstückstisch aus können wir Tukane, Aras, Kaimane und Krokodile beobachten. Ja richtig gelesen, Krokodile. Diese leben direkt im Fluss hinter Beat. Schon etwas gewöhnungsbedürftig, aber gemäss den Einheimischen kein Problem, solange man nicht Schwimmen geht.

2 Tonnen?

Dieses Schild haben wir erst im Nachhinein bemerkt. Die Brücke hat uns zum Glück gehalten. Auf dem Rückweg haben wir dann aber eine andere Strasse gewählt. Man muss das Schicksal ja nicht herausfordern.

Auf der Kayak-Tour sehen wir nicht nur wunderschöne Mangroven und einen tollen Sonnenuntergang sondern auch Biolumineszenz. Darunter versteht man blau leuchtenden Plankton, welcher sichtbar wird, wenn man sich unter Wasser bewegt. Ein faszinierendes Naturspektakel, welches leider mit der Kamera nicht wirklich eingefangen werden kann.

Am nächsten Morgen steht die Tageswanderung auf dem Programm. Um 5 Uhr müssen wir aufstehen, und das an meinem Geburtstag. Was man nicht alles tut, um Tiere zu beobachten. Mit einem 4×4 Jeep fahren wir zum Ausgangspunkt der Wanderung. Schon auf dem Weg legen wir einige Stopps ein und können Spider-Monkeys, Brüllaffen sowie auch Kapuzineraffen beobachten. Danach wandern wir mehrere Stunden durch den Dschungel. Auf dem Weg treffen wir auf fast kitschig rote Papageien, Nasen- und Ameisenbären, Basilisken und Krokodile. Nur der Tapir will sich nicht zeigen. Wir beschliessen noch ein paar Kilometer anzuhängen, in der Hoffnung ihn doch noch zu sehen und kehren erst weit nach der Dämmerung zurück. Auf dem Rückweg wählt unser Guide Rodolfo extra noch eine andere Route, aber der Tapir will sich nicht zeigen.

Dafür entdeckt er auf der Strasse eine Schlange, welche ich unbedingt noch halten musste. So quasi als Geburtstagsgeschenk. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen, aber ich überwinde mich. Dafür gibt es dann um neun Uhr abends in kompletter Dunkelheit noch mein Lieblingsmenü «Hörnli mit Ghackets» und ein leckeres Glas Rotwein. Alles in allem ein perfekter und vor allem erlebnisreicher Geburtstag.

Weiter gehts über die Berge an die Karibikküste. Diese Etappe ist unmöglich in einem Tag zu fahren. Daher planen wir einen Stopp auf einer Forellenfarm auf 2000 Metern ein. Wie immer freuen wir uns nach einigen Tagen am Strand auf kühlere Temperaturen und vor allem auf eine angenehme Nacht. Der Gastgeber auf der Trucheria Selva begrüsst uns überaus herzlich und wir beschliessen am nächsten Morgen noch zu fischen. Den selbst gefangenen Fisch gibt es dann am nächsten Tag zum Abendessen.

Wie geplant erreichen wir schliesslich die Karibikküste von Costa Rica. Geprägt ist diese von der afrokaribischen Kultur, Reggae-Musik und schönen Stränden. Wir quartieren uns auf dem Parkplatz eines Hostels in Puerto Viejo ein und nutzen unsere Fahrräder, um zum 12km entfernten Cahuita Nationalpark zu gelangen. Ganz schön abenteuerlich, denn die Autofahrer nehmen nicht wirklich Rücksicht auf uns. Trotzdem macht es Spass, wieder einmal auf dem Fahrrad zu sitzen.

Cahuita überzeugt uns zu 100 Prozent. Es ist mit Abstand der am besten in Stand gehaltene Nationalpark im ganzen Land und das obwohl der Eintritt frei ist. Wer möchte kann etwas spenden. Das tun wir natürlich gerne. Verschiedene Wanderwege führen am Strand entlang und durch den Dschungel. Mehr als 3h Stunden verbringend wir im Park und entdecken Waschbären, Faultiere, knallgrüne Basilisken und Krokodile. Danach geht es mit dem Fahrrad zurück zum Hostel, wo wir die letzte Nacht in Costa Rica verbringen. Nächster Stopp: Panama.

Nicht nur die Schokoladen-Seite

Weiter gehts im Zick-Zack durch das vielseitige Costa Rica. Auf dieser Etappe zeigt sich das Land nicht nur von seiner Schokoladen-Seite. Das Wetter spielt uns Streiche und wir entdecken den unattraktivsten Ort in ganz Costa Rica.

Schlafen auf einer Kakaoplantage? Kein Problem mit unseren Campervans. Natürlich übernachteten wir aber nicht nur dort, sondern wollten auch einen Einblick in den Anbau und die Verarbeitung von Kakao erhalten. Obwohl wir aus dem Schoggi-Land kommen, wussten wir nicht genau wie Kakao angebaut wird und wie das Endprodukt entsteht. Höchste Zeit also, diese Wissenslücke zu schliessen.

Kakao wächst an mittelgrossen Bäumen. Lustigerweise spriesst die Frucht einfach aus den Ästen und ist nicht umgeben von Blättern. Je nach Sorte ist sie bei voller Reife violett, gelb oder orange. Die Früchte reifen über das ganze Jahr hinweg und werden fortlaufend geerntet. Nach dem Ernten wird die Frucht aufgebrochen. Denn zur Herstellung des Kakaos werden nur die Bohnen verwendet. Diese werden fermentiert, getrocknet und dann meist in grossen Mengen exportiert und weiterverarbeitet. Der Anbau ist anspruchsvoll, denn die robust scheinende Frucht ist sehr empfindlich und braucht viel Aufmerksamkeit. Ihr grösster Feind sind Eichhörnchen, welche die harte Schale mit ihren scharfen Zähnen mit Leichtigkeit aufbrechen und die wertvollen Bohnen verzehren.

Nach dem Spaziergang durch die Kakaoplantage folgt die Schokoladenherstellung. Unter der Anleitung unserer Kakaolehrerin mahlen wir mittels einer Velomühle den Kakao, stellen ein traditionelles aztekisches Heissgetränk her und fertigen verschiedene Pralinés. Einige probieren wir direkt vor Ort und den Rest nehmen wir mit auf die weitere Reise.

Nach den Vulkanen Arenal und Rincón wollten wir auf dem Weg zurück nach San José noch einen Blick in den Krater des aktiven Vulkans Poas werfen. Praktischerweise kann man in der Nähe im Garten eines Restaurants kostenlos schlafen, sofern man dort frühstückt. Der Zutritt zum Vulkan ist streng reglementiert. Grund dafür ist seine hohe Aktivität. Der letzte Ausbruch liegt lediglich drei Jahre zurück. Wir müssen uns vorab für einen Zeitslot entscheiden und haben dann vor Ort nur eine Stunde Zeit. Nach einer kurzen Internetrecherche buchen wir den 8 Uhr Slot. Am Morgen soll die Sicht besser sein. Doch das Glück ist leider nicht auf unserer Seite. Als wir am Morgen aufwachen weht ein rauher Wind, dichter Nebel hängt in den Bergen und Regenwolken ziehen auf. Aber die Tickets sind gebucht und bezahlt. Also los geht’s. Wir fahren zum Parkplatz, rüsten uns mit Helm aus und laufen zum Kraterrand. Das hätten wir uns auch sparen können. Wir sehen gar nichts. Aber schaut selbst. 😉

Aber was soll’s, man kann nicht immer Glück haben. Nach dieser Pleite haben wir uns etwas Sonne und Strand verdient. Aber zuerst müssen wir Mamis Minicamper abgeben. Dieser hatte sie in den letzten 10 Tagen treu begleitet. Die Abgabe läuft wie auch die Übernahme einwandfrei und so machen wir uns direkt auf den Weg nach Playa Hermosa. Dort verbringen wir die letzten paar Tage gemeinsam. Wir natürlich wie immer in Beat und Mami in einem Hotel direkt am Strand. Gleich neben Playa Hermosa befindet sich Jaco. Ein beliebter Ferienort mit vielen Restaurants. Perfekt, denken wir. Dann können wir dort noch lecker Essen gehen.

Playa Hermosa bietet was der Name verspricht. Ein wunderschöner, wilder Strand mit dunklem Sand und tosenden Wellen. Wir verbringen den Tag am Strand und schauen den Surfern zu. Es findet gerade ein internationaler Contest statt und daher ist das Niveau hoch. Am Abend geht es dann in das vermeintlich schöne Jaco für ein gemütliches Abendessen. Als uns der Taxifahrer an der Hauptstrasse aussteigen lässt, merken wir gleich: «Das wird nicht unser Lieblingsort!» Als wir dann noch falsch abbiegen, mehrfach Drogen angeboten bekommen und uns plötzlich in Mitten des Strassenstrichs befinden, retten wir uns an den Strand. Dort fühlt es sich in etwa an wie in Mallorca am Ballermann. 😉 Zum Glück finden wir trotzdem ein schönes Restaurant mit richtig gutem Essen. Der Ausflug war also nicht ganz für die Katz.

Den letzten Tag mit meinem Mami lassen wir ganz gemütlich in Playa Hermosa ausklingen, bevor es für sie leider schon zurück geht in die kalte Schweiz.

Der Nordosten von Costa Rica

Nach den ersten heissen Tagen am Meer ging es für uns weiter Richtung Nordosten. Auf dem Programm standen die Bergregion Monteverde, der Rincón Nationalpark sowie der Vulkan Arenal.

Nach rund dreieinhalb Stunden Fahrt erreichten wir den kleinen Ort Santa Elena im Gebiet Monteverde. Wir schlängeln uns die kurvenreiche Strasse zum angestrebten Übernachtungsplatz auf einem Fussballplatz hoch. Santa Elena liegt auf rund 1400 Meter. Tagsüber ist das Klima sehr angenehm, jedoch fällt in diesem Gebiet auch viel Regen, der Wind tobt öfters Mal und die Nächte sind kühl. Direkt hinter unseren Bussen liegen ein tropischer Wald sowie eine Kaffeeplantage. Wir haben geplant drei Tage zu bleiben. Rund um Santa Elena gibt es so einiges zu sehen und zu erleben. Wir entscheiden uns für die Besichtigung einer Kaffeeplantage sowie eine adrenalinreiche Zipline-Tour.

La vida sabe mejor con café

Kaffee wird in Costa Rica in verschiedenen Regionen angebaut. Im Gegensatz zu anderen Ländern sind die produzierten Mengen bescheiden. Costa Rica schafft es nicht in die Top 10 der Kaffeeanbaugebiete. Daher wird der Kaffee oft nicht exportiert. Geniessen kann man ihn am besten im Land selbst. Auf der Tour lernen wir alles Wissenswerte über den Anbau und die Ernte, die verschiedenen Trocknungsverfahren sowie über das Geheimnis der Röstung. Natürlich durfte dann auch eine Degustation nicht fehlen. Je nach dem ob der Kaffee samt Beere getrocknet oder gewaschen wird, entwickelt er ein komplett anderes Aroma.

Adrenalin pur im Dschungel von Monteverde

Nach dem eher ruhigen Tag auf der Kaffeeplantage folgte ein Tag voller Adrenalin im Zipline-Park. Hoch über den Bäumen zu schweben und so unbeschwert durch den Dschungel zu gleiten war eine besondere Erfahrung. Rund 20 Seile gab es im Zipline-Park. Neben der klassischen Position konnten wir auch liegend in der sogenannten Superman-Position von Plattform zu Plattform fliegen.

Der krönende Abschluss war dann die sogenannte Tarzan-Schaukel. Ohne zu wissen was mich erwartet, marschierte ich selbstbewusst auf der Brücke nach vorne. Was dann passiert, hätte ich nicht gedacht. Nachdem mich der Angestellte in die Tiefe schubst, folgen mehrere Meter freier Fall. Da konnte ich mir einige Angstschreie nicht verkneifen und auch Bryan erging es nicht anders.

Rincón Nationalpark

Nach drei Tagen in Monteverde fahren wir zum Rincón Nationalpark. In der Nähe des Nationalparks soll es einen schönen Camping geben. Da auf den Fotos nur kleine Vans abgebildet sind, fragen wir vorab an, ob wir auch mit Beat reinpassen. Kein Problem, meint der Inhaber. Als wir die Zufahrtsstrasse sehen, schwant uns schon Böses. Denn diese ist wieder einmal unbefestigt, sehr sandig und steil. Wir rasen voraus und Mami in ihrem Minicamper hinterher. Einfach mit Schuss die Hügel hoch. Das ist das Motto. Der Hinweg gelingt und der Camping ist wirklich sehr schön. Direkt an einem Fluss und umgeben von Natur. Aber wir schlafen unruhig. Denn wir wissen, wenn es regnet, verwandelt sich die Strasse in eine Schlammpiste. Schweren Herzens brechen wir daher am nächsten Morgen früh gleich wieder auf.

Es kommt, wie es kommen muss. Beim dritten Hügel schaffen wir es nur bis in die Mitte. Dieser ist zu steil und vor allem zu sandig. Die Reifen drehen durch und es gibt kein Vorwärtskommen mehr. Wir rollen zurück und versuchen es nochmals mit viel Schuss. Ein Meter weiter, aber nicht mehr. Zum Glück kommen uns in diesem Moment zwei Pickups entgegen. Die Herren bieten sich an uns hochzuziehen und teilen uns auch gleich mit, dass dies eine 4×4 Strecke sei. Mit unserem Beat sei diese eher nicht zu bezwingen. Super, denken wir. Vorher anfragen bringt somit auch nichts. Das Abschleppmanöver gelingt dann zum Glück problemlos und Mami schafft es dank weniger Gewicht und Heckantrieb sogar ohne Hilfe.

Würgebäume, ein Wasserfall und allerlei Tiere

Nach dem erfolgreichen Abschleppmanöver geht es auf dem schnellste Weg zum Nationalpark. Wir entscheiden uns zuerst eine längere Wanderung zu einem schönen Wasserfall zu unternehmen und danach den geothermischen Rundweg abzulaufen. Nach zwei Stunden Wanderung durch einen verwunschenen Wald mit beeindruckenden Würgebäumen sowie dürren steppenähnlichen Etappen erreichen wir den Wasserfall samt blauem Pool. Der perfekte Ort für eine kurze Mittagspause. Lange können wir nicht verweilen, denn es steht auch noch der Rundweg an. Zurück am Ausgangspunkt ist der Parkplatz schon leer. Das schreckt uns aber nicht ab. Zum Glück! Denn dank der bereits eintretenden Dämmerung sehen wir unglaublich viele Tiere. Die Brüllaffen machen wie immer ordentlich Lärm, Agutis huschen durch den Wald, Fasane tauchen auf dem Weg auf und als krönenden Abschluss sehen wir dann auch noch Tukane. Müde, aber zufrieden geht’s zurück ins Dorf. Dort übernachten wir auf einem eher kargen aber dafür einfach zugänglichen Parkplatz.

Canyoning in eisig kaltem Wasser

Neben den Wanderwegen bietet sich in der Region auch Canyoning an. Denn in der Nähe des Nationalparks befinden sich mehrere Höhlen, Wasserfälle und vor allem glasklares Wasser. Wir entscheiden uns am nächsten Tag spontan, dies gleich noch anzuhängen. Gemeinsam mit einem lokalen Guide waten wir durch den Fluss, der sich durch das Gestein gefressen hat. Es sieht ein bisschen aus wie im Maggiatal und auch die Wassertemperatur ist die Gleiche.

Wir sind nicht die einzigen und auch Hunde hat es einige. Dies wird uns noch zum Verhängnis. Denn als Bryan von einem Stein ins Wasser springt, springt einer der Hunde hinterher und schnappt nach Bryans Kopf. Doch das ist noch nicht alles. Im Wasser versucht er Bryans Drybag zu ergattern. Eine absurde und irgendwie auch erschreckende Situation. Wem der Hund gehört, finden wir nicht raus. Wir sind einfach froh, dass er uns nicht noch weiter folgt. Auf dem Weg zurück wärmen wir uns an der Sonne wieder etwas auf und erfahren vom Guide noch Interessantes zur Umgebung sowie über Costa Rica im Allgemeinen.

Vom kalten Wasser zu heissen Quellen

Weiter gehts zum Vulkan Arenal. Unserer Meinung nach der schönste Vulkan in Costa Rica. Rund um den Vulkan ist das Wasser nicht wie beim Rincón kalt sondern angenehm warm. Daher gibt es jede Menge Hotels mit Thermen und Bäder. Wir übernachten auf einer grossen Wiese vor einem Thermalbad mit bester Sicht auf den Vulkan Arenal.

Nach einer gemütlichen Nacht besuchen wir am darauffolgenden Tag einen Froschgarten und gönnen uns ein entspannendes Bad im kostenlosen thermischen Fluss in Mitten des Dschungels.

Eine schöne Aussicht auf den Kegelvulkan Arenal hat man auch aus dem Skypark. Ein weiterer Naturpark mit vielen Hängebrücken und einer atemberaubenden Vegetation. Immer wieder taucht der Arenal zwischen dem Dschungel auf, eingerahmt durch die Natur. Den ganzen Morgen streifen wir durch die Natur, fotografieren Vögel und bestaunen die Pflanzenvielfalt. Der perfekte Abschluss dieser Reiseetappe.

Ein Stückchen Heimat in Costa Rica

Auf Costa Rica und die faszinierenden Tierwelt hatten wir uns schon seit längerem gefreut. Und natürlich auch auf den Besuch aus der Heimat. Rund drei Wochen begleitete uns hier mein Mami. In den ersten zehn Tagen erkundeten wir die Hauptstadt San José, das Naturschutzgebiet Tortuguero und den schönen Nationalpark Manuel Antonio.

Im Zeichen der Schweiz stand auch unser erster Übernachtungsplatz beim Exilschweizer Guido, unweit der Grenze zu Nicaragua. Wir durften Beat direkt unter einem beeindruckenden, überwucherten Baum parkieren und schliefen mit Alphornmusik und Jodelgesang ein. Ein spezielle Kombination. Am nächsten Morgen begaben wir uns dann gemeinsam mit seinen beiden Schäferhunden auf eine Wanderung. Das Grundstück von Guido umfasst drei Wanderwege auf welchen Faultiere, diverse Vögel, Kühe, Pferde und manchmal auch Krokodile erspäht werden können. Wir sahen zwar kein Krokodil, aber dafür sonst jede Menge Tiere. Ein super erster Tag in Costa Rica. Gegen Mittag brachen wir dann auf Richtung San José.

Nach einer langen Fahrt erreichten wir in der Dämmerung San José. Im Vorfeld hatten wir schon gehört, dass es wohl nicht unsere Lieblingsstadt werden wird. Auch, weil es nur wenige Camping-Möglichkeiten gibt. Den herausgesuchten Camp-Spot den wir ansteuerten, mussten wir auf dem Weg canceln. Die Anfahrtsstrasse war so steil und schmal, dass wir es mit Beat leider nicht schafften. Mangels Alternativen entschieden wir uns, ein nahe gelegenes Hotel anzufahren. Vielleicht dürfen wir dort ja auf dem Parkplatz stehen. Wir hatten Glück, und es klappte. Zwar ohne WC oder Dusche, aber dafür kostenlos und sicher. Am nächsten Tag fanden wir dann auf dem Grundstück von Luis einen sicheren und gut gelegenen Platz, um am Abend mein Mami vom Flughafen abzuholen.

Bienvenido a Costa Rica

Nach einem Tag in der Stadt und einem leckeren Essen in einem argentinischen Steakhouse hatten wir die ersten zehn Tage geplant. Los ging’s zum vom Festland abgeschnittene Naturschutzgebiet Tortuguero. Dieses liegt an der Karibikküste von Costa Rica und ist umgeben von diversen Flüssen und wildem Regenwald. Beat durften wir bei Luis für ein paar Tage stehen lassen. Mit dem lokalen Bus machten wir uns am frühen Morgen auf den Weg. Als wir nach etwas mehr als zwei Stunden am kleinen Steg ankommen, geht es weiter mit dem Boot. Oder besser gesagt mit einer Nussschale. Kurz nach Abfahrt beginnt es in Strömen zu regnen. Klitsch nass erreichen wir schlussendlich Tortuguero. Vom Hafen aus ist es nur ein kurzer Fussmarsch zu unserer Lodge. Zum Glück schlägt das Wetter am nächsten Tag um und wir können das Meer, den tropischen Garten und das kleine Städtchen bei sonnigem Wetter erkunden.

Faszinierende Tierwelt im Dschungel von Tortuguero

Die Hauptattraktion in Tortuguero ist die einzigartige Tierwelt. Es gibt zahlreiche Vogelarten, Frösche, Echsen, Kaimane und natürlich auch Affen zu sehen. Dies wollten wir uns nicht entgehen lassen. Wir entschieden uns für einen geführten Nightwalk und eine Kanutour. Zudem besuchten wir den Nationalpark auch noch zu Fuss und durchforsteten den Wald auf eigene Faust. Wir würden die geführten Touren auf jeden Fall empfehlen, da man so viel mehr Tiere sieht und auch spannende Informationen erhält. Hier sollte man unserer Meinung nach nicht sparen. Wenn auch unser Guide Bernd sehr speziell war. Aber wenn man so lange in einem von der Umwelt abgeschnittenen Dorf lebt, wird man vielleicht auch einfach kauzig.

Nach drei Tagen machten wir uns auf den Rückweg nach San José. Dort konnten wir den gemieteten Mini-Camper für Mami abholen. Ausgerüstet mit einem Bett, Küche, einer Outdoor-Dusche und Strom konnte dem Abenteuer nichts mehr im Weg stehen. Die erste Nacht verbrachten wir in der Nähe des Nationalparks Manuel Antonio direkt am Meer. Nach einer kurzen Diskussion mit dem Parkplatz-Wächter willigte er schliesslich ein, dass wir übernachten dürfen. Von dort aus konnten wir am nächsten Morgen mit dem Bus in den Nationalpark. Bekannt ist Manuel Antonio für die zutraulichen Kapuzieneraffen sowie die wunderschönen Strände.

Den Kapuzineraffen sagt man nach, dass sie eine der schlausten Affenarten sind. Deshalb ist es auch verboten, Lebensmittel in den Park mitzubringen. Denn die kleinen Äffchen öffnen mit Leichtigkeit Rucksäcke und klauen auch gerne Mal etwas von den Besuchern. Wir hatten Glück und konnten von Nahem beobachten, wie sie sich aus Ästen eine Art Werkzeug bastelten, ein Vogelnest ausraubten und sich elegant von Baum zu Baum schwangen.

Durchreise durch Honduras und Nicaragua

Nach den faszinierenden letzten Wochen in Guatemala machten wir uns auf den Weg Richtung Costa Rica. Um dorthin zu gelangen, standen drei Grenzübertritte und zwei Landes-Durchquerungen an.

Da sich El Salvador und Honduras jährlich den 1. Platz im Ranking der gefährlichsten Länder in Zentralamerika streitig machen, entschieden wir uns nur eines der beiden Länder zu durchqueren. Auch um noch einen zusätzlichen Grenzübertritt zu vermeiden. Denn bei diesen braucht man jeweils Nerven aus Stahl, unzählige Kopien und viel Zeit. Wir fuhren auf dem direktesten Weg durch Honduras. Eine Nacht verbrachten wir bei den Copan Ruinen direkt nach der Grenze und die zweite in der Stadt Comayagua auf einem umzäunten Hotelparking. Wir fühlten uns während dieser Tage nie unwohl. Wurden aber von den Einheimischen mehrfach gewarnt und auch die bewaffneten Wachmänner vor allen Läden zeigten auf, dass es eine grosse Gewaltbereitschaft geben muss. Natürlich gibt es auch in Honduras wunderschöne Flecken. Entlang der Hauptstrassen zeigte sich uns aber vor allem die Armut. Verwahrloste Fahrzeuge, abgebrannte Felder, und verlotterte Häuser prägten die Landschaft.

Die Strassen waren in einem eher schlechten Zustand und auch hier gab es wieder Blockaden und Strassensperren. Dies wurden aber von der örtlichen Polizei schnell aufgelöst und beeinträchtigten uns nicht wirklich.

Einwohner von Honduras blockieren eine Strasse und zünden Autoreifen an.

Zehn Tage in Nicaragua – Vulkane, Strand und eine Insel

Als erstes sind uns in Nicaragua die vielen Kinder aufgefallen. Seit langem haben wir diese nicht mehr auf der Strasse gesehen oder spielen gehört. Ein erstes Anzeichen dafür, dass es hier deutlich sicherer ist, als in den Ländern zuvor. Nach einer Nacht direkt an der Grenze steuerten wir ein Hotel an, bei welchem man auch campen kann. Der Tourismus in Nicaragua hat in den vergangen Jahren stark gelitten. Schuld daran sind Covid und innenpolitische Probleme. Ausser in den Gesprächen mit den Locals waren diese aber für uns nicht spürbar. Einzig die hohe Korruption erlebten wir aus erster Hand. So versuchten uns sowohl Polizei wie auch Grenzbeamte abzuzocken. Mit etwas Hartnäckigkeit konnten wir aber diese Bussen oder Gebühren alle umgehen. Sehr hilfreich war auch hier wieder die App iOverlander, in welcher Tipps und Tricks im Umgang mit korrupten Beamten hinterlegt sind.

Nach ein paar erholsamen Tagen auf dem Parkplatz des wunderschönen 4-Sterne Hotels in Masaya machten wir einen Abstecher ins Surferparadies Popoyo. Ein kleiner Ort an der Pazifikküste von Nicaragua. Das Wasser ist erfrischend kalt, der Strand menschenleer und die Wellen beeindruckend. Einzig für den Sonnenuntergang versammeln sich einige Touristen und geniessen ein Bier.

Strände sind nicht die einzige Attraktion die Nicaragua zu bieten hat. Ebenfalls bekannt ist es für seine Vulkane. Zwei davon befinden sich auf der Insel Ometepe. Da wollten wir natürlich hin. Nach einer einstündigen Fahrt mit der Fähre erreichten wir unseren Camping mit perfekter Sicht auf den Vulkan Concepción. Diesen wollten wir aber nicht nur aus der Ferne anschauen, sondern auch besteigen. Zusammen mit dem lokalen Guide Anthony, erklommen wir auf der siebenstündigen Wanderung den Gipfel. Leider hatten wir Pech und sahen aufgrund des Nebels auf dem Gipfel praktisch nichts. Der Weg dahin durch Wald und über Vulkangestein war aber dennoch beeindruckend und die Gespräche mit Anthony über Land und Leute spannend.