Die Magie der Vulkane

Die letzten zehn Tage in Guatemala sollten im Zeichen der Vulkane stehen. Wir verbrachten mehrere Tage am idyllischen Lago de Atitlán sowie in und um unsere neue Lieblingsstadt Antigua.

Einmal im Leben Lava sehen. Das stand ganz weit oben auf Bryans Bucket List. Und genau dieser Traum sollte hier in Guatemala endlich in Erfüllung gehen. Zuerst aus der Ferne und dann später noch ganz nah. In San Marcos de Laguna gibt es direkt am See einen wunderschönen Camping-Platz. So konnten wir bereits beim Frühstück die drei Vulkane bestaunen, die den Atitlan-See umgeben. Neben der atemberaubenden Aussicht bieten die Dörfer rund um den See ebenfalls einiges zu entdecken. Jedes hat seinen eigenen Charakter und ist per Boot schnell und günstig erreichbar.

Wir entschieden uns an einem Tag San Pedro zu besuchen und den zweiten Tag für die Sunrise-Wanderung zum Aussichtspunkt Indian Nose zu nutzen. In San Pedro schlenderten wir gemütlich durch die Gassen, stöberten in den verschiedenen Shops und deckten uns, wie eigentlich immer, auf dem lokalen Markt mit Früchten und Gemüse ein. Nahe am Wasser sind die Restaurants, Cafés und Geschäfte stark vom Tourismus geprägt. Je höher man sich durch die verwinkelten Gassen hocharbeitet, desto lokaler wird es. Die Souvenir-Geschäfte weichen Webereien, Ferreterias und Marktständen und anstatt Touristen wuseln traditionell gekleidete Mayas aus der Volksgruppe der Quiché durch die Strassen.

Am nächsten Tag hiess es für uns früh aufstehen. Denn unser Guide für die Erklimmung des Aussichtspunkt Indian Nose holte uns um 04:00 mit dem TukTuk beim Camping ab. In kompletter Dunkelheit fährt er uns mit dröhnendem Motor die beeindruckende Pass-Strasse zu einem kleinen Dorf hoch. Dort starten wir unsere Wanderung. Wir gehen ca. eine Stunde über einen kleinen Trampelpfad durch den Wald. Auf dem Weg kommen wir an Kaffee-Pflanzen vorbei und erfahren von unserem Guide, dass wir diesen dann oben kosten können. Bei der Aussichtsplattform angekommen pfeift uns der kalte Wind um die Ohren. Wir befinden uns auf 2800 Meter. Nach und nach treffen weitere Touristen ein und die Guides beginnen über dem Feuer Kaffee zuzubereiten. Selten haben wir uns so auf einen heissen Kaffee gefreut. Mit Beginn des Sonnenaufgangs werden langsam die Konturen der beeindruckenden Vulkane sichtbar. Zudem ist aus dieser Höhe der ganze Kratersee zu überblicken und in der Ferne sehen wir sogar die Vulkane Acatenango und Fuego. Diese beiden wollen wir dann von Antigua aus besteigen. Es ist ein magischer Anblick.

An diesem wunderbaren Ort hätten wir gut und gerne noch länger bleiben können. Doch es zieht uns weiter nach Antigua. Die letzten Wochen haben wir fast ausschliesslich in der Natur oder kleinen Dörfern verbracht. Daher freuten wir uns darauf, die alte Hauptstadt von Guatemala zu erkunden. Im Vorfeld hatten wir viel über die Stadt gelesen und die Erwartungen waren hoch. Wer hätte gedacht, dass diese noch übertroffen werden können. Scheinbar jede Gasse übertrumpft die nächste. Immer wieder tauchen alte Ruinen auf und kleine Parks laden zum Verweilen ein. In den Innenhöfe verstecken sich unzählige schöne Restaurants und an jeder Ecke befindet sich ein gutes Café. Wir entscheiden uns, unser Reisebudget etwas aus den Augen zu lassen und möglichst viele dieser tollen Restaurants, Bars und Cafés zu besuchen. Auf dem Camping treffen wir dann auch noch auf unsere Reisefreunde Nadine & Tom aus Bern. Perfekt um die Stadt einen Tag gemeinsam unsicher zu machen und die Verschiffung nach Kolumbien genauer zu planen.

Vulkanbesteigung Acatenango

Neben Essen, Trinken und Schlendern stand aber in Antigua vor allem eines noch auf dem Programm: Die Besteigung des 3976 Meter hohen Vulkans Acatenango. Ein Zweitages-Trip mit Übernachtung auf 3600 Metern. Los ging es auf 2500 Metern. Mit einem Shuttle-Bus wurden wir gemeinsam mit weiteren Abenteuern aus den USA, Australien, Deutschland und Israel zum Ausgangspunkt gefahren. Als wir aussteigen begrüsst uns Regen und dichter Nebel. Der erster Dämpfer. Denn die wichtigste Voraussetzung, um die Ausbrüche des benachbarten Vulkans Fuego zu sehen, ist eine klare Sicht. Jetzt nur nicht die Hoffnung verlieren.

Der Vulkan Acatenango ist 3976 Meter hoch. Sein noch immer aktiver Nachbar Fuego 3763 Meter.

Wir marschieren los. Die ersten zwei Stunden geht es quasi senkrecht hoch. Dank dem Regen ist die Temperatur einigermassen angenehm. Leider verbessert sich das Wetter nicht. Wir essen im strömenden Regen zu Mittag, die Finger sind klamm und viele der Gruppe frieren. Einige beschliessen sogar umzukehren. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Dank dem Motivationscoach Lyndel, geben wir die Hoffnung auf einen abrupten Wetterwechsel noch nicht ganz auf. Immer wieder fordert uns die Australierin auf, positiv zu denken. Wir geben unser Bestes. Und tatsächlich, als wir im Camp ankommen bläst der Wind augenblicklich allen Nebel weg. Wir erhaschen den ersten Blick auf den aktiven Vulkan Fuego. Es bricht regelrecht Euphorie aus.

Lava, Lava, Lava

Wir beziehen unser Zelt und geniessen am Feuer die von den Guides zubereiteten Spaghetti Bolognese. Sogar ein Glas Wein gibt es dazu. Mit dem Einbruch der Dunkelheit sehen wir die ersten Eruptionen des Vulkans. Es ist unbeschreiblich. Angekündigt durch ein lautes Grollen schiesst Lava aus dem Krater, gefolgt von einem lauten Donnern. Es ist von Auge erkennbar wie Lava und Gestein in Strömen dem Hang entlang runterfliessen. Fast alle 10 Minuten bricht der Vulkan aus. Da wir am nächsten Tag um vier Uhr morgens wieder aufbrechen müssen lege ich mich um 21:00 ins Zelt. Bryan kann sich schwerer lösen und bleibt noch etwas länger und schiesst Fotos von diesem Naturspektakel. Es ist eine kalte Nacht und wir schlafen wenig. Wach hält uns einen Mischung aus Adrenalin und Kälte. Am nächsten Morgen folgen nochmals zwei Stunden Wanderung auf den Gipfel des Acatenango, wo wir den Sonnenaufgang geniessen.

Danach folgt der Abstieg bei strahlend schönem Wetter. Auch am Tag ist der Vulkan wunderschön. Jedoch kann man dann nur die Rauchwolken sehen. Die Lava ist nur in der Nacht sichtbar. Wir rutschen die Geröllhänge runter, bestaunen die Vegetation und freuen uns einfach über das gute Wetter. Nach etwas mehr als vier Stunden sind wir wieder am Ausgangspunkt. Im Bus zurück in die Stadt schlafen fast alle. Zurück auf dem Camping freuen wir uns auf eine Dusche. Da es bei uns keine gibt, duschen wir bei einer Frau, die ihr Badezimmer vermietet. Klingt vermutlich merkwürdig, aber das ist es für uns schon lange nicht mehr. In Mittelamerika verdienen sich viele Familien etwas Geld dazu, indem sie ihr Badezimmer vermieten.

Magische Natur, farbige Trachten und politische Probleme

Tag 80 bis 88

Nach den erholsamen und inspirierenden Tagen in Rio Dulce machten wir uns auf den Weg Richtung Süden. Auf dem Programm standen Naturpools, ein faszinierender Markt und die ersten Vulkane in Guatemala.

Der erste Stopp auf dieser Etappe war Semuc Champey. Berühmt ist dieser kleine Ort für seine wunderschönen, im Dschungel gelegenen Naturpools und Wasserfälle. Die Strasse dorthin sei jedoch weniger schön, so die Berichte im Netz. Wir entschieden uns einfach mal loszufahren und zu schauen, wie weit wir es schaffen. Stets im Kopf, dass wir allenfalls in einem der Dörfer im Tal übernachten und einen Tagesausflug unternehmen müssen. Zu Beginn lief alles wunderbar und wir kamen gut voran. Nach einer Kurve verwandelte sich dann die geteerte Strasse leider plötzlich eher in ein Flussbeet. Und das schon 50 Kilometer vor dem Ziel. So früh hätten wir nicht damit gerechnet. Aufgeben wollten wir aber noch nicht. Langsam aber stetig mühlen wir uns den Hang hoch.

Immer wieder schlagen wir mit dem Unterboden auf den grossen Steinen auf. Das schmerzt…Da es keine Alternativroute gibt, ist Umdrehen keine Option. Nach ca. 10 Kilometern folgt dann das Beste. Ein junger Mann hat die Strasse mit einem Seil abgesperrt und verlangt 200 Quetzales (CHF 24.-). Glücklicherweise taucht in diesem Moment hinter uns ein Collectivo auf und sorgt für Ablenkung. Wir können uns vorbeischleichen. Da wir nicht schneller als fünf Stundenkilometer fahren können, kommen wir praktisch nicht vom Fleck. Nach mehr als zwei Stunden treffen wir dann auf einen Deutschen, der mit dem Motorrad unterwegs ist. Auch er ist erschöpft von diesen miserablen Strassenbedingungen. Wir machen gemeinsam eine Pause.

Zudem informiert er uns, dass uns noch eine weitere improvisierte Strassensperre erwartet. Er habe bezahlt, da ihn die zwei Männer nicht durchgelassen hätten. Wir wünschen uns gegenseitig Glück und fahren weiter. Tatsächlich geht es nicht lange, bis wir die Männer sehen. Sie haben grosse Steinbrocken auf die Strasse gelegt, sind mit Pickeln ausgerüstet und wollen natürlich auch wieder 200 Quetzales. Doch jetzt reicht’s. Kurzerhand steige ich aus dem Auto aus, blicke in die erstaunten Gesichter der beiden Männer, die fast einen halben Kopf kleiner sind als ich, und rolle die Steine weg. Während sie uns noch verdutzt anschauen und sich in Kekchí unterhalten, starte ich den Motor und fahre an ihnen vorbei. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir dann endlich ein Dorf mit einer geteerten Strasse. Dort wird uns geraten nur bis Lanquín zu fahren, und dann am nächsten Tag ein 4×4 Collectivo zu den Pools zu nehmen.

Glasklare Pools in Mitten des Dschungels

Wir übernachteten auf dem Parkplatz eines Nationalparks und starteten um 09:00 Richtung Semuc Champey. Gleich nach der Ankunft wanderten wir zum Aussichtspunkt und hatten einen perfekten Blick auf die hintereinander gereihten Naturpools. Nach dem Aufstieg wollten wir uns natürlich auch noch ein Bad gönnen. Da es noch relativ früh war, mussten wir uns die Pools nur mit wenigen Touristen teilen. Die Strapazen hatten sich gelohnt und der Anblick des glasklaren Wassers umgeben von Dschungel stimmte uns wieder versöhnlich.

Der grösste Markt in Mittelamerika

Weiter ging es zum nächsten Bergdorf. Chichicastenango oder kurz Chichi. Immer am Donnerstag und Sonntag verwandelt sich dieses beschauliche, auf rund 2000 Meter gelegene Städtchen in einen der farbenprächtigsten Orte von Guatemala. Denn dann findet der Markt statt. Verkäufer aus den benachbarten Tälern strömen nach Chichi. Angeboten werden Blumen, Früchte und Gemüse, Fisch und Fleisch, Tiere sowie traditionelle Kleidung, allerlei Stoffe und Kunsthandwerk. Für uns einer der schönsten Märkte, die wir bis jetzt gesehen hatten. Insbesondere, da die Verkäufer und auch die Gäste kunstvoll bestickte Trachten tragen und neben einigen Touristen vor allem Locals einkaufen. Genutzt wird fast die ganze Fläche der Stadt. So auch auf die Treppe der Kirche Santo Tomás.

Neben dem Markt ist auch der Friedhof von Chichi einen Besuch wert. Dieser könnte nicht anders sein als bei uns zu Hause. Die Särge sind nicht unter der Erde versteckt sondern in farbigen Häuschen, Pyramiden oder Betonhügeln untergebracht. Dekoriert werden sie mit Gegenständen, Lebensmitteln oder Getränken, welche die Verstorbenen besonders mochten. Zudem dient der Friedhof auch als Ort für die traditionellen Maya-Zeremonien, denn dort befindet sich der westlichste Punkt des Dorfes. Die Zeremonien werden täglich am nördlichsten, östlichsten, südlichsten und westlichsten Punkt abgehalten. Wir haben Glück und können bei unserem Besuch eine Zeremonie beobachten. Der Maya Priester schwenkt einen Rauchkübel, es werden Gegenstände verbrannt und wir hören leisen Sprechgesang. Aus Respekt schiessen wir aber nur wenige Bilder und verweilen nicht allzu lange.

Trotz sehr gemütlichem Camping im Garten von Tomas, unter schönen Bäumen und in guter Gesellschaft eines Schweizer Pärchens wollten wir Chichi eigentlich nach drei Nächten verlassen. Doch dem sollte nicht so sein. Pünktlich zu unserer Abfahrt wurden im ganzen Land an 22 Stellen die wichtigsten Strassen blockiert. Die Bevölkerung von Guatemala ist mit einigen politischen Entscheidungen der Regierung alles andere als einverstanden. Solche Proteste seien die einzige Möglichkeit etwas zu änderen, erklärt man uns. In den kommenden 24 Stunden gibt es daher keine Möglichkeit irgendwo hinzufahren. Schon gar nicht an den Atitlan-See. Wir bleiben noch eine Nacht.

Am nächsten Morgen verlieren wir die Geduld und fahren los. Einige der Sperren wurden mittlerweile aufgehoben. Auf unserer Strecke soll es aber noch ein paar geben. No risk, no fun. Weit kommen wir leider nicht. Nach ca. 40 Minuten Fahrt treffen wir auf die erste Strassensperre und verbringen dort rund sieben Stunden. Es gibt kein vor oder zurück mehr, denn hinter uns wurde die Strasse ebenfalls gesperrt. Nach mehreren Gesprächen mit Locals, die ebenfalls feststecken, stellen wir uns darauf ein, dass wir auf der Strasse übernachten müssen.

Doch dann ein Lichtblick. Unsere Staunachbarn klopfen energisch an unsere Scheibe und rufen: los, los, los. Die Sperre ist für eine Stunde geöffnet. Rund um uns herum rennen alle wie wild zu ihren Fahrzeugen und rasen los. So auch wir. Nach etwas mehr als einer Stunde erreichen wir dann doch noch den Lago Atitlan. Der Ausblick der sich am nächsten Morgen bietet ist unbezahlbar. Ein See umgeben von Vulkanen. Mehr zu unseren Erlebnissen am und um den Atitlan-See im nächsten Bericht.

Guatemala, wir kommen!

Tag 71 bis 79

Nachdem wir von Calakmul aus bereits einen Blick auf Tikal erhaschen konnten, ging es jetzt richtig los. Wir überquerten im Norden die Grenze von Mexiko nach Guatemala und starteten unsere erste Woche in Guatemala im am dünnsten besiedelten und ursprünglichsten Teil.

Mexiko verabschiedete uns mit strömendem Regen. Auch wir verliessen Mexiko mit einem weinenden Auge, freuten uns aber sehr darauf, nach mehr als zwei Monaten, ein neues Land zu entdecken. Im Vorfeld hatten wir lange recherchiert, welchen Grenzübergang wir nehmen sollten und uns schliesslich für El Ceibo entschieden, da wir nicht wieder ganz in den Süden fahren wollten. Ein kleiner, aber gemäss Rezensionen anderer Reisender, machbarer Grenzübergang. Ausgerüstet mit zig Kopien all unserer Dokumente machten wir uns frühmorgens, optimistisch gestimmt auf den Weg.

Egal wie gut du vorbereitet ist. An der Grenze fehlt dir bestimmt etwas. Denn die Regeln werden fast täglich neu geschrieben.

Die Ausreise aus Mexiko klappte problemlos. Innerhalb von fünf Minuten hatten wir den Ausreise-Stempel im Pass. Für Beat interessierte sich niemand. Das ging schnell. Als wir dann beim Grenzübergang noch Babyschweine sahen, dachten wir das Glück sei auf unserer Seite. Etwas komplizierter wurde es dann aber in Guatemala. Denn bei der Migration stellte sich plötzlich heraus, dass sich die Einreisebestimmungen zwei Tage vorher geändert hatten. Neu wird zusätzlich zum Impfzertifikat auch noch ein negativer PCR-Test verlangt. Verdutzt und völlig verwirrt stehen wir im mobilen Migrations-Häuschen. Diese Information war für uns komplett neu, im Internet vorab nicht verfügbar und natürlich hatten wir keinen Test gemacht. Was jetzt? Alles wieder zurück, testen lassen, warten und nochmals einreisen? Lässt uns Mexiko überhaupt wieder rein? Die Stimmung wechselte schlagartig von optimistisch zu pessimistisch und wir stellten uns auf das Schlimmste ein.

Doch dann bot uns der Zollbeamte von Guatemala plötzlich an, dass wir ihm 1000 Pesos (CHF 50.-) geben können. Und schwups waren unsere Pässe gestempelt. Unsere erste Bestechung 💸. Wir wussten schon, dass Korruption hierzulande weit verbreitet ist, aber dass es so einfach geht? Egal, uns freute es. Nach einem kleinen Spaziergang durch das Grenzdorf um weitere Kopien anfertigen zu lassen, der Bezahlung der Importgebühr für das Auto, an einem alles andere als offiziell aussehenden Schalter, sowie der Reinigung unserer Reifen hatten wir es geschafft.

Schrotflinten, Pizza und ein wunderschöner See

Unser erster Camping zeigte uns gleich, dass es in Guatemala etwas gefährlicher ist als in Mexiko. Am Gate empfing uns ein junger Mann mit einer Schrottflinte in der Hand, stets bereits zum Schiessen. Die Verbotsschilder, welche darauf hinwiesen, dass Armas de Fuego (Schusswaffen) nicht erlaubt sind, schienen niemanden zu beeindrucken. So erkundigten sich am späteren Abend zwei Herren mit umgehängter Waffe bei uns, wo sich das Cabaña fünf befinde. Weiter ging’s an den Petén Izta See. Wir konnten Beat direkt am Wasser parkieren und die Aussicht auf den wunderschönen See geniessen. Da der Regen nachgelassen hatte, kam unser Grill wieder einmal zum Einsatz. Grilliert wurde aber nicht Fleisch. Wir wollten endlich unseren Pizzastein einweihen. Mit dieser super Aussicht, schmeckte die Pizza noch besser als sonst.

Unser nächstes Ziel Tikal lag nur eine Stunde Autofahrt entfernt. Neben Palenque und Calakmul sollen die Ruinen von Tikal zu den beeindruckendsten zählen. Doch bevor wir diese entdecken konnten, mussten wir noch einen kleinen Umweg über Flores machen. Denn Beat wollte plötzlich keine Pausen mehr einlegen. Das Batteriezeichen leuchtete und auch nach Abziehen des Schlüssel lief der Motor einfach weiter. Wir entschieden uns also vor Tikal noch kurz einen Automotriz aufzusuchen. Dieser erkannte das «Problem» sofort. Der Sensor des Zündschlüssels hatte sich verschoben. Der Motor liess sich durchaus noch abstellen. Jedoch darf der Schlüssel nicht ganz links gedreht werden. Kein Problem, nach guatemaltekischen Verhältnissen, aber eine weitere Folge der unzähligen, durch uns mittlerweile verhassten Schlaglöcher. Fairerweise müssen wir hier aber auch sagen, dass dieselben das Problem dann auch wieder behoben. Denn wie durch Zauberhand war am nächsten Tag nach einer weiteren miserablen Strasse wieder alles in Ordnung.

Mystische Stimmung in Tikal

Trotz Besuch der Autowerkstatt in Flores erreichten wir unseren Schlafplatz, welcher nur wenige Meter entfernt vom Eingang der achäologischen Stätte lag, bereits am Nachmittag. Wir richteten uns gemütlich ein und gingen früh ins Bett. Am nächsten Tag sollte es schliesslich pünktlich um sechs Uhr losgehen. In der Nacht wurden wir nur einmal von einem Konzert der Brüllaffen geweckt und schliefen sonst wie Babys. Die Stimmung auf und rund um die Pyramiden war wirklich magisch. Als wir nach mehr als 4 Stunden den Park verliessen trudelten langsam die ersten Tagestouristen ein.

Neben den beeindruckenden Pyramiden verzauberte uns vor allem auch die Tierwelt und der wunderschöne Dschungel. Wir konnten Tukane, Brüllaffen, Nasenbären und Papageien beobachten. Ein weiteres Highlight war der scheinbar bis zum Himmel reichende Nationalbaum von Guatemala (Ceiba). Bekannt ist er für seinen astlosen Stamm und die majestätische Krone, die meist noch von weiteren Pflanzen überwachsen ist.

Zu Besuch bei einer guatemaltekischen Familie

Von Tikal aus nahmen wir uns eine etwas längere Fahretappe bis nach Rio Dulce vor. Unser Stellplatz sollte direkt am Wasser liegen. Perfekt, um ein paar Tage zu entspannen und das nur auf dem Schiffweg erreichbare Livingston zu besuchen. Bereits bei unserer Ankunft merkten wir, dass wir es mit einer sehr liebenswerten Familie zu tun hatten. Mario und sein Sohn Isaac waren sehr bemüht, den perfekten Platz für Beat im Garten zu finden, wo auch sicherlich keine Kokosnuss auf uns runterfällt. Das Grundstück gehört einem Deutschen, welcher in Guatemala City lebt. Wie so oft wohnt aber auch eine lokale Familie dort, die während der Abwesenheit der Inhaber alles in Schuss hält und die Gäste betreut. Isaac, der jüngste der drei Kinder, hat sich wohl am meisten über unseren Besuch gefreut. Er verbrachte viel Zeit mit uns im Van, schoss Fotos mit Bryans Kamera oder übte mit uns Spanisch. Da viele der Guatemalteken in der Region Rio Dulce Kekchí sprechen, ist Spanisch für sie auch eine Zweitsprache. Das hilft natürlich, denn dadurch reden sie langsamer und für uns auch deutlich verständlicher.

Nach zwei sehr erholsamen Tagen machten wir uns dann schliesslich noch auf den Weg nach Livingston. Eine kleine Stadt die fast bei Belize liegt und ganz anders ist als der Rest von Guatemala. Denn sie ist von der Garifuna-Kultur geprägt. In Livingston lebt die einzige dunkelhäutige, afrokaribische Völkergruppe von Guatemala. Der Ort ist bunt und sehr friedlich. Viel gibt es nicht zu tun oder zu sehen. Dennoch steckt einen die positive Energie dieses völlig von der Zivilisation abgeschnittenen Ortes an. Zudem ist die Anreise per Collectivo-Wassertaxi schon ein Erlebnis. Sie führt durch die Flussarme des Rio Dulce und gibt einen Einblick in dieses wunderschöne Gebiet. Meist sind nur wenigen Touristen unterwegs und man teilt sich den Platz mit den Locals sowie deren Hühner und Enten.

Ebenfalls empfehlenswert ist es für einen Coiffeur-Besuch. Für nur CHF 2.- verwandelte sich Bryan in einen ganz neuen Menschen. Seht selbst.

Die Yucatan-Halbinsel

Tag 61 bis 70

Zum Abschluss unserer Zeit in Mexiko stand die Yucatan-Halbinsel auf dem Programm. Trotz Massentourismus wollten wir diese wundervolle Ecke von Mexiko nicht auslassen.

Den Auftakt machte das königliche Izamal. Ein kleines aber beeindruckendes Städtchen. Zu Ehren des Papst, der Izamal in den 90er Jahren besuchte, wurden fast alle Gebäude gelb gestrichen. Die perfekte Umgebung für Beat. Mit seiner gelben Farbe integriert er sich wunderbar ins Stadtbild.

Wir campierten auf dem Parkplatz vor der natürlich gelben Kirche und lauschten zufrieden dem aufziehenden Gewitter. Der Regen prasselte nur so auf Beat herunter und begleitete uns in den Schlaf. Am nächsten Morgen empfing uns dann wieder die Sonne. Sie leuchtete die gelben Gebäude an und tauchte alles in warmes Licht. Bevor wir nach Valladolid aufbrachen, kletterten wir noch auf die stadteigene Pyramide. Von dort aus hat man einen schönen Ausblick. Am schönsten ist es aber in Izamal in den unzähligen gelben Gassen.

Cenoten und Bienen in Valladolid

Unser Schlafplatz in Valladolid war etwas spezieller als andere. Denn neben dem Camping-Bereich umfasste er auch noch ein Bienenmuseum und beherbergt diverse seltene mexikanische Bienen. Somit wollten wir es uns natürlich nicht entgehen lassen, eine Bienentour zu machen und den köstlichen Honig zu kosten. Im Gegensatz zu denn europäischen Bienen stechen die meisten mexikanischen Bienen nicht.

Melipona beecheii und Melipona yucatanica werden die stachelosen Maya Bienen genannt.

Viele von ihnen sehen auch nicht wie Bienen aus. Vor der Tour hätten wir sie bestimmt für Fliegen gehalten. Neben dem leckeren Honig wird aus den Bienenstöcken auch der Bienenharz (Propolis) gewonnen. Dieser gilt als antibakteriell und wird in der Alternativ-Medizin für allerlei Heilmittel eingesetzt.

Cenote – ts’ono’ot – Heilige Quelle

Eine der grössten Attraktionen auf der Yucatan Halbinsel sind die zahlreichen Cenoten. Rund 6000 solcher heiliger Süsswasser-Quellen soll es geben. Bei den Cenoten handelt es sich um ein Unterwasserhöhlensystem. Viele sind miteinander verbunden. Wenn die Decken einstürzen erhält man Einblick in diese faszinierenden Wasserspeicher und kann darin baden gehen. Mehrere hundert sind touristisch erschlossen, viele liegen aber auch noch unter der Erde, sind auf Privatgelände oder irgendwo in der Natur versteckt. Wir haben eine der bekannteren Cenoten in der Nähe von Valladolid besucht und waren beeindruckt vom kristallklaren Wasser.

Ein Einblick in den mexikanischen Alltag in Playa del Carmen

An der Ostküste der Halbinsel befinden sich die Touristen-Hotspots Cancun, Tulum und Playa del Carmen. Für Reisende im Camper nicht unbedingt optimal geeignet. Trotzdem fanden wir einen schönen Spot etwas ausserhalb von Playa, wo wir Beat parkieren konnten. Wir freuten uns auf schöne Strände und darauf von Carola, die seit mehr als 10 Jahren in Playa del Carmen lebt, einen anderen Einblick in das Leben in Mexiko zu erhalten. Wie lebt es sich so, wie wohnt man und was beschäftigt die Menschen im täglichen Leben. Nach einem ausgiebigen Frühstück zeigt sie uns ihr zu Hause und wir besuchten auch noch ihren Kindergarten. Auf den ersten Blick scheint es ähnlich wie bei uns. Jedoch ist die Sicherheitslage nicht optimal. Es wird immer wieder eingebrochen und die Kinder können nicht so unbeschwert auf der Strasse spielen wie bei uns. Dafür herrscht unter den Menschen mehr Herzlichkeit und die Zeit scheint generell etwas langsamer zu laufen. Es lässt sich gut leben in Playa del Carmen. Wir lassen den Tag am Strand ausklingen und gönnen uns in diesem internationalen Umfeld noch einen leckeren Burger.

Bacalar – Die Piratenlagune

Sie war einer der ersten Pins auf unserer Mexiko Karte – die Bacalar Lagune. Aufgrund des fast kitschig blauen Wassers, des Piratenkanal, den wunderschönen Campings, Hotels und Hostels zieht sie so einige Touristen an. Im Vergleich zu Playa del Carmen oder Tulum verteilen sich diese aber sehr gut rund um die Lagune. Wir campierten direkt an der Lagune und verbrachten den ersten Tag einfach gemütlich auf dem Camping. Die Füsse im Wasser, ein kühles Bier in der Hand und die Augen aufs Wasser gerichtet. Trotz eher schlechtem Wetter, wird die Lagune ihrem Ruf gerecht. Sie ist genauso schön wie auf den Bildern. Am nächsten Tag ging es dann aufs Boot. Auf der halbtägigen Tour entdeckten wir die sieben Cenoten, welche die Lagune mit Süsswasser versorgen und erfuhren mehr über den Piratenkanal. Dabei handelt es sich um eine sehr seichte Verbindung der Lagune mit dem Golf von Mexiko. Über diesen gelangten die Piraten mit kleinen Booten vom Meer aus in die Lagune und konnten sich so einfach vor grossen Schiffen verstecken. Die Lagune besteht trotz Verbindung zum Meer aus 100 Prozent Süsswasser, da sie sich über dem Meeresspiegel befindet. Eine schöne Abwechslung zum Meer.

Weg von der Zivilisation in den Dschungel von Calakmul

Der letzte Stopp in Mexiko sollte das mystische Calakmul sein. Die abgelegenen Ruinen werden nicht von vielen Touristen besucht und wurden verhältnismässig spät entdeckt und ausgegraben. Zudem darf man sie im Gegensatz zu den Ruinen in Palenque oder Mexiko City immer noch besteigen. Wir passieren den Eingang um drei Uhr am Nachmittag und haben Glück, dass wir noch rein dürfen. Da es von dort aus noch rund 2 Stunden Fahrt durch den Dschungel sind, schliesst das erste Gate schon früh. Wir schaffen es aber noch bis zum zweiten Gate wo sich der Parkplatz und somit auch unser Schlafplatz befindet. Bereits am Abend sehen wir farbige Vögel und einen herzigen Fuchs. Als wir dann um sechs Uhr mit Anbruch des Tages losfahren, werden wir von einem mexikanischen Fasan eskortiert. Er läuft in einer Seelenruhe im ZickZick vor uns her und prahlt mit seiner farbigen Federpracht.

Als wir kurz vor acht bei den Ruinen ankommen ist noch niemand da. Wir laufen los und tauchen ein in das überwucherte Gelände und entdecken Pyramide um Pyramide. In Calakmul lebten die Krieger der Maya Bevölkerung und das sieht man an den beeindruckenden Pyramiden. Die höchsten beiden sind 40 und 50 Meter hoch und dürfen erklommen werden. Der Aufstieg lohnt sich. Von der Spitze der Pyramide hat man einen atemberaubenden Ausblick über den Dschungel bis nach Tikal, unser nächstes Highlight.

Ein Highlight jagt das Nächste

Tag 60 bis 67

Mit San Cristóbal de la Casas und dem Cañón del Sumidero hat sich Chiapas bereits von seiner besten Seite gezeigt. Aber das sollte noch lange nicht alles sein. Kurz nach Weihnachten machten wir uns auf den Weg Richtung Palenque. Von dort aus ging es dann weiter auf die Yucatán Halbinsel.

Die Strecke nach Palenque ist bekannt für seine 1000 Topes (Temposchwellen). Die Ausführung dieser variert stark. Von selbst gemachten Dreckschwellen, über steile und massive Betonrampen bis hin zu alten aufgeschnittenen Reifen gibt es alles. Wenn man Glück hat, werden sie mit einer Tafel angekündigt oder sind zumindest gelb/weiss markiert. Manchmal sieht man sie aber nicht und fährt schon mal mit 40 oder 50 in eine solche Schikane rein. Damit man sich das Auto nicht komplett ruiniert, hilft nur sehr langsam fahren und immer die Augen offen halten. Häufig muss man bis auf fünf Stundenkilometer runterbremsen oder die Schwelle diagonal überqueren, um nicht aufzuschlagen. Längst haben wir begriffen, dass es dabei nicht nur um Temporeduktion geht. Häufig wird bei den Topes allerlei verkauft.

Topes, Reductores, Senzibilisadores, Limitadores… Egal wie sie heissen. Manchmal sind sie ziemlich nervig.

Zum Glück wurden wir von anderen Reisen vorab gewarnt und haben daher viel Geduld und Zeit eingepackt. Wir fuhren nicht direkt nach Palenque sondern verbrachten noch eine Nacht bei den Wasserfällen «Cascadas de Agua Azul». Der Name verrät es schon, die wahre Attraktion ist nicht der Wasserfall sondern das fast unwirklich blaue Wasser (agua azul). Dieses entsteht aufgrund der hohen Konzentration der Mineralien im Wasser. Wenn auch sehr touristisch, hat uns das Naturspektakel beeindruckt. Wie immer hatten wir auch hier wieder den Vorteil, dass wir auf dem Parkplatz übernachten und vor dem grossen Ansturm loskonnten. Nach einem erfrischenden Bad in einem der Becken waren wir dann bereit für die noch verbleibenden 500 Topes bis zu den Pyramiden in Palenque.

Pyramiden mitten im Dschungel

Palenque war einer der wichtigsten Mayametropolen in Zentralamerika. Sie ist in Mitten des Dschungels gelegen. Der grösste Teil der Pyramiden (ca. 95%) ist noch immer überwachsen und nicht freigelegt. Denn nach dem Fall des letzten Herrschers von Palenque ca. 700 nach Christus hat die Natur das Gebiet zurückerobert. Spannend zu besichtigen sind also nicht nur die auf dem Hauptgelände gelegenen Pyramiden sondern auch die noch im Dschungel versteckten Exemplare. Da diese alleine nicht zu finden sind, teilten wir uns mit einer deutschen Reisegruppe die Kosten für einen Guide. Wir streiften durch den Dschungel, krochen in Höhlen, durchquerten Aquädukte und lernten so einiges über die Vegetation. Ein faszinierender Einblick in die Kultur der Maya und ein guter Auftakt für die noch anstehenden Ruinen in Yucatán.

Delfine am Freedom Shore

Ein Sprung ins Meer kann nie schaden. Und so planten wir auf dem Weg nach Yucatán eine Nacht bei den Freedom Shores auf Isla Aguada ein. Eine Empfehlung von Bastian aus Deutschland, welcher seit zwei Jahren mit einem selbstumgebauten Krankenwagen unterwegs ist. Delfine soll man dort sehen können. Mal schauen, ob wir Glück haben. Kurz nachdem wir unsere Stühle in den Sand gestellt haben, tauchen sie am Horizont des Meers auf. Faszinierend. Wir sitzen einfach eine Weile da und beobachten diese schönen Tiere, wie sie elegant aus dem Wasser gleiten oder mit der Schwanzflosse aufs Wasser schlagen. Ein erholsamer Abend auf diesem schönen Camping direkt am Meer. Am nächsten Morgen brechen wir auf nach Uxmal, zu einer weiteren beindruckenden archäologischen Maya Fundstätte.

Manchmal muss man es sich verdienen

Auf dem Weg nach Uxmal wird uns wieder einmal bewusst, dass man sich hier in Mexiko nicht auf herkömmliche Navigationssysteme wie Google, Here oder maps.me verlassen sollte. Kurz vor Ankunft lotst uns die freundliche Stimme von maps.me auf eine unmögliche Strasse. Zuerst scheint noch alles in Ordnung. Die Strasse ist zwar etwas schmaler aber immerhin asphaltiert. Von Kilometer zu Kilometer wird sie dann aber immer löchriger und verwandelt sich schliesslich in eine komplett überwachsende Dreckstrasse. Der krönende Abschluss ist dann nach mehr als einer Stunde Fahrt ein verschlossenes Tor. Wir befinden uns in einer Sackgasse, irgendwo im nirgendwo, bei Anbruch der Dunkelheit. Die einzige Option ist wenden und wieder ein Stunde zurückfahren. In kompletter Dunkelheit erreichen wir dann mit zwei Stunden Verspätung unser Ziel. Ein Parkplatz in der Nähe von Uxmal, wo man sicher übernachten kann.

Sonnenanbeter und gut erhaltene Pyramiden

Die archäologische Fundstätte Uxmal ist zwar sehr teuer, lohnt sich aber zu besichtigen. Neben den super erhaltenen Pyramiden kann man auf dem Gelände auf die unzähligen Leguane beobachten, die sich auf den Ruinen räkeln. Zudem verirren sich nicht so viele Touris hier hin und gerade am Morgen ist die Stimmung sehr schön und mystisch.

Kein allzu guter Start ins 2022

Für Silvester wollen wir in die Stadt. Mérida liegt auf dem Weg. Leider gibt es dort aber keine Campingplätze und deshalb lassen wir Beat schweren Herzens in einem Estacionamiento zurück. Die erste Nacht im Hotel seit langem. Wie bei uns ist an Silvester alles etwas anders. Und so landen wir in einem Restaurant mit Silvestermenü, übertriebener Dekoration und mässig guter Livemusik. Unsere Begeisterung hält sich in Grenzen. Da dann am ersten Januar fast alles geschlossen ist, brechen wir gleich wieder auf.

Leider ist Beat ebenfalls nicht optimal ins neue Jahr gestartet. Bei einem der 1000 Topes der Vortage hat eine Schraube rausgeragt. Wir haben einen Platten! Zum Glück finden wir trotz Feiertag eine Werkstatt, die unseren Pneu flickt. Denn es ist über 30° Grad warm und unsere Lust in Mitten der Stadt in der gleissenden Sonnen den Reifen zu wechseln hält sich stark in Grenzen. Innerhalb einer Stunden und für den unschlagbaren Preis von 150 Pesos (CHF 4.50) wird Beat verarztet. Auf gehts zu den Flamingos nach Celestún.

Flamingos in freier Wildbahn

Im Westen der Yucatán Halbinsel liegt der kleine Ort Celestún. An sich nichts Spezielles, wäre da nicht das Naturschutzgebiet Ría Celestún mit den Flamingokolonien. Bei Ría Celestún handelt es sich um eine Lagune bestehend aus Salz- und Süsswasser. Das Wasser ist seicht und umgeben von Mangrovenwäldern. Perfekt für Flamingos. Denn obwohl sie ihr ganzes Leben im Wasser verbringen, können sie nicht schwimmen. Es ist also entscheidend, dass sie stehen können. Mehr als zwölf Stunden am Tag filtern sie mit ihren Schnäbeln den schlammigen Untergrund nach Nahrung und waten mit ihren langen, dünnen Beinen gemächlich durchs Wasser. Von einem kleinen Boot aus, konnten wir diese faszinierenden Tiere aus nächster Nähe beobachten. Bei der anschliessenden Fahrt durch den Mangrovenwald begegneten wir dann auch noch einem bezaubernden Eisvogel, einem Silberreiher sowie einem perfekt getarnten Vogel, dessen Namen uns noch immer unbekannt ist. Diese Vögel konnten unseren Fehlstart ins neue Jahr sofort wieder korrigieren.

Auf nach Chiapas

Tag 54 bis 60

Nachdem wir in Oaxaca Stadt wieder Energie getankt hatten, stand als nächstes der vielseitige Staat Chiapas auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin wollten wir es uns aber natürlich nicht nehmen lassen, auch noch einen kurzen Stopp am Meer einzulegen. Denn neben gutem Essen bietet der Staat Oaxaca auch wunderschöne Strände.

Nach fast zwei Monaten in Mexiko haben wir dazugelernt und hatten daher nicht den Ehrgeiz die gesamte Strecke bis zum Meer in einem Tag zu fahren. Insbesondere, da diese mehrere hundert Kurven und stolze 3000 Höhenmeter umfasst. Wir planten einen Übernachtungsstopp auf der Passhöhe im Mushroom-Dorf San José del Pacifico ein. Aufgrund der bereits seit Jahrzehnten existierenden Maya-Zerominen sind dort halluzinogene Pilze legal. Dies zieht Hippies und Touristen aus aller Welt an. Wir verzichteten auf dieses Erlebnis und fuhren am nächsten Morgen zügig weiter nach Huatulco an den Strand. Dort verbrachten wir zwei gemütliche Nächte, machten eine Schnorchel-Tour und tauschten uns mit unseren Camping-Nachbarn aus Bern aus.

Weihnachten am Strand oder in den Bergen?

Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns Weihnachten in San Cristóbal de las Casas im Hochland zu verbringen und nicht nach Puerto Escondido zu fahren. Denn die Rezensionen im Netz liessen nicht viel Positives an den Camping-Plätzen dort. Ein guter Entscheid, wie sich später herausstellte. Denn eine Woche später erfuhren wir, dass unseren Berner Nachbarn auf einen Supermarkt-Parkplatz in Puerto Escondido das Auto aufgebrochen und die Pässe gestohlen wurden.

Eine Strassensperre auf dem Highway nach San Cristóbal.

Wir machten uns also auf den Weg in den sehr armen, aber kulturreichen Staat Chiapas. Rund fünf Millionen Menschen leben in Chiapas, davon eine Million mit indigenen Wurzeln. Trotz der hohen Armutsrate gilt Chiapas als sicher, da die Kartelle hier nicht aktiv sind. Dafür machen die Einwohner ihre eigenen Gesetze. Mittels Strassensperren treiben sie Geld ein für Kindergärten, Strassenunterhalt oder den Wahlkampf ihrer Politkandidaten. Da wir bereits im Voraus informiert wurden, dass dies auf der Strecke nach San Cristóbal de las Casas häufig vorkommt, waren wir nicht erstaunt. Gewöhnungsbedürftig ist es trotzdem, da einige der Männer vermummt und mit Macheten und Schlagstöcken bewaffnet waren. Solange man bezahlt, sind aber alle friedlich und durchaus freundlich. Später begegneten wir dann auch Kindern, die Seile über die Strassen spannten und etwas verkaufen wollten.

San Cristóbal de las Casas

San Cristóbal de las Casas ist eine bezaubernde, verwinkelte Stadt mit steilen Gassen, farbigen Häusern, Streetart, hübschen Kirchen und lebhaften Märkten. Sie war früher die Hauptstadt von Chiapas und ist immer noch sehr belebt. Die Strassen von San Cristóbal sind geprägt von Verkäufern in traditioneller, farbenfroher Kleidung. Meist mit mindestens einem Kind auf dem Rücken wird allerlei verkauft. Moos und Blumen für die Weihnachtskrippe, Kleidung und Schmuck sowie Nüsse und Früchte. Es gilt, früh übt sich. Unter den Verkäufern hat es auch unzählige Kinder. Ein tiefer Einblick in die indigenen Kulturen blieb uns leider verwehrt, zu gross war die Distanz und die Kontaktaufnahme gestaltete sich schwierig. Leider! Aber wir haben ja noch so einige Destinationen und Länder vor uns, welche durch die Kultur der Mayas geprägt wurden. Wer weiss, vielleicht haben wir das nächste Mal mehr Glück.

Im Zentrum der Stadt tummelt sich ein Mix aus Backpackern, Einheimischen und Reisenden, die nicht mehr wegkommen. Wir haben uns auf einem Camping etwas ausserhalb einquartiert und Beat festlich geschmückt.

San Cristóbal ist der perfekte Ort, um Weihnachten zu feiern, denn in der Nacht wird es bis zu 5 Grad kalt. Für das Weihnachtessen haben wir uns auf dem lokalen Markt eingedeckt. Anders als bei den bisherigen Märkten sind hier Gemüse und Früchte in kleinen Behältern fein säuberlich aufgetürmt. Zum Kaufen und Probieren gibt es alles was das Herz begehrt. So auch alle Zutaten für unseren Glühwein, welchen wir zum Apéro draussen an der Kälte genossen. Den Rest des Menüs assen wir dann im wohlig warm geheizten Bus. Es fühlte sich fast wie Weihnachten an.

Eingequetscht wie Sardinen zum Cañón del Sumidero

Da wir insgesamt vier Nächte in San Cristobal verbrachten, entschlossen wir uns von dort aus einen Tagesausflug zu dem mehr oder weniger nahe gelegenen Cañón del Sumidero zu unternehmen. Nur eines der vielen einzigartigen Naturschauspiele in Chiapas. Der Fluss «Rio Grijalva» fliesst von Guatemala her nach Mexiko und hat sich durch den gesamten Gebirgszug durchgefressen. Dabei ist der mehr als 1000 Meter hohe, beeindruckende Cañón entstanden. Bei der Bootstour kommen wir aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Am Rande des Flusses räkeln sich Krokodile, auf den Bäumen turnen Spider Monkeys rum und im Wasser machen es sich verschiedene Vögel gemütlich. Der lange Weg zuhinterst im kleinen, stickigen Touribus ohne Federung hat sich definitiv gelohnt. Müde aber zufrieden kehren wir nach San Cristóbal zurück.

Ruhige Tage im Hochland

Tag 47 bis 53

Von Puebla haben wir bereits in den ersten Tagen in Mexico City Gutes gehört. Wir haben uns da aber gegen einen Tagesausflug entschieden. Nun machten wir dank dem «Umweg» über das Hochland doch noch einen Stopp in der VW-Käfer-Stadt.

Der grösste Arbeitgeber in Puebla ist VW. Der originale Käfer wird seit 2003 nicht mehr hergestellt, dafür aber viele andere VW-Modelle. Auf den Strassen ist das Kult-Auto aber immer noch vertreten. Puebla zählt 1.5 Millionen Einwohner und ist damit die viertgrösste Stadt in Mexiko. Trotzdem hat sie eine sehr schöne und ruhige Altstadt und lädt zum flanieren ein.

Ebenfalls sehr sehenswert ist der 40 Minuten entfernte Vorort Cholula, wo wir uns für zwei Nächte einquartiert haben. Wie in fast allen grösseren Städten Mexikos gibt es auch hier an jeder Ecke Collectivos. Das sind Sammeltaxis, die Vororte oder verschiedene Stadtteile miteinander verbinden.

Ein Verkäufer im Collectivo-Taxi. Während der Fahrt kann man sich bequem mit Süssigkeiten eindecken.

Für acht Pesos kann man so lange und so weit fahren wie man möchte. Wenn wir also nicht mit dem Fahrrad in die Stadt fahren, ist dies meist die gewählte Fortbewegungsart. Die Fahrt ist garantiert rasant und Platzangst sollte man auch nicht haben. Denn die Minibusse werden gefüllt bis es nicht mehr geht. Es ist aber trotzdem immer ein Erlebnis und bietet auch die Möglichkeit mit den Locals in Kontakt zu kommen.

Besonders beeindruckt haben uns in Puebla und Cholula die Vulkane. Die Stadt ist umgeben von vier atemberaubenden Vulkanen. Im Westen, sehr Nahe an der Stadt liegend, der Popocatépetl (5465m) und der Iztaccíhuatl (5230m), im Norden etwas weiter weg der La Malinche (4420) und im Osten der Pico de Orizaba (5610 m). Natürlich wollte es sich Bryan auch nicht nehmen lassen, diese Kulisse fotografisch festzuhalten. Ein wunderschönes Motiv gibt die Kirche von Cholula vor dem beeindruckenden Popocatépetl ab.

Foodparadies Oaxaca

Weiter ging es in das kulinarische Mekka Oaxaca. Mehr als sieben verschiede Arten von Mole soll es hier geben sowie die mexikanische Form der Pizza die Tlayuda. Wir machten es uns auf einem sehr komfortablen Camping etwas ausserhalb der Stadt gemütlich und verbrachten in und um Oaxaca rund fünf Tage. Die Stadt selbst hat uns gut gefallen, schafft es aber vermutlich nicht in die Top 5. Umso schöner ist dafür die Umgebung. Zudem hat es uns gut getan, hier etwas zur Ruhe zu kommen. Nach den vielen zurückgelegten Kilometern brauchten wir diese Pause dringend.

Hierve el Agua – Naturwunder in den mexikanischen Bergen

An unserem letzten Tag vor Abreise machten wir einen Tagesausflug zum «Hierve el Agua». In den Bergen von Oaxaca haben sich beindruckende Kalkbecken sowie ein versteinerter Wasserfall gebildet. Grund dafür ist das stark mineralhaltige Wasser. Auch hier galt es wieder, möglichst früh los, damit wir beim Eintreffen der Touren schon wieder weg sind. Zudem mussten wir einmal mehr unseren ganzen Mut zusammennehmen. Denn die Hauptstrasse wurde vor einem Jahr gesperrt und der einzige Weg führt daher über eine 19 Kilometer lange unbefestigte Pass-Strasse. Mittlerweile haben wir uns aber zum Glück schon daran gewöhnt mit Beat schier unmögliche Strassen zu bewältigen. Trotzdem waren einige Locals recht erstaunt, als sie uns in den Bergen begegneten. 🙂

Ein kleiner Einblick in die abenteuerlichen Strassen Mexikos und wie wir diese mit unserem Möchtegern 4×4 Bus bewältigen. Trotz mehr als 3 Tonnen Gewicht und Frontantrieb ist so Einiges möglich.

Erfahrungen zur Verschiffung von Bremerhaven nach Veracruz

Alles was nicht niet- und nagelfest ist wird geklaut – Schadensumme CHF 5000.-

Hier ist er endlich: Der Nachtrag zur Verschiffung. Mit etwas Abstand zu diesem Thema, möchten wir euch unsere persönliche Erfahrung kundtun und einige Tipps mit auf den Weg geben. Im Vorfeld haben wir viel zum Thema Verschiffung recherchiert und sind auch immer wieder über das Thema Diebstahl gestolpert. Was von diesen Schauerstories wahr ist und was nicht konnten wir nicht richtig einschätzen. Jetzt wo wir unsere eigenen Erfahrungen mit den Langfingern gemacht haben, wissen wir, dass die Geschichten die man im Netz findet keineswegs übertrieben sind. Leider!

Bei uns ist ein Schaden von rund CHF 5000.- entstanden. Der grösste Teil davon ist unseren Gravel Bikes zu verdanken. Diese waren auf Empfehlung der Verschiffungsgesellschaft aussen am Veloträger montiert und ganze vier Mal abgeschlossen.

Beat noch vollgepackt in Bremerhaven

So staunten wir in Veracruz nicht schlecht, als Beat ohne Velos auf dem Buckel da stand. Im Innenraum fühlten sich die Langfinger offensichtlich wie im Schlaraffenland. Von heiss geliebten Messern, einer Kaffeemühle über Korkenzieher bis hin zu Sonnencréme, Waschlappen, Staubsauger, Milchschäumer, einer Lichterkette, USB-Kabeln etc. wurde alles mitgenommen. Nichts war vor ihnen sicher. Sogar einer unserer beiden Eierbecher hat den Besitzer gewechselt. Danke an dieser Stelle…🤬

Wertgegenstände, wie Laptop, Kamera und sogar unser Autoradio waren selbstverständlich nicht im Beat. Diese hatten wir bei unserer persönlichen Einreise dabei.

Doch, wie konnte es so weit kommen?

Gemäss unserer Verschiffungsgesellschaft, Seabridge, seien die Horrorgeschichten im Internet, bei denen die Camper komplett ausgeräumt werden, völlig übertrieben. Unsere Erfahrung zeigt nun, dass diese bei langem nicht frei erfunden sind. Die Probleme liegen auf der Hand. Da Beat nicht in einen Container passt, mussten wir uns mit RoRo (Roll-on/Roll-off) begnügen. Bei dieser Verschiffungsart muss der Schlüssel in Bremerhaven abgeben werden und jemand fährt das Fahrzeug aufs Schiff. Unser Bus stand zudem mindestens zehn Tage in Bremerhaven aufgrund einer verspäteten Abfahrt und weitere drei Tage in Veracruz. Ausserdem hat das Schiff unterwegs mindestens zehn weitere Häfen angefahren. Die Diebe hatten somit mehr als genug Zeit und offenbar auch unseren Autoschlüssel. Dies sollte eigentlich nicht so sein. Gemäss Vorinfo wird dieser nach dem Festzurren des Fahrzeugs auf dem Schiff sicher verwahrt.

Was zum Geier heisst „blickleer“?

Das Risiko mit guten Velos auf dem Veloträger war uns natürlich bewusst. Ursprünglich wollten wir diese eifach im Innenraum gut festzurren und die Fahrerkabine vom Wohnraum mittels Holzplatte abtrennen. Die Redereien erlauben es jedoch nicht (mehr) Gegenstände offen im Innenraum der Fahrzeuge zu verstauen. Das Fahrzeug muss „blickleer“ sein. Das heisst alle Gegenstände müssen in Schubladen oder Schränken verstaut sein. Gemäss Seabridge zieht man Diebe mit einer temporären Wand zudem eher an, da man offensichtlich etwas zu verbergen hat. Deshalb haben wir darauf dann auch verzichtet und einfach noch eine Transportversicherung abgeschlossen. Diese wurde uns ebenfalls von Seabridge empfohlen.

Transportversicherung

Zum Glück haben wir die Transportversicherung für EUR 300.- abgeschlossen. Abschliessend beurteilen ob sich dies gelohnt hat können wir noch nicht. Wir warten seit sechs Wochen und mehrfachem Nachfragen noch immer auf eine erste Einschätzung. Persönliche Gegenstände sind möglicherweise nicht gedeckt.

Creepy Vorstellungen

Wir waren nicht die Einzigen die von Diebstahl betroffen waren. In unserem „Verbund“ in Veracruz mussten auch andere kleinere Schäden feststellen. Skateboards, Campingstühle und Messer kamen da weg. Bei jemandem wurde sogar der Lattenrost kurzerhand entfernt und alles in Armlänge durchwühlt. Als wäre der Diebstahl nicht schon genug. Ein Schweizer Paar fand Zigarettenkippen- und Asche im Innenraum. Auch bei uns fanden wir Flecken auf unserem Sitzpolster vor. Es scheint ein gemütlicher Diebeszug gewesen zu sein.

Learnings für die nächste Verschiffung

  • Keine gut aussehende Bikes auf dem Veloträger
  • Falls es irgendwie geht, die Bikes komplett auseinander nehmen und in der Schublade verstauen
  • Alles was geklaut werden könnte, verstauen wir im Kofferraum. Ohne das Öffnen der Hintertüren, wo ein Zusatzschloss, mit separatem Schlüssel hängt, kommt man da nicht hin.
  • Allenfalls geben wir beim nächsten Flug noch einen dritten Koffer auf, um Beat möglichst leer zu verschiffen. Der Verlust, und vor allem der Ärger, nach einem Diebstahl ist um ein Vielfaches höher, als die Zusatzkosten für ein extra Gepäckstück.
  • Genaues Inventar führen und gegebenenfalls vorab der Versicherung zukommen lassen
  • Jeweils einen AirTag (GPS Tracker) im Beat und in den Velos verstecken

Fazit

Auch wenn wir irgendwie mit dem Diebstahl der Velos gerechnet haben, ist es trotzdem schockierend es selber zu erleben. Wir mussten uns echt einige Tage sammeln. Der Aufwand alles zu ersetzen und der Versicherung nachzurennen ist sehr ärgerlich. Am schlimmsten ist jedoch der Fakt, dass man nicht weiss, wo auf der ganzen Route der Diebstahl passiert ist. Das Spekulieren überlassen wir jedoch andern, wir reisen lieber weiter 😉. Mittlerweile sind wir wieder gut ausgerüstet. Sogar die neuen „low-profile“ Velos machen Spass.

Von 0 auf 3200 Meter über Meer

Tag 39 bis 46

Mexiko bietet was das Klima und die Vegetation angeht eine riesige Varietät. Und genau diese schöpften wir mit unserer Zickzack-Route einmal mehr aus. Vom am Meer gelegenen Manzanillo ging es in die Kolonialstadt Morelia (2500 m.ü.M) sowie schliesslich in ein Schmetterling-Reservat auf stolzen 3200 Metern.

Das merkt nicht nur Beat. Auch für unsere Körper sind die Temperatur- und Höhenunterschiede nicht immer ganz ohne. Nichts desto trotz freuten wir uns nach der tropischen Nacht in Manzanillo unglaublich auf kühlere Temperaturen. So blieb die Heizung bei der ersten Übernachtung trotz Tiefsttemperatur von 7 Grad aus.

Da Morelia in einer Tagesetappe nicht zu erreichen war, planten wir eine Nacht auf einem Camping in der Mitte ein. Die Übernachtung dort nutzten wir, um unsere neuen Mountainbikes einzuweihen und wieder einmal Wäsche zu waschen. Leider schafften wir es dann am nächsten Tag nicht wirklich weit. Die mit Löchern übersäte, halb geteerte Strasse machte Beat schwer zu schaffen. Von einer Sekunde auf die andere leuchtete die Motorwarnlampe auf, begleitet von dezenten Rauchschwaden, welche aus der Motorhaube austraten. Unsere erste Panne.

«Zum Glück ist in Mexiko gefühlt jeder zweite Einwohner Automechaniker. Auf Hilfe muss man daher nie lange warten»

Zu unserem Glück direkt vor einem Mini-Super-Mercado mit einem netten Besitzer. Nach kurzer Begutachtung war klar, dass wir kein Kühlwasser mehr hatten. Leider half nachfüllen auch nicht, denn der Schlauch war gerissen. Der Mercado-Besitzer verständigte auf unsere Bitte hin einen Automechaniker, der direkt zu uns kam und Beat am Strassenrand notoperierte. Und das ganze für 300 Pesos (CHF 15.-). Für diesen Preis und die Hilfsbereitschaft verziehen wir ihm dann auch, dass er das falsche Kühlwasser einfüllte, welches wir später wieder ablassen mussten.

Ein Hotel Parkplatz voller positiver Überraschungen

Eigentlich wollten wir am selben Tag noch nach Morelia. Die Panne hatte uns aber mehr als 3h Zeit gekostet und daher mussten wir auf dem Weg nochmals übernachten. Auf iOverlander fanden wir einen Parkplatz, der nicht besonders schön, aber sehr günstig war und direkt auf unserer Route lag. Weil wir nicht auf die Sanitäranlagen vom Hotel angewiesen waren, durften wir sogar gratis übernachten. Nach dem Abendessen klopfte dann Carlos an unsere Tür. Er ist Polizist und im Hotel untergebracht. Wie es sich in Mexiko gehört kam er nicht mit leeren Händen. Er brachte uns selbst gemachten Honig, Wasser, Brot, Tee und sogar ein Necessaire mit. Wir revanchierten uns mit Schokolade. Kurzum luden wir ihn ein reinzukommen , unterhielten uns in gebrochenem Spanisch und machten Fotos. Eins ist klar; nun haben wir auf Lebzeiten Polizeisupport in Mexiko.

Der von Abfall gesäumte Parkplatz und die ausgetrockneten Streifen Rasen entsprachen in etwa dem was wir erwartet hatten. Die Begegnung mit Carlos sowie das Auftauchen einer Schaf- und Ziegenherde am nächsten Morgen, machten diesen Stellplatz aber trotzdem speziell. Es war quasi Liebe auf den zweiten Blick.

Morelia – Zwei Tage in der bezaubernden Hauptstadt von Michoacan

Nach Morelia verirren sich nicht viele Touristen. Denn es handelt sich um die Hauptstadt von Michoacan, einem der als «nicht sicher» eingestuften Staaten. Morelia selbst gilt aber seit einigen Jahren bereits wieder als sicher und trumpft mit wunderschönen Kirchen und einem beeindruckenden Aquädukt auf. Wir nahmen uns zwei Tage Zeit die Stadt zu erkunden, besuchten verschiedene Märkte, ein Museum und fuhren mit unseren Bikes dem Aquädukt entlang. Unsicher fühlten wir uns nie. Im Gegensatz zu anderen Städten fielen wir hier aber schon etwas mehr auf. Aber wir haben uns mittlerweile schon daran gewöhnt, dass wir öfters Mal angestarrt werden. Meist winken wir dann einfach freundlich und werden mit einem Lächeln belohnt.

Schmetterlinge wohin das Auge reicht

Als letzter Stop auf dieser Etappe stand das Naturreservat der Monarch Schmetterlinge auf dem Plan. Abertausende Schmetterlinge fliegen jedes Jahr in riesigen Kolonien von Kanada nach Mexiko in ihr Winterquartier. Und dort kann man sie wunderbar beobachten. Wir übernachteten direkt vor dem Eingang zum Reservat auf 3200 Metern und waren ziemlich froh um unsere Gasheizung und den wärmenden Älpler-Onepot. In der Nacht fiel das Thermometer auf unter 0 Grad und die Wiese rund um Beat war am nächsten Morgen mit Bodenfrost gezuckert.

Wir brachen mit der Sonne und den ersten Tagestouristen um 9 Uhr auf und erforschten die Wälder. Die Schmetterlinge sammeln sich immer an den exakt gleichen Orten und lassen sich daher hervorragend beobachten. Mit der Kamera einfangen lässt sich dieses Naturspektakel nur teilweise. Zu flink sind die orange leuchtenden Mariposas und vor allem zu hoch in den Bäumen. Nach zwei wunderbaren Nächten in der Stille der Natur geht es wieder in die Stadt. Nächster Stopp –> Cholula, Puebla.

Dschungel, Traumstrände & eine Schiesserei

Tag 31 bis 38

Nach mehr als einer Woche im Landesinneren von Mexiko machten wir uns auf den Weg an den Strand. Um von Guadalajara an den Pazifik zu gelangen, stand uns eine vierstündige Fahrt bevor.

Wie meistens war diese sehr kurzweilig. Links und rechts vom Strassenrand gab es auch auf dieser Etappe atemberaubende Natur zu bestaunen. Am meisten beeindruckt hat uns der wunderschöne Dschungel, in welchem gemäss den Warntafeln Jaguare leben. Zuerst waren wir etwas misstrauisch, nach der dritten Tafel war aber klar, dass es sich nicht um einen Joke handelt. Leider hat keiner unseren Weg gekreuzt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Nach etwas mehr als 4 Stunden, etlichen Kurven und rund 2000 Höhenmeter Differenz, erreichten wir unser Ziel: einen Stellplatz bei einem Hotel zwischen riesigen Fächerpalmen. Am nächsten Tag ging es an die Chacala Beach. Dort kann man direkt am Strand campen und ist während der Woche praktisch allein. Der perfekte Ort um dem Meer zu lauschen und die Seele baumeln zu lassen. Wir blieben zwei Nächte. Bis jetzt definitiv unser Lieblingsplatz.

Im kleinen Dorf findet man alles was man braucht, es gibt zwei bis drei kleine Strandrestaurants und rudimentäre Sanitäranlagen, die man für 5 Pesos (20 Rappen) nutzen kann. Wir haben vorher unseren Kühlschrank gut gefüllt und daher selbst gekocht. Wie es sich an der Küste gehört, gab es leckeres aus dem Meer. Arroz de Camarones sowie Fischfilet mit Salat und Knoblauchbrot.

Sayulita – überlaufenes Hippiedorf

Wir haben gutes und schlechtes über Sayulita gehört. Wie immer, wollten wir uns selbst ein Bild machen und verbrachten daher zwei Nächte auf einem etwas in die Jahre gekommenen Camping. Der Ort selbst war uns zu touristisch und daher haben wir das Zentrum eher gemieden. Vom Strand aus kann man aber eine sehr schöne Dschungelwanderung unternehmen. Neben der tropischen Pflanzenvielfalt gibt es unterschiedlichste Schmetterlinge, Echsen und aussergewöhnliche Spinnen zu bestaunen.

Leider haben wir auch einige Mückenstiche als Souvenir mitgebracht. Aber das war noch das kleinste Übel. In Sayulita grassierte gerade das Norovirus und Bryan wurde von den Viren erwischt. Den restlichen Tag verbrachte er daher in der Hängematte mit Ingwertee und Bouillon. Man kann sagen, es ging im hundeelend. Kein Wunder, wollten wir dann am nächsten Tag schnell weg.

Gefährlich oder nicht?

Nach einem kurzen Übernachtungstopp in La Manzanilla ging es in den Ferienort Manzanillo. Da wir uns nicht sicher waren, ob es möglich ist, der Küste entlang bis nach Puerto Escondido zu fahren, wollten wir uns vorher Rat holen. Trotz mehreren Gesprächen mit Reisenden und Locals, hatten wir immer noch kein klares Bild in Bezug auf die Sicherheit auf dieser Route. Die Meinungen lagen zu weit auseinander.

Zum Glück haben wir auf dem Flug von Zürich nach Mexiko-City Kevin aus Kanada kennengelernt und uns auf Instagram vernetzt. Er verbringt jedes Jahr mehrere Monate in Colima und hat sich auf unsere Anfrage hin umgehört. Bei einem Lunch in einem wunderbaren Seafood-Restaurant am Strand rät er uns dringlich davon ab, der Küste entlang weiter südlich zu reisen. Touristen werden zwar von Gewalt meist verschont, da sich die Konflikte zwischen den Kartellen abspielen. Trotzdem sollte man es aber nicht unbedingt riskieren, diese als gefährlich eingestuften Gebiete, zu durchqueren. Lieber wieder ins Hochland nach Morelia und von dort aus via Puebla nach Oaxaca. Das klingt nach einem Plan.

Mehr als 100 Schüsse – eine denkwürdige Nacht

Nach dem Mittagessen mit Kevin war es bereits nach vier. Daher entschieden wir uns nicht mehr weiterzufahren, sondern die Nacht auf dem Walmart-Parkplatz zu verbringen. Nichts ahnend sassen wir beim Abendessen, als sich der Parkplatz mehr und mehr mit Militär- und Polizei-Pickups füllte. Trotz Vollmontur und schwerer Bewaffnung sah es aber für uns so aus, als würde der ganze Trupp einfach die Pause direkt bei uns verbringen. Die Stimmung schien ausgelassen, sie grüssten freundlich und wünschten uns guten Appetit. Nach einer Runde Uno legten wir uns daher ins Bett und schliefen trotz Hitze einigermassen schnell ein.

Die Polizei in Mexiko – stets in Vollmontur

Während ich tief und fest schlief, wurde Bryan ca. um drei Uhr nachts von Schüssen, Schreien und quietschenden Reifen geweckt. Nicht weit entfernt, muss es zu einem grossen Einsatz gekommen sein. Einzelne Schüsse und Serienfeuer wechselten sich ab und liessen Bryan das Blut in den Adern gefrieren. Von alle dem habe ich erst am nächsten Morgen erfahren. Am besten einfach verharren und abwarten war die Strategie. Und da Bryan mich nicht unnötig in Panik versetzen wollte, hat er mich nicht geweckt. Das war aber für uns definitiv der ausschlaggebende Punkt, unseren Weg in Richtung Inland fortzusetzen.

Grundsätzlich fühlen wir uns in Mexiko sehr wohl und auch Manzanillo gilt als sicher. Zudem denken wir, dass uns die Polizei weggeschickt hätte, wäre es für uns gefährlich gewesen. Es hat uns aber gezeigt, dass wir Vorsicht walten lassen müssen und uns auf den Rat der Locals sowie unser Bauchgefühl verlassen sollten.