Der vielseitige Norden Boliviens

Nach drei Monaten in Peru machen wir uns auf den Weg nach Bolivien. Wir überqueren die Grenze beim weltbekannten Titicaca See. Dort verbringen wir die ersten Tage, dann geht’s in den abgelegenen Nationalpark Sajama und zum Schluss noch in die einzigartige Metropole La Paz.

Die Grenze am Titicaca See ist klein und unscheinbar. Innerhalb von circa 45 Minuten haben wir uns in Peru ausgestempelt und sind in Bolivien eingereist. So gefällt uns das! Weiter geht’s zu einem hübschen Camping direkt am See in Copacabana. Dort wollen wir uns für die nächsten Tage organisieren. Die ersten Schritte in einem neuen Land sind immer die gleichen. Bargeld abheben, Sim-Karte besorgen und ganz grob planen. Es stellt sich heraus, dass Copacabana ein bekannter Pilgerort ist. Entlang der Promenade sind mehr als ein Dutzend Touristenbusse parkiert. Viele Peruaner und Bolivianer kommen hierhin, um sich segnen zu lassen. Zudem kann man auf dem eiskalten See Bananenboot fahren, an der Promenade Fisch Essen und den mit Kreuzen übersäten Pilgerhügel erklimmen. Das mit dem Bananenboot fahren lassen wir bleiben. Die leckere Trucha lassen wir uns aber natürlich nicht entgehen und auch den Hügel mit perfekter Sicht auf die Bucht besteigen wir.

Die kriminellste Fähre Südamerikas

Nach zwei Tagen in Copacabana fahren wir zum Sajama. Das Highlight auf dieser Strecke ist die kriminellste Fähre in Südamerika. Sie besteht aus ein paar zusammengenagelten Brettern und einem Aussenbord-Motor. Platz haben drei Fahrzeuge. Es schaukelt was das Zeug hält und für die ein Kilometer lange Strecke benötigt man fast zwanzig Minuten. Ein Abenteuer! Wir fragen den Kapitän, für wieviel Gewicht die Fähre ausgelegt ist und er antwortet selbstbewusst: 40 Tonnen. Unglaublich bei dieser Konstruktion. Als uns dann später eine andere Fähre mit Reisebus entgegenkommt, sind wir beruhigt. Das Ganze scheint stabiler als gedacht.

Bevor wir die Region um den Titicaca-See verlassen, verbringen wir noch eine Nacht auf einer nur sehr dünn besiedelten Peninsula. Die schwimmenden Inseln besuchen wir bewusst nicht, da uns praktisch alle Reisenden davon abgeraten haben. Der Tourismus hat diese scheinbar gänzlich zerstört. Übrig geblieben ist eine Restaurant- und eine Souvenir-Insel.

Herausforderung Tanken in Bolivien

Der Sajama Nationalpark liegt im Westen an der Grenze zu Chile. Das sind einige Kilometer und so müssen wir das erste Mal in Bolivien zur Tankstelle. Klingt simpel, ist es aber nicht. Der Kraftstoff wird in Bolivien vom Staat stark subventioniert und ist daher sehr preiswert. Das gilt jedoch nicht für Personen mit ausländischen Fahrzeugen. Wir bezahlen den dreimal so hohen Extranjero-Preis, wenn wir überhaupt etwas bekommen. Denn das System für Ausländer ist kompliziert, weswegen viele Tankstellen keine Lust haben, Ausländer zu bedienen. Damit wir nicht mit halbleerem Tank stranden, haben wir vorab online einige Tankstellen rausgesucht, die uns gegen ein grosszügiges Trinkgeld Diesel zum lokalen Preis verkaufen sollten. Doch bereits bei der ersten haben wir Pech. Ihnen ist der Kraftstoff ausgegangen. Wir sollen es einen Kilometer weiter versuchen. Aber auch dort kein Erfolg. Es hat zu viele Menschen und das Risiko dabei erwischt zu werden uns «illegal» Diesel zu verkaufen ist zu gross. Zum Glück haben wir immer noch einen halbvollen Tank. Unsere dritte und letzte Option auf dieser Strecke liegt 60 Kilometer entfernt. Wir haben Glück. Nach einer kurzen Verhandlung kriegen wir für sechs Bolivianos statt neun pro Liter eine halbe Tankfüllung. Der Preis für die Einheimischen liegt bei 3.70. Mit sechs haben wir vermutlich etwas zu viel bezahlt, für uns ist es aber trotzdem ein Erfolg. Jetzt wissen wir, wie wir verhandeln müssen und sind fürs nächste Mal gerüstet. Von anderen Reisenden haben wir im Vorfeld viele Schauergeschichten gehört. Teilweise mussten diese bis zu zwölf Tankstellen anfahren. Da sind wir mit drei glimpflich davongekommen.

Vulkane, bissiger Wind und ein Ausflug nach Chile

Nach zwei Stunden Fahrt durch das Nichts erreichen wir den Eingang des Nationalparks. Im Kontrollhäuschen sitzt niemand. Auch sonst ist weit und breit niemand zu sehen. Wir fahren rein und sind schon auf den ersten Metern begeistert. Die Strasse ist gesäumt von Vulkanen und Lagunen, die Natur fast unberührt und die Nachmittagsstimmung einmalig. Wir legen spontan einen Stopp ein und spazieren zu einem Aussichtspunkt. Die Vulkane und die raue Umgebung wirken wie aus einer anderen Welt. Wir geniessen die Stimmung und machen uns dann auf den Weg zu unserem Schlafplatz. Im Nationalpark darf man überall campen. Wir haben uns einen Platz neben einem Geysir ausgesucht, welcher auch der Startpunkt zur bevorstehenden Lagunenwanderung ist. Als wir eintreffen ist es schon kurz vor sechs und bitterkalt. In der Nacht sinken die Temperaturen auf minus 8 Grad. Trotzdem nehmen wir unsere Heizung nicht in Betrieb, denn nicht nur Tanken ist in Bolivien schwierig auch das Auffüllen von ausländischen Gasflaschen ist staatlich verboten. Das heisst für uns Gas sparen. Wir mummeln uns ein und hüpfen früh ins Bett. Am nächsten Tag steht Wandern auf dem Programm.

Als wir um acht loslaufen, schlägt uns ein bissiger Wind entgegen. Wir frieren und das obwohl wir Mütze und warme Kleidung tragen. Der Wind peitscht uns regelrecht um die Ohren. Wir befinden uns wieder einmal auf über 3000 Meter und das Klima zeigt uns dies erbarmungslos. Aufgeben ist aber keine Option. Trotz den widrigen Umständen stapfen wir bestimmt dem über 20 Kilometer langen Weg entlang. Zum Glück geht es teilweise fast senkrecht bergauf. Das wärmt innerlich. Nach etwas mehr als einer Stunde erreichen wir die auf fast 4000 Metern gelegene Lagune, welche auch die Grenze zu Chile bildet. Der Wind hat nicht nachgelassen und wir kommen nur langsam voran. Wir schiessen einige Bilder und beschliessen noch zur zweiten Lagune zu laufen, die komplett auf chilenischem Boden liegt. Belohnt werden wir mit einer magischen Aussicht auf die Lagune und weitere Vulkane. Nach mehr als drei Stunden in diesem eisigen Wind geben wir auf und treten den Rückweg an. Trotz wunderschöner Umgebung zehrt dieses Wetter an unseren Nerven und wir sind froh, als wir nach sechs Stunden wandern endlich Beat aus der Ferne sehen. Zum Glück geht es morgen zu den Thermalquellen.

Heisse Quellen und herzliche Begegnungen

Kaum aufgestanden machen wir uns auf dem schnellsten Weg auf zu den warmen Quellen. Wir suchen uns die heisseste aus und verbringen fast eine Stunde im Wasser mit bester Aussicht auf den 6542 hohen Vulkan Sajama. Besser könnte es nicht sein. Die Flüsschen und kleinen Tümpel um uns herum sind noch gefroren und wir sitzen hier im 40 Grad warmen Wasser. Einfach nur herrlich! Das Thema Duschen ist damit auch abgehakt und so machen wir uns auf den Weg zurück Richtung La Paz. Zuvor schlafen wir aber nochmals im Park auf der anderen Seite des Sajamas. Der höchste Berg Boliviens hat uns komplett in seinen Bann gezogen. Wir parkieren Beat einige Meter entfernt von der offiziellen Strasse und setzen uns an die Sonne. Als wir da so sitzen treibt ein Einheimischer seine Alpaca-Herde über die Felder. Er ist neugierig was wir hier zu suchen haben und kommt mit seinem Fahrrad bei uns vorbei. Wir erzählen ihm, dass wir aus der Schweiz sind und heute hier übernachten. Besorgt weist er uns darauf hin, dass es sehr kalt wird. Er selbst trägt Sandalen ohne Socken und eine Daunenjacke. Eine lustige Kombination. Wir unterhalten uns noch eine Weile und dann radelt er auf seinem uralten Fahrrad zurück ins Dorf. Mittlerweile hat er sich noch eine Mütze aufgesetzt und Wollhandschuhe angezogen. Die nackten Füsse scheinen ihn trotz Minusgraden nicht zu stören. Wir winken zum Abschied und verschanzen uns dann schnell in Beat und kochen etwas Warmes zum Abendessen.

La Paz – Die Canyon-Stadt

Nach drei Tagen fernab von jeglicher Zivilisation erreichen wir die Metropole La Paz. Zusammen mit dem Vorort El Alto beherbergt sie rund 2 Millionen Menschen. Gelegen inmitten eines Sandstein-Canyons. So etwas haben wir noch nie gesehen. Im Kessel wohnen die gutbetuchten Bolivianer, an den Hängen des Canyons die ärmere Bevölkerung. Eine absurde Szenerie. Wir campen auf dem Parkplatz einer Autogarage etwas ausserhalb von La Paz. Von dort aus erreichen wir die Innenstadt in einer Stunde mittels dem modernen Seilbahnnetz. Dieses wurde erst 2014 gebaut und verkürzt das Pendeln deutlich. Zudem ist die Aussicht über die Stadt unglaublich. Im Gegensatz zu Medellín ist es aber hier für die ärmere Bevölkerung zu teuer. Sie verbringen nach wie vor Stunden im Stau in den günstigeren Colectivos. Schade!

Reunion, Rindsfilet und Cholita-Wrestling

Angekommen in La Paz erkunden wir die Umgebung und bereiten uns auf die Reunion mit Nadle und Tom vor. Sie treffen zwei Tage später in La Paz ein und reisen dann gemeinsam mit uns weiter. Da darf ein gutes Essen nicht fehlen. Fleisch ist in Bolivien unglaublich günstig und so gibt es Rindsfilet vom Grill, Kartoffelgratin, eine gute Flasche Wein und ein ordentliches Lagerfeuer. Der perfekte Start. Am nächsten Tag besuchen wir den grössten Freiluftmarkt der Welt. Er befindet sich in den Strassen von El Alto und erstreckt sich über 25 Quadratkilometer. Verkauft wird alles: Autoteile, Stoffe, Lebensmittel, Haushaltswaren oder auch Kinderspielzeug. Erschlagen von der Anzahl an Ständen und Menschenmengen flüchten wir zum zweiten Programmpunkt dieses Tages: Cholita-Wrestling. Der Begriff Cholita steht für die indigenen Frauen in Bolivien. Lange wurden sie in der Gesellschaft unterdrückt und nicht ernst genommen. Eine der Initiativen, um sich mehr Gehör und Respekt zu verschaffen, ist Wrestling. Ganz nach dem Motto wir indigenen Frauen können alles, aber wirklich alles, auch tun. Wenn auch mittlerweile etwas touristisch, ist die Show super unterhaltsam und sehenswert. Die Kämpfe finden in einer ungeheizten Halle in El Alto statt. Daher lohnt es sich warme Kleidung mitzubringen. In traditioneller Kleidung stürzen sich die Frauen aufeinander und schenken sich rein gar nichts. Ein Spektakel. Nach eineinhalb Stunden machen wir uns fröstelnd auf den Weg nach Hause. Dafür müssen wir die Stadt komplett durchqueren. Nach dreimal umsteigen in der Gondelbahn und einer rasanten Fahrt mit dem Colectivo erreichen wir müde, aber zufrieden unseren Campingplatz. Das war ein gelungener Auftakt in Bolivien. Nächster Stopp: Death Road

Adiós Perú mágico

In unseren letzten Tagen zeigt Peru nochmals all seine Facetten. Wir erklimmen den bekannten Rainbow Mountain, tanken Energie im Regenwald Tambopatas, beobachten Kondore im Colca Canyon und verabschieden uns schweren Herzens von Peru in der malerischen Stadt Arequipa.

Seit einigen Jahren ist der Rainbow Mountain in den Anden Perus ein richtiges Touristenmagnet. Seine Farben verdankt der 5200 Meter hohe Berg unterschiedlichen Mineralien. Er fasziniert Besucher aus aller Welt. Um den Touristenströmen zu entkommen fahren wir erst am Nachmittag zum Ausgangspunkt der Wanderung. Vom Parkplatz aus wollen wir zum Gipfel und danach noch ins benachbarte Red Valley. Als wir eintreffen ist nur noch eine Vierergruppe unterwegs. Wir laufen los und sind beeindruckt von der wunderschönen Landschaft. Die Hügel scheinen wie eingefärbt in verschiedenen Rottönen und im Hintergrund thront der über 6300 Meter hohe, schneebedeckte Berg Ausangate.

Der Rainbow-Mountain wurde erst 2015 entdeckt. Zuvor war er stets durch einen Schneemantel bedeckt.

Die Wanderung ist kurz und dank guter Akklimatisation nicht allzu anstrengend. Statt wie befürchtet mit Touristen ist die Landschaft übersäht mit knuffigen Alpacas. Oben angekommen, bestaunen wir den akkuraten Farbverlauf des Rainbow Mountain. Mehr angetan hat es uns aber die Landschaft im Generellen. Nach einem kurzen Fussmarsch haben wir den perfekten Blick über das Red Valley. Hier könnte man gut nochmals ein paar Stunden verweilen. Mittlerweile ist es aber schon nach fünf und uns pfeift ein kalter Wind um die Ohren. Schnell zurück zu Beat. Da wir nicht auf 4700 Meter schlafen wollen, fahren wir noch ein Stück weit runter und übernachten neben einem Fluss auf 4300 Meter. In der Nacht wird es eisig kalt. Aber das sind wir uns schon gewohnt. Eingewickelt in unsere Decken aus Alpaca-Wolle überstehen wir auch die kältesten Nächte und unsere Heizung kommt nur selten zum Einsatz.

Von den Bergen ins Amazonas Gebiet

Immer wieder haben wir uns überlegt noch einen Abstecher ins Amazonas-Gebiet zu machen. Gehindert haben uns in Kolumbien oder Ecuador die lange Anreise, teure Unterkünfte, Streiks und die unsichere Lage. Kurz bevor wir Peru verlassen, holen wir das nun noch nach. Das Ziel ist Puerto Maldonado. Die Stadt liegt sehr nahe am Tambopata Reservat und ist mit Beat ohne Probleme zu erreichen. Perfekt für uns. Von dort aus können wir verschiedene Ausflüge ins Reservat unternehmen. Wir fahren in einem Tag von 4300 Meter auf 500 Meter runter. Das ist das magische an Peru. Innert einiger Stunden durchquert man gut und gerne ein dutzend Klimazonen und taucht in eine komplett andere Welt ein. Von der Mondlandschaft geht es ins immergrüne, tropische Dschungel-Gebiet. Unser Camping liegt etwas ausserhalb der Stadt. Bereits auf der Fahrt machte uns die Hitze zu schaffen, denn wir haben keine Klimaanlage und über die offenen Fenster strömt nur noch mehr warme Luft rein. In der Nacht merken wir dann definitiv, dass der Wechsel von minus sieben Grad zu 27 Grad etwas zu extrem ist für unseren Körper. Wir gönnen uns einen Tag Pause, bevor wir den Dschungel erkunden. Beat steht direkt neben einem Blumenfeld und so haben wir vom Campingstuhl aus beste Unterhaltung. Fasziniert beobachten wir die zahlreichen Schmetterlinge, die sich am Nektar der knalligen Blumen satt fressen.

Die Konsequenzen der Abholzung

Bereits vor unserem Besuch dieser Region, haben wir uns Podcasts zu den Problemen im Amazonas-Gebiet angehört. Wenn auch in Peru nicht so schlimm wie in anderen Regionen, bleiben Flora und Fauna auch hier nicht verschont. Wir machen einen Tagesausflug an den Lago Sandoval und besuchen eine Tierauffangstation. Da sich der Lago Sandoval im Reservat befindet, sind Tiere und Natur hier zum Glück gut geschützt. Berühmt ist der See für die dort lebende Riesenotter-Familie. Er beherbergt aber auch Schildkröten und ist das Zuhause vieler Vogelarten. Mit einem Motorboot fahren wir bis an den Rand des Reservats. Von dort aus geht es zu Fuss weiter durch den dicht bewachsenen Dschungel, wo Bryan endlich eine Tarantel sieht. Während sich diese in Costa Rica immer in ihren Höhlen versteckt haben, hat sich hier nun endlich eine rausgewagt. Am Ende es Holzpfads wartet erneut ein Boot auf uns. Dieses Mal ohne Motor, um die Tiere nicht zu stören. Auf dem einstündigen Ausflug auf dem See begegnen wir der Otter-Familie leider nicht. Gelohnt hat es sich trotzdem. Die Stimmung auf dem spiegelglatten See ist wunderschön und stattdessen sehen wir viele Vögel, Kaimane und Schildkröten. Am nächsten Tag steht das krasse Gegenteil an. Wir besuchen eine Tierauffangstation. Diese beherbergt Tiere, welche sich bei der Abholzung und dem Abbrennen der Wälder verletzt haben sowie auch viele Jungtiere, welche als Haustier gekauft und dann ausgesetzt wurden. Es ist schockierend, was die Menschen mit Tieren machen. Das Ziel der Station ist, diejenigen Tiere, welche keine gravierenden Verletzungen haben wieder auszuwildern. Das geht bei vielen Tierarten aber nur in Gruppen. Daher verbringen sie teilweise über ein Jahr in der Station. Andere, wie beispielsweise der Affe, welchem der Schwanz abgeschnitten wurde oder das Faultier mit den verbrannten Händen können gar nicht mehr zurück. Sie wären in der Natur nicht mehr überlebensfähig.

Kondore im Colca Canyon

Nach drei Tagen verlassen wir das Dschungelgebiet von Peru und fahren weiter Richtung Arequipa. Auf dem Weg dahin steht ein Stopp im Colca Canyon an. Mit einer Tiefe von bis zu 2000 Meter eine der tiefsten Schluchten weltweit. Zudem kann man entlang der Klippen hervorragend Kondore beobachten. Wir übernachten in der Nähe des Aussichtspunkts und machen uns am nächsten Tag zur besten Zeit auf den Weg zur Plattform. Tatsächlich gleiten die Kondore wie bestellt nur wenige Meter entfernt vorbei. Mit ihrer Spannweite von über drei Metern ein imposantes Bild.

Nach diesem Spektakel geht es auf einer abgelegenen Naturstrasse nochmals über die Anden. Gleich zwei Pässe von knapp 5000 Metern bezwingen wir, bis wir schliesslich in Arequipa ankommen. Auf dem Weg treffen wir nur wenige Menschen. Dafür umso mehr Alpacas und Vicuñas.

Arequipa – die schönste Stadt Perus

Sie soll die schönste Stadt in Peru sein. Das sagen zumindest diejenigen, die von dort kommen. Wir sind gespannt, ob wir das auch so empfinden. Glücklicherweise gibt es nur zehn Minuten vom Hauptplatz entfernt einen Camping. Das heisst, wir können alles zu Fuss erkunden. Wir flanieren in Richtung Altstadt und merken schnell, weshalb die Bewohner von Arequipa so stolz sind auf ihre Stadt. Die Häuser sind aus Vulkangestein gebaut und liebevoll in Stand gehalten. In den Innenhöfen verbergen sich gemütliche Cafés, schöne Restaurants oder angesagte Bars. Die Strassen sind belebt. Ein Mix aus Touristen und Einheimischen bevölkert die vielen schönen Plätze. Wir fühlen uns sofort wohl. Natürlich besuchen wir auch das weltberühmte Kloster Santa Catalina, welches sich wie eine kleine Stadt Mitten im Zentrum von Arequipa ausgebreitet hat. Die Anlage gleicht einem farbigen Labyrinth. Jedes Mal wenn man um die Ecke geht, erwartet einem eine neue Überraschung. Mehr als eine Stunde flanieren wir durch die vielen Räume und Gassen. So etwas haben wir noch nie gesehen. Ein weiteres Highlight und ein wunderbarer Abschluss ist für uns, dass wir auf dem Eisenwaren- und Elektro-Markt endlich eine Lichterkette finden, die mit 220 Volt betrieben werden kann. So können wir in den wärmeren Gegenden in Zukunft noch gemütlicher draussen sitzen. Nächster Stopp: Bolivien

Einblicke in antike Kulturen

Neben den unglaublichen Landschaften ist Peru auch für seine vielen kulturellen Stätten bekannt. Diese stammen aus unterschiedlichen Zeiten und geben Einblick in die Lebensweise antiker Kulturen. Wir starten mit Nazca, wandern nach Choquequirao, flanieren durch Cusco und besuchen natürlich auch den weltberühmten Machu Picchu.

Sie sind ein Mythos: die Nazca-Linien in der Wüste Perus. Die Theorien zu ihrer Entstehung sind vielseitig. Einige glauben an einen Landeplatz für Aliens, andere sehen Verbindungen zu Sternbilder. Mehr oder weniger klar ist jedoch, dass die Linien vor rund 2000 Jahren durch die Nazca-Kultur erstellt wurden. Am besten zu sehen sind sie aus der Luft, denn sie erstrecken sich über mehr als 10 Kilometer. Einige der Linien formen Tiere andere lediglich abstrakte geometrische Muster.

Ein denkwürdiger Flug

In der Stadt Nazca hat es nicht viele Übernachtungsmöglichkeiten. Deshalb übernachten wir vor Edgardos Haus. Er ist Astrologe und erklärt Touristen in einer kleinen aber feinen Sternwarte die Bedeutung der Nazca-Linien und deren Bezug zu den Sternbildern. Dabei bezieht er sich auf die Theorie der Forscherin Maria Reiche. Sie gilt als Pionierin der Nazca-Wissenschaft und hat ihr ganzes Leben damit verbracht, diese zu vermessen und zu erforschen. Natürlich machen wir auch noch einen Flug, um die Linien und Bilder von oben zu bestaunen. Zu Beginn ist die Vorfreude noch gross, doch bereits nach fünf Minuten ist mir übel. Um allen eine optimale Sicht zu ermöglichen, fliegt der Pilot quasi nur Kurven. Während ich mich an einer Plastiktüte festhalte und hoffe, dass wir bald wieder landen, schiesst Bryan einige Fotos. Aber auch er ist froh, nach 40 Minuten wieder Land unter den Füssen zu haben. Wir sind uns einig, definitiv etwas, das man gesehen haben muss. Aber einmal reicht dann auch. 🙂

Choquequirao – Der kleine Bruder des Machu Picchu

Neben dem weltberühmten Machu Picchu gibt es in Peru viele weitere Ruinen zu besichtigen. Wir entscheiden uns, nach einer kurzen Recherche, vor dem Besuch des Machu Picchu zuerst zu seinem kleinen Bruder Choquequirao zu wandern. Während den Machu Picchu pro Tag tausende Touristen besuchen, so sind es in Choque fünf bis zehn. Grund dafür ist die herausfordernde Wanderung. Die Ruinen sind nur zu Fuss zu erreichen und verlangen einem so einiges ab. Wir lassen Beat am Strassenrand des Ausgangspunktes zurück und machen uns auf den Weg auf die dreitägige Wanderung. Am ersten Tag legen wir 17 Kilometer zurück. Zuerst 1400 Höhenmeter hinab und dann auf der anderen Seite des Canyons wieder 1400 Meter hinauf. Eine lange und ermüdende Etappe. Belohnt werden wir dafür in der rustikalen Unterkunft mit einem eiskalten Bier und strahlend schönem Wetter. An nächstem Tag geht es früh morgens weiter zu den Ruinen. Nach zwei Stunden erreichen wir das Gelände. Ausser uns ist um diese Zeit niemand vor Ort. Es herrscht eine magische Stimmung. Wir streifen durch die alten Steingebäude, und geniessen die Aussicht auf die umliegenden Berge. Diese auf etwas mehr als 3000 Meter gelegene Siedlung war der letzte Zufluchtsort der Inkas während der Eroberung durch die Spanier. Freigelegt sind lediglich 20 Prozent. Es wird angenommen, dass es sich um eine Festung handelte, um die Spanier zu bekämpfen. Nach mehr als zwei Stunden auf dem Gelände machen wir uns hungrig auf den Rückweg zu unserer Unterkunft. Dort legen wir uns noch etwas hin und bereiten uns mental auf den Rückweg vor. Es erwartet uns die gleiche Strecke wie an Tag eins, jedoch mit mehr Sonne. Das wird nochmals streng. Am nächsten Tag machen wir uns früh auf den Weg und erreichen nach sieben Stunden Wanderung Beat. Zu unserer Erleichterung steht er immer noch am Strassenrand und hat keine neuen Dellen oder Schrammen.

Hübsche Gassen, gemütliche Cafés und ein neuer Kühler in Cusco

Bekannt als die schönste Stadt und Zentrum der Inkas verspricht Cusco so einiges. Wir quartieren uns am Stadtrand auf einem gemütlichen Camping ein. Von dort aus sind wir nach einem viertelstündigen Marsch durch die engen Gassen Mitten im Zentrum. Überall hat es Cafés und Bars. Die Pflastersteinstrassen sind dekoriert mit alten Schildern und Geranien. Eine pittoreske Stadt. Rund um den Hauptplatz ist es für unsern Geschmack aber etwas zu touristisch. Gefühlt alle fünf Minuten werden wir von Strassenverkäufern angequatscht. Wir flüchten wieder in eine der vielen schönen Gassen. Neben gutem Essen und Sightseeing müssen wir uns hier jedoch auch noch um Beat kümmern. Der geklebte Kühler ist doch nicht ganz dicht. Es ist Zeit einen neuen einzubauen. Bei einem Ersatzteil-Händler bestellen wir einen und lassen diesen zu einem empfohlenen Automechaniker liefern. Der Kühler passt zwar nicht ganz, aber was nicht passt wird passend gemacht. Nach drei Tagen Erholung machen wir uns auf den Weg Richtung Machu Picchu. Mit Beat können wir zum nur 10 Kilometer entfernten Hidroelectrica fahren und von dort aus nach Aguas Calientes wandern. Auf dem Weg gibt es aber noch ein paar Sehenswürdigkeiten, welche wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Maras – eine der höchstgelegenen Salinen weltweit

Um zum Machu Picchu zu gelangen, durchqueren wir das Valle Sagrado. Einen ersten Stopp legen wir in Urubamba ein. Von dort aus geht es zu Fuss zu den Salineras de Maras. Die Salzminen liegen auf 3000 Meter und umfassen mehr als 3000 terrassierte Pools. Gewonnen wird hier Sal Rosada. Vom Rundweg aus beobachten wir, wie traditionell gekleidete Peruanerinnen das Salz abschöpfen. Jeder Pool hat eine ein wenig andere Farbe und die darin schwimmenden Salzkristalle glitzern in der Sonne. Ein faszinierender Anblick. Auf dem Rückweg kaufen wir uns bei einem kleinen Tienda noch ein Kräutersalz als Erinnerung.

Kostenlose Ruinen in Ollantaytambo

Weiter geht es nach Ollantaytambo. Wenn ihr jetzt denkt Ollantay-Was? Keine Angst, auch uns ging es nicht anders. Diesen Ort kann kein Mensch aussprechen. Etwas besser merken konnten wir es uns aber nachdem wir erfahren haben, dass Ollantay ein wichtiger Inka-Herscher war und Tambo Festung heisst. Dieser kleine, im heiligen Tal gelegene Ort, war eine wichtige Festung der Inkas. Wir entscheiden uns die kostenlosen Ruinen auf der rechten Seite zu besuchen und von dort aus auf die kostenpflichtigen zu schauen. Die Umgebung rund um Cusco ist sehr touristisch und daher teuer. Zum Glück gibt es meist auch eine günstigere oder gar kostenlose Alternative. Wir sind nicht enttäuscht. Der Blick von den Ruinen auf die Stadt und die andere Seite ist beeindruckend. Da unser Schlafplatz auf einem eher schmuddeligem Carparkplatz etwas weniger beeindruckend war, fahren wir am nächsten Tag sogleich weiter nach Hidroelectrica.

Weltkulturerbe Machu Picchu

Anstatt wie die meisten Besucher mit dem Zug, gehen wir zu Fuss nach Machu Picchu. Beat bleibt einmal mehr zurück. Die Wanderung entlang den Gleisen ist schöner als gedacht. Die Vegetation ist tropisch und dicht. Begleitet werden wir von Loros und knalligen Schmetterlingen. Nach zwei Stunden Fussmarsch erreichen wir unser Hotel in Aguas Caliente. Nach einer kurzen und lärmigen Nacht nehmen wir um 06:15 den Bus zum Eingang. Wir können zusammen mit einem Dutzend weiteren Besucher als Erste aufs Gelände. Wir haben den Rundgang zwei gebucht und versuchen uns zu orientieren. Einfacher gesagt als getan. Bereits nach zehn Minuten haben wir scheinbar eine falsche Abzweigung genommen und dürfen nicht mehr zurück. Das kann doch nicht sein. Wir diskutieren mit dem Aufseher und schliesslich eskortiert er uns zurück. Die Anlage ist wunderschön und die Morgenstimmung perfekt. Etwas gemindert wird das Erlebnis aber leider durch die Überreglementierung. Man darf sich quasi nirgends hinsetzen, alles ist mit Schilder zugepflastert und bereits um 09:00 ist das Gelände übersäht mit Touristen. Nichtsdestotrotz würden wir es nicht missen wollen. Im Vergleich mit Choquequirao ist die Anlage noch etwas besser in Schuss und die Aussicht auf die umliegenden Berge ist atemberaubend. Bereits am Mittag sind wir wieder zurück in Aguas Caliente. Den restlichen Tag verbringen wir im kleinen Dorf, bevor es am nächsten Morgen zurück geht nach Hidroelectrica. Mitterweile sind bereits mehr als zwei Monate in Peru und die letzten Tage stehen bevor. Nächster Stopp: Rainbow-Mountain.

Faszinierende Wüste

Nach mehr als einer Woche in den Anden Perus machen wir uns auf den Weg in die Hauptstadt Lima. Wie immer in grossen Städten stocken wir unsere Vorräte auf und gönnen uns gutes internationales Essen. Zudem besuchen wir Bekannte von Bryan. Danach geht es weiter in die atemberaubende Wüste Perus.

In Lima gönnen wir uns ein Stückchen Heimat. Wir übernachten im Club Suizo. Dieser verfügt über ein Schwimmbad, Tennisplätze und am allerwichtigsten ein Fondue-Restaurant. Zudem liegt er ziemlich zentral. Perfekt um die Stadt zu Fuss oder mit Uber zu erkunden. Gemeinsam mit Nadle und Tom verbringen wir vier Tage auf dem Parkplatz und nutzen alle Annehmlichkeiten aus.

Lima la gris

Die Hauptstadt Perus ist nicht gerade eine Schönheit. Von den Einheimischen wird sie gar «Lima la gris» genannt. Diesen undankbaren Spitznamen hat sie erhalten, weil man eigentlich nie blauen Himmel sieht. Dieser wird stets von einem grauen Schleier bedeckt. Trotzdem sind die beiden hippen Viertel Miraflores und Barrancó einen Besuch wert. Sie überzeugen mit hübschen Bars, Streetart und leckeren Restaurants. Natürlich wollten wir aber nicht nur die In-Viertel der Stadt sehen und machten, trotz Warnung der Taxifahrer, auch noch einen Abstecher nach China-Town. Dort reihen sich unendlich viele Marktstände aneinander. In mehreren Hallen werden nur Schuhe verkauft, andere haben sich auf Elektro-Waren spezialisiert und natürlich gibt es auch zahlreiche Stände mit Früchten, Gemüse und Streetfood. Wir gönnen uns eine klassische chinesische Massage, essen Chifa (Fusion der peruanischen und chinesischen Küche) und schlendern durch die engen Gassen der Markthallen. Am nächsten Tag sind wir bei Bryans Bekannten in Lima zum Abendessen eingeladen. Es gibt Variationen von Pisco Sour sowie das National-Gericht «Aji de Gallina». Zudem erfahren wir so einiges über Land und Leute. Ein gemütlicher Abend mit authentischen Einblicken in die peruanische Kultur.

Traumhafte Lagunen

Die wohl bekannteste Lagune in der Wüste Perus ist Huacachina. Leider ist diese aber durch den ganzen Tourismus mittlerweile alles andere als bezaubernd. Daher steuern wir als erstes die weit weniger bekannte Laguna Morón an. Und wir werden nicht enttäuscht. Als wir am Abend eintreffen, begegnen wir nur einer Handvoll Einheimischer. Wir parkieren Beat und geniessen einen wunderschönen Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen erklimmen wir dann einige der umliegenden Sanddünen, erspähen Rebberge in Mitten der Wüste und erfrischen uns im kühlen Wasser der Lagune. Vor dem Mittag fahren wir weiter nach Huacachina. Das pure Gegenteil. Rund um die Lagune befinden sich Hotels und Restaurants und es wimmelt nur so von Touristen. Einen kurzen Spaziergang um die Lagune unternehmen wir aber trotzdem. Die Hauptattraktion sind hier Buggy-Touren durch die Wüste. Die farbigen Buggys wirken fast wie Spielzeugautos und geben ein schönes Fotomotiv ab. Der ganze Trubel wird uns aber schnell zu viel. Fast schon fluchtartig verlassen wir das Gewimmel.

Naturschutzgebiet Paracas

Von den stillen Lagunen geht es ans stürmische Meer. Rund 140 Kilometer Küste umfasst das Naturschutz Gebiet Paracas. Mit seinen rauen Klippen und den scheinbar ins Nichts führenden Strassen versprüht es einen ursprünglichen Charme. Wir erkunden die verschiedenen Strände und Aussichtspunkte und verbringen schliesslich noch eine Nacht auf einer Klippe direkt am Meer. Eigentlich ist es seit einigen Jahren verboten im Park zu übernachten, aber uns stört niemand. Erst am nächsten Morgen weist uns ein Ranger darauf hin, dass dies Gebiet der Fischer sei. Er lässt uns aber noch in Ruhe frühstücken bevor es weiter geht Richtung Ica.

Weingüter in Mitten der Wüste

Die Region um Ica ist bekannt für seine Weine. Dies obwohl es weit und breit nichts hat als Sand. Die hier verbreiteten Traubensorten scheinen mit der Dürre gut umgehen zu können. Wir besuchen eines der bekanntesten Weingüter. Auf der Tour durch das Weingut erfahren wir alles rund um den Herstellungsprozess und dürfen verschiedene Weine degustieren. Natürlich kaufen wir uns am Schluss auch noch einige Flaschen. Übernachten dürfen wir auf dem Weingut aus Sicherheitsgründen nicht. Zum Glück hat es gleich in der Nähe eine Tankstelle. Nicht ganz so romantisch, aber dafür sicher und praktisch.

Perdido im Cañon de los Perdidos

Unser letzter Stopp in der Wüste rund um Ica ist der Cañon de los Perdidos. Seinen Namen hat er nicht von ungefähr. Zum beeindruckenden Canyon führen zwar Wege, jedoch gibt es keinerlei Strassenschilder oder Wegweiser. Wie versuchen unser Glück am Samstagmorgen, in der Hoffnung einigen Touristenbussen oder Locals folgen zu können. Zu Beginn ist die Strasse breit und in gutem Zustand. Nach rund einer Stunde Fahrt durch die Wüste müssten wir gemäss offline Karte jedoch abzweigen. Es gibt verschiedene Spuren. Welche die Richtige ist, lässt sich allerdings nur erahnen. Es sind weit und breit keine anderen Fahrzeuge zu sehen. Wir nehmen eine Abzweigung links, wieder rechts und fahren einfach auf gut Glück der Nase nach. Keine gute Strategie. Nach etwa 45 Minuten befinden wir uns wieder am Ausgangspunkt. Wo zur Hölle ist dieser Canyon? Wieder zurück auf der Hauptstrasse, begegnen wir zwei Bauarbeitern und fragen diese nach Rat. Scheinbar sind wir zu früh abgebogen. Wir nehmen nochmals einen Anlauf und kreuzen auf dem Weg ein weiteres Auto, welches ebenfalls auf der Suche ist. Aber auch die fünf Peruaner haben keine Ahnung. Wenige Minuten später dann die Erlösung, ein Pickup biegt aus einer Seitenstrasse ab und versichert uns, dass wir diese Abzweigung nehmen müssen.

Als wir endlich ankommen, ist es schon spät am Nachmittag. Die Sonne steht tief und taucht die Landschaft in warmes Licht. Obwohl ein Teil schon im Schatten liegt, klettern wir noch bis zur letzten Ebene und erkunden den imposanten Canyon. Danach verkriechen wir uns in Beat und geniessen die Stille. Weit und breit ist nichts zu sehen. Die einzigen Lichtquellen sind der Mond und die Sterne. Eine magische Nacht und definitiv der bis jetzt abgelegenste Schlafplatz. Am nächsten Morgen machen wir uns nochmals auf in den Canyon. Jetzt mit etwas Sonne. Um ca. zehn Uhr treffen dann auch zwei Touristenbusse ein. Wir haben etwas Vorsprung und treffen zuhinterst im Canyon auf einen völlig ausgehungerten und schwer verletzen Hund. Seine Hinterbeine sind lahm. Jemand scheint ihn in der Wüste ausgesetzt zu haben. Ratlos und entsetzt stehen wir neben dem Hund und überlegen, was wir tun könnten. Als die erste Gruppe eintrifft, sprechen wir mit dem Guide und sind erleichtert, als dieser anbietet den verletzten Hund zu einer Auffangstation zu bringen. Seine Gruppe besteht aus jungen Ärzten und diese wissen sofort was zu tun ist. In einem Tuch tragen wir ihn zum Parkplatz und geben ihnen noch unser Hundefutter mit. Obwohl wir nicht wissen, ob er seine Verletzungen überleben wird, sind wir froh, dass er nicht im Canyon de los Perdidos sterben muss.

Lehmruinen und Traumberge

Nach Cajamarca zieht es uns zurück an die Küste. Dort befinden sich zwei bedeutende Ruinen, die wir besichtigen möchten. Weiter geht es über diverse Gebirgsketten, durch den beindruckenden Cañon del Pato und schliesslich in die Cordillera Blanca, wo uns traumhafte Berge und Lagunen erwarten.

Obwohl der erste Eindruck der peruanischen Küste nicht gerade umwerfend war, kehren wir nochmals ans Meer. Grund dafür sind die Ruinen Chan Chan und Hueca de la Luna. Beide wurden vor rund 700 Jahren erbaut und bestehen dank dem trockenen Klima immer noch. Wir starten mit dem stärker renovierten Chan Chan und besichtigen danach noch das ursprünglichere Hueca de Luna. Ein spannender Einblick in die Kultur der Chimú und der Moche.

1000 Kurven durch die Berge Perus

Von der sandigen Küste geht es in eine komplett andere Klimazone: in die Anden. Das Ziel ist die 180km lange Cordillera Blanca. Um dort hin zu gelangen müssen wir aber zuerst einige mächtige Gebirgsketten durchqueren. Von einem Reisenden in Ecuador wurde uns die Bergstrasse 3S empfohlen. Diese bietet unglaubliche Aussichten in den Cañon del Pato und spannende Fahretappen. Zwei Tage benötigen wir für die gesamte Strecke. Wir bezwingen tausende Höhenmeter und fordern Beat mächtig heraus. Der grösste Teil der Strecke ist Naturstrasse und liegt auf über 3000 Meter.

Zu Beginn geht alles gut, aber im Bergdorf Pallasca unterläuft mir ein Fehler. Wie so oft gestaltet es sich schwierig, den richtigen Weg durch das Dorf zu finden. Viele Strassen sind durch Bauschutt oder Marktstände blockiert. Der einzige Weg scheint gemäss Google eine super steile Strasse zu sein. Aus Angst, dass Beat die nötige Kraft fehlt, versuche ich es mit Anlauf. Keine gute Idee. Wir schlagen mit der Schnauze heftig auf und die ganze Kühlflüssigkeit läuft aus. Die rote Kühlflüssigkeit sieht ein bisschen aus wie Blut. Ein Buschauffeur eilt herbei, schlägt die Hände vor dem Kopf zusammen und meint: «Diese Strasse ist doch nur für Motorräder! Der Übergang ist viel zu steil, das schafft kein normales Fahrzeug.» Aber diese Information kommt zu spät. Nach einer kurzen Inspektion ist klar, unser Kühler ist kaputt. Jegliche Flüssigkeit die wir in den Kühlwasserbehälter einfüllen, läuft unten rechts sogleich wieder aus.

Wenn wir etwas gelernt haben auf dieser Reise, dann das es für jedes Problem immer eine Lösung gibt. Mit etwas Kreativität und ganz viel Hilfsbereitschaft wird alles repariert!

So können wir keine 100 Meter weit fahren. Wir befinden uns über 200 Kilometer von der nächsten grossen Stadt entfernt auf 3100 Meter. Einen Automechaniker gibt es hier nicht. Ratlos stehen wir vor Beat. Ich rege mich über mich selbst auf. Wäre ich nur langsamer gefahren, hätten wir einen anderen Weg gewählt, warum habe ich das nicht kommen sehen? Aber Bryan ist sich sicher, es gibt eine Lösung. Nach wenigen Minuten informieren uns die schaulustigen Bewohner, dass es jemanden im Dorf gibt, der sich gut mit Autos auskennt. Eine Stunde später ist er vor Ort und baut mit einem weiteren Bewohnern den Kühler aus. Schnell sehen wir den Riss. Kein Problem, meint er. Das können wir mit einem Zweikomponenten-Kleber vorübergehend reparieren. Gesagt, getan. In der Ferreteria um die Ecke kaufen wir den Kleber. Mittlerweile ist es aber schon dunkel und kalt. Daher wird Beat erst am nächsten Morgen zusammengebaut. Wir schlafen mit freigelegtem Motor direkt am Dorfplatz. Zu unserem Erstaunen taucht Carlos am nächsten Morgen tatsächlich wie vereinbart um Punkt 7 Uhr auf. In Windeseile baut er den geklebten Kühler ein. Wir füllen Wasser in den Kühlwassertank und machen uns auf den Weg. Uns stehen weitere 200 Kilometer Naturstrasse, ein paar Flussdurchquerungen und der Cañon del Pato bevor. Mal sehen, ob das der geklebte Kühler überlebt.

Atemberaubende Natur entlang der Cordillera Blanca

Der geklebte Kühler tut seinen Dienst uns so erreichen wir ohne weitere Zwischenfälle den Camping in Caraz. Es ist ein luxuriöser Übernachtungsplatz mit Aussichtsturm und Pizzaofen. Perfekt für eine weitere Reunion mit Nadle und Tom. Es gibt Pisco Sour und hausgemachte Pizza. Die perfekte Vorbereitung für das anstehende dreitägige Santa Cruz Trekking. Zelt, Schlafsack, Isomatten und Kocher haben wir gemietet und das Essen für die nächsten drei Tage vorbereitet. Beat bleibt auf dem Camping zurück und darf sich ein bisschen erholen. 49 Kilometer lang ist der Santa Cruz Trek. Herausfordernd ist jedoch nicht die Distanz. Es sind die Höhenmeter, die einem zu schaffen machen. Mit dem Collectivo fahren wir rund fünf Stunden bis zum Ausgangspunkt. Die Strasse ist kriminell. Wir kommen nur langsam voran. Zum Glück müssen wir für einmal nicht selbst fahren. Um 14:30 sind wir am Ausgangspunkt. Wir wandern drei Stunden bis zum auf 3800 Meter hoch gelegenen Schlafplatz. Als wir eintreffen, ist es schon fast dunkel. Hastig stellen wir das Zelt auf, kochen Spaghetti Pesto und verkriechen uns ins Zelt. In der Nacht fällt die Temperatur auf unter Null Grad. Zum Glück ist unsere gemietete Ausrüstung gut.

Dünne Luft und schwere Rucksäcke

Der zweite Tag hat es in sich. Es geht hoch bis auf 4750 Meter. Als wir aus dem Zelt kriechen, sind bis auf ein chilenisches Paar alle schon weg. Als wir uns mit dem Chilenen unterhalten, erfahren wir, dass wir scheinbar schon viel zu spät dran sind. Es gehe alleine bis zum Gipfel fünf Stunden. Nicht für uns Schweizer, denken wir. Um halb zehn laufen wir los. Es beginnt human. In der ersten Stunde legen wir einige Kilometer zurück. Aber dann wir es immer steiler. Die Rucksäcke drücken und die Luft wird dünner. Auf über 4500 Meter ist jeder Schritt ein Kampf. Nichtsdestotrotz überholen wir diejenigen, die schon um sieben Uhr losgelaufen sind. Nach drei sehr anstrengenden Stunden treffen wir auf dem Gipfel ein. Der Ausblick auf die Lagune und die scheinbar bis in den Himmel ragenden Schneeberge sind atemberaubend. Die Qualen des Aufstiegs sind sofort vergessen. Nach einer kurzen Pause nehmen wir den Abstieg in Angriff. Wir übernachten ein weiteres Mal auf 4200 Meter und legen am letzten Tag nochmals rund 20 Kilometer zurück bis zum Endpunkt der Wanderung.

Laguna 69 – Touristisch aber wunderschön

Nach dem dreitägigen Trekking gönnen wir uns einen Tag Erholung. Danach fahren wir mit Beat in die Nähe der Laguna 69. Auch diese ist nur zu Fuss erreichbar. Im Gegensatz zum Santa Cruz Trek aber in einem Tag. Das heisst für uns, keine schweren Rucksäcke. Wir übernachten auf dem Parkplatz vor dem Wanderweg und laufen um 07:00 los. Ohne schweres Gepäck ist die Wanderung trotz Höhe im Vergleich ein Klacks. Wir erreichen die wunderschöne Lagune als Erste und haben diese fast eine Stunde für uns alleine. Danach treffen nach und nach Touristen ein. Wir entscheiden uns einen anderen Rückweg zu nehmen. Dieser führt noch weiter hoch bis auf 5000 Meter und vorbei an einer weiteren Lagune. Weit und breit ist niemand zu sehen. Erst beim Abstieg begegnen wir einigen Einheimischen, die zu einem Nahe gelegenen Refugio wandern. Begleitet werden sie von schwer bepackten Eseln und hübsch geschmückten Lamas. Ein tolles Bild. Nach einem kurzen Austausch geht es zurück zu Beat. Wir verbringen unsere letzte Nacht in der faszinierenden Cordillera Blanca. Nächster Stopp: Lima.

Der Norden Perus

Unsere ersten Tage verbringen wir im Norden Perus. Die Landschaft ist geprägt von unglaublich viel Sand und leider auch Abfall. Trotzdem beeindruckt uns die Weite und mit jedem Meter Richtung Selva wird die Landschaft schöner und der Abfall weniger.

Von Cuenca aus geht es auf direktem Weg an die Grenze Perus. Mit im Gepäck haben wir auch noch die junge Spanierin Barbara. Wegen der Streiks in Ecuador und angekündigten Streiks in Peru fahren keine Fernbusse über die Grenze, daher nehmen wir sie mit. Die Fahrt dauert rund fünf Stunden. Dabei passieren wir erneut die Überbleibsel der Strassenblockaden. Auch in Peru ist der Grenzübertritt wieder einfach und unkompliziert. In Südamerika scheint die Ein- und Ausreise kein Problem mehr zu sein. Zu unserem Erstaunen sind die Prozesse im Gegensatz zu Mittelamerika hier digitalisiert und die Beamten freundlich und effizient. Nach der Grenzüberquerung passieren wir Tumbes. Der Verkehr in der Stadt erinnert uns eher an Indien. Es hat hunderte TukTuks und Verkehrsregeln scheinen nicht zu existieren. Wir laden Barbara beim Busbahnhof ab und machen uns auf den Weg zu unserem ersten Stellplatz: die Hospedaje Costa Blanca.

Strand, Berge und Dschungel

Peru ist unterteilt in Costa, Sierra und Selva. Gleich in den ersten Tagen besuchen wir alle drei Regionen. Wir starten an der Costa (Küste) und fahren dann via Sierra (Bergregion) in die Selva (Dschungel). Die Küstenregion hat es uns nicht wirklich angetan. Wenn auch die Sanddünen und die unendliche Weite etwas Faszinierendes haben. Und das Bier am Strand schmeckt auch nicht schlecht. Auf der zweitägigen Fahrt von der Costa in die Selva übernachten wir mangels Alternativen einmal auf einer Polizeistation und einmal an einer Tankstelle. Beide Schlafplätze versprühen einen eher rustikalen Charme. Insbesondere die Sanitäranlagen erinnern ein bisschen an einen Horrorfilm. Doppeltoiletten ohne Trennwände und Türen sowie eine völlig vermoderte Dusche. Da wir dringend eine Dusche benötigen überwinden wir uns. Aufgewertet wird der Übernachtungsplatz durch den Dorfpolizisten Juan Carlos. Er freut sich unglaublich über unseren Besuch und erzählt uns alles über Peru.

Ein beeindruckender Wasserfall in Gocta

Nach zwei Tagen Fahrt treffen wir in der Selva ein. Genauer gesagt in Gocta. Dort befindet sich einer der höchsten Wasserfälle weltweit. 771 Meter weit prasselt das Wasser eine Felswand hinunter. Die Wanderung zum Wasserfall führt durch den Dschungel, vorbei an Schmetterlingen sowie zahlreichen Moos- und Orchideenarten. Eine willkommene Abwechslung zur trockenen und sandigen Landschaft an der Küste. Nach rund einer Stunden stehen wir am Fusse des Wasserfalls. Da wir uns in der Trockenzeit befinden, führt er nicht so viel Wasser. Nichtsdestotrotz ist sein Anblick imposant. Wir lassen uns vom Sprühnebel berieseln und tanken Energie für die nächsten Tage.

Die Ruinen von Kuelap – eine grosse Enttäuschung

Weiter geht es zu den Ruinen von Kuelap. Der Hauptgrund, weshalb wir diesen Abstecher in die Selva machen wollten. Sie gelten als genauso schön wie Machu Picchu. Aufgrund ihrer isolierten Lage werden sie aber weit weniger besucht. Noch vor einigen Wochen war die Anlage aufgrund eines Erdrutsches geschlossen. Nun soll sie aber zu grossen Teilen wieder offen sein. Wir treffen am Abend ein und schlafen neben einem Aussichtspunkt. Am nächsten Morgen geht es gleich um neun Uhr zur Talstation der Gondel. Die Fahrt mit der Gondel ist nicht ganz günstig, aber der einzige Weg, um zu den Ruinen zu gelangen. Oben angekommen erhalten wir eine Karte und werden informiert, dass wir aufgrund des Erdrutsches um die Anlage herum wandern müssen bis zum hinteren Eingang. Kein Problem. Auf dem Weg bieten sich uns mehrfach Einheimische als Guide an. Wir lehnen dankend ab. Schliesslich blockiert ein kleiner Hund vor einem Verkaufsstand den Weg. Wie immer halte ich ihm meine Hand hin, um ihn schnüffeln zu lassen. Aus unerklärlichen Gründen tut er dies aber nicht, sondern beisst völlig überraschend zu.

Nach neun Monaten ist es soweit. Der erste Hundebiss. Fast hätte sich die Tollwutimpfung gelohnt. Zum Glück blutet es aber nicht und wir können auf einen Arztbesuch verzichten.

Auf meiner Hand zeichnen sich Bissmarken ab, zum Glück blutet es aber nicht. Die Besitzer des Standes und Herrchen des Hundes lassen sich nichts anmerken. Ihnen scheint es egal zu sein. Nach diesem Schockmoment wandern wir weiter, bis wir zum Eingang kommen. Dort erwartet uns ein bewaffneter Security. Als uns dieser eröffnet, dass wir die Ruinen nur von aussen anschauen können, platzt uns der Kragen. Mehr als 500 Kilometer weit sind wir gefahren, um die Ruinen anzuschauen. Und nun stellt sich heraus, dass die gesamte Anlage geschlossen ist. Auf dem Rückweg beschweren wir uns am Eingang. Die Dame erklärt uns schliesslich, dass sie die Anlage auf Druck der Gondelbahn, welche viele Angestellte beschäftigt, pro forma öffnen mussten. Dies obwohl man ausser den Toiletten und einem Replika nichts besichtigen kann. Was für ein Frust!

Zum Glück hat es auf dem Weg weitere Attraktionen. So hält die Enttäuschung nicht lange an. Bereits am nächsten Tag besuchen wir die Sarkophage von Karija und finden einen idyllischen Schlafplatz. Von dort aus geht es durch die scheinbar unendlichen Berglandschaften zurück in die Sierra. Die Landschaft ist surreal. Hunderte Kurven führen vorbei an rostroten zerklüfteten Bergrücken bis wir schliesslich Cajamarca erreichen.

Cajamarca – Ein ungeschliffener Diamant

Bekannt ist Cajamarca für seine traditionellen Märkte, seine schönen Kathedralen und die umliegenden Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel Cumbemayo. Die Stadt ist nicht sehr touristisch und gibt einen guten Einblick in das «echte» Peru. Wir verbringen eine Nacht auf einem zentral gelegenen Parkplatz. So haben wir die Möglichkeit, die Stadt zu Fuss zu erkunden. Zuerst geht es auf den farbigen Markt. Es herrscht reges Treiben. Rund um uns herum wuseln traditionell gekleidete Peruaner und Peruanerinnen herum. Ihr Markenzeichen ist der weisse Sombrero, wie in auch Präsident Castillo trägt. Nach einigen Stunden siegen Durst und Hunger und wir machen uns auf den Weg zu einem traditionellen Restaurant. Obwohl wir bereits seit über einer Woche in Peru sind, konnten wir noch keinen landestypischen Pisco Sour geniessen. Denn in der Selva wird eigentlich nur Bier und Rum getrunken. Das wird jetzt nachgeholt. Das Nationalgetränk Perus enthält folgende Zutaten: Pisco, Eiweiss, Amarga, Zuckersirup und Limettensaft. Und es schmeckt phänomenal. Mehr als zwei davon sollte man aber nicht trinken, ansonsten hat man einen ordentlichen Schwipps.

Zum Abschluss dieser Etappe fahren wir noch nach Cumbemayo. Der in der Nähe von Cajamarca gelegene Steinwald ist bekannt für seine faszinierenden Steinformationen, antiken Aquädukte und Tunnels. Wir übernachten direkt vor dem Eingang und haben dadurch das Privileg die ganze Anlage komplett alleine zu entdecken. Die ersten Touristenbusse treffen erst nach zehn Uhr Morgens ein. Fast hätten wir uns hier auch noch einen Hund zugelegt. Zapata heisst die herzige Hündin, die den Abend mit uns verbringt und uns am nächsten Tag prompt zum Verkauf angeboten wird. Aber die Vernunft siegt und wir lassen sie schweren Herzens zurück.

Faszinierende Tierwelt auf Galapagos

Als Abschluss in Ecuador besuchen wir die weltberühmten Galapagos Inseln. Um dort hinzugelangen fahren wir zuerst nach Guayaquil, wo wir Beat schweren Herzens auf einem Hotelparkplatz zurücklassen. Mit dem Flieger geht es dann auf die Hauptinsel und von dort aus mit dem Boot von Insel zu Insel. Der letzte Stopp in Ecuador ist die charmante Stadt Cuenca, bevor es weiter geht nach Peru.

Als wir von unserer Wanderung nach Sigchos zurückkehren werden wir vom Inhaber des Campings und der Reiseagentur für Galapagos informiert, dass es landesweit Strassenblockaden gibt. Wir sollen schnellstmöglich nach Guayaquil fahren. Eine Strecke ist schon blockiert. Es gibt nur noch den Weg durch die Berge. Wir rasen los. Die Strasse ist wie leergefegt. Nach einer Stunde überholt uns ein Lastwagen und wir treffen auf Locals, die eine Blockade aufbauen. Gemeinsam mit dem Fahrer des Lastwagen verhandeln wir und dürfen passieren. Unser Ziel ist es, bis zur Küste zu fahren. Dort sollten die Strassen frei sein. Nach sieben Stunden Fahrt wird es langsam dunkel. Der nächste sichere Übernachtungsplatz liegt aber noch weit entfernt. Wir brechen unsere «Nicht-in-der-Nacht-fahren-Regel» und kommen in der Dunkelheit an. Nach einer ruhigen Nacht geht es auf dem schnellsten Weg weiter nach Guayaquil. Im Hotel lesen wir die News und stellen fest, dass wir riesiges Glück hatten. Aufgrund der Proteste ist praktisch das ganze Land lahmgelegt. Zum Glück fliegen wir nach Galapagos.

Ein tierischer Empfang

Vom Flughafen aus geht es mit dem Bus, der Fähre und noch einem Bus zu unserem Hotel. Bereits auf den ersten Metern zeigt sich, dass in Galapagos alles etwas anders ist. Auf dem Trottoir sonnen sich Echsen, Robben liegen gemütlich auf Bänken am Pier und Pelikane versuchen sich beim Fischmarkt etwas zu ergattern. Ein surreales Bild. Wir treffen uns mit Nadle, Tom und Tom’s Vater auf ein Bier und machen uns ready für den sieben tägigen Cruise. Für einmal müssen wir nichts selbst machen. Das Programm steht und die Verpflegung ist inklusive. Luxus!

Jede Insel auf Galapagos ist einzigartig. Sowohl in Bezug auf die Tierwelt, wie auch wegen der nirgends sonst vorkommenden Pflanzen. Die meisten Tiere haben keine Feinde und sind daher überhaupt nicht scheu. Sie haben sich über die Jahre perfekt an die auf ihrer Insel herrschenden Bedingungen angepasst. Nachdem wir unsere Kabine bezogen haben starten wir auf der Insel North Seymour. Vom Boot aus geht es jeweils auf einem kleinen Rettungsboot zur Insel. Auf der kurzen Wanderung sehen wir bereits die ersten Seelöwen, Blaufuss-Tölpel, knallrote Krabben und Meerechsen. Aber nicht nur die Tiere sind beeindruckend, sondern auch die Vegetation. Die vulkanische Insel ist übersäht von knallroten Sukkulenten. Diese bieten einen wunderbaren Kontrast im Vergleich zur schwarzen Erde und den Lavatunnels. Ein fulminanter Start.

Und so geht es in den nächsten sechs Tagen weiter. Jeden Tag besuchen wir eine neue Insel. Der Transfer findet meist in der Nacht statt. Zum Glück haben wir uns mit Medikamenten gegen Übelkeit eingedeckt, denn es schaukelt erheblich. In einer Nacht haben wir fast das Gefühl, aus dem Bett zu fallen. Nicht nur die Inseln sind beeindruckend sondern auch die Unterwasserwelt. Diese entdecken wir beim Schnorcheln. Das Wasser ist eisig kalt. Während wir schlotternd der Küste entlang schwimmen, tanzen die Seelöwen um uns herum. Ein Spektakel!

Auf dem sieben tägigen Cruise besuchen wir die Inseln North Seymour, Bartolome, Genovesa, Rabida, Santa Cruz, Santa Fe und Baltra. Am meisten beeindruckt haben uns die scheinbar aus einer anderen Welt stammenden Echsen, die neugierigen und flinken Seehunde und die farbenprächtigen Tölpel.

Echsen und Meeresechsen

Zu hunderten liegen sie am Strand oder auf den warmen Steinen, um sich in der Sonne aufzuwärmen. Je nach Insel sind sie unterschiedlich gross und farbig. Eins haben aber alle gemeinsam. Sie sehen ein wenig aus wie Dinosaurier.

Die Könige der Meere

Die Seelöwen und Seebären sind an den Stränden, im Wasser und auf den Felsen zu finden. An Land wirken sie ziemlich ungeschickt. Im Meer sind sie aber flinker als viele andere Tiere und alles andere als scheu. Das erleben wir live beim Schnorcheln. Immer wieder schwimmen sie direkt auf uns zu und drehen erst im letzten Moment ab.

Elegante Blau- und Rotfusstölpel

Ihr Markenzeichen sind die blauen oder roten Füsse. Einzigartig sind bei den Rotfusstölpel aber nicht nur die Füsse sondern auch ihr blau pink gefärbeter Schnabel. Sie sind auf verschiedenen Inseln heimisch und immer wieder schön zu beobachten.

Neben unserer top drei hat es aber natürlich noch viele weitere einzigartige Tiere auf Galapagos. So haben uns beispielsweise bei der Überfahrt zu einer Insel rund zehn Wale begleitet. Und auch bei den Vögeln gibt es viel mehr als nur die Tölpel. Alle aufzuzählen wäre aber etwas übertrieben. Daher lassen wir lieber Bilder sprechen.

Nach zehn erlebnisreichen Tagen geht es für uns zurück aufs Festland. Unsere Tage in Ecuador sind schon fast gezählt. Nur ein Stopp steht uns noch bevor.

Cuenca – die schönste Stadt Ecuadors

Ecuador ist nicht gerade bekannt für seine schönen Städte. Ehrlich gesagt hatten wir bis zu unserem Besuch in Cuenca das Gefühl, dass es vielleicht keine wirklich schöne Stadt gibt. Aber zum Schluss wurden wir doch noch positiv überrascht. Als wir von Galapagos zurückkommen, sind die landesweiten Streiks vorbei. Wir fahren von Guayaquil aus los Richtung Cuenca und sehen noch einige Überbleibsel des Streiks. Mindesten 20 Erd- und Steinbarrikaden wurden von Baggern weggeräumt und die Strassenränder sind gesäumt von verbrannte Reifen. Noch vor einigen Tagen wäre diese Fahrt unmöglich gewesen. Jetzt teilen wir uns die Strasse mit vielen Lastwagen, die dringend benötigte Lebensmittel und Güter nach Cuenca bringen. Gemüse und Früchte waren dort aufgrund des Streiks in den letzten Wochen Mangelware und auch Kraftstoff gab es keinen. Wir geniessen drei Tage in der malerischen Stadt. Unter anderem Besuchen wir die Panama-Hut Fabrik. Den der Panama Hut stammt eigentlich aus Ecuador, genauer gesagt aus Cuenca. Im Rundgang durch das Museum sehen wir Schritt für Schritt wie dieser hergestellt wird. Unglaublich, wie aufwändig die Herstellung eines Hutes ist.

Wie immer zieht es uns natürlich auf den Markt, so auch in Cuenca. Und wir lassen es uns in einem der vielen leckeren Restaurants in der Stadt gut gehen. Zudem machen wir etwas Sightseeing. Die Hauptattraktion von Cuenca ist die am Hauptplatz liegende Kathedrale mit ihren blauen Kuppeln. Einen perfekten Blick auf die Kathedrale hat man vom benachbarten Innenhof und von einem der Türme. Nach drei gemütlichen Tagen machen wir uns auf den Weg an die Grenze. Nächstes Land: Peru

Abenteuerliche Fahrten entlang der Vulkanstrasse

Ecuador ist durchzogen von Vulkanen. In unserer zweiten Woche in diesem wunderbaren Land entdecken wir gleich drei davon. Wir beginnen mit dem beeindruckenden Cotopaxi, machen eine kurze Pause in Baños, umkreisen den Chimborazo und wandern schliesslich noch zum Quilotoa Krater.

Auf dem Weg von Mindo an den Fusse des Cotopaxi merken wir mit jedem Höhenmeter den wir gewinnen, wie sich die Vegetation verändert. Anstatt von Dschungel sind wir schon bald umgeben von Wiesen und Nadelbäumen. Zur Akklimatisation übernachten wir vor der Fahrt zum Refugio des Cotopaxis bei einer Hacienda auf 3100 Meter. Am nächsten Tag geht es los. Wir haben uns vorgenommen mit Beat bis zum Refugio auf 4600 Meter über Meer zu fahren. Mal schauen ob uns das gelingt. Der Eintritt in den Nationalpark ist gratis, wir müssen uns jedoch wie immer mit Passnummer und vollständigem Namen einschreiben. Die Ranger beim Eingang sind gut gelaunt und wünschen uns Glück. Der erste Teil der Strasse ist geteert, danach folgt eine Naturstrasse in einem einigermassen guten Zustand. In der Ferne erspähen wir die ersten Gipfel. Der Cotopaxi jedoch ist noch dick im Nebel eingepackt. Wir durchqueren die auf 3500 Meter liegende Hochebene. Viel Vegetation hat es nicht mehr. Trotzdem schmücken einige Blumen die sonst kargen Böden. Und immer wieder überqueren kleine Andenfüchse die Strasse.

Nach rund 20 Minuten Fahrt beginnt der eigentliche Anstieg. Der Nebel wird dichter und die Strasse schlechter. Joe (der Camper von Nadle & Tom) fährt voraus. Mit Heckantrieb, doppelt so viele PS wie wir und circa 30 Zentimeter mehr Bodenfreiheit sind sie klar im Vorteil. Zu Beginn klappt alles gut und Beat hat auch in dieser Höhe erstaunlich viel Kraft. Wir werden übermütig und machen einen Fotostopp. Als wir weiterfahren möchten schaffen wir es jeweils nur einen Meter. Danach säuft uns der Motor wieder ab. Mittlerweile befinden wir uns auf 3900 Meter. Da hilft nur eins, zurückrollen und mit Anlauf weiter. Das klappt zum Glück und so bezwingen wir weitere fünf Kurven. Mittlerweile fühlt es sich ein wenig an, als wären wir auf einer Motocross-Strecke. Die Bodenwellen sind tief und der Untergrund teilweise sandig. Da unser Motor nicht so viel Kraft hat, können wir es uns nicht leisten, langsam zu fahren. Das hat zur Folge, dass im Wohnzimmer so ziemlich alles rumfliegt. Bei 4500 Meter müssen wir Forfait geben. Zu gross ist das Risiko, dass wir uns bei dieser unebenen Strasse den Unterboden aufschlagen. Nichtsdestotrotz: Das ist ein neuer Höhenrekord für Beat und uns.

Wenige Minuten später tauchen Nadle und Tom zu Fuss auf und teilen uns mit, dass es beim Parkplatz auf 4600 Metern nicht wirklich anders aussieht. Leider hat sich der Nebel nicht aufgelöst und so beschliessen wir, die Wanderung zur Gletscherkante nicht zu unternehmen. Langsam rollen wir wieder herunter und bewundern bei unserem Schlafplatz hinter einem kleinen Restaurant den Sonnenuntergang. Wir befinden uns immer noch auf 3850 Metern und es ist bitterkalt. Trotzdem möchten wir uns diese Abendstimmung samt Regenbogen nicht entgehen lassen. Wir können uns ja danach wieder aufwärmen. Daraus wird aber leider nichts. Genau in diesem Moment ist uns das Gas ausgegangen. Das heisst keine Heizung und auch kein warmes Essen. Zum Glück helfen uns mit Zweitem Nadle und Tom aus. Nach einer kalten und sauerstoffarmen Nacht werden wir am nächsten Morgen mit einem freien Blick auf den Cotopaxi belohnt. Dafür haben sich alle Strapazen gelohnt.

Verschnaufpause in Baños

Ein hübsches kleines Dorf umgeben von Thermalbädern. Das war unsere Vorstellung von Baños. Bei Ankunft werden wir aber eines Besseren belehrt. Irgendwie können wir diesem beliebten Touristenziel nicht viel abgewinnen. Das Dorf ist im Vergleich mit den malerischen Dörfern im Kolumbien nicht atemberaubend und auch die betonierten Thermalbäder überzeugen uns nicht. Wir schlafen im Garten eines Hostels mit merkwürdigen Gästen und einer etwas verwahrlosten Infrastruktur. Nach einer kurzen Wanderung machen wir uns daher ziemlich schnell auf Richtung Chimborazo. Mit 6263 Meter ist er der höchste Berg in Ecuador. Aber das ist noch nicht alles. Wegen seiner Nähe zum Äquator ist sein Gipfel der am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernte Ort auf der Erdoberfläche.

Vicuñas, Nebel und eine beeindruckende Strasse

Um den Chimborazo herum führen mehrere Strassen. Wir entscheiden uns für die am nächsten beim Gipfel liegende. Dort seien die Chancen, dass er sich zeigt am besten. Denn es ist ziemlich schwierig ihn tatsächlich zu sehen. Die meiste Zeit wird er verdeckt von Wolken oder Nebel. Das ist leider auch bei uns der Fall. Dafür sehen wir mehrere Vicuña-Herden. Im Gegenteil zu Lamas oder Alpacas kann man diese nicht domestizieren. Sie leben wild in den Hochanden ab einer Höhe von 3200 Metern. Wir treffen sie kurz vor der Passhöhe auf 4000 Metern an. Die Kälte scheint ihnen gar nichts auszumachen und trotz mangelnder Vegetation knabbern alle an irgendetwas rum.

Nach einem kurzen Stopp fahren wir weiter zu unserem Übernachtungsplatz. Doch der Weg dahin gestaltet sich alles andere als einfach. Aufgrund eines Erdrutsches müssen wir eine Umfahrung nehmen. Es ist eine kleine Naturstrasse. Sie führt hoch und runter durch eine dünn besiedelte Gegend. Joe fährt voraus und wir versuchen mit Beat dranzubleiben. Bei einem schlammigen Hügel schaffen wir es allerdings nicht mehr hoch. Die in der Nähe wohnende Familie rät uns zudem schnellstens zu verschwinden. Das sei Narco-Gebiet. Wir rollen zurück und suchen einen anderen Weg. Wenige Minuten später erfahren wir dann von Tom und Nadle, dass sie sogar mit einer Machete eingeschüchtert wurden.

Gerne hätten wir die Erdrutsche in Kolumbien zurückgelassen. Aber auch in Ecuador hat es in den letzten Monaten massiv geregnet und viele Strasse sind verschüttet. Eine Herausforderung für uns und Beat.

Verzweifelt suchen wir nach einer anderen Strasse und treffen erneut auf einen Erdrutsch. Schliesslich eskortiert uns ein Local, sodass wir es in die Nähe des Campings schaffen. Mittlerweile ist es Dunkel und wie könnte es anders sein: Es regnet in Strömen! Die Zufahrtsstrasse zum Camping sieht nicht gut aus. Eine weitere steile Naturstrasse. Mangels Alternativen versuchen wir es trotzdem. Kein gute Idee. Beim Abbiegen rutscht Joe mit einem Reifen von der Strasse. Es geht nicht mehr vorwärts und nicht mehr zurück. Wir müssen ihn rausziehen. Gar nicht so einfach, denn möglich ist dies nur rückwärts den Hang hinauf. Nach dieser anstrengenden Irrfahrt liegen die Nerven bereits blank. Trotzdem gibt es nach einer kurzen Besprechung einen Plan. Wir montieren unser Abschleppseil und legen los. Langsam aber stetig ziehen wir Joe wieder auf die Strasse. Die Kupplung stinkt und unsere Reifen drehen durch. Aber es gelingt. Nach drei Anläufen sind alle Reifen wieder auf der Strasse. Nun taucht auch der Besitzer des Campings auf. Da wollen wir aber mittlerweile nicht mehr hin. Denn es regnet weiterhin in Strömen und wir vermuten, dass wir es am nächsten Morgen nicht mehr hoch schaffen. Er bringt uns auf eine flache Baubrache, wo wir schliesslich die Nacht verbringen. Wir sind einfach nur froh, einen sicheren und gut zugänglichen Platz gefunden haben.

Zu Fuss zum wunderbaren Quilotoa-Kratersee

Nadle und Tom machen sich nach diesem Schreck auf den Weg nach Galapagos. Für uns steht der Quilotoa-Loop auf dem Programm. Dieser führt durch wunderbare Täler bis hin zum auf 3800 Meter liegenden Kratersee. Auf dem Weg hat es verschiedene Hostels. Daher wandern wir nur mit einem Tagesrucksack. Beat dürfen wir kostenlos beim Hostel am Ausgangspunkt stehenlassen. Ein super Deal. Die ersten zwei Etappen sind nicht allzu anstrengend. Wir treffen jeweils schon am frühen Nachmittag am Ziel ein und lassen es uns gut gehen. Die Unterkünfte sind liebevoll eingerichtet und sehr gemütlich. Eine hat sogar einen Kamin. Der Schlussspurt hat es dann aber in sich. Es geht runter in den Canyon und dann nochmals rund 1000 Meter hoch bis zum Kratersee. Oben werden wir mit einer atemberaubenden Aussicht und einem warmen über dem Feuer zubereiteten Kaffee belohnt. Wir geniessen den Ausblick und machen uns dann mit einem Taxi auf den Rückweg nach Sigchos wo uns Beat bereits erwartet.

Ein warmherziger Empfang in Ecuador

Grenzübertritte sind meist streng und nervenaufreibend. Nicht so in Ecuador. Innerhalb von 30 Minuten ist alles erledigt. Kopien benötigen wir keine. Die Prozesse sind digitalisiert und das Personal freundlich. Verdutzt stehen wir am Schalter. Als uns der Grenzbeamte dann auch noch eröffnet, dass die Einfuhr des Fahrzeugs kostenlos ist, halten wir schon fast nach einer versteckten Kamera Ausschau. Das nennen wir mal einen herzlichen Empfang. Die ersten Tage verbringen wir im Norden von Ecuador. Es geht von Ibarra nach Otavalo und dann via Mindo in die Hauptstadt Quito.

Deutsche Freundlichkeit und ecuadorianische Traditionen

Nach der Grenze geht es auf einer surrealen Strasse zu unserem ersten Übernachtungsplatz. Wir befinden uns wieder einmal auf dem Panamerican Highway. Links und rechts ragen Berge hunderte Meter in die Höhe. Die Strasse wurde regelrecht ausgefräst. Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir die Finca Sommerwind. Der Name lässt es erahnen. Der Camping gehört einem Deutschen. Das heisst für uns eine warme Dusche und ein gemütlicher Übernachtungsplatz.

Wir verbringen zwei ruhige Tagen in Ibarra. Diese Zeit nutzen wir, um unsere Reiseroute grob zu planen. Nächster Stopp: Otavalo. Dort wartet nicht nur ein bekannter Markt auf uns. Es steht auch ein Wiedersehen mit unseren Reisefreunden Nadle und Tom an. Sie sind bereits seit einigen Tagen in Ecuador. Unser Schlafplatz bietet neben Hühner, Katzen und einem herzigen Hund auch einen schönen Aufenthaltsraum mit bester Aussicht aufs Dorf. Der perfekte Ort, um einen gemütlichen Abend zu verbringen. Sobald die Sonne untergeht wird es im auf 2532 Meter gelegenen Otavalo bitterkalt. Wir feuern den Kamin ein und wärmen uns mit gutem Essen und Rotwein.

Am nächsten Tag besuchen wir den landesweit für herausragendes Handwerk bekannten Markt. Bei all diesen schönen Sachen können wir natürlich nicht widerstehen, etwas zu kaufen. Wir erwerben zwei Decken aus Alpaca-Wolle und ein kleines Vicuña-Stofftier. Vicuñas gehören zur Lamafamilie. Sie sind die kleinere, wilde Ausführung und leben in den Bergen Ecuadors. Neben den Artesanías faszinieren uns aber vor allem die wunderschön gekleideten Einheimischen. Die Frauen schmücken sich mit auffälligen goldenen Ketten. Das Haar ist meist unter Tüchern versteckt. Einige sind winzig klein. Geschäftig wuseln sie über den Markt. Die Männer hingegen tragen ihre langen Zöpfe zur Schau. Nicht fehlen darf dazu ein eleganter Hut und im Wind flatternde weisse Hosen. Sie verraten damit sofort, dass sie von Otavalo sind. Denn dieser Kleidungsstil ist typisch für den Norden Ecuadors.

Eine Stunde entfernt von unserem Camping auf dem Hügel oberhalb von Otavalo liegt ein Kondorpark. Kondoren verfügen über eine Flügel-Spannweite von bis zu 3.2 Metern und leben in den Anden Südamerikas. In gewissen Naturreservaten sind sie wild zu beobachten. Zuerst möchten wir sie uns hier aber Mal aus der Nähe anschauen. Die Wanderung zum Park führt vorbei an saftig grünen Feldern, Schafherden und zum trocknen ausgelegtem Mais. Im Park selbst können wir verschiedene Vogelarten bestaunen sowohl in ihren Käfigen wie auch bei der angebotenen Flugschau. Sollten wir diesen beeindruckenden Vögeln später in der freien Wildbahn begegnen, wissen wir nun wenigstens wie sie aussehen.

Von Otavalo fahren wir ins Vogel- und Wanderparadies Mindo. Wenige Minuten vom hübschen kleinen Dorf befinden sich ein Sessellift und eine durch einen Automotor betriebene Seilbahn. Wir übernachten auf dem Parkplatz der Seilbahn und brechen am Morgen zur Wanderung auf. Zuerst steht die Fahrt mit dem Sessellift an. Wir nehmen in der Zweiergondel platz und mustern die Anlage. Es sieht nicht sehr professionell aus, aber wir werden es schon überleben. Statt wie in der Schweiz meist Schnee, befindet sich unter unseren Füssen nichts als Dschungel. Die Aussicht ist atemberaubend. Nach zehn Minuten ist der erste Teil geschafft. Nun folgt die Fahrt mit der durch einen Automotor betriebenen Luftseilbahn. Ganz schön abenteuerlich. Aber seht selbst.

Heil oben angekommen brechen wir auf zur Wanderung. Es geht durch den dicht bewachsenen Dschungel, über kleine Brücken vorbei an diversen Wasserfällen. Die Wanderung selbst ist hübsch, aber nicht spektakulär. Auf jeden Fall zu empfehlen ist aber die Fahrt mit den beiden Seilbahnen. Vorausgesetzt, man hat keine Höhenangst.

Grossstadtdschungel Quito

Vom grünen Dschungel in Mindo geht es in den Grossstadtdschungel Quito. Die Stadt ist bekannt für viel Verkehr und enge Gassen. Wir fahren drei Hostels und Parkplätze an, bis wir endlich einen Parqueadero finden, wo es genügend Platz hat für beide unsere Fahrzeuge und übernachten erlaubt ist. Nach einer ruhigen Nacht machen wir uns auf in die Altstadt. Diese bietet einige schöne Gassen und Kirchen. Allzu viel gibt es in Quito jedoch nicht zu entdecken. Zudem gilt die Stadt als eher unsicher. Als wir zu Fuss zu einem Aussichtspunkt laufen, werden wir von Einheimischen quasi in ein Taxi gezwungen. Hier sei es für uns nicht sicher. Dann nichts wie zurück in die touristische Altstadt. Als wir am Abend dann noch eine lange Diskussion mit dem Nachtwächter des Parkplatzes führen müssen, damit wir zurück in unsere Autos dürfen, beschliessen wir, wieder aufs Land zu flüchten. Nächster Stopp: Cotopaxi

Vom Nebelwald in die Wüste

Die letzten Tage in Kolumbien stehen auf dem Programm. Wir verabschieden uns mit zwei weiteren Highlights von diesem vielseitigen Land. Zuerst geht es ins mystische Valle de Cocora, von dort aus in die südlich gelegene Tatacoa-Wüste und schliesslich zur ecuadorianischen Grenze.

Im Valle de Cocora liegt das Kaffeedorf Salento. Dieses ist neben Kaffee vor allem für seine einzigartigen Wachspalmen bekannt. Wir finden einen schönen Stellplatz auf einer Ranch mit warmer Dusche und gönnen uns in der Stadt einen leckeren Kaffee. Nach der dreitägigen Wanderung tut so ein Tag nichts tun richtig gut. Am nächsten Morgen fahren wir zum Ausgangspunkt der Wanderung durch das Valle de Cocora.

Die Wachspalme ist der Nationalbaum Kolumbiens. Rund 60 Meter hoch wird sie. Der Stamm ist dünn wie ein Zahnstocher und ragt scheinbar unendlich weit in den Himmel.

Als wir zur Wanderung aufbrechen ist das ganze Tal nebelverhangen. Zuerst sind wir etwas enttäuscht, denn natürlich hätten wir uns Sonne gewünscht. Schon bald merken wir aber, dass diese skurrile Landschaft mit Nebel fast noch beeindruckender ist. Die erste Etappe führt über Wiesen zwischen den Palmen hindurch, danach geht es in einen verwunschenen Wald und schliesslich zu einem Aussichtspunkt. Dort wird uns geraten aufgrund des Wetters nicht mehr weiter zu wandern. Wir gönnen uns einen Glühwein, geniessen die atemberaubende Aussicht und spazieren langsam zurück zum Parkplatz, wo uns Beat schon erwartet. Auf dem Rückweg blitzt die Sonne immer wieder hervor und schenkt uns etwas Weitsicht. Ein gelungener Tag. Die Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz bevor es dann am nächsten Tag weiter geht.

Kolumbien, das Chamäleon

Am meisten beeindruckt hat uns an Kolumbien seine Vielfältigkeit. Das Land ist ein bisschen wie ein Chamäleon. Bunte Grossstädte, zauberhafter Nebelwald, einzigartige Bergregionen, Traumstrände sowie beeindruckende Wüsten. Es bietet alles, was das Herz begehrt. Die im Norden gelegene Wüste La Guajira haben wir ganz zu Beginn unserer Zeit in Kolumbien besucht. Zum Abschluss geht es nun in die südöstlich gelegene Tatacoa-Wüste. Wie so oft schlägt uns Google den kürzesten Weg vor. Mittlerweile wissen wir jedoch, dass dieser nicht zwingend der Beste ist und schon gar nicht der Schnellste. Denn auf Wald- und Wiesenwegen können wir die vorgeschlagene Geschwindigkeit eigentlich nie einhalten. Bei der Abzweigung erkundigen wir uns bei einem älteren Paar, ob die ungeteerte Strasse für uns machbar sei. Klar, meinen sie. Einfach «despacio» und Vorsicht in den Tunnels. Im gleichen Zug laden sie uns auf ein Bier ein. Sie wohnen im roten Haus im nächsten Dorf und würden sich über unseren Besuch freuen. Das war zwar nicht geplant aber wir haben Zeit und freuen uns immer über Kontakt mit Einheimischen. Einige Minuten später sitzen wir gemeinsam auf der Terrasse und unterhalten uns über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Heimatländer. Nach einer Stunde brechen wir dann aber auf. Schliesslich steht uns noch eine abenteuerliche Strecke bevor.

Die Fahrt gestaltet sich weniger schlimm als gedacht. Einzig die Tunnels sind wie angekündigt etwas kriminell. Diese sind stockfinster und die Schlaglöcher fast knietief. Ansonsten geniessen wir die einzigartige Landschaft. Nach eineinhalb Stunden erreichen wir unseren Übernachtungsplatz mit Panoramablick auf die Tatacoa-Wüste. Besser könnte es nicht sein. Die Abendstimmung taucht den Canyon in warmes Licht. Wir wandern durch die Wüstenformationen und geniessen die letzten Sonnenstrahlen. Wir beschliessen am nächsten Morgen nochmals aufzubrechen, da einige Teile des Canyons schon im Schatten liegen. Kein Problem, schliesslich stehen wir direkt vor dem Eingang.

Nach einem leckeren Frühstück mit bester Aussicht machen wir uns nochmals auf den Weg in den Canyon. In der Morgensonne ist dieser noch beeindruckender als am Vorabend. Mehr als eine Stunde verbringen wir zwischen den roten Sandformationen. Wir sind nicht alleine. In den Schluchten des Canyons haben es sich einige Ziegen bequem gemacht. Unbeirrt knabbern sie an den stacheligen Büschen. Die Dürre scheint ihnen gar nichts auszumachen. Als die ersten Touristen-Busse ankommen, machen wir uns auf den Weg Richtung Ecuador.

Um von der Wüste an die Grenze zu Ecuador zu gelangen, nehmen wir den Highway 10. Klingt wie eine Autobahn, ist in Tat und Wahrheit aber aber eine 60 Kilometer lange Naturstrasse durch die Berge Kolumbiens. Sie wurde in den 1930 Jahren gebaut und ist auch unter dem Namen «Death Road» bekannt. Grund dafür sind die vielen Verkehrsunfälle. 2011 sind nur auf dieser Strecke 500 Personen ums Leben gekommen. Befahren wird diese aber keineswegs nur von 4×4 Fahrzeugen, sondern auch von Tanklastern.

Der grösste Teil ist einspurig und so kommt es zu mehreren Duellen mit sturen Lastwagenfahrern. Hier wird nicht wie bei uns vorausschauend gefahren. Obwohl es zahlreiche Ausweichstellen hat, welche den Lastwagenfahrern sicher bestens bekannt sind, schiessen sie jeweils um die Kurve als gäbe es kein Morgen. Bryan bleibt nichts anderes übrig, als auf dieser schmalen Strasse mehrere Meter rückwärts zu fahren. Eine eher unangenehme Erfahrung. Doch dann ist Rettung in Sicht. Wir treffen auf den wohl rücksichtslosesten Lastwagenfahrer auf der ganzen Strecke und heften uns an seine Fersen. Die beste Entscheidung, denn dieser spurt gnadenlos vor. So kommt es glücklicherweise zu keinem weiteren Rückfahrduell und wir können die weitere Fahrt geniessen. Nach mehreren Stunden holt uns die Dunkelheit ein. Die spektakulärste Stelle, das «Trampolín del Diablo» haben wir bereits hinter uns gelassen und so beschliessen wir, bei einer Radioantenne auf 2800 Meter unser Nachtlager aufzuschlagen. Es ist eine klare Nacht und wir schlafen trotz Kälte herrlich.

Eine Kirche wie aus Disneyworld

Am nächsten Morgen geht es früh los. Kurz vor Abfahrt kommt der Nachtwächter der Antenne vorbei und fragt ob wir ihn ins Dorf mitnehmen können. Das machen wir natürlich gerne. Die letzten Kurven sind im Vergleich zum Vortag harmlos und so sind wir schneller als gedacht in Ipiales. Ein kleines Städtchen, dass für seine in den Hang gebaute Kirche bekannt ist. Leider wurde diese nicht wirklich hochwertig restauriert. Der Anblick erinnert uns etwas an Disneyworld. Angesteckt vom Freizeitpark-Groove lassen wir als Andenken noch ein Foto mit geschmückten Lamas erstellen. Es ist so übertrieben, dass es irgendwie schon wieder gut ist. Ein würdiger und witziger Abschluss. Adiós Colombia!